Als Unternehmerin und Geschäftsführerin des Zurich Film Festival gehört das Verhandeln für Nadja Schildknecht zur Grundausstattung. Im Gespräch erzählt sie, wie sie solche Gespräche angeht, wo die Stolpersteine liegen und wie sie zum Ziel kommt.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Schildknecht, wie bereiten Sie sich auf Verhandlungen vor?

Nadja Schildknecht: Mit meinem Team überlegen wir uns vorab, was wir uns für eine Zusammenarbeit vorstellen, auch was wir als Return of Investment von unserer Seite angebracht finden. Positiv denkend und mit dem Wissen, was ich sicher benötige, gehe ich in ein Gespräch.

Sind Sie dann in der Verhandlung eher strategisch oder eher intuitiv? Ich operiere in der Verhandlung sehr lösungsorientiert, das heisst, dass sich im Gespräch oft weitere Ideen auftun, Möglichkeiten, mit denen ich vorher nicht gerechnet habe, so ergänze ich nicht selten mitten im Gespräch meine Anfangsvorstellung. Verhandlung ist für mich auch eher ein negativ behaftetes Wort. Ich führe Gespräche und bewege mich zusammen mit meinen Gesprächspartnern zu einem Ziel, welches beiden Parteien passt, so dass die Partnerschaft, wie ich die Zusammenarbeit nenne, auch in Folgejahren weitergeführt werden kann.

Welcher Typ Verhandlungspartner ist dann schwierig für Sie? Für mich ist ein Gesprächspartner schwierig, der eine festgefahrene Meinung hat, nicht bereit ist, seine Position zu überdenken oder zumindest eine gemeinsame Lösung anzustreben. Je nachdem, mit wem ich das Gespräch führe und um welches Thema es sich handelt, kann oder muss ich dann auch bestimmt werden.

Wie haben Sie das Verhandeln gelernt? «Learning by doing». Seit Beginn musste ich sehr viele Verhandlungen und zum Teil sehr schwierige Gespräche führen. Nur so konnten wir das Festival kontinuierlich erfolgreich weiterentwickeln. Sicher habe in den Jahren viel dazugelernt, aber oft ist der Grad sehr schmal und man muss selbst wissen und spüren, wie weit man bei einer Verhandlung gehen kann. Dieses Gefühl, diese Intuition ist per se nicht erlernbar. Was mir seit Beginn zudem wichtig war, ist, dass ich nicht einfach ein Verkaufsgespräch führe und dann nicht einhalte, was ich verspreche, sondern eben eine Verhandlung, welche am Schluss beide Parteien zufriedenstellt.

Und was machen Sie, wenn es mal nicht so läuft? Ich gebe nicht schnell auf, und nach der ersten Enttäuschung versuche ich wieder mit voller Energie zu überlegen, wie ich zu meinem Ziel kommen kann. Ideen dazu kommen nicht selten beim Sport, am Abend oder in der Nacht. Eine Unternehmerin bleibt immer eine Unternehmerin, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Woher kommt diese Motivation? Energie und Wille, gepaart mit Beharrlichkeit entspricht meinem Naturell. Du kannst schwimmen oder untergehen und ich habe mich seit jeher für das Schwimmen entschieden. Nächster Tag – neue Möglichkeiten. Das widerspiegelt sich auch bei meinen Mitarbeitern. Auch sie haben gelernt, nie aufzugeben. Die unendlichen Hürden, welche uns in den letzten 15 Jahren in den Weg gestellt wurden, haben mich, aber auch unser Team nur stärker gemacht.

Warum haben Sie nie aufgeben? Als Unternehmerin ist man sicher noch mehr bereit, einen harten und langen Weg zu gehen für den Erfolg des Projekts. Zudem hat mich meine Leidenschaft für den Film, für das Festival selbst täglich motiviert weiterzumachen. Über 100‘000 Besucher, über 200 Partnerschaften mit Unternehmen, viele Persönlichkeiten, welche das Festival beehren, zeigen, dass es richtig war, nie aufzugeben.

Was passiert in der Zukunft mit Ihrer Energie, das Festival geben Sie ja auf? Ich gebe es nicht auf – ich gebe es ganz bewusst und überlegt weiter. Es war ein gut überlegter Entscheid, der in den letzten drei Jahren gereift ist. Wir haben ja eine grosse Verantwortung, gegenüber dem Team, dem Publikum und den Sponsoren. Deshalb wollten wir als Unternehmer frühzeitig überlegen, wie wir das Festival für die Zukunft aufstellen müssen, sodass es gesichert in neue Hände übergeben werden kann. Nun der Zeitpunkt, zu dem unser Team stark ist und von uns so aufgebaut wurde, dass es alleine weiter funktionieren kann. Mit der Übergabe habe ich auch selbst die Möglichkeit, noch weitere Projekte zu entdecken und mitentwickeln zu können. Dies konnte ich in den letzten 15 Jahren nicht, das Festival hat mehr als 100% meiner Arbeitszeit in Anspruch genommen.

Was wünschen Sie dem ZFF für die Zukunft? Möge es sich weiterhin gut entwickeln und wachsen und allen Gästen und Besuchern Freude bereiten!

Planen Sie nun weitere Projekte im Filmbereich oder auch in ganz anderen Bereichen? Ich habe ab dem Jahr 2020 noch keine konkreten Pläne, da ich zurzeit mich auf das diesjährige Festival konzentrieren möchte. Mein Interessensfeld ist breit und ab dem Jahr 2020 kann ich mir dazu mehr Gedanken machen. Ich habe ein Unternehmen aufgebaut und stetig weiterentwickelt, ein Markenaufbau liegt mir. Auch Verwaltungsratsmandate sind spannend, ebenso wie Beratung. Aber sicher bin ich auch eine Frau, welche gerne umsetzt. Das heisst, dass ich eine Führungsposition nach wie vor spannend fände. Der Film bleibt sicher meine Leidenschaft, das muss aber nicht zwingend im Business stattfinden.

Ihr Kontaktnetz ist sicher beeindruckend gross. Wie pflegen Sie das? Ich habe ein breites Netzwerk, sei es in der Wirtschaft, aber auch in der Kultur. Aber ich bin kein Mensch, der nur wegen der Pflege des Kontaknetzes ständig an Events geht.

Sie sind auch als Referentin an Wirtschaftsschulen tätig. Ihr Wissen an kommende Führungsgenerationen weiterzugeben: Würde Sie das reizen? Sicher ist es schön, sein Wissen weitergeben zu können, sei es mit Referaten oder aber auch mit Beratungsmandaten.

Und welche persönlichen Wünsche haben Sie für sich selbst? Gibt es einen Traum, den Sie sich gern erfüllen würden? Es gibt nicht den einen Traum für mich. Es gibt in dieser Welt noch so viel zu entdecken, ich freue mich auf die Zukunft!

Über Nadja Schildknecht:

2005 gründete die 46-jährige Unternehmerin mit Karl Spoerri das Zurich Filmfestival. Als Geschäftsführerin verantwortet sie die Finanzen, das Marketing, das Sponsoring und die gesamte Event-Organisation. Schildknecht ist Verwaltungsrätin in der AG Hallenstadion und u.a. Referentin an höheren Wirtschaftsschulen. 2020 wechselt sie in den Verwaltungsrat des Festivals.

Über das Zurich Film Festival:

Das Zurich Film Festival fand im Oktober 2005 zum ersten Mal statt. Es hat sich innerhalb weniger Jahre in der nationalen und internationalen Festivallandschaft etabliert. Seit der ersten Austragung ist das Festival kontinuierlich gewachsen. Es verzeichnete 2018 rund 104’000 Eintritte und zog mehr als 600 akkreditierte Filmschaffende sowie über 600 Medienschaffende aus aller Welt an. 120 Events werden in diesen elf Tagen umgesetzt und 500 Filmschaffende aus dem In- und Ausland präsentieren ihren Film dem Publikum persönlich. Im internationalen Wettbewerb konkurrieren aufstrebende Filmemacher/innen (erste, zweite oder dritte Regiearbeit) in drei Kategorien jeweils um den Hauptpreis, das Goldene Auge. Mit seinem Wettbewerb «Fokus» legt das ZFF einen besonderen Schwerpunkt auf das Filmschaffen der Filmländer Schweiz, Deutschland und Österreich. Ausser Konkurrenz präsentiert das ZFF die meisterwarteten Filme des Jahres (Galapremieren) und die schönsten Entdeckungen (Special Screenings). Es stellt junges Filmschaffen einer aufblühenden Filmregion (Neue Welt Sicht) vor sowie thematisch fokussierte Reihen wie «Border Lines» (Menschenrechte) und «Series». Rahmenveranstaltungen wie die «ZFF Master Class», der «Zurich Summit» und der «Filmmusikwettbewerb» machen das ZFF zu einer bedeutenden Networking-Plattform.

Vom 26. September bis 6. Oktober 2019 wird Zürich wieder zum Zentrum internationalen Filmschaffens werden, und das Publikum darf sich auf über 170 Filme freuen. Ticketverkauf und Informationen zum Programm finden sich auf zff.com.


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Die nächste WOMEN IN BUSINESS Ausgabe wird am 12.12.2019 lanciert
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