Für mich ist klar: Philanthropie ist eine Lebenseinstellung und beschränkt sich nicht auf Stiftungsarbeit. Auch beim Investieren kann man darauf achten, dass Wertvorstellungen vertreten werden. Mit diesem Anspruch bin ich nicht allein: Gemäss Swiss Sustainable Finance wuchs das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen 2016 um satte 39 Prozent. Nicht Rendite um jeden Preis, sondern ethische Vertretbarkeit der Anlage ist das Motto der Stunde.

In Abwesenheit einer einheitlichen Definition bieten die «Prinzipien für verantwortliches Investieren» der UN Orientierungshilfe. Ein guter Anfang ist, bei den Wertanlagen Umwelt- und Sozialfaktoren in die Bewertung einfliessen zu lassen und diesbezüglich ausreichend Transparenz zu verlangen.

Wer denkt, ethisch vertretbares Investieren kürze die Rendite, täuscht sich. Eine Metastudie der Universität Hamburg zeigt deutlich: Nachhaltige Businesspraktiken wirken sich positiv auf den finanziellen Erfolg aus. Nicht ohne Grund werden daher auch «Green Bonds» immer beliebter, also Anleihen, die Kriterien «grüner» Wirtschaft entsprechen. Hier sagen die Schuldner zu, dass das investierte Geld in Projekte fliesst, die dem Klima helfen, und verpflichten sich, regelmässig über deren Verwendung zu berichten.

Noch mehr Einfluss hat der Geldgeber beim Impact Investing. Investiert wird in Projekte und Firmen, deren festes Ziel es ist, neben Dividenden auch messbaren gesellschaftlichen Mehrwert zu generieren. Klassische Branchen sind hier der Wohnungsbau, grüne Energie und Mikrofinanz. Gemäss dem «Global Impact Investing Network» sind weltweit bereits über 112 Milliarden Franken auf diese Weise investiert worden. Mit Erfolg: 91 Prozent der Anleger sind zufrieden mit der finanziellen Performance und ganze 98 Prozent sahen ihre Ziele mit der Investition erreicht. Wem das Risiko zu gross ist, direkt in ein Unternehmen vor Ort zu investieren, dem helfen entsprechende Fonds.

Die Möglichkeiten sind also vielfältig, wie man neben Stiftungsarbeit auch seine Wertanlagen philanthropisch einsetzen kann. Kann dies das Ende der Stiftungen bedeuten? Nein. Auch wenn ich fest überzeugt bin, dass die Förderung selbsttragender, privatwirtschaftlicher Projekte am nachhaltigsten sozialen Nutzen stiftet, ist damit nicht alles gelöst. In die Stiftungsarbeit muss weiterhin investiert werden: neben finanziellen Mitteln vor allem Zeit und Know-how – ohne einen finanziellen Return zu erwarten. Denn so mancher Erfolg ist eben nicht in Zahlen zu messen.

Text  Carolina Müller-Möhl
Bild  © Suzanne Schwiertz


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