Zu Beginn der Ferienzeit erreichte uns eine gute Nachricht: Kaffee scheint doch nicht gesundheitsschädigend zu sein – im Gegenteil: «Kaffeetrinker leben deutlich länger» titelten diverse Zeitungen und Magazine. Das ist doch mal was Positives, denkt man da und lässt sich gleich noch einen Café Crème aus der Maschine. Um dann beim Weiterlesen darauf zu stossen, dass der Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und längerem Leben alles andere als bewiesen ist. Zwar hatte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) erst letztes Jahr verlauten lassen, dass kein erhöhtes Krebsrisiko durch Kaffeegenuss bestünde. Doch ein längeres Leben wird einem dadurch auch nicht beschert. Männliche Kaffeetrinker gewinnen ganze neun Minuten, Frauen gerade mal drei Minuten Lebenszeit dazu, wie Sir David Spiegelhalter, Risikoforscher an der Uni Cambridge, errechnete. Das war im deutschen Wochenmagazin DIE ZEIT nachzulesen.

Eine schöne Sommerlochgeschichte also. Doch dank der Koffeinzufuhr läuft das Gehirn nun auf Hochtouren und es fragt sich, warum Head- lines genau das Gegenteil von dem behaupten, was dann im Text steht. Aufmerksamkeit erregen, ist schon klar. Aber dann müsste doch wenigstens überhaupt eine Geschichte dahinterstehen, oder? Eine Studie, die beweist, dass – was soll sie eigentlich beweisen? Also, eine Studie, die eigentlich nicht viel beweist, hat eine bemerkenswerte mediale Karriere hingelegt. Die oben genannte ZEIT hat selbst nachrecherchiert und ein seriöses Fazit gezogen. Andere Medien haben das nicht gemacht. (Man fragt sich allerdings, ob der Titel dazu passt.)

Das koffeingedopte Hirn denkt noch immer nach. Vielleicht sinkt aber auch der weltweite Kaffeekonsum und man muss sich etwas einfallen lassen, um dem Zusammenbruch des Kaffeemarktes entgegenzuwirken? Fehlalarm. Statistisch gesehen trinkt jede Schweizerin und jeder Schweizer 3,2 Tassen pro Tag. Und dieser Kaffeekonsum steigt laut Statistiken seit Jahren langsam, aber stetig. Vielleicht müsste man eine Studie dazu erstellen, wie die Lebenserwartung mittels Kaffee global beeinflusst werden kann? Darauf noch einen Espresso.


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