Manchmal geschieht es: Man hat zu viel Steuern einbezahlt und erhält eine Rückvergütung. Immer eine erfreuliche Sache. Ausser Sie sind eine berufstätige verheiratete Frau im Kanton Bern. Denn dann sehen Sie davon auf Ihrem Konto: nichts. Die Rückvergütung erfolgt natürlich – aber, wie man einer Bernerin unlängst beschied, muss «bei verheirateten, nicht getrennt lebenden Eheleuten das Konto auf den Mann oder beide Eheleute lauten». Interessanter Ansatz, möchte man sagen, zumal im Jahr 2018. Die Frau hat also kein Konto? Kein eigenes Einkommen, über das sie selbst verfügen kann, ohne ihren Ehemann beizuziehen? Und wohin geht ihr Einkommen, das sie versteuern muss? Gleich auf das Konto ihres Ehemannes oder wenigstens auf das gemeinsame Konto?

Der erste Impuls, wenn man solche Geschichten hört, ist Lachen. Dann fängt man an, darüber nachzudenken, und das Lächeln gefriert. Wozu unterhalten wir uns eigentlich über Gender-Gap, über gleiche Chancen in beruflichen Karrieren, über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wenn es noch solche Relikte aus längst vergangenen geglaubten Zeiten gibt? Man kann das jetzt kleinlich finden und es wird viele Stimmen geben, die das nicht so tragisch sehen und das, wie so manche Kommentare auf den Artikel in der Tagespresse beweisen, einfach auf ein technisches Problem reduzieren. Das mag sogar stimmen – aber es ist ein sehr einfach lösbares Problem, das bis jetzt anscheinend nie jemand für lösenswert hielt, weil es keinem auffiel. Eine Kleinigkeit also – aber eine, die sich mit vielen anderen Kleinigkeiten zu einem grösseren Thema vereint. In sehr vielen Bereichen nehmen Frauen auch heute noch hin, dass für sie andere Dinge gelten als für Männer. Diese Unterschiede muss man artikulieren. Nicht im Sinne eines Männerbashing, das wäre tatsächlich unangebracht. Aber im Sinne eines Bewusstmachens, an welchen Stellen wir alte Zöpfe getrost abschneiden können, weil sie die gesellschaftliche Realität des 21. Jahrhunderts einfach nicht mehr abbilden.

Vielleicht fangen wir einfach mal damit an, dass Frauen akzeptiert und ernst genommen werden, wenn sie solche Ungleichbehandlungen zur Sprache bringen, und nicht gleich als die Zicken, die Mühsamen abgestempelt werden. Noch so ein Unterschied zu Männern, übrigens. Die sind durchsetzungsstark, wenn sie ihre Interessen vertreten.


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