Die promovierte Neurobiologin ist seit Anfang des Jahres Geschäftsleiterin Alexion Pharmaceuticals Schweiz und Österreich. Das biopharmazeutische Unternehmen ist auf die Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von Therapien zur Behandlung von seltenen Krankheiten spezialisiert.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Nauli, Ihr Unternehmen entwickelt Medikamente für Krankheiten, die weitgehend unbekannt sind. Was ist für Sie das Spannendste an Ihrer Aufgabe? Und wo liegen die grössten Herausforderungen?

Bettina Nauli: An den Krankheiten, für die wir Therapien erforscht und entwickelt haben, leidet in der Schweiz nur eine sehr geringe Anzahl von Menschen (eine seltene Krankheit betrifft weniger als fünf Patienten pro 10’000 Einwohner, ultraseltene Krankheiten sogar weniger als einen pro 50’000) und bei vielen Patienten dauert es bis zur korrekten Diagnose Monate oder Jahre. Um dazu beizutragen, dass diese Menschen eine innovative und wirksame Therapie erhalten, die ihnen eine hohe Lebensqualität und Teilhabe am Alltag ermöglicht, gehe ich jeden Tag hochmotiviert zur Arbeit.

Für die Entwicklung von hochspezialisierten Therapien sind erhebliche Investitionen notwendig. Was sind die Herausforderungen bei der Entwicklung von Medikamenten für seltene Krankheiten?

Die Entwicklung von Arzneimitteln für seltene Krankheiten erfordert einerseits ein hohes Investitionsniveau, andererseits geht sie mit einem Misserfolgsrisiko einher, das oft grösser ist als das, das mit der Entwicklung von Arzneimitteln für häufiger auftretende Krankheiten verbunden ist. Zu den üblichen Schwierigkeiten im Forschungs- und Entwicklungsprozess kommen Herausforderungen wie die Heterogenität der Krankheit und das begrenzte Wissen darüber, die Anwendung von neuartigen Technologien, die schwierige Identifizierung von Betroffenen sowie die spezifische Logistik für die Durchführung klinischer Studien.

Worin könnte Ihrer Meinung nach der grösste medizinische Durchbruch in den nächsten Jahren liegen?

Heute gibt es für nur ca. 5 Prozent der ca. 7’000 seltenen Krankheiten eine Behandlungsoption – für die anderen
95 Prozent gibt es bisher keine Therapie. Viele seltene Krankheiten haben eine genetische Ursache. Deshalb sind für mich Gentherapien äusserst vielversprechend und besonders relevant für Patienten mit seltenen Krankheiten.

Was ist Ihre Vision für Ihr Unternehmen?

Meine Vision für Alexion ist, unsere übergeordnete Mission fortzusetzen, das Leben von Patienten mit seltenen Krankheiten zu verbessern. Um dies zu erreichen, müssen wir die Patienten und ihre Krankheiten noch besser verstehen. Denn dieses Wissen ermöglicht es uns, Innovationen in Bereichen zu entwickeln, in denen es einen grossen medizinischen Bedarf gibt.

Haben Sie selbst Angst vor Krankheiten?

Ich persönlich versuche, mich im Alltag nicht von Angst leiten zu lassen, und wenn ich sehe, wozu die Forschung heute bereits in der Lage ist, bin ich umso optimistischer!


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Die nächste WOMEN IN BUSINESS Ausgabe wird am 12.12.2019 lanciert
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