«Bilder jagen» – so umschreibt Julia Heinen ihren Beruf.
Sie ist seit März 2017 Regional Director Switzerland beim weltweit tätigen Auktionshaus Phillips. In ihrem neuen Zuhause
in Zürich hat sich die Spezialistin für zeitgenössische Kunst und Kunst des 20. Jahrhunderts bereits gut eingelebt.

08.00 Bad im See

Das Zürcher Seefeld-Quartier ist seit April die neue Heimat von Julia Heinen. Ihr Mann Jonathan, Partner im Family Office Belgrave Capital, pendelt zwischen Genf, Zürich und London hin und her und Julia jagt ihre Bilder überall. Beide sind also viel unterwegs, doch die Annehmlichkeiten ihres neuen Zuhauses hat sie jetzt im Sommer schnell schätzen gelernt – die Neu-Zürcherin beginnt ihren Tag gern mit einem Bad im See: «Das ist ein herrlicher Luxus für mich!»

10.00 Telefonkonferenz

Der Arbeitstag beginnt mit einem Video Conference Call. Die Phillips-Niederlassungen aus ganz Europa koordinieren so ihre Aktivitäten. Cheyenne Westphal, seit März Chairman für Phillips in London, teilt mit dem Team die Highlights der kommenden Auktion. Besonders erfreulich: Zur Auktion zeitgenössischer Kunst im Oktober in London wurde eine wunderbare Arbeit von Sigmar Polke eingereicht. Auch in der Schweiz stehen spannende Events auf der Agenda: Im August sind es die Art Masters in Sankt Moritz, im September der Ball anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Vereinigung der Zürcher Kunstfreunde. Im selben Monat findet in der Fondation Beyeler das Highlight der Kunstszene, die Sommergala statt.

11.30 Entdeckungstour

Julia macht sich auf den Weg: Sie besucht Galerien, zuerst Tobias Müller, dann Mai 36, die auf dem Weg zum Kunsthaus liegen. Dort angekommen, surft sie bei einer Tasse Grüntee durch die aktuellen Kunstwebsites wie artnews und Informationsdienst Kunst – auf dem Laufenden zu bleiben, ist das A und O ihres Jobs. Danach erkundet die 45-Jährige die umliegenden Boutiquen im Quartier. «In der Wohnung fehlt ja noch einiges, doch bisher hatte ich nicht genug Zeit, um das alles zu besorgen.» Bilder sind noch nicht an den Wänden zu sehen – sogar ihr Lieblingsbild, eine Zeichnung des New Yorker Künstlers Robert Longo, lehnt noch am Boden an der Wand.

14.00 Bilderjagd

Wieder zurück im Home Office stehen für Julia weitere Telefonate an. «Am Morgen habe ich einen Anruf eines Kontaktes erhalten, der zwei Bilder aus seiner Sammlung veräussern möchte. Ich muss jetzt zunächst einige Recherchen bei unserem Team in London in Auftrag geben, bevor ich hier Weiteres in die Wege leiten kann.» Dabei ist ihre Expertise gefragt: Sie muss einschätzen können, in welchem Zustand die angebotenen Kunstwerke sind. Dazu werden Authentizitätszertifikate angefordert, um die Echtheit und Herkunft der Bilder zu überprüfen. So ermittelt sie den Wert und kann das weitere Vorgehen planen.

17.30 Organisation

Nachdem Termine für Besichtigungen und Besprechungen fixiert wurden, muss Julia die nächsten Tage organisieren. «Ich werde die beiden angebotenen Bilder nun direkt in Augenschein nehmen und persönlich mit dem Sammler die weiteren möglichen Schritte besprechen. Dazu muss ich nach St. Moritz und werde danach direkt nach Lon- don fliegen.» Den Reiseplan erstellt sie selbst und sucht nun nach passenden Flügen.

18.00 Ausstellungseröffnung

Nach einem kleinen Abendessen macht sich Julia auf den Weg zur Eröffnung der Ausstellung des Künstlers Wolfgang Tillmans. Mehr als nur ein Pflichttermin für die studierte Kunsthistorikerin: «Ich freue mich sehr, da ich Tillmans gut kenne und seine Werke sehr schätze. Phillips hat in London im Juni sogar einen Auktionsrekord für seinen Freischwimmer #84 gesetzt. Nach einem sechsminütigen Bietergefecht wurde die kameralose Fotografie für über 600 000 Pfund verkauft!» Ein gutes Netzwerk ist für ihre «Jagd nach Bildern», wie sie selbst ihre Tätigkeit umschreibt, Voraussetzung. «Für mich ist es wichtig, auf Veranstaltungen neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu pflegen.» Mit ihrer offenen, sympathischen Persönlichkeit sollte Julia Heinen auch die oft als verschlossen geltenden Zürcher schnell für sich gewinnen können.

Im Londoner Mutterhaus von Phillips finden regelmässig Auktionen statt.


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