Seit Herbst letzten Jahres ist #metoo zum Synonym für mangelnden Respekt geworden. Frauen packen aus, sie erzählen von Erniedrigung, dem Gefühl, bedrängt zu werden und jemandem gegenüberzustehen, der seine Machtposition ausnutzt. Ausgehend von der sogenannten Traumfabrik Hollywood hat #metoo mittlerweile den Weg um die Welt gemacht. Auch bei uns in der Schweiz schlug der Hashtag Wellen und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat #metoo Ende 2017 zum Deutschschweizer Wort des Jahres gekürt.

Nach einigen Monaten wird es Zeit für eine Zwischenbilanz: Die Internetpräsenz ist gross (aktuell mehr als 24 Millionen Treffer auf Google), einige Karrieren wurden jäh beendet und man ist sich allenorts einig, dass sexuelle Belästigung und Übergriffe nicht tolerierbar sind. Doch es formierte sich auch Gegenwehr, nicht von Männern, sondern von Frauen. In einem offenen Brief, den «Le Monde» veröffentlichte, warnten rund 100 Intellektuelle, Künstlerinnen und Journalistinnen vor dem Klima einer totalitären Gesellschaft. Dafür wurden sie mit einem Shitstorm belegt. Was die Grundproblematik nicht besser verdeutlichen könnte. #metoo hat eine Debatte angestossen, die wichtig ist und längst überfällig war. Doch sie droht zu einem Internethype zu verkommen. Und damit würde die Diskussion über Respekt, Gleichbehandlung und die Grenzen dessen, was akzeptabel ist, banalisiert. Ein Alptraum, nicht nur für die Betroffenen, sondern für die ganze moderne Gesellschaft.

Auf den zweiten Rang der wichtigsten Wörter des Jahres kam in der Deutschschweiz übrigens das schöne Wort «weglachen». Ein Schelm, wer dabei Schlechtes denkt.


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