Seit dem 17. Jahrhundert kennt man Champagner. Die Wurzeln des viertgrössten Produzenten reichen nicht ganz so lange zurück, doch Laurent-Perrier kann sich bereits seit 1812 in diesem exklusiven Markt behaupten. Frauen spielen in dieser langen Geschichte eine wichtige Rolle – bis heute.

Eine lange, erfolgreiche Firmengeschichte ist zwar beeindruckend – doch sie ist kein Garant für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft. Das gilt auch für Luxusartikel wie Champagner. 2018 erzeugten rund 340 Champagnerhäuser 368 Millionen Flaschen des edlen Getränks, welche in alle Welt exportiert werden. Grösster Abnehmer nach Frankreich ist Grossbritannien, gefolgt von den USA. Die Schweiz befindet sich ebenfalls unter den Top Ten der Exportmärkte. Mit knapp 5.8 Millionen Flaschen nehmen die Eidgenossen Rang 8 ein. Doch der Markt ist umkämpft. Das wissen auch die beiden Eigentümerinnen von Laurent-Perrier, Alexandra Pereyre de Nonancourt und Stéphanie Meneux de Nonancourt. Sie möchten ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen.

Neues wagen, Tradition bewahren Unter den grossen Champagnerhäusern ist Laurent-Perrier heute die Nummer vier und dazu das einzige, das noch mehrheitlich in Familienbesitz ist – und das bereits seit 1939. Damals erwarb Marie-Louise de Nonancourt, Witwe und Mutter von vier Kindern, das 1812 gegründete Weingut Laurent-Perrier von Eugénie-Hortense Laurent, um ihre Zukunft sichern zu können. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt ihr ältester Sohn, Bernard de Nonancourt, seine Ausbildung in allen Bereichen des Champagner-Metiers, vom Weinberg bis zum Keller, bevor er im Oktober 1948 zum Geschäftsleiter ernannt wird. Das Unternehmen beschäftigt zu dieser Zeit rund zwanzig Mitarbeiter und vermarktet 80’000 Flaschen. Bernard de Nonancourt prägt Laurent-Perrier mit seiner Leidenschaft für Champagner und setzt dabei auf Innovationen, ohne die Tradition zu vergessen. So entstehen einzigartige Champagnersorten, die heute charakteristisch für Laurent-Perrier sind wie etwa die Cuvée Rosé, die 1968 aus der Taufe gehoben wurde. Diese Neuheit durchbrach mit ihren Aromen nach frischen roten Früchten und ihrer Frische alles, woran Champagnerliebhaber damals gewohnt waren. Denn bis dahin musste ein Champagner weiss sein, um ernstgenommen zu werden. Doch Bernard de Nonancourt hatte den richtigen Riecher: Bis heute gehört die Cuvée Rosé zu den Aushängeschildern des Hauses.

Als de Nonancourt 2010 stirbt, übernehmen die beiden Töchter Alexandra und Stéphanie die Führung des erfolgreichen Unternehmens. Laurent-Perrier ist heute das viertgrösste der aktuell 340 Champagnerhäuser. Doch der Markt ist in Bewegung, die Herausforderungen nehmen zu. Es müssen neue Kundensegmente erobert werden – vor allem die jüngere Generation stellt neue Anforderungen. Genutzt werden dazu Plattformen wie die internationalen Foodfestivals Taste of London oder Taste of Paris, wie Stéphanie Meneux de Nonancourt in einem Interview, das die Schwestern «Le Figaro» gaben, betonte. «Laurent-Perrier war schon immer eng mit der Gastronomie verbunden. Unsere Teilnahme an diesen Events ermöglicht es uns, ein breites und neues Publikum zu erreichen.» Und damit sind vor allem die Jüngeren gemeint, bei denen sich das Champagnerhaus mit seinen hochstehenden Produkten empfehlen kann.

Trend zur Nachhaltigkeit

Um bei diesen trotz aller Tradition auch als zeitgemäss zu punkten, dürfen bei einem letztlich landwirtschaftlichen Produkt wie dem Champagner Themen wie Nachhaltigkeit und biologischer Anbau nicht aussen vor gelassen werden. Der Dachverband Comité Champagne, der die Interessen aller Champagne-Winzer und der Champagnerhäuser vertritt, bekennt sich klar zu einer nachhaltigen Entwicklung. Man hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Ein eigenes Nachhaltigkeitszertifikat namens «Viticulture Durable en Champagne», kurz VDC, wurde entwickelt. Mehr als 120 Punkte beinhaltet dieses Nachhaltigkeitsprogramm der Champagne, das Augenmerk liegt dabei vor allem auf der Förderung der Biodiversität, dem sparsamen Umgang mit der Ressource Wasser und der Verringerung des CO 2 -Fussabdrucks. Letzterer soll bis 2025 um 25 Prozent gesenkt werden, der Weinanbau soll bis dahin zu 100 Prozent nach ökologischen Grundsätzen erfolgen.

Bei Laurent-Perrier steht man zu diesen Bestrebungen und weiss um die hohe Verantwortung, die damit verbunden ist. «Es ist uns wichtig, alle unsere Weinbaupartner in einer Art und Weise zu unterstützen, dass sie sich selbst um die Einhaltung dieser Vorgaben bemühen können», sagt Alexandra Pereyre de Nonancourt. Einfach sei das jedoch nicht, ergänzt ihre Schwester. «Wir müssen das Klima in der Champagne berücksichtigen, um zu sehen, ob eine biologische Produktion überhaupt nachhaltig ist.» Denn diese hat Konsequenzen. «Wir müssen uns in die Situation des Winzers hineinversetzen, der sein Werk natürlich mit Leidenschaft ausübt, der aber auch davon leben muss. Bei der Umstellung auf biologischen Anbau muss man akzeptieren, dass man aufgrund von Krankheiten auch mal ein oder zwei Jahre leere Weinreben haben kann.» Fortschritt sei aber nicht schlecht, genauso wenig wie alles, was aus der Natur kommt, immer nur gut sei, betonen die Schwestern.

Mit der Zeit gehen

Fakt ist, dass der Druck der Verbraucher, die entsprechend gekennzeichnete Produkte wünschen, zunimmt. Ob es jedoch realistisch ist, Champagner bald zu 100 Prozent biologisch zu produzieren, sehen die beiden Schwestern kritisch. «Diese Bemühungen, die im Terroir durchgeführt werden, sind Teil einer allgemeineren Dynamik in vielen Bereichen, hin zu einer nachhaltigen Entwicklung.» Doch es gehört eben auch zur DNA des Unternehmens, sich weiterzuentwickeln. Bei Laurent-Perrier arbeitet man auch in anderen Bereichen daran, nachhaltiger zu werden. Das Gewicht der Flaschen, eine Reduktion der Verpackungsmaterialien wie Pappe und Plastik sind Gegenstand laufender Optimierung. Doch an erster Stelle stehen die Grundwerte des Unternehmens: «Wenn man auf lange Sicht Erfolg haben möchte, muss man die Männer und Frauen respektieren, die hier in engem Kontakt mit dem Land arbeiten. Dieser Respekt hat Laurent-Perrier in jeder Periode geprägt.» Diese Haltung und den Willen, immer mit der Zeit zu gehen oder ihr sogar voraus zu sein: Das haben Alexandra Pereyre de Nonancourt und Stéphanie Meneux de Nonancourt sicher von ihrem Vater geerbt.

Über Laurent-Perrier

Laurent-Perrier hat seinen Unternehmenssitz seit der Gründung im Jahre 1812 in dem 1400-Seelen-Dorf Tours-sur-Marne in der Champagne.

Heute steht das familiengeführte Champagnerhaus mit einer Jahresproduktion von mehr als sieben Millionen Flaschen an vierter Stelle unter den grossen Champagnerhäusern und liefert in über 120 Länder.


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