Alle warteten gespannt auf die eine: die WOMAN OF THE YEAR 2018. Als Sandy Oppliger, CEO der Bauknecht AG, das Podium betrat, war das Geheimnis gelüftet. Sie hatte von der Leserschaft der WOMEN IN BUSINESS die meisten Stimmen erhalten. Offen erzählte sie über ihren Werdegang, Höhen und Tiefen und was ihr am Herzen liegt.

Stilvoll und vorweihnachtlich – das Ambiente im Hotel Baur au Lac in Zürich hätte für den besonderen Anlass nicht besser sein können. Nach dem Begrüssungschampagner wurde das Podium eröffnet und die WOMAN OF THE YEAR 2018 wurde dem Publikum vorgestellt. Die stolze Siegerin war Sandy Oppliger, CEO der Bauknecht AG. Für sie kam diese Wahl sehr überraschend: «Ich bin total aus den Schuhen gekippt, als ich davon erfuhr!», so ihr erfrischend unkompliziertes Statement zu Beginn des Gesprächs mit WOMEN IN BUSINESS-Chefredaktorin Irene M. Wrabel. In genau derselben sympathischen, humorvollen und offenen Art setzte sich das Gespräch fort. Sandy Oppliger vermittelte sehr packend persönliche Details zu ihrem Werdegang und gab spannende Einblicke in ihren Führungsstil.

Begonnen hat die Karriere der Selfmade-Woman scheinbar klein. Wenn man zu diesem Zeitpunkt von Karriere oder Karriereplanung sprechen konnte. Geplant war diese nämlich nie. Viel wichtiger als Karriereplanung war kurzfristige Zielorientierung. «Ich habe immer das gemacht, woran ich Freude hatte.» Dass sie einmal zu einem Arbeitstier würde, war für sie ausgeschlossen. Nach dem Trampen durch verschiedene Länder wie Neuguinea und Mexiko wollte Sandy Oppliger ursprünglich nur 50 Prozent arbeiten. Doch sie hatte noch keine Lehre absolviert und so kam schnell die Ernüchterung: Ihre Einkommensmöglichkeiten waren sehr begrenzt. Das weckte ihren Ehrgeiz: Sandy Oppliger beschloss, das KV, später die HWV und den MBA berufsbegleitend zu absolvieren. «Schnell merkte ich, dass mir Arbeiten gefällt. Das mit der Teilzeitarbeit hatte ich prompt gestrichen».

Der Weg hin zu ihrer heutigen Position als CEO der Bauknecht AG war trotz viel positivem Denken und einem gesunden Selbstvertrauen nicht immer leicht. Beim IT-Logistiker ALSO übernahm sie als erste Frau die Stelle der Produktmanagerin und wurde später zur Teamleiterin. Doch das musste sie sich hart erkämpfen: «Ich verdiente weniger als meine männlichen ebenbürtigen Kollegen – nur weil ich eine Frau war. Da eckte ich zum ersten Mal an und wurde unangenehm.»

Von der ALSO nahm Sandy Oppliger dennoch vor allem positive Erfahrungen mit. «Das Unternehmen war schon damals sehr modern unterwegs, mit einer Du-Kultur und dem erklärten Ziel, motivierte Mitarbeiter zu haben. Das prägte mich – bis heute.» Eine weitere Herausforderung in Sandy Oppligers Karriere war die Leitung des Callcenters bei der Bechtle AG. Rund 20 Frauen hatte sie dort zu führen. «Wer führen lernen will, soll mal eine Horde Frauen führen», meinte sie dazu.«Frauen kämpfen leider häufig gegeneinander, anstatt als Team an einem Strick zu ziehen.»

Nun sind es nicht 20 Frauen, sondern rund 200 Mitarbeitende mit den unterschiedlichsten Ausbildungen, Talenten und Bedürfnissen, die Sandy Oppliger als CEO der Bauknecht AG führen darf. Ursprünglich kam sie Anfang 2018 als Head of Sales zur Bauknecht AG. Doch zunächst war sie skeptisch: «Zuerst dachte ich, uh, Bauknecht, dieser Brand tönt für mich total verstaubt. Soll ich mich da wirklich vorstellen? Schnell merkte ich aber, dass es eine tolle Firma mit Spitzenprodukten ist. Das Problem war das staubige Image – eine Herausforderung, an der wir im Moment arbeiten.» Was Sandy Oppliger zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die Bauknecht AG war gleichzeitig auf der Suche nach einer Stellvertretung und Nachfolge für den damals amtierenden CEO Stephan Gieseck. «Mein Recruiting war speziell. Es dauerte ein halbes Jahr, ich musste mich sechs Mal vorstellen – in verschiedenen Ländern versteht sich. Mein Mann meinte damals, wenn die so ein kompliziertes Verfahren für einen Head of Sales haben, was machen die, wenn sie einen CEO einstellen?»

Dann ging alles ganz schnell oder wie Sandy Oppliger selbst sagt: «Plötzlich CEO!» Nach sechs erfolgreichen Monatenals Head of Sales wurde der Rücktritt ihres Vorgängers bekannt gegeben. «Da erreichte mich am Abend eine WhatsApp-Nachricht von meinem Chef mit der Einladung zu einem Mittagessen. Ich dachte zuerst, sie wollen mir zu sechs Monaten bei Bauknecht gratulieren. Stattdessen fragten sie mich, ob ich die Stelle des CEO antreten möchte. Die Entscheidung war schnell gefällt – insbesondere, weil ich wusste, dass mein Mann hinter mir steht. Ich habe ihnen aber eine klare Ansage gemacht: Ich bin kein Nicker und sage, wenn mir etwas nicht passt.»

Als CEO hat Sandy Oppliger die Möglichkeit, die Bauknecht AG nach ihren Werten zu führen. «Schon als Head of Sales habe ich Probleme erkannt, die ich geändert hätte, wäre ich Chef gewesen. Nun habe ich die Möglichkeit dazu.» Es gab viele Neuerungen, die von den Mitarbeitern gut aufgenommen wurden. «Klar, es ist schwierig, alle 200 Mitarbeiter dazu zu motivieren, auf den Zug aufzuspringen. Andererseits sind sie froh, weht nun frischer Wind, egal von welcher Seite. Ich möchte, dass die Mitarbeiter wieder dem Gedankengut von Customer First folgen. Noch wichtiger ist mir, dass jeder Mitarbeiter als Erwachsener wahrgenommen wird, der das Beste für das Unternehmen will.» Für Sandy Oppliger ist es fundamental, den Mitarbeitern zu vertrauen. «Es ist nicht die Aufgabe eines Chefs zu kontrollieren, sondern den Mitarbeitern eine Aufgabe mit Zielen vorzugeben.»

Aus diesen Werten leitet sich Sandy Oppligers Vision für die Zukunft ab. «Mein Ziel sind 200 glückliche Mitarbeiter in fünf Jahren, damit jede und jeder gerne und mit Stolz in die Bauknecht arbeiten kommt. Ich möchte beweisen, dass Vertrauen und Motivation automatisch zum Erfolg führen, damit irgendwann ein Umdenken in den Führungsetagen stattfindet.» Diese Vision verfolgt Sandy Oppliger mit Freude und viel Engagement oder wie ihre Freunde sagen: «Sie nimmt sich gerade eine Auszeit von der Freizeit.»


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