In kaum einem Bereich lassen sich Geschlechterklischees schöner pfegen, als wenn es um Frauen und Technik geht. Zeit, das über Bord zu werfen, findet Gastkolumnistin Stéphanie Borge.

Wer die Stichworte «Frauen» und «Technik» bei Google eingibt, erhält 24 Millionen Ergebnisse innert einer halben Sekunde. Das Thema scheint also tatsächlich eines zu sein, und es gibt wenig andere gesellschaftliche Phänomene, bei denen festgezurrte Rollenklischees öfter bemüht werden als bei diesem scheinbaren Gegensatz. Die Wahrheit ist natürlich, es gibt gar keinen Gegensatz. Frauen gehen mit Technik so selbstverständlich um und machen sich damit ihren Alltag leichter und übersichtlicher wie Männer auch.

Von der Waschmaschine – um doch noch ein Klischee zu erfüllen – mit vollfarbigem Touch-Grafikdisplay bis zum iPhone: Ich persönlich finde mich ziemlich
gut mit der Technik zurecht. Und, noch viel wichtiger, ich habe echte Freude daran – schon von Berufs wegen. Gerade im Automobilgeschäft ist Spass an der Technik natürlich Voraussetzung. Moderne Fahrzeuge sind quasi rollende Supercomputer, und wenn man sie zu nutzen weiss, machen sie unser Leben sicherer und angenehmer.

Mein Privileg ist es, immer die neueste Technik im Einsatz zu haben. Im brandneuen 5er BMW kann ich über eine App auf dem iPhone mit ihm Kontakt aufnehmen und das Auto vom Frühstückstisch aus vorheizen oder -kühlen. Und weil ich chronisch kalte Hände habe, ist die Lenkradheizung ein wahrer Segen, wenn ich mich morgens in meinen Wagen setze, um zur Arbeit zu fahren.

Apropos Finger und Hände: Das iPhone hat ja die (Kommunikations-)Technik ohnehin gewissermassen verweiblicht; wir wischen und tippen heute ganz selbstverständlich mit feinen, femininen Bewegungen über berührungsempfindliche Bildschirme, wo früher rustikal Tasten gedrückt werden mussten.

Das kann ich auch hinterm Steuer: Mit dem Touch Interface kann ich etwa eine Navigationsadresse schlicht mit der Fingerspitze auf die Eingabefläche schreiben. Und vieles, was im Alltag manchmal gar nicht so einfach ist, geht im Auto heute spielend leicht. Hier hört alles ganz einfach auf mein Kommando: Eine simple Handbewegung reicht, und das Radio wird stumm dank der Gestiksteuerung. (Insgeheim wünschte ich mir ja, so eine Geste würde auch bei meinem neunjährigen Sohn funktionieren…)

Doch die Entwicklung geht rasend schnell und so ist das noch längst nicht alles, was moderne Technologie für uns tun kann. Neue Sicherheits- und Assistenzsysteme steigern schliesslich auch die Freude am Fahren. Gerade im dichten Berufsverkehr  sind Funktionen wie die automatische Distanzkontrolle und Spursteuerung ausserordentlich hilfreich. Damit bleibt das Auto in der Spur und hält automatisch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. So kann ich entspannt ein Telefongespräch führen, ohne zur Gefährdung für mich oder andere Verkehrsteilnehmer zu werden. Die Nummer habe ich per mündliche Anweisung gewählt, denn die Spracherkennungssoftware versteht mich. Auch das ist ja nicht überall selbstverständlich.

Und schliesslich, ein weiteres Klischee darf es am Ende doch noch sein: Für alle die glauben, dass Frauen zwar Auto fahren können, aber keine Ahnung vom Parkieren haben. Auch das erledigt mein Neuer auf Wunsch ganz allein und ganz souverän. Selbst in enge Parklücken fädelt die Elektronik den Wagen mühelos ein. Und bei engen Platzverhältnissen, die den eleganten Ausstieg aus dem Fahrzeug verun- möglichen, lässt sich das Auto sogar parken, während ich von aussen zuschaue. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass Männer diese technischen Möglichkeiten genauso zu schätzen wissen.

Stéphanie Borge ist Direktorin Markenführung BMW und Mitglied der Geschäftsleitung von BMW (Schweiz) AG.