«Zukunftssicherheit stärken heisst, die Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten und sowohl als Individuum wie auch als Team eine gewisse Resilienz zu haben in der turbulenten, komplexen Welt, in der wir arbeiten.»

Posted by Brigitte Selden

Andrea Rutishauser
Marketingfrau, Trainerin und Systemischer Coach

Interview: Brigitte Selden | Fotos: Andrea Rutishauser

Andrea Rutishauser ist Geschäftsführerin des Weiterbildungsinstituts BWI. Wir haben mit ihr über die Kernthemen der Weiterbildung gesprochen und wie man die Zukunftssicherheit von Organisationen stärken kann.

Sie sind seit Februar 2020 Geschäftsführerin bei der Weiterbildungsinstitution BWI, vormals das 1929 gegründete Betriebswissenschaftliche Institut der ETH. Können Sie uns Ihr Institut und die Schwerpunkte kurz vorstellen?

Unser Beratungs- und Weiterbildungsinstitut (BWI) bietet wie bisher gewohnt Weiterbildung für Berufsleute an. Es ist uns nach wie vor wichtig, unsere KundInnen vom Wissen zum Können zu führen, d.h. wir legen grossen Wert darauf, auch wirklich praktische Inhalte zu vermitteln und an den Themen der TeilnehmerInnen direkt zu arbeiten und so einen hohen Transfer des Gelernten in den Berufsalltag zu erreichen. Diesen Ansatz des praktischen Nutzens verfolgen wir auch in der Beratung.
Hier geht es uns darum, die Situation der Organisation ganzheitlich zu erfassen und basierend auf der jeweiligen Situation konkrete, vielleicht auch nur inkrementelle Schritte einer Weiterentwicklung zu ermöglichen. Praktisch bedeutet das, dass in manchen Fällen etwa ein Schritt hin zu einem agileren Denkansatz (Mindset) nützlicher ist, als ganze Organisationsteile mit Gewalt auf agile Vorgehensweisen umzustellen. Brauchbarkeit der Intervention im jeweiligen Umfeld ausgehend von den Stärken der Organisation sind unsere Devise.

Unter Ihrer Leitung richtet sich das BWI neu aus. Welche neuen Inhalte haben Sie in Ihr Programm aufgenommen und warum?

Nach wie vor stehen wir für Kernthemen in der Weiterbildung in Führung und Projektmanagement. Wir haben uns neu nach vier Themenkreisen strukturiert: Sich selbst führen, Teams führen, Projekte führen und Organisationen führen. Ansätze wie die eigene Resilienz zu stärken, Hochleistungsteams aufzubauen und zu führen oder auch laterale/kollegiale Führung sowie das Führen rein virtueller Teams sind Themen, die uns im Augenblick stark beschäftigen und die auch angesichts der aktuellen Belastungssituationen in der Welt stark an Bedeutung gewinnen.

In welcher Form vermitteln Sie Ihr Angebot, und an wen richtet sich das Programm des BWI?

Augenblicklich gibt es unsere Weiterbildungen als Präsenzschulung oder als Online-Seminar. Öffentliche Seminare führen wir derzeit wieder vermehrt als Präsenzunterricht durch, Seminare, die wir massgeschneidert für Unternehmen anbieten, laufen derzeit fast ausschliesslich rein virtuell. Künftig werden wir zunehmend auf Blended Formate setzen, in denen die physische Präsenz der Teilnehmenden nicht mehr so ausgeprägt stattfinden wird wie bisher. Derzeit richten sich die Weiterbildungsangebote an Organisationen, die ihre Mitarbeitenden in öffentliche Seminare schicken oder eben auch massgeschneiderte Inhouse-Schulungen buchen können. Selbstzahlende TeilnehmerInnen streben wir vor allem für die Seminare im Bereich Persönlichkeitsentwicklung (sich selbst führen) an. In der Beratung sind es Organisationen aller Arten, die wir ansprechen.

Mit welchen besonderen Herausforderungen sehen sich Unternehmen und Organisationen heute durch Covid-19 konfrontiert?

Vor allem natürlich hat ein rasantes Umdenken bezüglich des online Arbeitens stattgefunden. Die meisten Organisationen haben sich umgestellt und lassen ihre Mitarbeitenden vor allem «remote» arbeiten. Dies führt bereits und wird noch mehr zu anderen Arbeitsabläufen führen. Vermehrt unter Druck kommt natürlich auch das Thema «Kontrolle». Virtuell Arbeiten bedeutet, den Menschen Vertrauen in die Qualität ihrer Arbeit entgegenzubringen und auch Wege zu finden, in Verbindung zu bleiben mit den eigenen Mitarbeitenden, um Ziele gemeinsam erreichen zu können.

Das BWI will insbesondere die Zukunftssicherheit von Organisationen stärken. Wie sehen die Angebote in den Bereichen Weiterbildung und Beratung konkret aus?

Zukunftssicherheit stärken heisst, die Handlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten und sowohl als Individuum wie auch als Team oder Organisation eine gewisse Resilienz zu haben in der turbulenten, komplexen Welt, in der wir leben und arbeiten. Daher die Gliederung unserer Weiterbildungsangebote in die vier erwähnten Bereiche, aus denen Kurse flexibel miteinander kombiniert werden können. Durch die Kombination Beratung und Weiterbildung können wir Organisationen ganzheitlich unterstützen, d.h. wenn wir beraten, sehen wir, welches Wissen noch gefestigt werden muss und wenn wir weiterbilden, erkennen wir, welche Herausforderungen im Unternehmen bestehen und können gezielte beratende Begleitung anbieten.

Zusammen mit der Universität St. Gallen bieten Sie künftig eine neue Weiterbildung für Führungskräfte an. Wen wollen Sie damit konkret ansprechen und welche neuen Inhalte können die Teilnehmer erwarten?

Wir bieten ab Frühling 2021 ein gemeinsames CAS in Projektmanagement an. Dieses CAS bildet angehende und amtierende Projektmanager gezielt aus in den Herangehensweisen (klassisch, hybrid und agil) des Projektmanagements sowie in deren Methoden und Instrumenten. Neu ist vielleicht, dass viel Wert auf das Mindset gelegt wird, mit dem man an Themen herangeht. So bringen wir etwa Aspekte aus dem Mentaltraining und Resilienzansätze mit hinein. Das CAS bringt neben diesem Zertifikat der renommierten Universität St. Gallen gleichzeitig auch eine Zertifizierung nach IPMA Level D sowie als Scrum Master. Impulsreferate erfolgreicher Projektleiter aus der unmittelbaren Praxis runden die Weiterbildung ab.


Über Andrea Rutishauser Über 30 Jahre Führungserfahrung in Marketing und Kommunikation von multinationalen Konzernen sowie in der Geschäftsführung von KMU zeichnen Andrea Rutishauser aus. Seit 2011 arbeitet die Mutter von Zwillingen als selbständige Beraterin und systemischer Coach, mit den Schwerpunkten Teamentwicklung, Mediation und Konfliktmanagement.

Warteliste Women’s Talk 29. September 2026

Posted by Andrea Kaspar

Diese Veranstaltung ist derzeit leider ausverkauft.

Tragen Sie sich gerne über das nachfolgende Formular auf unsere Warteliste ein. Sobald ein Platz frei wird, informieren wir Sie umgehend.

Wir freuen uns darauf, Sie schon bald an einem unserer Anlässe begrüssen zu dürfen.

Herzliche Grüsse

Laurence Saas
Event Koordination I Digital Marketing
Women in Business Community

Warteliste Women's Talk 29. September 2026
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Anmeldung: Zu Gast bei De Marquet Gründerin Raffaella Iten

Posted by Andrea Kaspar

Erleben Sie einen besonderen Abend im exklusiven Private Salon von De Marquet im stilvollen Signau House & Garden in Zürich.

Anmeldung bis spätestens Freitag, 14. August 2026.

Anmeldung zum WOMEN'S EVENT Exclusive - Zu Gast bei De Marquet Gründerin Raffaella Iten am 31. August 2026
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Anmeldung: Ein Abend mit Buccellati

Posted by Andrea Kaspar

Erleben Sie einen stilvollen Abend bei Buccellati und entdecken Sie die Geschichte einer der anspruchsvollsten Goldschmiedetechniken der Haute Joaillerie.

Anmeldung bis spätestens Mittwoch, 2. September 2026.

Anmeldung zum WOMEN'S EVENT Exclusive - Ein Abend mit Buccellati am 30. September 2026
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Die führende Kunstmesse der Welt

Posted by Andrea Kaspar
Maike Cruse leitet seit drei Jahren die Art Basel und will die Basler Messe als global beste Plattform für Galerien weiter ausbauen. Gleichzeitig entwickelt sie Konzepte, um die Kunst im öffentlichen Raum näher zu den Leuten zu bringen.

WOMEN IN BUSINESS: Sie sind seit 2024 Direktorin der Art Basel. Welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Editionen der Basler Show?
Maike Cruse: Ich startete in einer Phase der Stabilisierung und der Weiterentwicklung der Messe. Das hiess für mich, das Programm zu verdichten, weiter zu internationalisieren und zu diversifizieren. Wir haben in diesem Jahr 290 Galerien aus 43 Ländern ausgewählt, davon sind 21 ganz neu in Basel dabei. Darunter sind Galerien aus der Türkei, dem Libanon, Saudi-Arabien, den Philippinen und der Elfenbeinküste. Im Vergleich zu unseren internationalen Shows ist die Messe in Basel, was die Galerien und ihre Präsentationen angeht, am umfassendsten und globalsten. Zudem wollten wir die Messe kuratorisch weiterentwickeln und noch weiter in Basel verankern. Dazu haben wir zusammen mit Stefanie Hessler, der Direktorin des Swiss Institute in New York, die Neukonzeption des Parcours entwickelt.

Was ist der Parcours? Parcours ist ein Sektor der Art Basel in Basel für Kunst im öffentlichen Raum. Entstanden ist die Idee vor Jahren aus Gesprächen mit Künstlerinnen und Galerien, die nicht nur im White Cube, also einem klassischen Ausstellungsraum, Kunst vorstellen, sondern auch ortsspezifisch arbeiten wollten. Mit Parcours gehen wir raus in die Stadt, entlang der Clarastrasse, die die Messe mit dem Rhein verbindet. An dieser Einkaufsstrasse finden sich Ladenlokale, eine Kirche, ein Hotel, Restaurants, Kellerlokale, die wir den Künstlerinnen und Künstlern als Location zur Verfügung stellen, um Projekte nach einem bestimmten Thema – dieses Jahr ist es Conviviality, also Geselligkeit – zu realisieren.

Welche weiteren Projekte im öffentlichen Raum haben Sie realisiert? Wir aktivieren seit Jahren den Messeplatz mit einem künstlerischen Projekt. Vor zwei Jahren bespielte die ungarische Künstlerin Agnes Denes mit dem Weizenfeld über die Dauer der eigentlichen Show hinaus den Platz. Es war ein historisches Landart-Werk, das wir mit dem Kurator Samuel Leuenberger in Basel gezeigt haben. Den Weizen haben wir gemeinsam in Agnes Denes’ Sinne am Schluss abgeerntet und weiterverarbeitet. Im letzten Jahr haben wir mit Katharina Grosse zusammengearbeitet, die den Messeplatz in Farbe getaucht hat und damit den Begriff Malerei ganz neu verhandelt hat. Die Fotos von diesen Projekten gingen um die ganze Welt.

Was kommt dieses Jahr?
Wir gehen noch einen Schritt weiter und präsentieren gleich zwei öffentliche Kunstkommissionen – eine auf dem Messeplatz, eine auf dem Münsterplatz in Grossbasel. Die iranische Bildhauerin Nairy Baghramian wird eine Skulptur auf dem Messeplatz vorstellen und Ibrahim Mahama aus Ghana präsentiert eine grossformatige Installation auf dem Münsterplatz in Grossbasel. Diese Kommissionen sind Teil unseres neuen Award-Programms, den Art Basel Awards, das wir letztes Jahr ins Leben gerufen haben – beide Kunstschaffenden wurden im Rahmen des Programms ausgezeichnet. Letztes Jahr haben Sie den Premiere-Sektor für jüngere, aufstrebende Galerien gestartet.

Wie hat sich das Format entwickelt?
Auch Premiere ist im Dialog mit Galerien und Künstlern entstanden. Da gerade jüngere Galerien nach kleineren Ständen gefragt haben, in denen sie projektbasiert arbeiten können. Hier werden Arbeiten aus den letzten fünf Jahren präsentiert, die teilweise direkt aus dem Studio kommen. Letztes Jahr haben wir mit zehn Galerien gestartet. Das hat einen derart grossen Anklang gefunden und war so erfolgreich, dass wir dieses Jahr auf 17 Präsentationen vergrössert haben.

Wie werden die Galerien der Art Basel selektioniert?
Die Auswahl erfolgt durch ein unabhängiges Selektionskomitee, das aus international renommierten Galeristinnen und Galeristen besteht. Von den verschiedenen Sektoren der Art Basel in Basel ist der Galleries-Sektor der Hauptsektor, in dem viele grosse Galerien seit vielen Jahren dabei sind. Aber auch diese werden jedes Jahr nach unterschiedlichen Kriterien neu bewertet.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Der Balanceakt

Posted by Andrea Kaspar
Der Cyberspace bietet enorme Chancen, gleichzeitig birgt er Risiken. Im Interview erklärt Daria Kuss, Psychologin und Forscherin des digitalen Lebens, warum wir so leicht in exzessive Nutzung abrutschen, welche Auswirkungen sie hat, und welche Strategien helfen, ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

WOMEN IN BUSINESS: Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, sich mit der Psychologie des digitalen Lebens zu beschäftigen?
Daria Kuss: Mich hat schon immer interessiert, warum wir so viel Zeit online verbringen – auf Social Media, beim Gaming oder beim Online-Dating. Ich wollte verstehen, was das Internet so attraktiv macht. Deshalb habe ich Medienwissenschaften und Psychopathologie studiert, mit Schwerpunkt auf problematische Nutzung von Technologie. Glücklicherweise konnte ich mit führenden Expertinnen und Experten zusammenarbeiten, was meine Arbeit sehr geprägt hat.

Heute ist dieses Thema besonders aktuell. Technologieunternehmen werden dafür kritisiert, junge Menschen mit ihren Algorithmen zu gefährden. Aber auch Erwachsene fallen immer wieder ins digitale «Rabbit hole». Haben Sie selbst schon einmal bemerkt, dass Sie zu viel Zeit online verbringen?
Oh ja, das kann schnell einmal passieren. Als Forscherin verbringt man enorm viel Zeit online – nicht nur beruflich, sondern auch sozial. Aber die positiven Aspekte der Technologie darf man nicht vergessen. Ich habe Freunde auf der ganzen Welt, und WhatsApp oder Facebook helfen mir, den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Welche weiteren Vorteile sehen Sie konkret?
Besonders während der Corona-Pandemie war Social Media für viele die einzige Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Ausserdem erleichtert Technologie auch den Alltag enorm: Versicherungen erledigen, Online-Shopping, Lebensmittellieferungen – das spart Zeit. Für Menschen mit Einschränkungen ist das besonders wichtig, weil sie so aktiv am Leben teilnehmen können. Digitale Nutzung spart Zeit, die für wichtigere Tätigkeiten genutzt werden kann.

Bedeutet das, dass wir einfach nur lernen müssen, Technologie bewusster zu nutzen?
Nein, es geht darüber hinaus. Wir brauchen gezielte Förderung digitaler Kompetenzen, schon von klein auf – in Schulen, aber auch durch politische Massnahmen, die gesunde Nutzung unterstützen und problematisches Verhalten verhindern.

Was genau macht digitale Medien wie Instagram denn so fesselnd?
Sie sind bewusst darauf ausgelegt, unsere Aufmerksamkeit zu halten. Endlos-Feeds, unbegrenztes Scrollen oder Spiele, die man theoretisch 24 Stunden am Tag spielen könnte, sorgen dafür, dass wir immer weiter interagieren – oft ohne zu merken, dass wir aufhören sollten. Dazu kommen visuelle Inhalte, bewegte Bilder, Farben, Grafiken, Geräusche und komplexe Algorithmen, die genau auf unsere persönlichen Vorlieben abgestimmt sind.

Ab wann spricht man von problematischer Nutzung, und wer ist besonders gefährdet?
Problematisch wird es, wenn das Verhalten das tägliche Leben stark beeinträchtigt – über längere Zeiträume hinweg, typischerweise zwölf Monate – und mehrere Lebensbereiche betroffen sind. Nur eine kleine Minderheit erfüllt diese diagnostischen Kriterien. Wir dürfen normale Nutzung also nicht überpathologisieren. Beispiele problematischer Nutzung sind Gamer oder Spieler, die fast ihre gesamte Zeit auf digitale Medien verwenden, Gesundheit, Arbeit, Schule, Beziehungen zu Freunden und Familie vernachlässigen oder finanzielle Risiken eingehen.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

ANMELDUNG: Führung durch die Ausstellung der Künstlerin Catherine Goodman am 29. September 2026

Posted by Andrea Kaspar

18.15-18.45 Uhr – Führung durch die Ausstellung der Künstlerin Catherine Goodman. Limitierte Plätze

Anmeldung für eine Führung durch die Ausstellung der Künstlerin Catherine Goodman

ANMELDUNG: TOP100-CIRCLE Montag, 29. Juni 2026 Mandarin Oriental Savoy Zürich

Posted by Andrea Kaspar

Die Einladung ist persönlich und nicht übertragbar. Bitte melden Sie sich kostenlos bis zum 8. Juni 2026 an. Die Platzzahl ist begrenzt.

Die Anmeldefrist ist leider bereits abgelaufen. Gerne vermerken wir Sie auf unserer Warteliste. Bitte schreiben Sie an l.saas@womeninbusiness.ch mit dem Vermerk „TOP100-CIRCLE“.

Kunst eröffnet eine neue Dimension

Posted by Andrea Kaspar
Barbara Corti, Partnerin bei Hauser & Wirth, bewegt sich seit 20 Jahren mit sicherem Gespür zwischen Künstlern, Sammlerinnen und globalen Kunstzentren. Ein Gespräch über die Aura von Kunst, über Vertrauen und Verantwortung – und darüber, warum Intuition ihr wichtigstes Kapital ist.

WOMEN IN BUSINESS: Sie haben wohl einen der begehrtesten Jobs in der internationalen Galerienwelt. Was hat Sie ursprünglich in die Welt der Kunst gezogen?
Barbara Corti: Kunst hat mich schon immer interessiert. Das Haus meiner Grossmutter väterlicherseits war voll von Kunstbüchern, die ich verschlang. Schon früh wusste ich, dass ich irgendwann gerne mit Kunst arbeiten würde. Ich musste nur meinen Weg dorthin finden.

Sie arbeiteten zunächst in der Werbung. Wie ist Ihnen der Wechsel in die Kunst gelungen?
Noch während ich als Werbeberaterin arbeitete, absolvierte ich ein Kulturmanagementstudium. Und dann braucht es auch ein bisschen Glück im Leben. Bei Hauser & Wirth kam gerade jemand nicht mehr aus dem Mutterschaftsurlaub zurück und ich übernahm die Rolle der Artist Liaison und betreute direkt Künstler und Künstlerinnen.

Sie bekamen also gleich direkten Einblick in die Produktion. Mit wem haben Sie damals gearbeitet?
Mit Berlinde De Bruyckere, Mary Heilmann, Andy Hope, Pipilotti Rist, Christoph Schlingensief und mit Roman Signer. Ich wurde tatsächlich mitten ins Geschehen geworfen. Ein Jahr später zogen mein Mann und ich dann nach New York. Ich begann bei der 303 Gallery, denn Hauser & Wirth hatte damals noch keine Galerie in New York. Wenige Wochen später stand ich an der Frieze-Messe in London und verkaufte Kunst. Daraus wurden sieben Jahre, und als Hauser & Wirth die Chelsea-Galerie im ehemaligen Roxy Space in New York eröffnete, folgten weitere sieben Jahre dort, in denen ich eng mit dem Co-Präsidenten der Galerie, Marc Payot, zusammenarbeitete.

Die europäische Weise unterscheidet sich stark von der amerikanischen. Wie haben Sie die kulturellen Unterschiede empfunden?
In den USA wird impulsiver und schneller Kunst gekauft. In Europa braucht es oft mehr Überzeugungsarbeit, man ist skeptischer, möchte erst Vertrauen aufbauen, nochmals drüber schlafen, was ja auch absolut in Ordnung ist.

Nach der Pandemie kehrten Sie zurück in die Schweiz und sind nun schon seit rund 20 Jahren für Hauser & Wirth im Bereich Sales tätig. Was ist heute – nach all den Jahren – das Interessanteste an Ihrer Arbeit?
Für mich ist das Spannendste, die Brücke zwischen Künstlern und Sammlerinnen zu schlagen. Kein Tag ist wie der andere – es gibt kein Nine-to-five. Ich reise sehr viel und sehr gern, lerne ständig neue Menschen kennen und übersetze zwischen Künstlerinnen und Sammlern – das erfüllt mich jeden Tag und inspiriert mich.

Was gibt Ihnen Kunst persönlich?
Kunst eröffnet eine neue Dimension und schafft eine Welt um einen herum. Ich sammle selbst auch Kunst, sehr intuitiv. Es kommt immer wieder vor, dass ich einem Werk begegne und ich weiss: Das muss zu mir. Dieses intuitive Gefühl kenne ich auch bei Sammlern, die sofort spüren, welches Werk zu ihnen gehört.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Zwischen Unwettern und künstlicher Intelligenz

Posted by Andrea Kaspar
Wie führt man ein Unternehmen mit langer Geschichte in die Zukunft? Michèle Rodoni, CEO der Mobiliar, erklärt im Gespräch, wie sie durch Mathematik, Konzernwelt und Genossenschaft geprägt wurde. Und warum Haltung, Nähe und klare Entscheidungen in der Führung zentral sind.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Rodoni, Sie sind seit 2021 CEO der Mobiliar und die erste Frau in der 200-jährigen Geschichte des Unternehmens in dieser Position. Wie haben Sie persönlich diesen Weg erlebt, und was bedeutet es für Sie, als Pionierin an der Spitze der Mobiliar zu stehen?
Michèle Rodoni: Für mich hat das zuerst mit der Funktion zu tun, nicht mit dem Geschlecht. Als CEO trage ich eine grosse Verantwortung für die Mobiliar von heute und morgen. Ich bin mir sehr bewusst, welches Vertrauen mir der Verwaltungsrat gibt. Mein Anspruch ist es, das Unternehmen in einer mindestens so guten, idealerweise besseren Position zu übergeben, als ich es übernommen habe. Dass ich die erste Frau bin, ist auf dem Papier speziell. Ich habe es als Zeichen erlebt, dass die Mobiliar eine moderne Firma ist, auch wenn sie 200 Jahre alt ist.Ihre Laufbahn führte Sie durch verschiedene Führungspositionen im In- und Ausland – von Schweizer Versicherern bis zu einem internationalen Konzern in Paris.

Welche prägenden Erfahrungen haben Sie auf diesem Weg gemacht, die heute Ihren Führungsstil beeinflussen? Ich bin Versicherungsmathematikerin. Die ersten 15 Jahre war ich im Aktuariat, bei La Suisse in Lausanne, später als Chefaktuarin in der Geschäftsleitung. Prägend war dann, als das Unternehmen aufgelöst, teils verkauft und teils in die Swiss Life integriert wurde. Ich war für rund 40 Personen verantwortlich und habe gelernt, wie wichtig Führung in einem Umbruch ist. Später, bei Aviva Europe, kam die internationale Perspektive dazu: unterschiedliche Kulturen verstehen und den eigenen Führungsstil anpassen.

Wie würden Sie Ihren persönlichen Führungsstil beschreiben? Gibt es Kernwerte oder Prinzipien, die Ihnen im Umgang mit Ihren Mitarbeitenden besonders wichtig sind – gerade in einem grossen Versicherungsunternehmen?
Zuerst die Werte, weil sie die Basis sind. Mein stärkster Wert ist Respekt. Dazu kommen Loyalität, Integrität und Kollegialität. Und ich glaube an die kollektive Intelligenz: Ein diverses Team kann, wenn es gut geführt wird, mehr leisten als die Summe der Einzelnen. Unser Motto zum 200-Jahr-Jubiläum heisst denn auch «Besser zusammen» – das passt sehr gut zu meinem Führungsverständnis.

Die Mobiliar ist genossenschaftlich organisiert. Werte wie menschlich, nah, verantwortungsvoll prägen die Kultur. Wie leben Sie diese genossenschaftlichen Werte als CEO im Arbeitsalltag und in Ihren Entscheidungen?
ch muss diese Werte verkörpern, sonst bin ich keine gute CEO. Menschlich heisst, Beziehungen bewusst zu pflegen. Nah heisst, präsent zu sein, auch lokal vor Ort. Verantwortungsvoll heisst, langfristig zu denken und zu entscheiden. Wir optimieren Gewinne, wir maximieren sie nicht. Und wir denken unternehmerisch – das funktioniert nur, wenn Vertrauen da ist, intern wie extern.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Gewinnen Sie…

Posted by Andrea Kaspar

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Geschwind wie der Wind

Posted by Andrea Kaspar
Géraldine Picaud, CEO von SGS, ist Woman of the Year 2025. In kurzer Zeit hat sie den Inspektionsund Warenprüfkonzern wieder auf Kurs gebracht. Die enorme Energie, die sie persönlich ausstrahlt, überträgt sich nun auch aufs Unternehmen.

WOMEN IN BUSINESS: Géraldine Picaud, im Namen der Women in Business Community gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zur Wahl zur Woman of the Year 2025! Es ist das erste Mal, dass Sie auf der Liste stehen, und gleich haben Sie gewonnen. Sind Sie immer so schnell?
Géraldine Picaud: Herzlichen Dank für diese Auszeichnung! Ja, ich bin gerne schnell. Ich treffe Entscheidungen gerne schnell und setze sie auch gerne schnell um. Ich bin sehr stolz auf diese Anerkennung. Bei aller Bescheidenheit denke ich, dass es gut ist, zu zeigen, was Frauen leisten und welche wichtige Rolle sie in Wirtschaft und Gesellschaft spielen.

Sie sind seit März 2024 CEO von SGS, einem internationalen Unternehmen mit langer Tradition, das aber in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Können Sie kurz beschreiben, was SGS macht?
Wir stellen keine Produkte her, die man kaufen kann, also kann ich gut verstehen, dass SGS nicht so bekannt ist. Aber was wir tun, ist sehr wichtig für die Menschen: Wir testen, prüfen und zertifizieren Produkte. Wir stellen sicher, dass die Produkte, die für die Endkonsumentinnen und -konsumenten bestimmt sind, den Sicherheitsvorschriften entsprechen. Wir schauen, dass alle Richtlinien in Bezug auf Konformität und Sicherheit eingehalten werden. Das sind ganz grundlegende Schritte in der Wertschöpfungskette.

Wie profitiere ich als Konsumentin in der Schweiz konkret von Ihrer Geschäftstätigkeit?
Bei jedem einzelnen Produkt, das Sie benutzen. In Ihrem Auto zum Beispiel gibt es eine Menge vernetzter Geräte. Sie wollen keine Probleme mit der Elektronik haben, wollen nicht, dass Ihr Auto gehackt werden kann. Oder das Joghurt, dass Sie zum Frühstück essen: Wir sorgen dafür, dass es keine Salmonellen enthält. Wenn Sie sich gegen Grippe impfen lassen, sind Sie froh, wenn die Impfstoffe getestet und sicher sind. Als Konsumentinnen sind wir fast immer auch globale Konsumentinnen. SGS arbeitet global, wir testen überall. Wenn Sie also ein Produkt exportieren möchten, muss das vor dem Export getestet und zertifiziert werden; es muss den Vorschriften des Bestimmungslands entsprechen.

Laut der «Strategie 27» will SGS das Wachstum vorantreiben. Wo wollen Sie wachsen?
Wir haben schon viel erreicht. Es gibt viele Faktoren, die das Wachstum der Branche fördern. Manche Produzenten wollen ihre Qualitätskontrolle auslagern. In vielen Ländern gibt es Bestrebungen, die Regulationen zu verschärfen, um die Konsumenten besser zu schützen. Das alles zahlt auf unser Geschäftsfeld TIC –Tests, Inspektionen und Zertifizierungen – ein. Darüber hinaus gibt es immer mehr KI, Automatisierung und Konnektivität. Auch das ist eine sehr grosse Quelle für unser Wachstum.

Aber worauf beruht die Strategie 27 genau?
Es sind drei Säulen: Wachstum, Leistung und Agilität sowie ein solides Finanzprofil. Bei der ersten Säule, dem Wachstum, möchte ich, dass wir als Branchenführer schneller wachsen als die Branche. Das will ich mit der Konzentration auf wachstumsstarke Segmente erreichen. In erster Linie ist das die Nachhaltigkeit, und mit Nachhaltigkeit meine ich alles von der Energiewende über erneuerbare Energien bis hin zur Qualität dessen, was wir essen, trinken und anziehen. Wir wollen keine Schwermetalle. Wir wollen kein Mikroplastik im Wasser. Wir wollen keine PFAS. Der Bereich Nachhaltigkeit wächst um 20 Prozent. Wenn wir also mehr Dienstleistungen in diesem Bereich anbieten, können wir eine sehr starke Nachfrage auffangen und schneller wachsen. Dasselbe gilt für das digitale Vertrauen.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

MIRA SONG

Posted by Andrea Kaspar
Als Leiterin der Direktion Gesellschaft & Kultur beim Migros-Genossenschafts-Bund verantwortet Mira Song jährlich ein zweistelliges Millionenbudget. 2025 wurde die Migros 100 Jahre alt. Im Jubiläumsjahr ist es Mira Song ein Anliegen, dem Erbe des Gründerpaars Adele und Gottlieb Duttweiler treu zu bleiben und es gleichzeitig weiterzuentwickeln.

WOMEN IN BUSINESS: 2025 feiert die Migros ihr 100-jähriges Bestehen. Ein Werbespot beleuchtet neben Gottlieb Duttweiler auch seine Frau. War Adele Duttweiler auch eine Woman in Business?
Mira Song: Adele hatte eine sehr wichtige Funktion. Zwar stand Gottlieb Duttweiler immer im Vordergrund, aber seine wichtigste Kundengruppe waren die Frauen. Adele kannte also die Marktbedürfnisse und die Zielgruppe. Sie hat Dutti über die Jahre immer eng beraten und war an der Definition der Werte der Migros massgeblich beteiligt. Adele war eine Instanz, die man bei Fragen zur Zielgruppe konsultierte. Zudem war sie ein Wertekompass für das Unternehmen. Es war den Duttweilers schon früh ein Anliegen, auch den Frauen eine Stimme zu geben, etwa durch das Forum elle, gegründet 1957, lange bevor in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt wurde.

«Wir haben herausgefunden, dass es eine viel heiklere Aufgabe ist, Geld zu verschenken, als Geld zu verdienen», so Dutti. Nach welchen Prinzipien funktioniert die Geldvergabe heute?
Die Prinzipien zeigen sich in den klaren Richtlinien für die Vergabe. Die Statuten verlangen, dass wir in soziale, kulturelle und wirtschaftspolitische Zwecke investieren, immer in Einklang mit den Werten der Migros, die sich mit den Jahren auch weiterentwickeln. Das Fundament sind die 15 Thesen der Duttweilers. Es geht darum, dass wir relevant bleiben mit unseren Aktivitäten. Werte wie Transparenz, Fairness und die Qualität der unterstützten Projekte sind dabei zentral.

Dutti wollte mit der Migros Brücken bauen zwischen Produzenten und Konsumenten. Was möchten Sie mit dem Migros-Engagement erreichen?
Die Duttweilers wollten gute Qualität zu günstigen Preisen. Die Leute sollten mehr Geld zur Verfügung haben und die Möglichkeit, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Dazu gehörten Bildung und auch Reisen. Sie waren überzeugt, dass wer nur die Grundbedürfnisse abdecken kann, lediglich «vor sich hinvegetiert», so Duttweiler; erst zusätzliche Aktivitäten geben dem Leben auch einen Sinn. Das Leben in der Schweiz sollte für alle lebenswert sein. Heute verfolgen wir in grossen Zügen immer noch denselben Gedanken: Sinnstiftung und Lebensqualität für alle Menschen in der Schweiz stehen im Zentrum unseres Tuns und unseres Angebots. Ein Ansatz dabei ist es einerseits, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, den Menschen anderseits aber auch eine individuelle Entwicklung zu ermöglichen. Dabei verfolgen wir die gesellschaftlichen Entwicklungen ganz genau. Im Moment legen wir einen Fokus auf das Thema Armut und Teilhabe und möchten mit unseren sozialen Projekten für dieses Thema sensibilisieren.

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Finanzkompetenz ist eine Form von Selbstbestimmung

Posted by Andrea Kaspar
Sie ist technologieaffin, analytisch und empathisch: Marianna Vassallo verantwortet als Head of Cornèrtrader die Online-Trading-Plattform der Cornèr Bank und setzt beim Angebot auf Innovation, Finanzbildung und persönlichen Service.

Ein Blick auf das Smartphone verrät den aktuellen Kurs und die Entwicklung der erstandenen Anlageprodukte. Investieren war nie unkomplizierter und schneller möglich als heute. Auch dank Anbietern wie Cornèrtrader. Seit 2012 bietet die Online-Trading- Plattform Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, das eigene Portfolio auf Smartphone, Tablet oder Laptop zu verwalten. Mit über 40 000 Produkten profitieren sie von einem breiten Angebot, um sich mit Aktien, CFDs, Devisen, Optionen & Co. auseinanderzusetzen und das Richtige für jedes Bedürfnis zu finden – weit weg von Standard-Paketen für die breite Masse. Chefin Marianna Vassallo weiss, dass technische Finesse und eine umfangreiche Palette zwar wichtig sind, aber Kundinnen und Kunden mehr wollen, wenn es um die eigenen Finanzen geht: Individualität und Nähe stehen auf dem Programm. Aus diesem Grund setzt die Finanzexpertin mit der Plattform auf ein praktisches Rundumpaket, eine fundierte Beratung und die intensive Beziehungspflege mit Anlegerinnen und Anlegern.

Frau Vassallo, immer mehr Menschen lösen sich vom Modell des klassischen Sparens und setzen gezielt auf Investments, die schnell, digital und sicher abgewickelt werden können. Das Angebot boomt. Was macht Cornèrtrader anders als die Konkurrenz?
Unsere Multi-Asset-Online-Trading-Plattform bietet alles, was man sich von einer Bank wünscht. Neben dem Handel mit verschiedenen Anlageprodukten profitieren Kundinnen und Kunden auch von klassischen Bankdiensleistungen wie Konten, Zahlungen und Karten. Das macht den Umgang mit dem eigenen Geld besonders bequem und schafft eine vertrauensvolle Beziehung. Gerade Letzteres ist uns besonders wichtig.

Weshalb spielt die persönliche Beziehung eine solch zentrale Rolle in einer Zeit, in der vieles automatisiert und anonym geregelt wird?
Das Thema Geld ist ein sehr persönliches. Gerade in der Schweiz sind die Menschen eher zurückhaltend, wünschen sich Diskretion und Sicherheit. Aus diesem Grund setzen wir mit unserer langjährigen Erfahrung als Schweizer Privatbank auf die persönliche Beratung und den regen Austausch. Unsere Kundinnen und Kunden erwarten Professionalität, schnellen Service und individuelle Betreuung. Auch im digitalen Umfeld möchten viele einen direkten Ansprechpartner, der ihre Bedürfnisse versteht – das machen wir möglich. Wir verbinden das traditionelle Bankbusiness mit der Flexibilität einer modernen Online-Plattform und das zu attraktiven Preisen.

Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?
Viele unserer Kundinnen und Kunden führen Unternehmen, verwalten Kapital und sind es gewohnt, Entscheidungen auf Faktenbasis zu treffen. Wir bieten ihnen dafür die passenden Tools, professionelle Marktanalysen und persönlichen Support. Das schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch Zeitersparnis. Viele unserer Anlegerinnen und Anleger haben bereits erste Trading-Erfahrungen gesammelt, sind aber mit klassischen Angeboten nicht mehr zufrieden – sei es wegen der Kosten oder der Performance – und wünschen sich eine moderne, aber dennoch vertrauenswürdige Lösung.

Geniessen Online-Trading-Plattformen allgemein ein vertrauensvolles Image in der Schweiz?
Sie sind längst im Mainstream angekommen. Die grösste Herausforderung besteht heute darin, eine Plattform zu bieten, die sowohl benutzerfreundlich als auch technologisch führend ist und das zu wettbewerbsfähigen Kosten. Technologie ist teuer, und die Preissensibilität der Kundschaft ist hoch. Das ist ein ständiger Balanceakt.

Wie wichtig ist das Thema Innovation für Cornèrtrader?
Sie ist das Herzstück unseres Erfolgs. Wir investieren kontinuierlich in neue Technologien, Funktionen und Partnerschaften. Die Finanzbranche ist heute dynamischer denn je. Es gibt viele neue Anbieter, Produkte oder Neo-Banken, die das Marktumfeld stark beeinflussen. Dennoch entwickelt sich der Sektor oft langsamer, als man denkt, etwa beim Übergang von Vermögen zwischen Generationen. Wir bereiten uns darauf vor, dass Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) diese Entwicklung künftig beschleunigen werden.

Wie werden Sie die Zukunft des Online- Tradings in der Schweiz mitgestalten?
Cornèrtrader steht für Stabilität, Kundennähe und Bildung. Wir möchten Menschen befähigen, informierte Anlageentscheidungen zu treffen. Gleichzeit arbeiten wir kontinuierlich an neuen, intuitiven Lösungen, um bestehende, aber auch neue Kundenbedürfnisse zu bedienen.

Sprechen Sie mit Ihren Angeboten Frauen und Männer gleichermassen an?
Bisher ist der Finanzsektor nach wie vor eher männlich dominiert. Da ist das Thema Trading keine Ausnahme. Aber die Lücke schliesst sich spürbar. Immer mehr Frauen entdecken die Welt der Investitionen für sich und viele sind sehr erfolgreich darin. Ich sehe oft auch Männer, die ihre Partnerinnen oder Töchter ermutigen, aktiv zu investieren. Ich bin überzeugt, dass der Gender Gap in einigen Jahren keine grosse Rolle mehr spielen wird.

Wo müssen wir ansetzen, um den Gap möglichst rasch und effizient zu schliessen?
Der zentrale Punkt ist die Vermittlung von Finanzwissen und das bereits früh: in Familien, in Schulen, in Universitäten. Wir müssen die Freude am Ausprobieren fördern und aufzeigen, wie sich Stratgien entwickeln lassen. Wir müssen uns und unser Umfeld motivieren, auch im Privaten offener über das Thema Investments zu sprechen, voneinander lernen und neugierig bleiben – ohne Ängste oder Hemmungen.

Gibt es Herausforderungen mit denen besonders Frauen in der Finanz- und Trading-Branche zu kämpfen haben?
Es gibt nach wie vor ein gewisses Misstrauen gegenüber Frauen, die sich in männerdominierten Branchen und Bereichen behaupten. Das gilt nicht nur für die Finanzwelt. Persönlich habe ich mich immer auf meine Fähigkeiten, Ziele und Werte konzentriert. Ich habe mit Bescheidenheit, aber auch mit Entschlossenheit an meinen Kompetenzen gearbeitet und Chancen ergriffen, wenn sie sich boten.

Wie fördern Sie Diversität und Inklusion in Ihrem Team?
Unser Team ist vielfältig in Bezug auf Geschlecht, Alter und kulturellen Hintergrund. Wir setzen auf offene Kommunikation und gegenseitigen Respekt. Vielfalt ist nicht nur gesellschaftlich wertvoll, sondern auch geschäftlich ein klarer Vorteil: Unterschiedliche Perspektiven schaffen bessere Ideen und nachhaltigere Entscheidungen.

Welchen Rat geben Sie Einsteigerinnen aber auch Einsteigern im Online- Trading mit auf den Weg?
Sammeln Sie Informationen und eignen Sie sich Wissen an. Dieses ist vielerorts auch kostenlos verfügbar. Am besten beginnen Sie mit einer Demoversion und fundierten kostenlosen Schulungsangeboten – so wie wir sie anbieten. Auch das Hören von Finanzpodcasts oder das Lesen von Blogbeiträgen zum Thema kann helfen, den Horizont zu erweitern. Es braucht Geduld und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Wichtig ist, sich ein klares Ziel zu setzen und eine langfristige Strategie zu entwickeln – mit einem Partner, dem man vertraut. Finanzkompetenz ist eine Form von Selbstbestimmung, und gerade für Frauen wird sie mit Blick auf die Altersvorsorge immer wichtiger.

Cornèr Group ist eine private und unabhängige Schweizer Bankengruppe, die 1952 von Vittorio Cornaro gegründet wurde. Heute wird das Unternehmen in dritter Generation von seinem Enkel und Namensvetter Vittorio Cornaro geführt. Das familiengeführte Finanzinstitut verbindet die Werte einer traditionellen Privatbank mit moderner Innovationskraft. Die Produkte und Dienstleistungen decken die gesamte Palette des traditionellen Bankgeschäfts ab. Private Banking, Kreditfinanzierung, die Kredit- und Prepaidkarten Visa, Mastercard und Diners Club (Cornèrcard) sowie Online- Trading (Cornèrtrader) sind die Geschäftsbereiche, in denen die Gruppe besonders etabliert ist.

Die Regelbrecherin

Posted by Andrea Kaspar
Für die slowenische Designerin Nika Zupanc ist Design ein subtil subversiver Akt. Kraft trifft auf Zartheit, Funktionalität auf Schönheit. Ihr Porsche Art Car illustriert ihre Haltung ebenso wie ihre Möbel und Accessoires. Ein Gespräch darüber, wie aus Gegensätzen Gestaltung entsteht, über Teamwork und den Nutzen des Alleinseins.

WOMEN IN BUSINESS: Woran arbeiten Sie zurzeit?
Nika Zupanc:
Momentan bin ich damit beschäftigt, Projekte für verschiedene Marken zu entwickeln, darunter Möbel und Objekte. Aber sie sind noch nicht spruchreif. Andererseits erarbeite ich die Markenidentität für eine Brillengeschäft-Kette in Slowenien. Das Konzept ist modular, damit es sich an unterschiedliche Standorte anpassen kann.

Seit der «Lolia Lamp» vor 17 Jahren haben Sie Möbel, Objekte, sogar einen Porsche Art Car gestaltet und jetzt ein Brillengeschäft. Ihre Arbeit ist sehr vielfältig. Wo ist der rote Faden?
Am Anfang steht immer die Funktion – und der Wunsch, den Alltag zu bereichern. Design kann Geschichten erzählen, gesellschaftliche Fragen aufgreifen, Werte ausdrücken, Menschen zum Nachdenken bringen. Die «Lolita Lamp» war riskant, denn damals galt Pink noch als Tabu. Aber Moooi liebte es, zu provozieren und gab mir eine Bühne. Ich erinnere mich an den Titel im Katalog: Who is afraid of Pink? Heute ist Pink allgegenwärtig. Für mich ist es aber schön zu wissen, dass ich zur Veränderung dieser Wahrnehmung beigetragen habe.

Nebst ganzen Kollektionen entwerfen Sie auch kostspieligere limitierte Editionen. Ist das Geschäftskalkül?
Nein, das sind meine Forschungsfelder. Sie erlauben mir, zu experimentieren. Letztlich steckt hinter jedem Objekt eine sehr rationale Herangehensweise –– es geht um Materialien, Kosten, Produktionsprozesse. Doch Rationalität und Verspieltheit schliessen sich nicht aus. Verspieltheit führt oft zu neuen Lösungen – gestützt auf rationales Denken.

Sie haben für Porsche das Modell 911 mit einem opulenten Rosendesign gestaltet. Welche Idee steckte dahinter?
Porsche ist eine starke Marke mit langer Geschichte. Für mich war das Projekt deshalb unglaublich spannend. Ich wollte einen anderen Blickwinkel zeigen und neue Emotionen wecken. Die Fülle grosser Rosen auf einem so kraftvollen Auto erzeugt eine Spannung, die ich liebe. Porsche steht für technische Perfektion, und die Rosen für Emotionalität. Für mich sind diese Rosen eine Form subtiler Rebellion – wie schon die «Lolita Lamp» und der «Ribbon Chair».

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Im Zeichen der Gleichberechtigung

Posted by Andrea Kaspar
Mit der TOP100-Ausgabe setzt WOMEN IN BUSINESS ein Zeichen für den Fortschritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Frau und Mann. Im Interview gibt die letztjährige Woman of the Year Tina Müller, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Weleda AG, Einblicke in ihr Jahr und ihre Sicht auf die Stellung der Frau in der Geschäftswelt.

Die Sonderausgabe TOP100 von Women in Business mit Porträts von 100 Schweizer Frauen, die in ihrer Sparte Aussergewöhnliches leisten und anderen ein Vorbild sind, ist eine Momentaufnahme der Stellung der Frau in unserer Gesellschaft. Über die Jahre zeichnet sie ein Bild des Fortschritts, der jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Eine Vielfalt erfolgreicher Frauen Vergangen ist die Zeit, als es schwierig war, 100 Frauen in prominenten Rollen in der Geschäftswelt zu finden. Heute ist es eine schöne Aufgabe, eine Auswahl zu treffen, welche die Vielfalt und den Erfolg der Frauen in der Schweiz widerspiegelt. Dass einige der Teilnehmerinnen seit Jahren in der TOP100 vertreten sind, spricht zudem für die Nachhaltigkeit dieser Erfolgskarrieren. Solche Fortschritte gilt es anzuerkennen und zu feiern – nicht aber sich damit zufrieden zu geben. Zu deutlich unterscheiden sich etwa die Anteile von Frauen und Männern in den Chefetagen und Verwaltungsräten, und zu frustrierend bleibt der (Arbeits-) Alltag vieler Frauen. Dies stellt auch Tina Müller fest. Sie ist seit 2023 Vorsitzende der Geschäftsleitung der Weleda AG und Woman of the Year 2024. Es sei gerade jetzt wichtig, dass Organisationen und Firmen nicht lockerlassen und an Gleichberechtigungszielen und Fördermassnahmen festhalten, um die Stellung der Frau zu festigen und zu beschleunigen, so Müller. Sie zeigt auf, dass gerade ein traditionell weiblich geprägtes Unternehmen wie Weleda bestens positioniert ist, um eine Vorreiterrolle einzunehmen. Und sie nimmt Frauen in die Pflicht mit der Aufforderung, selbstbewusst aufzutreten und sich gegenseitig zu fördern. Im Interview teilt sie auch einige Höhepunkte aus ihrem Jahr als Woman oft he Year.

WOMEN IN BUSINESS: Was waren die besonderen Highlights der vergangenen Monate?
Tina Müller: Oh, da gab es so viele! Als ich im Dezember die Auszeichnung als Woman of the Year entgegennehmen durfte, war das für mich eine riesige Ehre, vor allem, weil ich zu diesem Zeitpunkt erst ein Jahr in der Schweiz war. Ich bin unglaublich dankbar für die herzliche Aufnahme in das Schweizer Frauennetzwerk. Auch beruflich war das vergangene Jahr ein voller Erfolg: 2024 war das beste Jahr in der Geschichte unseres Unternehmens. Wir haben nicht nur den höchsten Umsatz erzielt, sondern auch unser operatives Ergebnis mehr als verdoppelt. Das zeigt, dass unsere Strategie «Wachstum mit Verantwortung » – mit den Wachstumshebeln Innovation, Digitalisierung, Premiumisierung und Internationalisierung – genau der richtige Weg ist. Unser Ziel, den Umsatz bis 2030 zu verdoppeln, ist greifbar. Ein Highlight war auch der Erfolg unserer ersten Anti-Aging-Linie Blauer Enzian & Edelweiss. Und jetzt sind wir mit drei spannenden Innovationen auf dem Markt: den Booster Drops, das sind die Seren, die eine individuelle Hautpflege ermöglichen, minLen, unserer Multigenerationen-Skincare in Zusammenarbeit mit Prinzessin Madeleine von Schweden, und Weleda Cell Longevity, unserer hochwirksamen Premium-Anti- Aging-Pflege. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir mit den letzten beiden Linien einen neuen Absatzkanal erschlossen haben: Weleda ist jetzt auch in Parfümerien vertreten.

Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Vertretung der Frauen – speziell in Ihrer Branche und auch in der Wirtschaft generell?
Leider sehe ich mit Sorge, dass Diversität und Gleichberechtigung in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion oft in den Hintergrund rücken. Es gibt immer noch Strukturen, die Männer bevorzugen, und ich höre viel zu oft die Ausrede: «Wir haben leider keine Frau gefunden.» Das ist für mich keine akzeptable Antwort. Mein Appell an alle Frauen in Führungspositionen: Wenn wir keine Frau gefunden haben, dann suchen wir weiter. Ich wünsche mir mehr Solidarität unter Frauen – eine echte Sisterhood. Wir sollten uns gegenseitig fördern, unsere Netzwerke stärken und klar Stellung beziehen, wenn Frauen unterrepräsentiert sind. Denn nur gemeinsam können wir etwas verändern.

Welche Massnahmen oder Strukturen können unternehmensintern und darüber hinaus die Teilnahme von Frauen am Wirtschafts- und Geschäftsleben auf allen Ebenen fördern?
Ein Schlüssel ist die persönliche Sichtbarkeit. Frauen leisten oft Grossartiges, aber sie zweifeln auch häufiger an sich selbst. Während Männer fragen: «Was bekomme ich dafür?», fragen Frauen oft: «Bin ich schon so weit?» Hier müssen wir ansetzen. Es geht darum, ein klares Profil zu entwickeln, die eigenen Stärken sichtbar zu machen und Selbstvertrauen aufzubauen. Das berühmte 3-P-Modell – Performance, Power und Personal Branding – ist dabei ein guter Leitfaden. Gleichzeitig brauchen wir Strukturen, die Frauen gezielt fördern, etwa durch Mentoring- Programme oder Nachfolgeplanung. Und natürlich müssen Frauen in Führungspositionen dafür sorgen, dass zentrale Rollen mit Frauen besetzt werden. Ein grosses Problem sind äussere Rahmenbedingungen. Eine Mitarbeiterin erzählte mir kürzlich, dass sie für die Kita ihrer zwei Kinder jährlich 48 000 Franken zahlt – für vier Tage die Woche. Solche Kosten machen es Eltern unglaublich schwer, am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Hier braucht es eben auch die politischen Lösungen.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Wir schaffen gezielt Raum für Innovationen

Posted by Andrea Kaspar

Von Wien nach Zürich: Christine Antlanger-Winter zieht nach gut zwei Jahren als Google-Schweiz-Chefin eine positive Bilanz. Im Interview verrät sie, wie sie das Unternehmen in die Zukunft führen möchte und welche Chancen sowie Herausforderungen uns erwarten.

Seit zwei Jahren steht die Oberösterreicherin Christine Antlanger-Winter als Länderchefin an der Spitze von Google Schweiz. In Zürich hat sie mit ihrer Familie eine neues Zuhause gefunden und beruflich eine spannende Herausforderung angenommen. Ein Gespräch über Künstliche Intelligenz in unserem Alltag, Leadership-Prinzipien und darüber, wie mehr Frauen den Weg in die Tech-Branche finden.

WOMEN IN BUSINESS: Christine Antlanger-Winter, Sie haben vier Jahre lang Google Austria geleitet. Jetzt sind Sie Länderchefin von Google Schweiz. Was hat Sie an einem Wechsel nach Zürich gereizt?
Christine Antlanger-Winter: Google Schweiz beherbergt einen der grössten Tech-Hub des Unternehmens ausserhalb der USA. Viele ikonische Produkte, die unseren Alltag erleichtern, sind hier mitentwickelt worden. Während ich mich in Österreich vor allem auf Stakeholder-Management und den Auf- und Ausbau von Partnerschaften konzentriert habe, bin ich in der Schweiz viel näher an der Entwicklung technologischer Innovationen.

Google hat sich seit 2016 als „AI-First“-Unternehmen positioniert. Was bedeutet das genau?
Künstliche Intelligenz (KI) ist seit Jahren ein zentraler Bestandteil unserer Produkte und wird von Nutzerinnen und Nutzern täglich verwendet – zum Beispiel in Google Maps, der Bildersuche oder der Spracherkennung. Doch erst in den letzten Jahren ist Artificial Intelligence (AI) zu einem breiten gesellschaftlichen Thema geworden. Uns war und ist ein mutiger und dabei verantwortungsvoller Umgang mit generativer KI besonders wichtig – eine Technologie, die der Schweiz enormes wirtschaftliches Potenzial bietet.

Woran liegt das?
Das hängt stark mit der Wirtschaftsstruktur der Schweiz zusammen. Branchen wie das Finanzwesen oder die Pharmaindustrie profitieren besonders von KI-gestützten Innovationen. Zudem fördern renommierte akademische Einrichtungen wie die ETH Zürich oder EPFL technologische Entwicklungen und arbeiten eng mit uns zusammen.

Vergangenes Jahr feierte Google sein 20-jähriges Jubiläum in der Schweiz. Wie hat sich das Unternehmen in zwei Jahrzehnten verändert?
Google Schweiz ist organisch gewachsen – von einer kleinen Gruppe Mitarbeitender auf rund 5000 „Zoogler“ heute. Dabei wurden in Zürich bahnbrechende Innovationen und ein inspirierendes Ökosystem initiiert. Über 110 Unternehmensgründungen hat es inzwischen durch ehemalige Google-Mitarbeitende gegeben. Wir schaffen gezielt Raum für Innovationen: Jede und jeder hat grundsätzlich die Möglichkeit, 20 Prozent der Arbeitszeit in neue Ideen zu investieren. Diese Kultur des Experimentierens möchte ich als Führungskraft weiter stärken und unsere Mitarbeitenden dazu ermutigen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Zürich bietet dafür das perfekte Umfeld und wird von unserer internationalen Belegschaft sehr geschätzt.

Wie definieren Sie Ihre Führungsprinzipien?
Mir sind drei Werte besonders wichtig: Clarity, Empowerment und Empathy. Sie prägen meinen Führungsstil. Ich glaube an professionelle Nahbarkeit, an Authentizität und an die Ermutigung jedes einzelnen Teammitglieds. Mein Ziel ist es, eine Umgebung zu schaffen, die inspiriert und fördert.

Sie haben den Posten von Patrick Warnking übernommen. Als Frau an der Spitze von Google Schweiz sind Sie auch ein Vorbild für viele junge Frauen in der Tech-Branche. Welche Bedeutung hat Frauenförderung für Sie?
Ich halte Vorbilder für essenziell. Sie motivieren und zeigen, „was möglich ist“. Gleichzeitig geht es aber auch darum, gezielt Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und Erfahrungen transparent und ehrlich zu teilen. Ich engagiere mich aktiv in Organisationen, die Frauen fördern, und ermutige dazu, notwendige gesellschaftliche und institutionelle Veränderungen anzustossen – denn vieles passiert auf einer unbewussten Ebene und wird durch stereotypische Normen geprägt. Nur so können wir mehr Frauen für die Tech-Branche begeistern.gefangen habe. Ich habe geantwortet: Oh ja, dieses Gefühl ist immer noch genau gleich da.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Verliebt in Edelsteine

Posted by Andrea Kaspar

Wer Lucia Silvestri in ihrem Büro in Rom besucht, muss erst eine Sicherheitsschleuse passieren – und dann einen Schrank von Mann mit Bürstenfrisur und Knopf im Ohr. Er steht breitbeinig neben dem Eingang, nickt zum Gruss und versteinert wieder. «Eine Vorschrift», erklärt Silvestri, «sonst könnte ich hier ja niemanden empfangen». Das «Hier» verziert sie mit einer kleinen Handbewegung zum grossen Tisch in der Mitte des Raums. Seine Oberfläche ist weiss und mit Juwelen in allen möglichen Farben, Grössen und Formen übersät. Und bald werden es noch viel mehr: Lucia Silvestri wird in den nächsten Wochen nach Genf, New York, Hongkong, Sri Lanka und Indien reisen auf der Jagd nach Edelsteinen. Das ist ihr Job Nr. 1 beim römischen Juwelier Bulgari. Die Steine in Colliers, Ohrringen, Armbändern und Schmuck miteinander ins Spiel zu bringen, ihr Job Nr. 2: Sie designt jedes Jahr die Preziosen der High-Jewellery-Kollektion des Hauses.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Silvestri, es ist ein ganz normaler Montag, Sie sitzen im Büro und Sie tragen unglaublich viel Schmuck.
Lucia Silvestri: Wie kommen Sie darauf, dass das ein ganz normaler Montag ist? Ich gebe heute dieses Interview, werde über mich und meine Arbeit erzählen. Ohne Edelsteine zu tragen, kann ich das nicht.

Im Ernst?
Ganz im Ernst. Ich liebe meinen Job von ganzem Herzen, er ist meine Leidenschaft. Wenn ich von Edelsteinen umgeben bin, fühle ich mich sehr glücklich. Ich habe gerade vorhin beim Lunch mit Herrn Bulgari darüber gesprochen. Er fragte mich, ob ich immer noch das gleiche Gefühl habe wie damals, als ich angefangen habe. Ich habe geantwortet: Oh ja, dieses Gefühl ist immer noch genau gleich da.

Wie war denn der Anfang?
Ich bin zu Bulgari gekommen durch meinen Vater. Er war die rechte Hand von Paolo und Nicola Bulgari, den Enkeln von Sotirios Voulgaris, der das Unternehmen im Jahr 1884 gegründet hatte. Es ging um eine Stellvertretung für eine Mitarbeiterin im Mutterschaftsurlaub. Zu dieser Zeit studierte ich Biologie, war mit einem Arzt verlobt und hatte vor, mit ihm eine Praxis zu eröffnen.

Es kam offensichtlich anders.
Ja. Ich habe mich in die Edelsteine verliebt, als ich das erste Mal bei den Herren Bulgari im Büro war. Es stand da ein Tisch wie meiner, der mit Edelsteinen übersät war, und ich habe sofort verstanden, dass dieser Tisch mein Schicksal ist. Die Brüder haben gemerkt, was in mir vorgegangen ist und das Glück wollte es, dass sie genau zu der Zeit auf der Suche waren nach jemand Jüngerem, den sie aufbauen konnten. Sie haben mir angeboten, mich ins Geschäft einzuführen. Ich habe sofort zugesagt.

Was geschah mit Studium, Verlobtem, Praxis?
Das war alles vergessen. Stattdessen bin ich mit den Bulgaris um die Welt gereist und habe den Edelstein-Einkauf kennengelernt. Und vor allem: Ich habe verhandeln gelernt.

Erzählen Sie!
Wenn wir auf unseren Reisen Steine ausgewählt hatten und es schliesslich um den Preis ging, hiess es damals – also vor über 40 Jahren – immer, wir wollen mit Herrn Bulgari reden. Der ist nicht darauf eingestiegen, sondern hat mich machen lassen. So bin ich zu meinem Alter Ego gekommen.

Das da wäre?
Mein Ruf eilt mir voraus: I’m sweet but tough. In Verhandlungen werde ich zum Tiger.

Was ist wichtig für Sie, wenn Sie Steine einkaufen?
Mein Gefühl. Manchmal kann ich einen Edelstein nicht kaufen, weil die Person, die den Stein verkauft, eine negative Energie hat. Es ist für mich sehr wichtig, dass die Chemie zwischen mir und dem Verkäufer stimmt.

Bekommen Sie immer, was Sie wollen?
Ganz, ganz selten kommt es noch vor, dass jemand nicht mit mir verhandeln will. Ich sage dann nur, okay, dann kaufe ich auch nichts, basta.

Und dann ist es gelaufen?
Nein. Oft ist das der erste Schritt auf dem Weg zu einer Einigung. Wissen Sie, Geduld ist in dem Geschäft eine Tugend.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Die Finanzbranche ist meine Welt

Posted by Andrea Kaspar

Helen Fricker ist die einzige Frau in der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz. In der Finanzwelt fühlt sie sich rundum wohl. Sie mag die Auseinandersetzung in diversen Teams und nennt Glaubwürdigkeit als ihren wichtigsten Wert.

Aufgewachsen in St. Gallen, entschied sich Helen Fricker zuerst für den Beruf der Primarlehrerin. Nach zwei Jahren Schule geben, ging sie zurück an die Universität und studierte Betriebs- und Organisationspsychologie. Eher zufällig kam sie zur Zürcher Kantonalbank, was sich als Glücksfall herausstellte. Die Branche gefiel ihr ausnehmend gut, weshalb sie ihr bis heute treu geblieben ist. Nach 15 Jahren im Bankenberatungszentrum bbz wechselte sie zu Raiffeisen Schweiz, wo sie nun seit 14 Jahren tätig ist, vier davon in der Geschäftsleitung.

WOMEN IN BUSINESS: Wie wird man die einzige Frau in der Geschäftsleitung der zweitgrössten Bankengruppe der Schweiz?
Helen Fricker: Dazu braucht es eine besondere Offenheit, Interesse, Engagement, um sichtbar zu sein und weiter- zukommen. Und auch ein bisschen Mut, um Themen anzugehen, bei denen man nicht genau weiss, ob man diese erfolg- reich bestehen wird. Ausserdem bin ich überzeugt, dass man fortlaufend in Aus und Weiterbildung und in die eigene Entwicklung investieren muss.

Was sind die Verantwortungsbereiche in Ihrer Funktion als Mitglied der Geschäftsleitung?
Ich bin in einem sehr breiten Spektrum tätig. Wir haben bei Raiffeisen in der Gruppe 218 rechtlich eigenständige Banken, mit fast 800 Standorten. Das Departement, das ich führe, ist die zentrale Anlaufstelle für die Raiffeisenbanken in allen strategischen und operativen Fragestellungen. Wir unterstützen die ganze Bankengruppe mit unterschiedlichen Dienstleistungen. Sei das Marketing, Strategieberatung, Vertriebsunterstützung oder HR-Dienstleistungen. Auch das Kundenkontaktzentrum mit Telefonie- und Chatberatung fällt in meinen Verantwortungsbereich. Und wir haben zwei Sitze im Tessin und in der Roman- die, um alle Sprachregionen abzudecken.

Welches sind Ihre Werte als Führungspersönlichkeit?
Glaubwürdigkeit ist für mich der absolut oberste Wert. Und dann die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Dass man unterschiedliche Sichtweisen sehen, sich mit ihnen auseinandersetzen kann, um eine tragfähige Lösung zu finden. Dazu kommt Respekt und echtes Interesse. Und Menschlichkeit.

Setzen Sie für den Perspektivenwechsel auf diverse Teams?
Ja, ein Team mit sehr vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, die unterschiedlich ticken, ist für mich das Zentralste. Unterschiedlich nicht nur was das Geschlecht angeht, sondern auch Alter, Erfahrungen, Kompetenzen und Hintergründe. Das ist manchmal anstrengend, aber ich mag auch kontroverse Auseinandersetzungen, das macht mich aus. Ich konnte mein Team zum grössten Teil selber zusammenstellen. Wir sind divers, wir sind nicht immer gleicher Meinung, kommen aber trotzdem zu einer Lösung, auf der wir miteinander weiterarbeiten können. Solche gemeinsam erarbeiteten Lösungen erweisen sich meistens auch als sehr tragfähig.

Wie sieht es mit Hierarchien aus?
Ich lasse meinem Führungsteam und meinen Mitarbeitenden gerne Freiräume und vertraue auf ihre Kompetenzen.Auch ich bin jemand, der immer Gestaltungraum gesucht und genutzt hat. Wenn alles gut läuft und wir genug Zeit haben, beziehe ich die Mitarbeitenden gerne in Entscheidungsprozesse ein. Aber wenn es brennt, und schnell gehen muss, dann gehe ich voran und entscheide.

Mit welchen Herausforderungen werden Sie konfrontiert?
Die Marktherausforderungen und die Kundenbedürfnisse, die immer grösser werden. Dort stehen wir vor grossen Investitionen in digitale Angebote. Doch wie bringen wir die beiden Welten zusammen, die Nähe vor Ort und die digitale Welt? Das bedeutet einerseits, die Mitarbeitenden, die im Kundenkontakt stehen, entsprechend auszubilden. Und gute Leute zu finden, die mit uns die Zukunft gestalten wollen.Der Finanzbereich gilt immer noch als männerdominiert.

Wissen Sie, wieso das so ist?
Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt, und ich verstehe es nicht. Wir machen immer wieder Umfragen, die zei- gen, dass Frauen in finanziellen Belangen weniger Wissen und Interesse haben. Das ist leider ein Fakt. Ich leiste einen kleinen Beitrag, indem ich vielen jungen Frauen, die bei uns ein Praktikum machen wollen, eine Chance gebe und versuche, ihnen die Themen schmackhaft zu machen.

Was tun Sie betreffend Financial Literacy im Allgemeinen und speziell für Frauen?
Wir stellen Wissensbeiträge zu Finanzthemen auf unserer Webseite zur Verfügung, wo man sich schnell zurechtfindet. Zusätzlich bieten wir Workshops, Referate oder digitale Events mit niederschwelligen Angeboten. Die Raiffeisenbank Zürich hat beispielsweise ein Kompetenzcenter für Anlegerinnen ins Leben gerufen. Es gibt sehr viele Banken, die Anlässe, wie zum Beispiel ein Frauen- Kaffee zu spezifischen Themen wie persönliche Vorsorge veranstalten. So können Frauen mit ihren eigenen Themen kommen und sind unter sich. Wir setzen auch bewusst auf Frauen als Beraterinnen, um Kompetenz von Frau zu Frau zu vermitteln.

Sie haben zwei erwachsene Kinder. Wie haben Sie den Spagat zwischen Familie und Beruf geschafft?
Ich hatte grosse Unterstützung von meinen Eltern. In der Zeit, in der ich gearbeitet habe, haben sie auf die Kinder aufgepasst. Ich wollte Zeit mit meinen Kindern verbringen, deshalb habe ich acht Jahre lang 60 Prozent gearbeitet. Das ist immer eine persönliche Entscheidung und es gibt immer einen Preis, den man zahlen muss.

Was heisst das in Ihrem Fall?
2005 wollte mich ein Finanzinstitut in der Schweiz in die Geschäftsleitung holen. Da waren meine Kinder noch rativ klein. Der Job gefiel mir sehr gut, aber ich entschied mich dagegen. Ich hätte in einer solchen Funktion sehr viel Zeit und Energie investieren müssen. Das wäre auf Kosten der Familie gegangen und das wollte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. In solchen Situationen ist es wichtig, dass man ehrlich mit sich selbst ist. In meinem beruflichen Umfeld war ich hingegen nie mit Hindernissen konfrontiert. Ich bekam sehr viele Möglichkeiten und Chancen und konnte immer selber über mich entscheiden.

Sie haben also viel Unterstützung erhalten?
Ja. Ich bekam immer neue Möglichkeiten von meinem Umfeld, von Vorgesetzten, die mir herausfordernde Aufgaben gegeben haben. Aber ich war auch bereit, die Extrameilen zu gehen und Ausbildungen zu machen. Ich bin jemand, der wahnsinnig interessiert ist an unterschiedlichen Themen. Ich will mich engagieren und habe sehr viel Energie. Das wurde immer sehr stark ästimiert.

Was raten Sie jungen Frauen, die am Anfang ihrer Karriere stehen?
Zuerst eine solide Ausbildung und Weiterbildungen zu machen. Schauen, dass man à jour ist. In einer Tätigkeit sein, in der man etwas lernen kann und nie in der Komfortzone bleiben, egal, welchen Lebensentwurf man hat. Und mutig sein.

Raiffeisen feiert das 125-Jahre-Jubiläum. Welche Werte aus diesen 125 Jahren haben heute noch Gültigkeit?
Was uns ausmacht, ist die Nähe zu den Menschen. Mit diesem Wert sind wir gestartet. Etwas pathetisch hiess der Leitsatz damals: «Was einer nicht vermag, das vermögen viele». Mit den 218 Raiffeisenbanken und fast 800 Standorten sind wir wirklich nahe bei den Menschen. Jede Bank hat einen eigenen Verwaltungsrat, eine eigene Bankleitung, und die Mitarbeitenden kennen den Markt, in dem sie sich bewegen, und die Menschen, die dort wohnen, sehr gut. Das Zweite ist das lokale Engagement vor Ort.

Was bedeutet das konkret?
Die Raiffeisenbanken engagieren sich stark mit Sponsoring für lokale Vereine, Veranstaltungen, Projekte und die Gemeinschaft. Zum Beispiel haben einige Raiffeisenbanken während der Corona-Situation eigene «Währungen» eingeführt, die sie an ihre Kundinnen und Kunden abgeben und mit denen das Gewerbe vor Ort unterstützt werden konnte. Oder den Genossenschaftern wurden Gutscheine abgegeben, die sie in der Region einsetzen konnten.

Gibt es einen Ausblick auf Projekte oder Ziele, die Sie mit Raiffeisen Schweiz erreichen wollen?
In den nächsten Jahren wollen wir die Kundennähe weiter ausbauen, vor allem im digitalen Bereich, so dass wir auch dort näher bei den Menschen sind. Das Ziel der hybriden Beratung – also das optimale Zusammenspiel von digitaler und physischer Welt – werden wir noch länger verfolgen, weil es so viele verschiedene Themen beinhaltet. Es werden neue Technologien hinzukommen, wie die künstliche Intelligenz. Auch neue Erwartungen der Kunden. Zudem arbeiten wir immer gemeinsam daran, die Raiffeisen Gruppe weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu halten.

In Zusammenarbeit mit unserer Bankpartnerin

 

Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel dient ausschliesslich allgemeinen Werbe- sowie Informationszwecken und stellt keine Empfehlung dar. Er enthält zukunftsgerichtete Aussagen, welche Einschätzungen, Annahmen und Erwartungen von Raiffeisen Schweiz Genossenschaft zum Zeitpunkt der Erstellung widerspiegeln und keine Garantie für künftige Leistungen und Entwicklungen darstellen. Raiffeisen Schweiz Genossenschaft haftet nicht für allfällige Verluste oder Schäden die durch die Verteilung und Verwendung dieses Artikels oder dessen Inhalt verursacht werden.

Bücher über die schönen Dinge

Posted by Andrea Kaspar

Marcella Prior-Callwey hat das Verlagswesen mit der Muttermilch aufgesogen. Sie leitet den Callwey Verlag, der 1884 gegründet worden ist, heute in vierter Generation. Ihr Anliegen ist es, Bücher über die schönen Dinge des Lebens zu machen und dabei einen Mehrwert zu generieren.

Seit 2009 leitet Marcella Prior-Callwey den Callwey Verlag, ihr Bruder Dominik Baur-Callwey führt den Fachmedienbereich, der unter Georg Media formiert. «Wir machen Bücher über die schönen Dinge des Lebens», betont Prior-Callwey und verweist auf den Gründervater Georg D. W. Callwey, der 1884 in München den Callwey Verlag gegründet hatte mit dem Anliegen, kulturferneren Haushalten Kunst und Kultur näherzubringen. Angefangen hatte er mit den Magazinen «Der Dürerbund» und «Der Kunstwart». Die aus losen Blättern bestehenden Ausgaben erzielten Auflagen in Millionenhöhe. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag zur kulturgeschichtlichen Bildung des mittleren Bürgertums und hatten Einfluss auf die Erziehung der Jugend insbesondere von Studenten. Für den praktischen Bezug ergänzte der Verlag das Programm mit Fachzeitschriften im Architekturbereich und im Garten- und Landschaftsbereich.

Eine Verlegerfamilie mit Herz und Seele
Prior-Callwey ist mit dem Verlagswesen aufgewachsen. «Meine Eltern waren beide im Unternehmen, da ist man als Unternehmerkind eng damit verknüpft. Die Themen des Verlagsalltags wurden offen am Esstisch besprochen und wir hatten öfter Autoren bei uns zu Hause. Bei den Weihnachtsfeiern und Betriebsausflügen waren wir Kinder immer dabei und konnten uns etwas Taschengeld dazuverdienen», erinnert sich Prior-Callwey. Druck hätten die Eltern nie gemacht, dass sie einst den Betrieb übernehmen sollte. Aber kleine, sanfte Wegweiser und Schubser habe es von der Familie schon gegeben, erzählt Prior-Callwey. So war naheliegend, dass sie als erstes eine Verlagsausbildung machte, bevor sie Kunstgeschichte, Betriebswirtschaft und Kultur- und Medienmanagement in Berlin studierte. Nach einem Zwischenjahr in Oxford als Visiting Fellow promovierte sie in Kunstgeschichte und arbeitete währenddessen für eine Kunststiftung. Ein paar Monate Volontariat bei Christie’s und verschiedene Praktika folgten. Und dann war da diese längere, schicksalshafte Vakanz in der Programmleitung des Verlags. «Eigentlich wollte ich gerne erst noch mal andere Dinge anschauen. Doch meine Eltern meinten, das könne doch sehr spannend sein und ich solle es einfach mal für ein paar Monate versuchen, und schon war ich drin im Verlag», erzählt Prio-Callwey und betont: «Es ist eine tolle Aufgabe und eine tolle Verantwortung, die mir bis jetzt großen Spass macht». Das Interesse für die Kunst bringt sie heute in den Büchern zum Ausdruck: «Die Bücher sind in der Mitte zwischen Coffeetable-Book und Ratgeber. Als erstes sind es einfach rundum schöne Bücher, mit denen man sich gerne umgibt, die aber immer einen besonderen Mehrwert generieren. Man sollte eine Erkenntnis daraus ziehen, etwas lernen und etwas Besonderes gezeigt bekommen.»Die

Übernahme des Verlags
Als Marcella Prior-Callwey 2009 die Leitung des Callwey Verlags zusammen mit ihrem Bruder Dominik Baur-Callwey übernahm, war sie bereits im Unternehmen eingebunden und hatte gut mit dem externen Vorgänger-Geschäftsführer zusammengearbeitet. «Es kam der Moment, in dem die Geschäfte nicht mehr rund liefen und die Entscheidung gefällt werden musste: entweder wir übernehmen den Verlag und führen ihn in Familienhand weiter oder man sucht einen Käufer und beendet die Familientradition. Ohne lange nachzudenken, haben mein Bruder und ich die Geschäftsführung übernommen», erinnert sich Prior-Callwey. Damals war sie 34 Jahre alt, ihr Bruder 31. Ihr erstes Kind war noch klein, sie war mit dem zweiten Kind schwanger. Das sei schon eine enorme Belastung gewesen und rückblickend wisse sie nicht, wie sie das geschafft habe. «Ich hatte das Glück, dass mein Mann und ich uns gegenseitig unterstützten und die Themen untereinander verteilen konnten. Gemeinsam hat man eine ganz andere Energie», weiss Prior-Callwey, «das gilt auch für die Arbeit mit meinem Bruder. Wir wollten das unbedingt, haben viel angepackt und verändert.» Auf die Unterstützung der Eltern konnten sich die Geschwister verlassen, sie seien sehr aufgeschlossen für neue Ideen gewesen und hätten sie machen lassen. «Meine Eltern waren leidenschaftliche Verleger, die zu Hause viel über die Probleme im Betrieb gesprochen hatten. Auch über Erfolge und Strategieprozesse. Da haben wir unbewusst schon viel mitbekommen», weiss Prior-Callwey. Schlussendlich gelang ein runder Generationsübergang mit den Teams, die schon da waren und viel Erfahrung im Unternehmen hatten und den neuen Leuten, die man dazu holte, die wertvolles Know-how aus anderen Unternehmen der Branche mitbrachten. In die Führungsrolle ist Prior-Callwey einerseits durch Beratung, Fortbildung und Führungsseminare gekommen. Genauso wichtig sei in diesem Prozess das Bauchgefühl, mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich Fehler erlauben, um daraus zu lernen. «Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Entweder man schwimmt oder geht unter», resümiert sie. Aktuell beschäftig der Callwey Verlag um die 30 Mitarbeitenden. Die Hierarchien sind flach, auf Anwesenheit im Büro wird grossen Wert gelegt. Die wichtigsten Merkmale ihres Führungsstils beschreibt Prior-Callwey folgendermassen: «Zugänglichkeit ist das Allerwichtigste. Ich bin immer da und ansprechbar. Das erwarte ich auch von den Mitarbeitenden, deshalb ist mir die Anwesenheit im Büro wichtig. Wir haben sehr schöne Büros, in denen man sich wohlfühlen kann. Dann Teamarbeit. Die wichtigen Entscheidungen werden im Team gefällt. Bei Programmentscheidungen werden bereits von der ersten Ideenrunde an der Vertrieb und die Presse mit eingebunden. Das ist eher ungewöhnlich für die Branche. Klar, am Ende des Tages muss jemand die Entscheidung treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Das läuft dann bei mir zusammen.»

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

250 Jahre Kunst-Expertise

Posted by Andrea Kaspar

Jutta Nixdorf ist über Umwege zu Christie’s gekommen, wo sie heute als Managing Director die Zürcher Niederlassung leitet. Im Interview erzählt sie uns, wie das über 250-jährige Auktionshaus dem Wandel des Kunstmarktes begegnet.

Jutta Nixdorf begann Ihren Werdegang bei Christie’s 1997 und ist seit 2017 Geschäftsführerin von Christie’s Zürich. Ihr Spezialgebiet ist Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Angefangen hat sie jedoch in einem ganz anderen Bereich: im Marketing eines High-Tech-Unternehmens. Mit 30 Jahren entschied sie, noch einmal von ganz vorne zu beginnen und ein Praktikum bei Christie’s zu machen. Den Schritt weg aus dem Management zur unbezahlten Praktikantin im Kunstbetrieb habe sie sehr bewusst gemacht und sich von da aus mit viel Begeisterung und Interesse in das Gebiet vertieft.

Christie’s wurde 1766 durch James Christie in London gegründet. Das bedeutet über 250 Jahre Erfahrungen im Kunstmarkt. Christie’s stehe nicht nur für hochkarätige Kunst-Auktionen, die schwindelerregende Preise erzielen, erklärt Nixdorf, sondern vor allem für profundes Expertenwissen, gebildet durch umfassende Recherchen rund um ein Kunstobjekt über dessen Qualität, Werkgeschichte und Provenienz sowie seine Bedeutung innerhalb der Kunst- und Kulturgeschichte. Und daraus resultiere das Vertrauen in das weltweit führende Auktionshaus Christie’s.

WOMEN IN BUSINESS: Wofür steht der traditionsreiche Namen Christie’s heute?
Jutta Nixdorf: Know-how, langjährige und vertrauensvolle Verbindungen zu Sammlern aber auch Innovationsfreude und den Blick in die Zukunft. Die wichtigsten Aspekte für die Glaubwürdigkeit im Kunstmarkt sind jedoch die Recherche, die kunsthistorische Arbeit und die Transparenz.

Welches sind die wichtigsten Faktoren für den Wandel im Kunstmarkt?
Globalisierung, Digitalisierung und eine neue Sammlergeneration. Jährlich wächst unser Kundenstamm um circa 30 Prozent. Zum einen nehmen immer mehr internationale Kunden am Kunstmarkt teil. Auktionen mit Teilnehmern aus 50 Ländern aus fünf Kontinenten kommen immer häufiger vor. Zum anderen spielt die Digitalisierung eine sehr wichtige Rolle. Die Pandemie war für die Digitalisierung ein Katalysator. Glücklicherweise betrieb Christie’s schon seit 2011 seine eigene «online only auction platform» und konnte diese zügig ausbauen. Obwohl keine physischen Besichtigungen möglich waren, konnten wir einzelne Werke für über 20 Millionen Dollar verkaufen. Das hat nur funktioniert, weil das Vertrauen in Christie’s da war.

Wie gestaltet man spannende Online-Auktionen?
Zum Beispiel mit der hybriden Auktion Global One. Sie verband in Echtzeit die Auktionssäle Hongkong, Paris, London und New York, wo jeder Auktionator aktiv die Gebote der anderen Auktionsorte aufnahm. Mit dieser Ideen gelang es, eine enorme Attraktivität für virtuelle Auktionen zu kreieren, auch wenn die Spannung nicht von 800 Menschen im Auktionssaal ausging.

Planen Sie weiter mit Online-Auktionen?
Die Online-Auktionen sind nicht mehr wegzudenken und wachsen weiter. Wir hatten letztes Jahr 180 Live-Auktionen und 150 reine Online-Auktionen, wo man zu jeder Tages- und Nachtzeit seine Gebote abgeben kann. Über diese Auktionen erreichen wir die meisten neuen Käufer. Aber gleichzeitig ist die Auseinandersetzung mit dem Original eine Qualität, die wir beibehalten wollen. Deshalb gestalten wir die Auktionen hybrid und bieten zur Online-Auktion die Ausstellung an, wo der Kunde die Möglichkeit hat, die Objekte im Original auf sich wirken zu lassen. Es besteht auch die Möglichkeit, sich online an einer Live-Auktion per Livestream zu beteiligen. Man verfolgt die Auktion von zu Hause aus und erlebt die Atmosphäre und Spannung mit.

Wie sehen die Kundenbedürfnisse der jüngeren Generationen aus?
Die Millennials und Gen Z bilden prozentual einen der grössten Wachstumsbereiche. Sie kommen meistens über Luxury- Auktionen zu uns, also über Wein, Armbanduhren, Schmuck, Handtaschen. Gerade in dem Bereich halten wir sehr viele Online-Auktionen ab, was die jüngeren Generationen bevorzugen. In diesen Kategorien machen sie ihre ersten Auktionserfahrungen. Und dann sehen wir sie häufig den Übergang zu einer Live- Versteigerung in anderen Sammlungskategorien machen.

Ein weiterer Aspekt der Digitalisierung ist digitale Kunst und die NFT-Technologie. Wie hält das Traditionshaus Christie’s da mit?
Digitale Kunst wird getragen von einer Community, die ihre eigenen Vorlieben hat und eigenen Gesetzmässigkeiten folgt. Sie handelt in Kryptowährungen und bewegt sich im virtuellen Raum. Um einen engen Austausch mit der Community zu pflegen, muss man sich in deren Welt begeben. Deshalb haben wir Christie’s 3.0 im Metaverse kreiert, eine reine Plattform für NFTs. In diesen Raum einzutreten ist ein spezielles Erlebnis und die Ästhetik ist stark von der Gaming-Welt inspiriert, die vielen Sammlern von digitaler Kunst vertraut ist. Letztes Jahr wurden auf Christies 3.0 87 NFTs versteigert. Auch für diesen Kunstbereich haben wir eine eigene Abteilung mit Spezialisten.

Wie wurde es von der Community aufgenommen, dass Christie’s in den digitalen Kunstmarkt einsteigt?
Die Community hat es sehr begrüsst, dass wir ein digitales Kunstwerk in einem klassischen Online-Auktionsformat angeboten haben: Beeples «Everydays: the first 5000 days». Es war das erste rein NFT-basierte Werk, das von einem internationalen Auktionshaus angeboten wurde. Es gab keinen Schätzpreis, wie sonst üblich, sondern nur ein «starting bid» von 100 Dollar. Während die Online-Auktion lief, wurde uns schnell klar, dass die Kryptowährung ein wichtiger Faktor ist für die Akzeptanz in der Community, also haben wir unserem Zahlungssystem Ethereum beigefügt. Das war matchentscheidend. Am Ende der Auktion wurde das Werk für 69 Millionen Dollar versteigert.

Was sind Exceptional Sales?
In den Exceptional Sales bieten wir die seltensten und herausragendsten Objekte aus den unterschiedlichsten Sammlungsgebieten und aus über tausend Jahren Kunstgeschichte in einer gemeinsamen Auktion an. Hier ist es interessant zu sehen, dass auch Sammler zum Beispiel von zeitgenössischer Kunst einen wichtigen Brief Einsteins interessant finden. Zahlreiche grosse Privatsammlungen wurden multidisziplinär angelegt. Ein gutes Beispiel ist Paul G. Allen, der Mitbegründer von Microsoft, er hat neben den besten Impressionisten der Welt auch Dokumente gesammelt, die die wissenschaftliche und technische Entwicklung belegen.

Können Sie uns mehr über den Verkauf der Paul G. Allen Sammlung erzählen?
Die Paul G. Allen Sammlung kann als Exceptional Sale betitelt werden. Sie bot 155 Kunstwerke – die weltbesten Werke in jeder Kategorie – aus 500 Jahren Kunstgeschichte an. Die Sammlung spielte insgesamt 1,6 Milliarden Dollar ein. Vier Millionen Menschen verfolgten diese Auktion live, mehr als 20 000 Interessenten besuchten die Vorbesichtigung im Rockefeller Center. Der zweite Teil «GEN ONE: Innovations from the Paul G. Allen Collection» vereinte Objekte, die die moderne Menschheitsgeschichte für immer verändert haben. Das sind bedeutende Manuskripte, wissenschaftliche Dokumente, technische Entwicklungen aus dem Computerwesen, den ersten Computer, Manuskripte, Astronautenanzüge und vieles mehr. Sammlungen dieser Grössenordnung gibt es nicht viele auf der Welt. Der Verkauf einer solchen ist ein sehr spezieller Moment, vor allem wenn der Erlös charitativen Zwecken zugutekommt.

War der Verkauf der Thomas and Doris Ammann Sammlung auch so ein Moment?
Absolut. Wir kannten die beiden sehr lange. Und es war eine fantastische Sammlung. Allein schon der Verkauf von «Shot Sage Blue Marilyn» von Warhol war ein unvergesslicher Moment. Das Bild hält mit 195 Millionen Dollar immer noch den Rekord für das teuerste Nachkriegskunstwerk, das je versteigert wurde. Wir haben wunderbare Bücher und Kataloge darüber herausgebracht, um die Sammler zu würdigen. Doris Ammann war über Jahrzehnte regelmässige Besucherin unserer Auktionen in New York und London, am Abend der Versteigerung lag auf dem Platz, der immer für sie reserviert war, ein Blumenstrauss zu ihren Ehren. Ich glaube, wir werden sie alle nicht vergessen.

Christie’s Das Auktionshaus Christie’s ist ein weltweit führendes Kunst- und Luxusunternehmen mit Niederlassungen in 46 Ländern sowie acht internationalen Auktionsstandorten. Es erzielte 2023 einen Umsatz von 6,2 Milliarden US-Dollar. Die Auktionen umfassen mehr als 80 Kunst- und Luxuskategorien zu Preisen von 500 bis über 100 Millionen Dollar. Christie’s hat sieben der zehn bedeutendsten Privatsammlungen versteigert, die je angeboten wurden. Es verwaltet zudem den Investmentfonds Christie’s Ventures zur Unterstützung innovativer Start-ups auf dem Kunstmarkt.

Wir sind das Original

Posted by Ambra Spiller

Tina Müller, CEO von Weleda, ist Woman of the Year 2024. Ihr liegt nicht nur die Modernisierung des traditionellen Unternehmens Weleda am Herzen, sondern auch die Frauenförderung in den Unternehmen.

Tina Müller hat bereits viel erreicht: Sie war in Top- Management-Positionen bei Henkel, im Vorstand bei Opel, CEO von Douglas und ist nun CEO von Weleda, ein Unternehmen, das sie innerhalb kurzer Zeit auf einen profitablen Wachstumskurs gebracht hat. Ihre Aufgabe als Führungspersönlichkeit sieht sie darin – wen wunderts – eine Vision zu haben und die passende Strategie dazu. Doch viel wichtiger sind ihr die Menschen, die Teams, mit denen sie zusammenarbeitet. «People first» steht auf einem Zettel, den sie als erstes sieht, wenn sie am Morgen anfängt. Das Motto erinnert sie daran, dass der Erfolg einer Führungskraft immer nur so gross sein kann, wie die Qualität der Teams des Unternehmens. Und weil gemischte Teams am erfolgreichsten sind, setzt sie sich seit Beginn ihrer Karriere für die Förderung von Frauen in Führungspositionen ein.

WOMEN IN BUSINESS: Im Namen des ganzen WOMEN IN BUSINESS Teams möchte ich Ihnen zur Wahl zur Woman of the Year gratulieren!
Tina Müller: Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken, vor allem auch bei meiner grossen LinkedIn-Community, die hier sicherlich ihren Anteil hatte. Es ist eine ganz besondere Auszeichnung, die mir viel bedeutet.

Ihre Community auf LinkedIn umfasst über 244 000 Follower. Wie wichtig ist sie Ihnen?
Sehr wichtig. Die Community hat sich aufgebaut aus Menschen, die sich für die Themen interessieren, für die ich stehe, und die wissen wollen, wie ich das Unternehmen führe. Die Menschen daran teilhaben zu lassen, ist Teil meiner Führungsphilosophie. Es ist eine neue Art, offen zu sein. Wenn die eigene Führungspersönlichkeit und das Unternehmen zusammenpassen, bemerkt man einen hohen Zuspruch in der Community und erzielt sofort einen positiven Effekt im Arbeitsmarkt.

Wie macht sich das bemerkbar?
Für immer mehr Bewerber ist die Kultur eines Unternehmens und die Persönlichkeit der jeweiligen Manager entscheidend. Die Leute wollen sich mit den Werten dieser Personen identifizieren. Es passiert deshalb häufig, dass Bewerber im Interview darauf verweisen, was sie auf meinem LinkedIn-Account gelesen haben.

Wozu nutzen Sie die Community sonst noch?
Die vielen Kommentare sind enorm wertvoll. Daran können wir genau ablesen, was in der Welt los ist, was die Menschen bewegt, und was sie nicht gut finden. Damit sind wir am Puls der Zeit…

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

In einer anderen Welt

Posted by Ambra Spiller

Als Botschaftertochter Marie Hartig in ihrer Kindheit und Jugend die ganze Welt – ein Umstand, der ihre Neugier auf fremde Kulturen entfachte. Heute bringt die Malerin mit ihren Murals ein Stück dieser globalen Erfahrung in die Räume ihrer Kundschaft. Ihre Werke erzählen Geschichten, die oft tief in den Erinnerungen der Menschen verwurzelt sind, für die sie malt.

Alles begann im Kinderzimmer ihres Patenkindes in Notting Hill, erzählt Marie Hartig bei einer Tasse Tee in ihrer Wiener Wohnung. In diesem Raum sollte sie die Wände bespielen, Geschichten im Grossformat erzählen und eine Welt erschaffen, die zum Träumen animiert – und genau das tat sie auch. Während vier Tagen entstand, inspiriert von alten Kinderbüchern, in liebevoller Detailarbeit eine fantasievolle Tier- und Pflanzenwelt – jeder Pinselstrich ein Akt der Liebe und Passion. Rund zehn Jahre später malt Marie Hartig ihre anspruchsvollen Sujets an Wände renommierter Hotels, in opulente private Speisezimmer, auf uralte Schlosswände oder in die sterilen Räumlichkeiten eines Kinderspitals. Nervosität verspürt sie bei diesen Dimensionen keine. Im Gegenteil. «Weisse Wände sind so viel mehr als nur weisse Wände – sie sind Teil eines Raums, Teil eines Hauses, Teil eines Zuhauses», sagt die klassisch ausgebildete Malerin. «Ich habe so vieles, mit dem ich arbeiten kann oder muss. Bei weissen Leinwänden hingegen fühle ich mich wesentlich mehr unter Druck. In einem Raum erkenne ich sofort, was entstehen könnte.» Grossflächige Wandmalereien, sogenannte Murals, haben eine lange Tradition. Sie sind sowohl in Innenräumen als auch im Freien zu finden und variieren in Stil, Grösse und Thema. Die bekanntesten und detailreichsten Murals finden sich häufig in Kirchen oder Schlössern, deren jahrhundertealte Wand- und Deckenmalereien beeindruckende Dimensionen einnehmen.

Marie Hartig arbeitet hauptsächlich auf Auftrag – jeder davon ist einzigartig. Ihre Kundinnen und Kunden bringen meist selbst Ideen mit ein, oder geben mit ihrem Stil, ihren Vorlieben, Erinnerungen und ihrer Geschichte einen grossen Teil der Malerei vor. So wird jedes Wandbild zu einer sehr persönlichen und emotionalen Angelegenheit. «Für eine österreichische Familie, die seit vielen Jahren in Asien lebt und deren Kinder Österreich nur aus den Ferien kennen, habe ich im Speisezim- mer beispielsweise zwei Welten miteinander verwoben – die ihrer österreichischen Wurzeln und Elemente ihrer asiatischen Wahlheimat: Ein liegender Buddha neben einer Dorfkirche, ein Bergpanorama gepaart mit der Skyline Hongkongs, eine Zeder neben einem Mangobaum – ein Werk, dessen vielschichtige Details sich erst bei genauerer Betrachtung erschliessen.»

Moderne Nomadin
Die 45-Jährige hat selbst ein bewegtes Leben hinter sich. Als Diplomatenkinder wuchsen sie und ihre drei Geschwister in unterschiedlichen Ländern und Kulturen auf. So zog es die Familie unter anderem nach Japan, Pakistan und Kenia. Orte, die ihnen nicht nur eine Heimat boten, sondern auch ein spannendes Reiseabenteuer – in einer Zeit, in der das Entdecken dieser Länder und ihrer direkten Nachbarn noch relativ unüblich war für Ausländer.
Einen grossen Teil ihres Erwachsenenlebens verbrachte Marie Hartig in London, einer Stadt, in der Welten aufeinanderprallen und miteinander verschmelzen. Heute lebt und arbeit…

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Glaubenssätze über Geld zu erkennen, hilft bei der Vermögensplanung

Posted by Ambra Spiller

Die Einstellung zum Geld lernt man vor allem von den Eltern. Jeder Mensch verkörpert einen bestimmten Geldtyp und jeder Typ birgt eigene Risiken. Der Blick von aussen hilft, diese zu minimieren.

Unsere Einstellung zum Geld wird in der Kindheit geprägt und begleitet uns ein Leben lang. Diese tief verwurzelten Glaubenssätze beeinflussen, wie wir mit unserem Vermögen umgehen, und können uns unbewusst in finanziellen Entscheidungen leiten. Ob «wachsamer» oder «statussuchender» Typ – jeder birgt seine eigenen Risiken. Ein Blick von aussen kann dabei helfen, diese zu erkennen und eine Vermögensplanung zu entwickeln, die neben finanzieller Sicherheit auch echtes Glück ermöglicht.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Herrmann, warum sind viele Menschen trotz ihres Wohlstands unzufrieden?
Anne Herrmann: Geld allein macht eben nicht glücklich. Geld kann aber durchaus dazu dienen, Dinge zu kaufen oder Aktivitäten zu ermöglichen, die einen glücklich machen.

Geld ist also nur Mittel zum Zweck?
Ja, und das geht oft vergessen. Viele Menschen denken, sie brauchen ein bestimmtes Vermögen, um ein glückliches Leben führen zu können. Stattdessen müssten sie sich aber fragen, welche Aktivitäten sie brauchen und wie sie ihr Vermögen einsetzen können, um glücklicher zu sein.

Woher kommt es, dass Menschen ihr Vermögen nicht dazu verwenden, um glücklich zu sein?
In der Forschung reden wir da vom «wachsamen» Geldtyp. Diese Menschen verfügen zwar über ein ausreichendes Vermögen, aber nutzen es nicht, um sich damit positive Erlebnisse zu ermöglichen. Sie verfolgen ihre Finanzen sehr aufmerksam und prüfen regelmässig den Kontostand. Sie kaufen nur, was sie sich leisten können, und verschaffen sich dadurch eine gute finanzielle Position. Der Nachteil ist, dass diese Geldtypen oft unnötig besorgt sind und zu enthaltsam leben.

Wie wird man ein solch «wachsamer» Geldtyp?
Studien haben gezeigt, dass unsere Einstellung zu Geld und zum Geldausgeben in der Kindheit geprägt wird. Ebenso unsere finanziellen Kompetenzen, also auch, wie man mit Geld umgeht. Wir lernen das durch Beobachtung, denn wir sehen, wie die Eltern mit Geld umgehen, hören, was sie über Geld sagen, und vielleicht auch, was sie über andere Menschen sagen, die entweder besonders viel oder besonders wenig Geld haben. Aus der Perspektive unserer Eltern lernen wir, wie wichtig Geld ist und wie man damit umgeht und ob man grundsätzlich positive oder negative Assoziationen damit verbindet.

Warum ist es wichtig, diese erlernten Einstellungen zu hinterfragen?
Es gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens, dass man seine Einstellung und seine Werte kontinuierlich weiterentwickelt und reflektiert. Dazu gehört auch, dass man die Einstellung zum Geld und den Umgang damit hinterfragt. Zumal das, was man im Umgang mit Geld von den Eltern gelernt hat, auch gar nicht mehr stimmen muss, weil sich grundsätzliche Gesetzmässigkeiten und Rahmenbedingungen gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Natur geändert haben, zum Beispiel im Rentensystem, am Immobilienmarkt oder an den Finanzmärkten. Für Menschen älterer Generationen galten Staatsanleihen und das Eigenheim vielleicht noch als die besten Möglichkeiten der Geldanlage, heute sieht das ganz anders aus. Auch deshalb sollte man sich von den zu Hause erlernten Glaubenssätzen lösen, unabhängig davon, welcher Geldtyp man ist.

Welche anderen Geldtypen gibt es?
Neben dem bereits erwähnen «wachsamen» Typ ist auch der Typ des «Statussuchenden» weit verbreitet. Diese Personen verbinden ihr Selbstwertgefühl mit ihrem Vermögen. Sie glauben, dass sie umso mehr wert sind, je mehr Geld sie besitzen. Dieser Geldtyp möchte seinen Wohlstand auch durch den Besitz teurer Konsumgüter zeigen. Das Risiko ist, dass sich solche Menschen mehr leisten, als sie können, und andere Lebensaspekte vernachlässigen. Dann gibt es die «Geldanbetenden», für die Geld das Mittel für Sicherheit, Macht und Freiheit ist. Sie sehen Geldverdienen als sehr wichtig an und ordnen dem vieles unter, zum Beispiel auch soziale Beziehungen. Sie kaufen Dinge, um glücklich zu sein – und haben daher ein höheres Schuldenrisiko. Und dann gibt es noch die «Geldvermeidenden». Diese Menschen glauben oft, dass sie Geld nicht verdienen. Sie vermeiden es, sich mit Geld zu beschäftigen, und sabotieren so oft den eigenen Erfolg.

Was kann helfen, bessere finanzielle Entscheide zu treffen?
Ein Weg ist es, die Selbstwahrnehmung zu trainieren, etwa, indem man sich beobachtet und fragt, warum das Geld ausgegeben wurde, welche Motivation dahinterstand und auch welche Gefühle das hervorgebracht hat. Denn wenn man sich seiner Einstellung und Überzeugung in Bezug auf den Umgang mit Geld bewusst ist, kann man viel bewusster prüfen, was für einen förderlich ist und was hinderlich. Von daher macht eine bessere Selbstwahrnehmung einen Menschen freier, er hat mehr Handlungsoptionen und ist nicht mehr so emotional getrieben. So fällt es ihm leichter, seine finanzielle Situation aktiv zu gestalten und auch die Vorsorgeplanung anzugehen, die viele Menschen lieber ausblenden.

Bei den Themen Finanzen und Vorsorge ist es anspruchsvoll, eigene Entscheide zu treffen. Was spricht dafür, einen Vermögensberater oder eine Vermögensberaterin zu konsultieren?
Wenn in der Vermögensberatung die richtigen Fragen gestellt werden, kann das einem die nötige Sicherheit geben. Aber es reicht nicht, wenn nur die abstrakte Risikobereitschaft einer Person abgefragt wird. Denn der Vermögensberater oder die Vermögensberaterin sollte nicht nur die Ziele, sondern auch die dahinter liegenden Einstellungen und Motive der Kundinnen und Kunden verstehen. Dafür sollte nebst der grundsätzlichen finanziellen Lebenssituation auch erkannt werden, welche Einstellungen und Werte eine Person prägen, also welchem Geldtyp sie entsprechen.

Warum ist das so wichtig?
Jeder Typ steht vor speziellen Herausforderungen, die es auf die eine oder andere Art erschweren, dass Menschen sich mit den Themen Geldanlage und Vorsorge auseinandersetzen. Weil das etwas ist, was in der Zukunft stattfindet und was heute sehr abstrakt ist. Es fällt Menschen zudem auch generell schwer, sich mit dem künftigen Ich, dem «Future Self», zu identifizieren. Denn wir haben den sogenannten Present Bias, das heisst, das, was heute und jetzt passiert, ist uns Menschen wichtiger als das, was in der Zukunft geschehen wird.

Gibt es da einen Trick, wie man sich selbst überlisten kann?
Es hilft schon, wenn man das zukünftige Ich wichtiger macht. In der Forschung hat man mit Alterssimulationen gearbeitet und den Probanden einer Studie Fotos von sich gezeigt, wie sie in 20 oder 30 Jahren aussehen werden. Allein diese Visualisierung hat das künftige Selbst für die Menschen relevanter gemacht.

So wird die Notwendigkeit verdeutlicht, seine finanzielle Situation zu analysieren und den Ruhestand zu planen. Inwieweit hilft dabei der Blick von aussen?
Der Austausch mit einer fachkundigen dritten Person ist sehr sinnvoll, gerade bei so wichtigen und komplexen Themen. Eine Vermögensberatung ist dabei immer komplementär. Das heisst, man profitiert von einer Vermögensberatung viel mehr, wenn man selbst gut informiert ist und die richtigen Fragen stellen kann. So kann ein gleichberechtigter Austausch in einem Dialog stattfinden. Je mehr dieser auf Augenhöhe erfolgt, desto mehr kann man davon profitieren. ★


Prof. Dr. Anne Herrmann ist Professorin für Wirtschaftspsychologie und Institutsleiterin an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW. Sie lehrt in der Aus- und Weiterbildung zu Werbe- und Konsumpsychologie, qualitativen Forschungsmethoden und Behavioral Economics. In ihrer Forschung untersucht sie für und mit Schweizer Unternehmen vielseitige Fragestellungen zu Konsumentscheidungen und Konsumverhalten.


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Seit 1857 bewirtschaftet Swiss Life die Vorsorge- und Versicherungsgelder institutioneller Anlegender. Dank dem neuen Angebot von Swiss Life Wealth Managers können nun auch private Anlegende von dieser Expertise profitieren: Unser ganzheitlicher Beratungsansatz ermöglicht massgeschneiderte Angebote für anspruchsvolle Privatpersonen.

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«Swiss Life Wealth Managers» ist die Bezeichnung für die Wealth-Management-Aktivitäten der Swiss Life Wealth Management AG, General-Guisan-Quai 40, 8002 Zürich.

 

Vorsorge beginnt mit dem ersten Lohn

Posted by Ambra Spiller

Wer von Beginn der Erwerbstätigkeit monatlich kleine Beträge spart und anlegt, baut über die Jahre durch Zins und Zinseszins ein Vermögen auf. Das Risiko, dabei Geld zu verlieren, ist gering. Wer das Vermögen jedoch auf dem Sparkonto liegen lässt, verliert mit Sicherheit Geld.

Noch bis Anfang der 1980er Jahre sah das Gesetz vor, dass der Mann als Familienoberhaupt zuständig für den Unterhalt der Familie war. Bei einer Scheidung war er weiterhin in der Pflicht, zumindest teilweise für den Unterhalt der Frau zu sorgen. Heutzutage zeigt sich ein anderes Bild: Beide Ehepartner müssen nach der Scheidung selbst für den eigenen Unterhalt aufkommen. Deshalb sollte eine Zukunftsplanung mit Ehepartner und Kindern für Frauen eine Erwerbstätigkeit nicht ausschliessen. Es ist zwar unpopulär, vor der Eheschliessung bereits an den Fall einer Scheidung zu denken, doch lohnt es sich auf alle Fälle und verschafft Sicherheit. Andrea Klein ist Vorsorgeexpertin und Leiterin Fachzentrum Finanzplanung bei Raiffeisen Schweiz.

Sie rät jeder Frau zu einer umsichtigen Karriere- und Finanzplanung, die sämtliche Eventualitäten einschliesst. «Dies reduziert den sogenannten Gender Pension Gap, der belegt, dass Männer momentan 30 Prozent mehr Rente erhalten als Frauen. Gründe dafür sind Teilzeitarbeit, Erwerbsunterbruch und lückenhaftes Finanzwissen der Frauen», weiss sie.

Reden wir über Geld
Mangelndes Finanzwissen hat oft mit fehlendem Interesse zu tun. Finanz- und Vorsorgethemen sind nicht nur für Männer gemacht, sie sind genderneutral und betreffen alle. Konservative Rollenverteilungen haben sich zugunsten der Gleichberechtigung von Mann und Frau gewandelt, weshalb sich auch Frauen für diese Themen interessieren und diese selbstbewusst angehen sollten.

«Wer nicht weiss, wo anfangen, spricht am besten mit der Familie, Bekannten und Freundinnen über Geld», rät Klein und fügt an: «Es ist zwar üblich, dass man über das Ausgeben von Geld redet, über Einnahmen und längerfristige Themen wie Vorsorge, Scheidung oder gar die Konsequenzen von Krankheit und Tod wird hingegen kaum offen geredet.» Diese Themen betreffen und beeinflussen die Lebensqualität stark. Der Austausch von Finanzwissen unter Frauen baue Unsicherheiten ab, stärke das Selbstbewusstsein und fördere eine weibliche Sprache und Sichtweise, die im Finanzsektor dringend benötigt werden, meint Klein.

Wer im eigenen Umfeld keine Ansprechpartner oder keine Ansprechpartnerinnen zur Verfügung hat, wird in einem Finanzinstitut fündig. Die Beraterinnen und Berater bemühen sich in der Regel darum, das Fachwissen in verständliche Informationen zu verpacken und die geeigneten Strategien für das Risikoprofil, das Vermögen und die Ziele der jeweiligen Person zu eruieren. Wichtig ist dabei, dass ein Vertrauensverhältnis entsteht, in dem man ungeniert nachfragen kann, wenn man etwas nicht versteht. «Es ist ein Prozess, der mit der gesundheitlichen Vorsorge vergleichbar ist. Man sucht sich dafür den passenden Arzt oder die passende Gesundheitsexpertin. Falls sich gesundheitliche Änderungen ergeben, konsultiert man diese Fachperson des Vertrauens und lässt sich beraten. So sollten auch die eigenen Finanzen behandelt werden», sagt Klein.

Auch Kleinbeträge zahlen sich aus
Vorsorgen beginnt idealerweise mit dem ersten Lohn. Ein monatlicher Sparbetrag, den man entbehren kann, genügt bereits. Das können zum Beispiel 30 bis 100 Franken sein. «Auch Kleinbeträge können investiert werden. Wer über 40 Jahre monatlich 100 Franken in ein Aktienportfolio mit einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent investiert, baut ein Vermögen von über 152 000 Franken auf. Dafür bezahlt man insgesamt 48 000 Franken ein, der Rest wird über die Finanzmärkte verdient», rechnet Klein vor und gibt zu bedenken: «Lässt man das Geld auf dem Sparkonto liegen, wähnt man sich in einer falschen Sicherheit. Denn die Inflation lässt den Wert des Geldes über die Jahre schrumpfen, man verliert also faktisch Geld.» Die Notwendigkeit, das Geld für sich arbeiten zu lassen, ist dringend gegeben, will man im Alter über ein Vermögen verfügen und nicht nur über einen Restbetrag.

5 Vorsorgetipps für Frauen

Zusammenfassend zählt Andrea Klein die fünf wichtigsten Vorsorgetipps für Frauen auf:

1. Nehmen Sie Ihre Vorsorge selbst in die Hand
Ein regelmässiger Finanzcheck ermöglicht Ihnen, den Status Quo Ihrer finanziellen Situation zu ermitteln und mögliche Optimierungen vorzunehmen. Am besten spielen Sie verschiedene Szenarien durch – und deren Folgen für die Vorsorge. So bauen Sie Ihr Wissen rund um Finanzthemen Schritt für Schritt auf, gewinnen Vertrauen und treffen auch in Zukunft bessere Entscheidungen.

2. Sorgen Sie für eine hohe Lebenserwartung vor
Frauen werden im Schnitt älter als Männer. Dies unterstreicht die Bedeutung einer soliden Vorsorge für Frauen, da die Ersparnisse länger reichen müssen. Ziehen Sie verschiedene Varianten in Erwägung und stellen Sie sich auf Unvorhergesehenes ein, indem Sie – wo immer möglich – entsprechende Reserven aufbauen. Beispielsweise indem Sie Ersparnisse, die erst im Alter benötigt werden, breit diversifiziert anlegen. Um zusätzlich Steuern zu sparen, ist die Säule 3a eine sehr gute Option: Tätigen Sie regelmässige Einzahlungen, beispielsweise durch einen monatlichen Dauerauftrag. Es ist ratsam, die Vorsorgegelder in Vorsorgefonds anzulegen, statt sie nur auf ein 3a-Konto einzuzahlen. So können Sie langfristig von den Renditechancen an den Finanzmärkten profitieren. Machen Sie sich zusätzlich Gedanken, wie und wo Sie im Alter leben wollen.

3. Mildern Sie die Folgen von Teilzeitarbeit ab
Etwa 60 Prozent der erwerbstätigen Frauen in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Klar ist: Wenn Sie weniger arbeiten, erhalten Sie weniger Lohn. Vielleicht ist Ihnen nicht ganz klar, dass weniger Lohn zu überproportional weniger Pensionskassenrente führen kann. Der Grund dafür liegt im fixen Koordinationsabzug von 25 725 Franken (Stand 2024), der bei Teilzeitarbeit überproportional zu Buche schlägt und so den für die Pensionskassenleistungen massgebenden versicherten Lohn schmälert. Eine weitere Hürde ist die Eintrittsschwelle: Beträgt der Jahreslohn weniger als 22 050 Franken (Stand 2024), ist der Pensionskassenanschluss nicht obligatorisch. Gut zu wissen: Es gibt «teilzeitfreundliche» Pensionskassen, die im Rahmen von überobligatorischen Leistungen auch tiefere Löhne versichern und/oder den Koordinationsabzug prozentual zum Arbeitspensum reduzieren oder ganz darauf verzichten.. So können Sie mehr fürs Alter ansparen. Berücksichtigen Sie daher bei der Wahl des Arbeitgebers auch die Pensionskassenleistungen für Teilzeitarbeitende.

4. Vermeiden Sie AHV-Beitragslücken durch Erwerbsunterbrüche
Wenn Sie zum Beispiel eine längere Babypause machen und keiner Erwerbsarbeit nachgehen, zahlen Sie auch keine AHV-Beiträge. Falls Sie verheiratet sind und Ihr Ehepartner arbeitet, sind Sie automatisch in der AHV mitversichert und müssen keine eigenen Beiträge leisten. Dies gilt nicht für Konkubinatspaare. Unternehmen Sie als Konkubinatspartnerin nichts, erhalten Sie im Alter weniger Rente. Werden Sie also selbst aktiv und melden Sie sich bei Ihrer Ausgleichskasse. Sie haben fünf Jahre Zeit, um fehlende Beiträge rückwirkend nachzuzahlen.

5. Sichern Sie sich zusätzlich ab
Denken Sie auch an Unvorhergesehenes: Was, wenn Ihrem Partner etwas zustösst? Was, wenn Sie plötzlich erwerbsunfähig werden? Die finanziellen Folgen solcher Schicksalsschläge lassen sich mit passenden Versicherungen eindämmen. Dazu gehören unter anderem die Erwerbsunfähigkeits-Rente, die Todesfall-Versicherung oder die Sparzielabsicherung. ★


Andrea Klein ist Vorsorgeexpertin und bei Raiffeisen Schweiz verantwortlich für das Fachzentrum Finanzplanung. Sie verfügt über eine 20-jährige Beratungserfahrung in den Bereichen Anlage- und Vermögensberatung, Vorsorge sowie Pensions- und Nachlassplanung. Dabei steht für sie die ganzheitliche Beratung in den verschiedenen Lebensphasen im Mittelpunkt.

Ein Plädoyer für Nachhaltigkeit

Posted by Ambra Spiller

Maria Porro ist mit 41 Jahren sowohl Präsidentin des Salone del Mobile als auch junge Unternehmerin. Wir haben mit ihr über den Seiltanz zwischen Tradition und Moderne, das Joinglieren von zwei Vollzeitjobs sowie den Zauber des ersten Messetages gesprochen.

Maria Porro trägt zwei Hüte: Sie ist Unternehmerin von Porro S.p.A. und seit 2021 Präsidentin der weltweit wohl bedeutendsten Designmesse, dem Salone del Mobile in Mailand. Porro ist eine Marke, die seit einem Jahrhundert in der italienischen Designbranche fest verankert ist. Seit seiner Gründung 1925 wurde das Unternehmen von Generation zu Generation weitergegeben. Maria Porro führt heute als Marketing- und Kommunikationsdirektorin das Unternehmen in vierter Generation mit einer mutigen Vision für Design und Nachhaltigkeit in die Zukunft.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Porro, was ist Ihre früheste Erinnerung an die Möbelmesse?
Maria Porro: Ich war praktisch jedes Jahr seit meiner Geburt dabei. Meine ganze Familie, mein Grossvater, mein Vater und seine Cousins, arbeiteten so hart für den wichtigsten Moment des Jahres. Alle Kinder wurden zur Möbelmesse stets mitgenommen. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter mir dafür ein besonders hübsches Kleid angezogen hat, ich war ganz verzaubert von all den Farben und den Formen ringsum. Es war eine Zauberwelt für mich. Heute machen wir es mit unseren drei Kindern genauso – es ist eine gute Gelegenheit, sie am Familienerbe teilhaben zu lassen und sie zur Schönheit zu erziehen.

2020 sind Sie zur ersten Präsidentin des italienischen Möbelverbands Assarredo gewählt worden, ein Jahr später auch zur Präsidentin des Salone del Mobile. Damit sind Sie die erste Frau an der Spitze und zudem recht jung für diese Position. Stehen Sie für einen Umbruch?
Ich fühle mich geehrt, diese beiden hoch angesehenen Institutionen zu leiten, zumal meine Familie seit vier Generationen in diesem Sektor tätig ist. In der Vergangenheit gab es in der Design- und Möbelbranche eine gläserne Decke, aber das ändert sich gerade. Frauen wie Zaha Hadid, Lina Bo Bardi oder Gae Aulenti haben bedeutende Beiträge geleistet, und viele einflussreiche Frauen haben den Salone del Mobile mitgeprägt. Auch wenn Italien bei der Gleichstellung der Geschlechter noch Fortschritte machen muss, ist die wachsende Präsenz der Frauen in der Branche ein positives Zeichen. Meine Führungsrolle ist Teil dieser Bewegung hin zu einer ausgewogeneren Zukunft.

Was machen Sie als Frau anders gegenüber Ihren Vorgängern?
Als Frau bringe ich eine einzigartige Perspektive ein…

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Ein Spiegel des Fortschritts

Posted by Ambra Spiller

Die Krönung der Woman oft the Year 2024 findet dieses Jahr am 3. Dezember im Sonnenberg in Zürich statt. Letztes Jahr wurde Andrea Rytz, CEO der Schulthess Klinik, zur Woman of the Year gewählt. Auch wenn sie noch bis Anfang Dezember in ihrem Amt bleibt, erachteten wir den Zeitpunkt als günstig, bei Andrea Rytz nachzufragen, wie sie ihre Amtszeit erlebt und welche Zwischenbilanz sie zieht. Im Interview erläutert sie uns zudem ihre ganzheitliche Sicht auf Frauenförderung.

WOMEN IN BUSINESS: Ihre Amtszeit neigt sich dem Ende zu. Gab es besondere Highlights?
Andrea Rytz: Die Highlights sind vor allem im professionellen Kontext zu finden. Als Woman of the Year konnte ich unsere Arbeit im Spital einem breiteren und interessanten Publikum vorstellen. Für die Schulthess Klinik ergab sich daraus eine wertvolle Hebelwirkung. Wir konnten unsere Wahrnehmung steigern, unser Netzwerk erweitern und unser Profil schärfen. Persönlich war es ein Erlebnis, jeweils als Woman of the Year vorgestellt zu werden. Der Mehrwert kam auf dieser Ebene von den Kontakten und offenen Türen in der erweiterten WOMEN IN BUSINESS-Community, die übrigens nicht ausschliesslich aus Frauen besteht, was ich schätze.

Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Vertretung der Frauen – speziell im Gesundheitswesen und auch in der Wirtschaft generell?
Ich spreche in erster Linie von meiner Branche, aber ich denke, analog lässt sich das auch anderswo feststellen. Es gibt ganz klar Bereiche, wo wir noch Luft nach oben haben. Der durchschnittliche Verwaltungsrat eines Spitals besteht mehrheitlich aus Männern, ebenso die obersten operativen Führungsgremien. Einerseits ist dies eine Generationenfrage. Die jüngere Charge ist ausgeglichener und so, wie die Jungen in diese Positionen vorrücken, wird sich die Lage entschärfen.
Es gibt aber auch heute noch Hindernisse. Ein grosses Thema bleibt zum Beispiel der Karriereknick, der durch die Familiengründung ausgelöst wird und mehrheitlich Frauen betrifft – nota bene meistens aus freien Stücken. Hier können gezielte Massnahmen helfen, die den Wiedereinstieg beschleunigen und die Akzeptanz der Teilzeitarbeit erhöhen.

An welche Massnahmen denken Sie?
Im Spitalwesen – und wohl auch in anderen Branchen – stimmen die «harten» regulatorischen Rahmenbedingungen weitgehend. Was bleibt, sind die etwas subtileren oder versteckten Hürden, die in einer Unternehmenskultur oder auch in der breiteren Gesellschaft schlummern. Um diesen zu begegnen, braucht es nicht unbedingt Frauenförderung, sondern Menschenförderung. Das Geschlecht einer Person soll und darf eigentlich überhaupt keine Rolle spielen. Vielmehr muss das System, die Kultur und letztlich der einzelne Betrieb so arbeiten, dass sich alle wohlfühlen. So werden auch die Voraussetzungen für den Erfolg geschaffen.

Gelingt es, ein entsprechendes Umfeld zu gestalten, wird sich auch das Geschlechterverhältnis einpendeln und das ganz ohne direkte Intervention. Das braucht eine gewisse Flexibilität, aber es lohnt sich allemal.

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Leidenschaft für Innovation

Posted by Ambra Spiller

Katharina Gasser ist der erste weibliche General Manager von Roche Pharma Schweiz. Sie beschreibt sich als neugierig, mutig und resilient. Herausforderungen spornen sie an und Innovationen sind ihre Leidenschaft. Welches ihre Anliegen sind und wie sie die Zukunft des Gesundheitswesens mitgestalten will, erzählt sie uns im Gespräch.

Katharina Gassers Karriere begann mit dem Medizinstudium. Wie viele ihrer Kommilitoninnen hegte sie den Wunsch, den Menschen zu helfen. Nach dem Studium der Inneren Medizin arbeitete sie auf der Geriatrie, wo sie mit Alzheimer Patienten in Kontakt kam. Als Studienärztin betreute sie klinische Studien über neue Alzheimer Therapien und war von Anfang an fasziniert von der Aufgabe. Neue Therapien anwenden, die enge Betreuung der Patienten und das Miterleben des Nutzens, der die Medikamente den Patienten brachten, empfand sie als höchst interessant und befriedigend. Ihr initialer Wunsch, den Menschen zu helfen, wuchs zum Bedürfnis, Grösseres zu bewirken. In gleichem Masse wuchs ihre Leidenschaft für Innovationen. Das führte zur Entscheidung, den Facharzt in pharmazeutischer Medizin zu machen. Als Bedingung dafür musste sie eine Weile in der Industrie arbeiten. Ein zukunftsweisender Schritt für die junge Arztin: Die Pharmaindustrie liess sie nicht mehr los.

Zwei grosse Anliegen
Heute ist Gasser General Manager von Roche Pharma Schweiz. Als ihr dringendstes Anliegen in dieser Position nennt sie, sicherzustellen, dass die innovativen Medikamente von Roche die Patienten in der Schweiz schnellstmöglich erreichen. «Nach der Zulassung eines Medikaments geht es in der Schweiz durchschnittlich mehr als 300 Tage, bis der Zugang für ein solches Medikament gewährleistet ist. Teilweise noch länger. Wenn wir uns hierbei mit Deutschland vergleichen, dann ist nur etwa die Hälfte der in Deutschland vergüteten Medikamente auch in der Schweiz standardmässig auf der Spezialitätenliste und damit für alle Patientinnen und Patienten gleichermassen verfügbar. Dieses Missverhältnis zeigte kürzlich eine Studie des Europäischen Verbandes der innovativen Pharmafirmen auf. Für Schweizer Patienten eine höchst unbefriedigende Situation», erläutert Gasser.
Das zweite grosse Anliegen von Gasser ist die Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens, die heute im Vergleich mit anderen Ländern rückständig ist. «Es liegt ein ungemeines Potenzial in den vielen vorhandenen Gesundheitsdaten, das heute brach liegt und für die Entwicklung weiterer Innovationen nicht verwendbar ist. Hier ist die Digitalisierung ein Faktor, der sehr wichtig ist und wo wir bald grössere Fortschritte sehen werden», prophezeit Gasser.

Dass in dieser Sache Handlungsbedarf besteht, hat auch der Bund erkannt. Das Schweizer Parlament hat einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 392 Millionen Franken für die Umsetzung des Programms DigiSanté von BAG und BFS verabschiedet.

Das gesamte Gespräch lesen Sie in der September Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Die Brückenbauerin

Posted by Ambra Spiller

Im Januar 2022 übernahm Kristina Hammer das Amt der Präsidentin der Salzburger Festspiele, nachdem sie sich gegen 32 Mitbewerber durchsetzen konnte und vom Kuratorium einstimmig zur neuen Präsidentin gewählt wurde. In der 103-jährigen Geschichte der Salzburger Festspiele ist sie die erste Nichtösterreicherin auf diesem Posten.

Ausschlaggebend für die Wahl der Überraschungskandidatin Kristina Hammer waren ihre hohe Expertise – sie gehörte zum Vorstand der Freunde des Opernhauses Zürich – ihre internationale Vernetzung sowie ihr langjähriger Bezug zu Salzburg. Zudem kann die Wirtschaftsjuristin einen beeindrucken- den Leistungsausweis als Topmanagerin vorweisen bis hin zur Gründung ihrer eigenen Markenberatungsfirma HammerSolutions im Jahr 2010. Die zweifache Mutter ist mit einem Österreicher verheiratet, besitzt die Deutsche und Schweizer Staatsbürgerschaft und wird als leidenschaftlich, empathisch und bodenständig beschrieben. Sie selber bezeichnet sich als interessiert an Menschen, sensibilisiert für kulturelle Unterschiede, diszipliniert und leistungsorientiert. Im Interview erzählt Kristina Hammer von ihren letzten zwei Jahren im Amt der Präsidentin der Salzburger Festspiele und wie es ihr gelingt, kulturelle Brücken zu bauen.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Hammer, Sie sind seit 2022 Präsidentin der Salzburger Festspiele und schauen auf zwei Festspiel-Sommer zurück. Wie lautet das Fazit der letzten beiden Jahre?

Kristina Hammer: Im Hinblick auf unsere grossen Erfolge hätte ich mir keinen besseren Start erträumen können. Nach einem bereits sehr guten ersten Jahr konnten wir im letzten Sommer mit insgesamt 241 000 Zuschauern und weiteren 40 000 Besucherinnen bei den Siemens Festspielnächten sowie einer Auslastung von 98,5 Prozent einen aussergewöhnlichen Zuspruch verzeichnen. Heuer freuen wir uns bereits über ein zweistelliges Vorverkaufsplus.

Was waren bisher Ihre grössten Herausforderungen?
Der Beginn meiner Amtszeit fiel in die Pandemiezeit und im Januar 2022 gab es in Salzburg einen Peak der Infektionszahlen, der zu einer signifikanten Anzahl an Krankheitsfällen innerhalb der Belegschaft geführt hat. Dazu kam der Ausbruch des entsetzlichen Krieges in der Ukraine, gefolgt von erheblichen Steigerungen der Personal-, Material- und Energiekosten. Mit diesen Herausforderungen galt es umzugehen, und wir haben sie im Rückblick als Team bisher gut gemeistert.

Was haben Sie in ihrer Amtszeit im Hinblick auf die wirtschaftliche Sicherung der Festspiele erwirken können?
Es hat mich gefreut, dass es in einer Zeit multipler Krisen in vielen Gesprächen gelungen ist, das Vertrauen der bestehenden sowie neuer Partner zu gewinnen. Unseren Sponsoren geht es dabei nicht nur darum, Kunst und Kultur zu ermöglichen und sich damit eine prestigeträchtige Bühne zu verschaffen. Für uns sind das echte Partner, die mit uns gemeinsam daran arbeiten, das Umfeld, in dem sie zur Ermöglichung dieser Kunst beitragen, zukunftsweisend und nachhaltig zu gestalten. Das zeigen beispielhaft Partner wie Audi, die bei uns mit einer reinen Elektroflotte vertreten sind. BWT, die uns dabei geholfen haben, ein plastikflaschenfreies Festival zu werden und Siemens mit den kostenfreien Siemens Festspielnächten auf dem Kapitelplatz. Ebenso Rolex mit der Nachwuchsförderung, dem Herbert von Karajan Young Conductors Award. Und die Kühne Stiftung mit der Förderung des internationalen gesanglichen Nachwuchses, dem Young Singers Project.

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen?
Mit der bisher grössten Zuwendung eines privaten Mäzens, des visionären Unternehmers Dr. Hans-Peter Wild aus Zug, in der Geschichte der Salzburger Festspiele in Höhe von zwölf Millionen Euro werden wir ein Festspielzentrum bauen und damit einen neuen und lebendigen ganzjährigen Begegnungsraum mitten im historischen Herzen unserer Stadt schaffen.

Welche Idee liegt dem Festspielzentrum zugrunde?
Wir sehen mit dem Festspielzentrum die Chance, für alle Bewohner und Besucherinnen dieser Stadt das ganze Jahr über einen offenen und einladenden Ort mitten im historischen Festspielbezirk zu bieten, wo sich Alltag und Kunstraum auf ganz natürliche Weise verbinden und an dem wir unsere Programme und Werte künftig auch jenen vermitteln können, die mit den Festspielen bisher noch nicht in Berührung gekommen sind.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Caroline Röhrl: Im internationalen Steuerrecht zuhause

Posted by Ambra Spiller

Als Expertin für internationales Steuerrecht setzt sich Caroline Röhrl schon seit rund acht Jahren für die Kunden von EY Schweiz ein.

Wie viel Entfaltungsspielraum eröffnet sich, wenn man sich beruflich mit internationalem Steuerrecht beschäftigt? Als Senior Managerin bei EY Schweiz kann Caroline Röhrl dies gut beurteilen: «Wenn unsere multinationalen Kunden eine Umstrukturierung planen und hier in der Schweiz etwas Neues aufbauen möchten, denken wir gemeinsam die verschiedensten Optionen durch und klären, welche steuerlichen Implikationen diese mit sich bringen. Dabei ist auch unsere Kreativität gefragt.»

Um zum optimalen Ergebnis zu kommen, tauscht sich die Expertin im Bereich International Tax and Transaction Services direkt mit den Schweizer Steuerbehörden aus und arbeitet eng mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen zusammen – auch über Ländergrenzen hinweg. Durch ihr Team und die Partner bei EY fühlt sich Caroline dabei sehr unterstützt. So ist es kein Wunder, dass sie nach rund acht Jahren auch ihre weitere Zukunft hier sieht und dabei «EY als mein berufliches Zuhause» empfindet.

Von der Schweiz aus, multinationale Kunden beraten, wäre auch etwas für dich? Dann entdecke hier deine Möglichkeiten: https://www.ey.com/en_ch/careers

Entrepreneurship ist das Grösste

Posted by Ambra Spiller

Jessica Farda entdeckte in den Ferien am Strand ihre Faszination für Algen. Was anfänglich als klebriges Material an ihrer Jeans haftete, nahm bald in der WG-Küche durch Experimentieren Form an. Und zwar die einer Bio-Plastikfolie. Der Grundstein für ihr heutiges Tech-Start-up Noriware war gelegt.

Drei Jahre ist es her seit der Algenschwemme am Strand in den Ferien. Jessica Farda war damals 22 Jahre alt und hatte sich soeben dazu entschlossen, vom Betriebswirtschafts-Studium zu den Fachrichtungen Internationale Beziehungen, Politik und Wirtschaft zu wechseln. Von Chemie hatte sie genauso wenig eine Ahnung wie vom Gründen eines Start-ups. Eigentlich habe sie nicht einmal gewusst, was ein Start-up ist, gibt sie unumwunden zu, und habe auch nicht im Sinn gehabt, ein Business aus den Algen zu machen. Der Grund, mit den Algen zu experimentieren, entsprang einem grundsätzlichen Interesse an schnellwachsenden, erneuerbaren Rohstoffen, an Kreislaufwirtschaft und dem Wunsch, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Dazu kam die pure Lust am Ausprobieren und Machen. «Einfach machen» ist ein Grundsatz, den man Jessica Farda nicht erklären muss. Die Jungunternehmerin sprüht vor Energie und erzählt schnell und begeistert, wie es zur Gründung des Tech-Start-ups Noriware gekommen ist.

WOMEN IN BUSINESS: Braucht die Welt noch mehr Plastik oder wäre es nicht sinnvoller, Alternativen dafür zu finden?
Jessica Farda: Plastik macht Sinn, er verhindert beispielsweise Foodwaste. Wir brauchen Plastik für den Schutz von kurzlebigen Produkten. Langlebige Produkte wie Kleider brauchen keine Plastikverpackung. Es gibt einen riesigen Trend zu Papier und Karton. Hier liegt das Problem bei der Waldrodung. Algen haben den Vorteil, dass sie unglaublich schnell wachsen – gewisse Arten bis zu einem Meter am Tag. Dafür brauchen sie kein frisches Wasser, keinen Dünger und kein Ackerland. Algenfarmen sind unproblematisch und stehen nicht in Konkurrenz zur Landwirtschaft.

Zwischen der Idee, die Algen zu nutzen bis zur fertigen Folie liegt ein langer Weg. Wie sahen die ersten Schritte aus? Zuerst begann ich viel über Algen zu lesen. Sie sind der ideale Bio-Rohstoff. Deshalb habe ich nach einer Applikation gesucht, die Algen beinhaltet und in meinem Interessensbereich liegt. Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf ein Paper gestossen, in dem beschrieben stand, wie man Polysaccharine, das sind natürliche Polymere, aus den Zellwänden der Algen extrahieren und damit Verpackungsmaterialien herstellen kann.

Wie haben Sie diese Theorie ohne Labor und Chemie-Kenntnisse umgesetzt?
Nach dem Lesen von unzähligen, wissenschaftlichen Abhandlungen über Chemie und Materialwissenschaften habe ich mir alle nötigen Materialien wie Algenextrakt und Weichmacher nach Hause bestellt und damit in der Küche experimentiert.

Hatten Sie keine Zweifel, ob das der richtige Weg ist?
Eigentlich nicht. Ich dachte, ich kann das sicher. Zu versagen war mir egal. Ich hatte auch keine Angst, irgendwelche Firmen anzuschreiben, oder irgendwo hinzustehen und zu sagen, ich habe diese Idee, was hält ihr davon, kann mir bitte jemand helfen dabei? Beispielsweise habe ich die Autoren der Papers auf LinkedIn angeschrieben und mit ihnen Calls vereinbart. So gelang es mir, einen eigenen Research Proposal zu schreiben.

Würden Sie sich als besonders smart bezeichnen?
Nein gar nicht. Ich sehe, von welchen Leuten ich umgeben bin. Die sind smart! Was ich gut kann, ist einfach machen. Es war kein komplexer Research Proposal, den ich da geschrieben habe. Man muss nicht total smart sein und Hochstehendes leisten, man muss sich einfach trauen, es zu machen und dann abzuschicken.

Wie ist es weitergegangen?
Viele Forschungsinstitute, die ich angeschrieben hatte, wiesen mich ab, weil ich keine Chemikerin oder Materialwissenschaftlerin war. Im Herbst 2021 habe ich meinen Research Proposal an das Materials Departement der ETH geschickt. Sie zeigten Interesse und offerierten mir eine ETH- Kooperation für die Grundlagenforschung. Die nächste Kooperation fand mit der Fachhochschule Nordwestschweiz statt, wo ich meinen Co-Founder Stefan Grieder kennenlernte. Er ist Ingenieur, beziehungsweise Maschinenbauer mit Vertiefung in Kunststofftechnik.

Wie erfolgte die Gründung des Start-ups und dessen Finanzierung?
Für die Gründung des Start-ups habe ich mich beim Start-up- Programm der HSG beworben, das mit 4000 Franken dotiert ist. Das beinhaltet Kurse in Funding, Legal Advice, jede Woche Workshops und man lernt zu pitchen. Einen kleinen Betrag erhielten wir als Startprojekt von Innosuisse, um mit dem Institut für Kunststofftechnik zu kollaborieren, gefolgt von höheren Forschungsgeldern vom Kanton Aargau. Im Mai 2023 schlossen wir die erste Finanzierungsrunde mit dem Investor Ertan Wittwer über eine Million Franken ab. Im Dezember darauf erhielten wir zusätzlich 1,4 Millionen Fördergelder von der schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse.

Seit der Idee am Strand haben Sie insgesamt 2,7 Millionen Franken Kapital gesammelt. Was haben Sie damit angefangen?
Wir haben in Lupfig AG auf 450 Quadratmetern ein Labor eingerichtet und sind daran, ein stetig wachsendes Team aufzubauen. Aktuell haben wir acht Mitarbeitende: sechs Entwickler und zwei Businessleute. Zudem ist unser erstes Produkt marktfähig: eine teilwasserlösliche Folie, die auf viele Arten einsetzbar ist. Sie ist auf die herkömmliche Produktionstechnologie skalierbar. Die Haupttechnologie werden wir im Jahr 2026 lancieren: Ein thermoplastisches Granulat aus Algen, das in verschiedene Produkte geschmolzen werden kann und somit beliebig skalierbar ist.

Wie empfanden Sie Ihre Verhandlungsposition als junge Unternehmerin?
Ich war sehr jung und hatte keine Arbeitserfahrung, keinen Abschluss, war immer noch im Studium. Ich habe alle Gespräche geführt, mit Professoren, Investoren, Kunden. Das war sehr schwierig. Zuerst waren alle beeindruckt von der Geschichte, doch wirklich ernst genommen hat man mich erst nach zweieinhalb Jahren. In der Forschung traf ich schnell auf Interesse, in der Wirtschaft ging es sehr lange, bis die Leute sahen, dass ich nicht nur rede, sondern auch umsetze. Was ich dabei gelernt habe: Man muss immer auf der Führungsebene rein und direkt die Entscheidungsträger für ein Produkt oder eine Idee begeistern.

Wie ist es Ihnen in der Zeit generell ergangen?
Ich habe mich auf unglaublich viel Stress und Arbeit eingelassen und viel geopfert. Neben der Gründung des Unternehmens musste ich mein Studium abschliessen. Ich kam extrem unter Zeitdruck, weil ich wusste, dass im Januar die nächste Finanzierungsrunde anstand und die wollte ich auf keinen Fall im Studentenstatus angehen. Es gelang mir, die Abschlussarbeit mit vielen Tränen und viel zu wenig Schlaf auf den letzten Drücker abzugeben. Nebenbei schrieben wir den Bericht für Innosuisse, ich ging auf Geschäftsreisen, drehte eine Netflix-Dokumentation, hatte Auftritte im Hallenstadion vor 1000 Leuten, an der Olma, Ted Talks und unsere Büroeröffnung mit 100 Leuten. Ich war am Limit.

Das ist viel. Was ist Ihr Antrieb?
Die Idee. Sie macht so viel Sinn. Ich liebe es, die Leute zu begeistern für unsere Ideen und Produkte. Entrepreneurship ist für mich das Grösste. Die Algen treiben mich ebenfalls an. Sie sind zur Obsession geworden. Ihre verschiedenen Formen und Farben. Sie wachsen so schnell und sind so hübsch. Immer wenn ich sie in den Ferien sehe, bin ich von neuem fasziniert davon, dass man mit einem so tollen Rohstoff so viele Probleme lösen kann!

Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit der Partnerfirmen und Investoren aus?
Als Cleantech-Firma arbeiten wir nur mit nachhaltigen Partnern zusammen. Darin sind wir kompromisslos. Um nicht Teil von Greenwashing zu werden, verkaufen wir unser Granulat nur an Partner, die mit uns einen Entwicklungsschritt in eine grüne Zukunft machen wollen. Das gilt auch für unsere Investoren. Wir haben schon Investoren abgelehnt, die Firmen in ihrem Portfolio hatten, die nicht mit unseren Werten vereinbar sind.

Welches sind eure Werte?
Wir wollen herkömmlichen Plastik reduzieren und ein Bewusstsein für die Umwelt und Bio-Plastik schaffen, indem wir Innovationen fördern und die Produkte der Spitzenforschung aus der Materialwissenschaft auf den Markt bringen. Dazu gehören: offene Kommunikation, Transparenz und Ehrlichkeit.

Und wie sehen die Ziele von Noriware aus?
Ich hoffe, dass wir über die Verpackungsbranche hinaus einen Impact haben können. Wir wachsen sehr schnell und haben unzählige Ideen für unglaublich viele Möglichkeiten.

Sie wurden eben bei Forbes DACH 30 under 30 gelistet. Welches sind ihre weiteren, persönlichen Ziele?
Ich will die Industrie aufmischen, die unseren Planeten verschmutzt und einen globalen Impact haben, der quantifizierbar ist. Das ist mein Ziel. Mir ist es noch nie darum gegangen bei 30 under 30 dabei zu sein. Ich bin nicht die Person, die gefeiert werden will, sondern finde meine Erfüllung im Team und beim gemeinsamen Entwickeln unserer Produkte. ★


Jessica Farda ist 1998 im Kanton Aargau geboren und aufgewachsen.
Sie studierte zuerst an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft und wechselte dann zu Internationale Beziehungen, Politik und Wirtschaft. 2021 gründete sie zusammen mit dem Co-Founder Stefan Grieder das Start-up Noriware, das Bioplastik auf Algenbasis entwickelt und für die Herstellung von Produkten skalierbar macht.
2023 wird sie bei Forbes DACH 30 under 30 gelistet.

Mit Beharrlichkeit zum Erfolg

Posted by Ambra Spiller

Vor drei Jahren wurde Catrin Hinkel zum CEO von Microsoft Schweiz ernannt. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz steht der bekannte Softwarekonzern vor neuen Chancen und Herausforderungen. Wie die gebürtige Deutsche Microsoft Schweiz für die Zukunft positioniert und wie sie Diversität lebt, erzählt sie im Gespräch mit Women in Business.

Niemand kann Dir garantieren, dass Du ein Ziel in einer bestimmten Zeit erreichst. Aber du wirst garantiert nie ein Ziel erreichen, das du dir nie gesetzt hast». Dieses Zitat des kanadischen Politik- wissenschaftlers David McNal- ly könnte durchaus auch auf Catrin Hinkel, CEO von Microsoft Schweiz mit Sitz in Zürich-Kloten, zutreffen. Sie gehört zu den beharrlichen Menschen, und das hat sich bereits in jungen Jahren gezeigt. Bis zum 16. Lebensjahr nahm sie beispielsweise regelmässig an Schwimmwettkämpfen teil. «Ich betrachte sportliche Aktivitäten auch als Möglichkeit, eine Rückmeldung zu erhalten», sagt die zweifache Mutter Catrin Hinkel. Allerdings liege ihr Bestreben nicht lediglich darin, sich mit anderen zu messen – zumindest nicht in ihrer Funktion bei Microsoft Schweiz, zumal immer das Team und der gemeinsame Erfolg im Vordergrund stehe.

WOMEN IN BUSINESS: Catrin Hinkel, Sie beschreiben sich selbst als wettbewerbsorientiert.
Catrin Hinkel: Das trifft zu. Ich war früh fasziniert davon, auf welche Art und Weise man mithilfe der Technologie wichtige Themen des täglichen Lebens anpacken kann. Als CEO von Microsoft Schweiz setze ich mich zudem dafür ein, den Ruf der Schweiz als ideenreiches Land weiter zu stärken. Diese nimmt im Zusammenhang mit Innovation eine Vorreiterrolle ein und setzt auch Massstäbe, was die Integration der künstlichen Intelligenz betrifft.

Sie erkennen viel Potenzial im Markt. Microsoft Schweiz soll nicht nur vielfältiger und nachhaltiger werden, sondern auch die eigene Kundschaft besser verstehen können. Wie gelingt das?

Als ich vor drei Jahren meine neue Funktion übernommen habe, verfügte die Schweiz lediglich über zwei Datacenter. Inzwischen existieren deren vier, welche mit neuesten KI-Technologien ausgestattet sind. Inzwischen konnten wir mehr als 50 000 Kundinnen und Kunden für unsere Cloud-Dienste gewinnen. Sie sind darauf bedacht, dass ihre Daten das Land nicht verlas- sen. Auch die künstliche Intelligenz steht immer mehr im Fokus. Bereits über 200 Schweizer Unternehmen und Start-ups nehmen KI von Microsoft in Anspruch. Entsprechend ist es notwendiger geworden, in die Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten unserer Kundschaft einzusteigen und die Industrieexpertise sukzessive aufzubauen. Personen, die sich in unterschiedlichen Spezialgebieten bewegen, können eine leichtere Brücke schlagen zwischen der Industrie und der Technologie.

Der Fortschritt steht im Zentrum als Grundlage für die digitale Transformation, die eine globale Veränderung mit sich bringt. Welche Entwicklung ist zu erwarten?

Einer der Gründe, weshalb ich bei Microsoft Schweiz eine Führungsposition übernommen habe, ist darauf zurückzuführen, dass sich das Unternehmen nicht nur mit Chancen sondern auch mit Risiken auseinandersetzt. Die Entwicklungen sollten jedoch stets mit Argusaugen beobachtet werden. Zum Beispiel haben wir vor zwei Jahren im Bereich der künstlichen Intelligenz unsere Verantwortungs-Prinzipien lanciert, die wir weiterentwickeln und mit unserer Kundschaft besprechen.

Ihr Unternehmen hat sich auch vorgenommen, bis 2030 CO2-neutral zu agieren und bis 2050 einen Ausgleich zu erzielen. Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben.

Ich lege grossen Wert darauf. Kürzlich haben unsere Sustainability-Officer Workshops mit unserer Kundschaft durchgeführt. In der Schweiz arbeiten wir eng mit Start-up-Unternehmen, wie zum Beispiel Climeworks oder Neustark, zusammen, die sich mit dem Thema beschäftigen, und auch die Kooperation mit Jungunternehmen in der Region wurde intensiviert. Dasselbe gilt für die Datacenter, die wir implementiert und die Kapazität in den letzten Jahren mehr als verdoppelt haben. «Möglichst lokale Lösungen schaffen», lautet das Motto.

Finden Sie diese eher hinderlich?

Sie sollten durchlässig sein. Ich hole meine Informationen nicht nur von meinem Leadership-Team, sondern suche auch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Gespräch. Zentral ist, aktuell zu bleiben und sich nicht in eine Isolation zu begeben.

Stellt sich grundsätzlich die Frage, ob der Mensch im Zeitalter der KI irgendwann ersetzbar ist?

Diese wird tatsächlich den beruflichen Alltag ein Stück weit auf den Kopf stellen und einzelne Branchen verändern. Neue Berufsbilder dürften künftig geschaffen werden. Aber trotzdem denke ich nicht, dass sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ernsthafter Gefahr befinden. Neue Technologien rufen bei vielen Personen Skepsis und Unsicherheiten hervor. Deshalb gilt es zu betonen, dass die KI im Sinne des Menschen reguliert und kontrolliert werden muss. Für uns ist klar, dass das Individuum in der Verantwortung steht. Darum nennen wir unsere KI-Dienste auch Copilot.

Fakt ist jedoch, dass viel Energie notwendig ist, um Datacenter-E-Mail-Server, Videokonferenzen und Cloudlösungen zu betreiben, was sich auch auf die Umwelt auswirkt. Wie lässt sich eine Optimierung erreichen?

Der erste Schritt besteht darin zu erkennen, dass Kundinnen und Kunden ihre Datacenter nicht mehr selbst bewirtschaften, sondern die Dienstleistung von uns oder anderen einkaufen. Dies führt meist schon zu einer Energieeinsparung. Die Center sollen mit grüner Energie versorgt werden können, und als Wirtschaftsunternehmen müssen wir darum bemüht sein, das auch langfristig durchzusetzen.

Stichwort Verantwortung: Sie haben einmal gesagt, Ihre Führungsposition ziele darauf ab, dass ein Team gut funktioniere. Können Sie das näher erläutern?

Führungspositionen wandeln sich in unserer stetig komplexeren Welt, und einen umso wichtigeren Platz nimmt die Zusammenarbeit sowie die Diversität ein. Unterschiedliche Sichtweisen und Herkünfte sind notwendig, um komplexe Themen lösen zu können. Das kontinuierliche Lernen spielt ebenso eine Rolle. Es ist durchaus erlaubt, auch einmal etwas nicht zu verstehen oder ein Problem nicht sogleich zu erkennen. Diese Dynamik muss in einem Team ausgehalten werden. Unser Zeitalter erfordert eine rasche Anpassung im Hinblick auf rasante Entwicklungen. Wir pflegen zudem eine Kultur, in der flache Hierarchien gelebt werden.

Die Investmentbank Goldman Sachs hat ausgerechnet, dass die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz dazu führen könnten, dass 300 Millionen Arbeitsplätze weltweit teilweise oder ganz automatisiert werden. Kann man damit rechnen, andere Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden?

Man sieht beispielsweise bei Microsoft Copilot, einem KI- Assistenten für Programme wie Excel, Word oder Teams, ganz klar, dass der Hauptlenker immer noch derjenige ist, welcher die wesentlichen Entscheidungen trifft. Der Copilot kann lediglich eine unterstützende Funktion übernehmen. Im Bereich der Arbeitswelt kann dieser beispielsweise dazu dienen, Korrekturen umzusetzen.
Grosse Sprachmodelle (Large Language Models), die einen Text auf menschenähnliche Weise erzeugen, können den Zugang zu Informationen verbessern und die Arbeitsleistung steigern. Es ist von grosser Bedeutung, dass wir uns die Zeit nehmen, die Funktionsweisen dieser neuen Technologien zu verstehen und zu erklären. Der Zugang zu Plattformen und Informationen sowie die Bedienung von Maschinen soll erleichtert werden.

Wie viel Zeit sparen Sie durch KI-Unterstützung?

Die künstliche Intelligenz ist in der Lage, Inhalte in kürzester Zeit zusammenzufassen. Ich greife regelmässig auf die Co-pilot-Einstellungen zurück, und dazu gehören auch meine Meetings, die ich noch einmal vergegenwärtige, was stets auch eine Verbesserung im Zusammenhang mit Gesprächen mit sich bringt. Dank diesem digitalen Support kann sich der Mensch auf die konzeptionelle und strategische Arbeit im Hintergrund fokussieren.

Themenwechsel: Sie engagieren sich seit vielen Jahren für Inklusion am Arbeitsplatz und setzen sich in verschiedenen Gremien dafür ein, dass die Präsenz von Frauen in Führungspositionen erhöht werden soll. Wo besteht noch Verbesserungspotenzial?

Auf jeden Fall ist da noch Luft nach oben. Bei uns sind weibliche Führungskräfte zu 30 Prozent vertreten. Insofern sieht die Entwicklung erfreulich aus. Meine internationalen Erfahrungen ermöglichen mir, einen umfassenderen Blick auf das Arbeitsumfeld zu werfen. Das heisst, wie gehe ich auf die Mitarbeiterschaft ein und inwiefern verändern sich die Herausforderungen für die weiblichen Fachkräfte in bestimmten Lebenslagen. Deshalb bemühen wir uns, vielfältige Arbeitsmodelle zu schaffen mit dem Ziel, den unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnissen gerecht zu werden.

Wie können sich Frauen in Unternehmen besser positionieren?

Wenn jemand beispielswiese in einem Meeting ruhig wirkt, stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Entweder sage ich der Person, sie soll sich öfter zu Wort melden oder ich schaffe es, eine Sitzung so zu gestalten, dass sich sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbringen können. Frauen dürften zugegebenermassen manchmal mutiger auftreten. Als Führungsperson kann ich im Rahmen eines Dialogs jedoch motivierende Worte sprechen, unabhängig davon, um welches Geschlecht es sich handelt.

Stellen Sie sich zuweilen auch einmal selbst in Frage?

Natürlich, Selbstzweifel sind normal. Wichtig ist es, diese zu analysieren und letzten Endes zu überwinden.

Sie sind Mutter zweier Söhne. Wie haben Sie den Spagat zwischen Beruf und Familienleben geschafft?

Prioritäten habe ich stets klar gesetzt: Die Familie hat Vorrang. Zwar nimmt meine Arbeit ebenfalls einen wichtigen Platz ein, aber wenn es zeitlich eng wird, muss man auch einmal Termine verschieben. Meine Entscheidung, in die Schweiz zu ziehen, hing auch damit zusammen, dass meine Kinder nun beide studieren und selbstständig sind. In meiner knapp bemessenen Freizeit lese ich gerne und tanke neue Kraft in der freien Natur. ★


Catrin Hinkel wurde 1969 geboren und ist deutsche Staatsbürgerin. Für ihre Tätigkeit als CEO von Microsoft Schweiz hat sie ihren Wohnsitz 2021 in die Schweiz verlegt. 1992 schloss sie ihr zweisprachiges Studium an der Universität Reutlingen (European Business School in Reutlingen und London) ab. Nach ihrem Abschluss trat sie in die global tätige Unternehmensberatung Accenture ein, wo sie in verschiedenen Funktionen tätig und zuletzt als Senior Managing Director für den Bereich Cloud First Strategy &Consulting in Europa verantwortlich war. Im Jahr 2007 trat sie der Geschäftsleitung von Accenture Deutschland bei. Catrin Hinkel verfügt über reichhaltige Berufserfahrung aus Kundenprojekten in unterschiedlichen Industrien. Sie ist zudem Mitglied und Sprecherin des Vorstandes von Generation CEO, einem gemeinnützigen Verein und etablierten Netzwerk für Top-Führungsfrauen im deutschsprachigen Raum.

Im Gespräch mit Christina Stahl

Posted by Ambra Spiller

Nach ihrem Master und diversen Auslandsemestern startete Christina Stahl eine klassische BWL- Karriere: Sie wurde Consultant, arbeitete auf Projekten in der Modeindustrie und im Automobilsektor. Heute ist sie selbstständige Unternehmerin. Ihr Business: Taschen. Ihre Mission: Mehr bieten als Taschen. Mit ihrem Label AMELI für Laptoptaschen hat sie eine Lücke geschlossen.

WOMEN IN BUSINESS: Christina Stahl, wie sind Sie zur Taschenproduzentin geworden?
Christina Stahl: Ich habe das Unternehmen mit meinem Mann 2020 in Zürich gegründet.

Wie kommt 2020 jemand auf die Idee, noch ein Taschenlabel zu gründen?
Ich war in der strategischen Unternehmensberatung tätig, sehr oft beruflich unterwegs und hatte permanent einen Struggle in Sachen Laptoptasche: Es gab einfach nicht die richtige für mich. Die einen waren zu klobig, andere zu unpraktisch eingeteilt und viele einfach nicht mein Stil. Und dann kam der Moment, da ich mir Zeit nehmen konnte, mich damit ernsthafter zu befassen: Ich hatte ein Stipendium erhalten und war freigestellt worden, um eine Doktorarbeit zu verfassen.

Über Laptoptaschen?
(Lacht) Nein, über Big-Data-Analytics. Mit Laptoptaschen habe ich mich parallel dazu befasst.

Warum haben Sie sich mitten im Berufsleben dazu entschieden, eine Doktorarbeit zu machen?
Weil ich es liebe, mich in etwas richtig zu vertiefen. In der Beratung lernt man ja sehr viel über Methoden, Strukturen, Herangehensweisen, aber kaum Fachwissen.

Stipendium, Freistellung – dafür mussten Sie sich wohl für eine gewisse Zeit gegenüber der Unternehmensberatung verpflichten.
Ja. Aber man kann sich auch rauskaufen. Das habe ich gemacht, weil die Laptop-Taschenidee sehr schnell viel Fahrt aufgenommen hat.

Sie wirken nicht wie jemand, dem es leichtfällt, etwas sausen zu lassen.
Das ist so. Aber nachdem mich jemand gefragt hatte, ob ich die Doktorarbeit nochmals aufnehmen würde, falls ich mit meinem «Corona-Hobby», meinem Label AMELI, scheitere und meine Antwort ganz klar nein war, fiel es mir nicht mehr schwer, die Dissertation aufzugeben. Kam dazu, dass mein Mann sich ebenfalls dafür committed hat. Auch er hatte sich zu der Zeit von seinem Arbeitgeber freistellen lassen, um ein paar Start-up-Ideen zu verfolgen. In AMELI sah er schliesslich viel Potenzial und sagte irgendwann, hey, komm, lass uns das ausprobieren, wir haben nichts zu verlieren und werden sicher viel lernen dabei. Wir haben uns dann beide voll darauf fokussiert und die Dinge entwickelten sich entsprechend schnell.

Was war die grösste Herausforderung?
Wir hatten damit gerechnet, dass es viel zu lernen gibt für uns. Und tatsächlich, wir haben wohl so ziemlich alle Fehler gemacht, die man machen kann. Das Allerschwierigste war, den richtigen Produzenten zu finden. Ich wusste aus meiner Beraterzeit, dass die Arbeitsweisen und -bedingungen im Modegeschäft schlimm sind, selbst bei Made in Italy: Da werden wohl Prototypen in einem kleinen italienischen Familienbetrieb gemacht. Was danach kommt, bleibt aber oft im Dunkeln. Wir haben schliesslich eine Produktionsstätte in Norditalien gefunden, wo die Frage gar nicht erst aufkam, ob wir die Produktion sehen dürfen: Das Büro des Patrons befindet sich nämlich mittendrin. Was für ein Glück.

Wie sind Sie auf den Namen AMELI gekommen?
Pinterest hat mir Mädchennamen vorgeschlagen für meine zukünftige Tochter – keine Ahnung warum. Ich fand den Namen schön. Er heisst die Tüchtige, die Fleissige. Und améliorer heisst auf Französisch verbessern. Der Name passt perfekt zu Laptoptaschen ohne Kompromisse, zu Laptop-Taschen, die das Leben engagierter, viel beschäftigter Frauen besser zu machen.

Inzwischen haben Sie die Kollektion erweitert, machen insbesondere auch Handtaschen. Warum?
Ich könnte es im Nachhinein Strategie nennen. Aber ehrlich gesagt, entwickelt sich das Sortiment nach dem, was ich gerade für eine Tasche in meinem Kleiderschrank brauche. Oder nach dem, was die Community zu uns zurückspielt. Wir hatten zum Beispiel viele Anwältinnen, die sagten, dass sie eine Tasche brauchen, in der diese richtig grossen Leitz-Ordner Platz finden. Haben wir gemacht.

Wer bestimmt bei AMELI das Design?
Ich. Und das ist oft ein langer Prozess und recht aufreibend, bis es am Ende so weit ist, dass alles stimmt. Weil wir nur über unseren Onlineshop verkaufen, haben wir zum Glück keinen Zeitdruck und können eine Tasche dann posten, wenn ich sage, okay, die würde ich mir kaufen.

Warum verkaufen Sie nur online?
Wir verkaufen online und bei uns im Showroom. Einmal, weil wir ein transparentes und faires Pricing haben. Andererseits wollen und können wir nicht via Retail verkaufen. Da müssten wir für jede Tasche, die für 1000 Franken verkauft wird, 600 Franken an den Händler abgeben und vom Rest Produktionskosten, Transport, Mitarbeitende und so weiter bezahlen. Damit kämen wir nie raus. Mit reinem Online-Verkauf schaffen wir es, unsere Taschen zu einem fairen Preis anzubieten. Mir ist das super wichtig.

Ende 2020 haben Sie die ersten Taschen lanciert. Sind Sie schon in den schwarzen Zahlen?
Das waren wir von Anfang an. Wir haben angefangen mit Vorbestellungen und Anzahlungen – damals noch in unserer Wohnung, die 70 Quadratmeter gross war. Wir haben alles selber gemacht, uns lange kein Salär ausbezahlt und waren sehr kostenbewusst. Mein Mann ist Schwabe und ein Sparfuchs. Das hat extrem viel geholfen, an allen Ecken zu sparen.

Wie läuft das Geschäft heute?
Wir haben inzwischen elf Mitarbeitende und eine Lernende und beliefern Kundinnen aus über 60 Ländern, aus Europa, Australien, Neuseeland, Südamerika und aus den USA. Die Schweiz und Deutschland sind unsere stärksten Märkte, auf Rang 3 sind die USA. Umsatzmässig sind wir im mittleren, siebenstelligen Bereich angekommen.

Von null auf einen siebenstelligen Umsatz in zwei Jahren – und das mit Taschen. Bewundernswert!
Wir sind darauf auch ziemlich stolz. Wenn ich daran denke, dass wir nur deshalb in dieses Business eingestiegen sind, weil ich die Tasche, die ich wollte und brauchte, nicht finden konnte, muss ich heute lachen. Ehrlich gesagt, würde ich mit dem, was ich heute weiss, nicht mehr in den Handtaschenmarkt einsteigen – es gibt schlicht zu viele Anbieter. Unser Glück war es, dass offensichtlich sehr viele Frauen auf AMELI gewartet haben, ohne es zu wissen.

Was hat es mit der Community auf sich, die Sie vorher erwähnt haben?
Auf Instagram haben wir rund 45 000 Followers. Und es war von Anfang an die Idee, dass wir nicht nur Taschen verkaufen wollen, sondern den Frauen darüber hinaus etwas bieten, womit sie für sich etwas anfangen können. Und wissen Sie was? Ich höre immer wieder, dass Frauen, die eine AMELI haben, sich gegenseitig grüssen oder ansprechen, ins Gespräch kommen. Wie schön ist das, dass eine Tasche mehr sein kann als ein Gegenstand?

Was ist die Vision für AMELI?
Um es plakativ zu sagen: Wir wollen so viele AMELI-Handtaschen am Zürcher Flughafen sehen wie Rimowa-Koffer. Daneben möchten wir auch unsere Werte verbreiten, ein Beispiel sein und wirklich einen Impact haben mit dem, was wir machen. Auch für Frauen ausserhalb unserer Community: Wir haben nun schon über 15 000 Euro an NGOs spenden können – als Start-up. Als Privatperson hätte ich dafür nie so viel aufbringen können. Zu sehen, dass ich einen Mehrwert leisten kann, der über «noch eine Handtaschenmarke» hinaus geht, gibt mir Kraft. Und das ist genau das, was ich will: Mehr bieten als perfekte Taschen. Und – sorry, das hört sich nun vielleicht total idealistisch an – ich glaube daran, dass der Erfolg kommt, wenn man etwas mit Leidenschaft und Herzblut macht und den Blick mehr auf das, was man erreichen kann, gerichtet hat als auf Zahlen.

Und eines Tages verkaufen Sie Ihr Label an einen Konzern oder wie sehen Sie die Zukunft von AMELI? Ihr next big thing?
Ich möchte so lange wie es geht in Eigenregie bleiben. Einfach, weil ich dadurch so viel Flexibilität habe. Ich habe in meiner Pipeline Produkte, die ich noch rausbringen möchte. Und werde Kooperationen starten, mein Team weiter aufbauen und Stabilität schaffen. Ich bin aktuell operativ in allen Bereichen extrem eingespannt. Für «the next big thing» brauche ich wieder ein bisschen mehr Headspace. Deswegen werde ich nun hart daran arbeiten, meine Mitarbeitenden noch mehr zu befähigen. Ich habe ein tolles Team, das heisst, es geht in die richtige Richtung. ★

Gespräch führte Lisa Vögeli

Geld ist Ermöglicher und Druckmacher

Posted by Ambra Spiller

Aya Jaff ist Traderin, Unternehmerin, Autorin und Keynote- Speakerin. In ihrer ARD-Sendung «How to get rich» widmet sie sich dem Thema Finanzen. Als Markengesicht der Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne «Liebe ohne Gewalt» von Yves Saint Laurent Beauty schärft sie den Blick für Gewalt innerhalb von Beziehungen.

Ein eigenes Start-Up, Paneldiskussionen und die Arbeit in einer deutlich männerdominierten Branche: All dies kennzeichnete schon früh den Alltag von Aya Jaff. Der Weg dorthin erscheint kurz und beeindruckend zugleich. Mit 17 Jahren brachte sie sich während ihrer Schulzeit das Programmieren bei, gründete einen Programmierclub für ihre Freundinnen und entwickelte ein Börsenspiel für Jugendliche. Mit 20 Jahren studierte sie Informatik und gewann ein Stipendium für einen dreimonatigen Studienaufenthalt an der Draper-University im Silicon Valley. Danach gründete sie ein Start-up als Alternative zur klassischen Unternehmensberatung mit dem Ziel, bewusst junge Personengruppen für die Unternehmen gewinnen zu können. Mit 24 Jahren schrieb sie den Bestseller «Moneymakers – wie du die Börse für dich entdecken kannst». Heute bietet sie innerhalb ihrer ARD-Sendung tiefgehende Einblicke rund um Investment, Börse und Trading-Apps. Ein regelrechter Schnell- start der 28-Jährigen, die 1998 mit ihrer Familie aus dem Nordirak nach Deutschland flüchtete und die lernte, ihre Interessen und Ambitionen unbeirrt zu verfolgen. Aya Jaff zeigt sich, egal ob im Fernsehen, in ihrem Buch oder auf dem Podium, voller Authentizität, Mut, Unvoreingenommenheit und mit einer grossen Portion Neugier.

Schon als Teenager sollen Forbes und Fortune zu ihrer Lieblingslektüre gehört haben. Inwiefern hat Ihr persönlicher Hintergrund dazu beigetragen, dass Sie sich so jung für die Finanzwirtschaft interessierten?
Aya Jaff: Auch wenn es mir nie an etwas fehlte, bin ich in recht bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Ich gewann schon früh einen Blick für mögliche, zusätzliche Einkommensquellen, die mein Taschengeld aufbessern könnten. Geld faszinierte mich, es ist ja auch überall in unserem Leben präsent. Meine Eltern haben mich zum Glück nie auf einen bestimmen Berufsweg getrimmt. Ganz im Gegenteil: Die Freiheit, die sie mir liessen, schätzte ich ungemein. Diese Freiheit gab mir die Chance, meine eigene Motivation und Ziele zu erkennen und Bereiche zu erkunden, die mich wirklich interessierten.

Das waren Tech und Finanzen – doch eher ungewöhnlich für einen Teenager. Was war ihre Motivation, sich so früh damit auseinanderzusetzen?
Wenn wir einmal betrachten, womit wir alle tagtäglich in Kontakt stehen, fliesst alles im Bereich Tech zusammen, welcher wiederum eng an die Börse gekoppelt ist. Ich wollte hinter die Fassade des gigantischen Netzwerkes von so mächtig Agierenden schauen, die Zusammenhänge, die Machtgefälle und auch Abhängigkeitsbeziehungen verstehen. Die Themen Aktien und Börse waren für mich zunächst ein Hobby, in welchem ich immer stärker meine Leidenschaft fand.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Warum Flexibilität bei der Arbeit auch eine andere Vorsorge braucht

Posted by Ambra Spiller

Hauptsitz Swiss Life Wealth Managers Zürich

Immer mehr Menschen arbeiten Teilzeit, denken dabei aber oft zu wenig über die Auswirkungen auf ihre Vorsorge nach. Lesen Sie, worauf Sie bei einer Teilzeitanstellung achten müssen und wie Sie auch im Alter Ihren Lebensstandard halten können.

Teilzeitarbeit erfreut sich in der Schweiz immer grösserer Beliebtheit. Zum Vergleich: Zu Beginn der 1990er-Jahre arbeitete lediglich ein Viertel der Erwerbstätigen Teilzeit – heute ist es mehr als ein Drittel.
Mit 73 Prozent Frauenanteil unter den Teilzeitbeschäftigten im Jahr 2022 bleibt dieses Arbeitsmodell jedoch überwiegend weiblich dominiert: Frauen arbeiten dreimal so häufig Teilzeit als Männer. Immerhin ist die Schweiz mit fast jedem fünften Vater, der Teilzeit arbeitet, zusammen mit den Niederlanden in Europa eine Vorreiterin.
Jedoch arbeiten im europäischen Durchschnitt gerade einmal 5,5 Prozent der erwerbstätigen Väter mit Kindern unter sechs Jahren im Teilzeitmodell. Flexibel zu arbeiten, ist aber nicht nur bei berufstätigen Eltern beliebt. Auch für ältere Menschen gewinnt die Teilzeitarbeit immer mehr an Bedeutung: etwa als gleitender Übergang vom Berufsleben zur Pensionierung und sogar darüber hinaus. So bleibt bereits heute bis zu einem Drittel der Schweizer Bevölkerung über das Referenzalter hinaus erwerbstätig. Diesen sich wandelnden Arbeitsformen müssen die Rentensysteme ebenfalls Rechnung tragen. Deshalb bringt auch die AHV-Reform, die am 01.01.2024 in Kraft getreten ist, mehr Flexibilität.
Die Konsequenzen der Teilzeitarbeit für die persönliche Altersvorsorge sind vielfältig und können erhebliche finanzielle Auswirkungen haben, die häufig ausser Acht gelassen werden: Tatsächlich haben die wenigsten gründlich über die Konsequenzen der Teilzeitarbeit für ihre Altersvorsorge nachgedacht.
Bei Teilzeitarbeit sind durch das reduzierte Einkommen und die damit verbundenen geringeren Einzahlungen vor allem die späteren Leistungen aus der ersten Säule, der AHV, und der zweiten Säule, der Pensionskasse, betroffen. Der Beschäftigungsgrad, das Lohnniveau und die Art der Pensionskasse spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Auswirkungen von Teilzeitarbeit sind vor allem bei der beruflichen Vorsorge vielfältig und können von einem erheblich reduzierten versicherten Einkommen in der Pensionskasse bis hin zum gänzlichen Wegfall der beruflichen Vorsorge reichen. Auch Lebensereignisse wie eine Scheidung wirken sich auf Menschen, die Teilzeit arbeiten, oft einschneidender aus.

Mögliche finanzielle Auswirkungen von Teilzeitarbeit und Familienzeit
Berechnung möglicher Szenarien für Vollzeitpensum, Kinderpause von fünf Jahren und Kinderpause mit anschliessendem Vollzeitpensum. Bruttoeinkommen 150 000 Franken, Eintritt in die Pensionskasse mit 28 Jahren.

Nicht nur bei jungen Erwerbstätigen kann Teilzeitarbeit die Vorsorgesituation erheblich beeinflussen. Menschen, die bereits im fortgeschrittenen Erwerbsleben stehen und ihr Arbeitspensum reduzieren möchten, sollten sich mit den Folgen für die Vorsorge und eine allfällige vorzeitige Pensionierung auseinandersetzen.

Optimierung Ihrer Vorsorge bei Teilzeitarbeit
Trotz der finanziellen Herausforderungen gibt es Möglichkeiten, die Vorsorge bei Teilzeitarbeit zu optimieren. Einer der wichtigsten Schritte ist die Kommunikation in der Partnerschaft: Wie sieht die ge- meinsame Zukunft aus? Wer übernimmt welche Aufgaben? Reduzieren etwa beide das Pensum? Eine weitere Möglichkeit ist, vor und nach der Kinderpause Vollzeit zu arbeiten. Dies kann helfen, mögliche Vorsorgelücken zu verringern. Es kann auch vorteilhafter sein, das Pensum zu reduzieren, statt eine komplette Auszeit zu nehmen, da dies eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit gewährt und die Möglichkeit bietet, eine private Vorsorge in der Säule 3a aufzubauen.
In jedem Fall sind die private Vorsorge, wie eine Säule 3a sowie der zusätzliche Einkauf in die Pensionskasse wichtige Massnahmen, um die Vorsorge zu stärken. Zusätzlich kann ein flexibles Arbeitsmodell über das ordentliche Pensionsalter hinaus einen interessanten Beitrag zur eigenen Vorsorge leisten und helfen, frühere mögliche Lücken teilweise auszugleichen.
Egal ob Sie bereits im Teilzeitmodell arbeiten, dies als stufenweisen Austritt aus dem Berufsleben vorsehen oder nach der ordentlichen Pensionierung weiterarbeiten möchten: Jede Situation sollte individuell mit einer Expertin oder einem Experten für Vorsorge- und Anlagethemen besprochen und regelmässig, zum Beispiel bei Änderungen des Arbeitspensums oder der Lebensumstände, überprüft werden.
Ideal ist eine Beratung, bei welcher die persönliche Situation unter verschiedenen Aspekten wie Vorsorge, Steuern und Vermögensorganisation analysiert und ein auf die individuellen Bedürfnisse zu- geschnittener Plan erstellt wird.
Mit der richtigen Planung und fachkompetenten Beratung kann Teilzeitarbeit eine wertvolle Option für viele Erwerbstätige sein – zum Beispiel während der Elternzeit, als Vorstufe zur vorzeitigen Pensionierung oder als Arbeitsmodell im reiferen Alter. ★


Christine Kneubühler, Senior Financial Consultant Swiss Life Wealth Managers.

Christine Kneubühler, Finanzplanerin mit einem Masterabschluss in Wirtschaft und Recht, ist seit sieben Jahren in der Finanzbranche tätig und berät Kundinnen und Kunden in den Bereichen Vorsorge, Finanzplanung und Vermögensverwaltung. An Webinaren und Anlässen referiert sie zu Themen wie Frauenfinanzen, Vorsorge und Vermögensberatung.

Essentielle Tipps zur Stärkung der Vorsorge

  • Besprechen Sie Ihr Arbeitsmodell offen mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin und legen Sie zusammen fest, wie Sie die gemeinsamen Ziele erreichen möchten.
  • Bauen Sie zusätzlich zur beruflichen und zur privaten Vorsorge weitere Rücklagen auf und legen Sie diese renditeorientiert an, etwa in Wertschriften.
  • Stärken Sie Ihre Vorsorge mit zusätzlichen Einkäufen in die Pensionskasse und/ oder einer renditeorientierten Säule 3a.
  • Prüfen Sie die Möglichkeit, nach dem ordentlichen Pensionsalter weiter Teilzeit zu arbeiten, um allfällige vorherige Lücken auszugleichen.
  • Überprüfen Sie Ihre individuelle Situation alle drei bis fünf Jahre oder dann, wenn sich Ihre Umstände substanziell verändern.

Lassen Sie sich von einer Expertin oder einem Experten beraten, um Ihre persönliche Situation in Bezug auf Vorsorge und Pensionierung optimal zu gestalten.

Wissenswertes und Beratung

Unsere Expertise – Ihre Sicherheit
Seit 1857 bewirtschaftet Swiss Life die Vorsorge- und Versicherungsgelder ihrer Kundinnen und Kunden und zählt zu den Top-3-Vermögensverwalterinnen für Pensionskassen und institutionelle Anlegende in der Schweiz. Von dieser über 165-jährigen Anlagekompetenz profitieren Sie dank Swiss Life Wealth Managers jetzt auch als Privatperson. Überzeugen Sie sich in einem kostenlosen Erstgespräch von unserer Vorsorge- und Finanzexpertise.

Merkblatt & Checkliste
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Kostenloses Erstgespräch
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Rechtlicher Hinweis: Bei diesem Dokument handelt es sich um ein Marketingdokument. Die aufgeführten Angaben dienen lediglich Informationszwecken und sind ohne Gewähr und Haftung. Sie begründen weder ein Angebot noch eine Empfehlung zum Abschluss von Rechtsgeschäften.
Dieses Dokument enthält zukunftsgerichtete Aussagen, welche unsere Einschätzung und unsere Erwartungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücken. Dabei können verschiedene Risiken, Unsicherheiten und andere Einflussfaktoren dazu führen, dass die tatsächlichen Entwicklungen und Resultate sich von unseren Erwartungen deutlich unterscheiden.

«Swiss Life Wealth Managers» ist die Bezeichnung für die
Wealth-Management-Aktivitäten der Swiss Life Wealth Management AG,
General-Guisan-Quai 40, 8002 Zürich.

Leidenschaft, Herz und Bauchgefühl

Posted by Ambra Spiller

Frédérique Hutter ist Galeristin, Kunstberaterin, Kunstvermittlerin, Kulturveranstalterin und Botschafterin der Sanni Foundation. Nach jahrzehnte-langem Mitwirken in der Galerieszene beschreitet sie seit 2018 mit ihrem Unternehmen Frédérique Hutter Art Concept unkonventionelle Wege.

Der Werdegang von Frédérique Hutter wirkt akribisch geplant und geradlinig: Die wichtigen Stationen durchlaufen, auf Du und Du mit allen grossen Namen, kombiniert mit harter Arbeit und dem unbedingten Willen, in dieser Szene eine Rolle zu spielen. Doch war da auch immer etwas Glück mit im Spiel, als Frédérique Hutter öfters zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Und statt einem Karriereplan zu folgen, hörte sie lieber auf ihr Bauchgefühl und machte mehrmals Entscheidungen über prestigeträchtige Anstellungen nach kurzer Zeit rückgängig, die sich für ihr Gefühl als falsch erwiesen. Das Zwischenmenschliche liegt ihr genauso am Herzen wie das Geschäftliche. So lässt sie sich gerne in familiäre Arbeitsverhältnisse einbinden und engagiert sich mit Herzblut, verliert aber auch die Geduld mit Persönlichkeiten, die ihr längerfristig keine Perspektive bieten.

Die gebürtige Zürcherin hatte ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung in der Touristikbranche abgeschlossen und das Gymnasium auf dem zweiten Bildungsweg besucht. Die Welt der Kunst eröffnete sich ihr während eines Praktikums bei Christie’s in Genf. Das war ihr Eintrittsticket in die Kunstwelt, in der sich Frédérique Hutter überaus wohl fühlte. So beschloss sie, am Sotheby’s Institut in London Fine and Decorative Art and Design zu studieren, um sich theoretisches und praktisches Wissen anzueignen und später im Auktionshaus einzusteigen. Um die nötigen Mittel für dieses Vorhaben zusammenzubringen, legte sie ein Zwischenjahr ein und arbeitete bei verschiedenen Galerien.

Learning by doing statt Weiterbildung
Ihr erster Arbeitgeber war der Kunstsalon Wolfensberg, gefolgt von der Galerie Bischofberger, Galerie Eva Presenhuber (damals Hauser & Wirth II), Galerie Ars Futura, Galerie Gmurzynska, Haunch of Venison und Galerie Elisabeth Kaufmann. Bei so viel Galerietätigkeit verschob sich die Ausbildung in London Jahr für Jahr und beschränkte sich schlussendlich auf einen Sommerkurs. Eine Weiterbildung als Kulturmanagerin hatte sich erübrigt, wie Frédérique Hutter erklärt: «Das Handwerk hatte ich mir mit Learning by doing angeeignet. Ausserdem hatte ich keine Angst vor Herausforderungen. Es gab für mich keine andere Option, als sie anzunehmen und da durchzugehen. Irgendwie würde das schon klappen. Und so war es dann auch.» Ausserdem hatte sie bereits gelernt, dass sich harte Arbeit und Fleiss auszahlen würden. 

Die Dekade Katz Contemporary
Mitte 30 hatte sich Frédérique Hutter einen Namen in der Branche gemacht und verfügte über ein grosses Netzwerk. Das Auftreten eines Investors kam gerade zur richtigen Zeit. Es wurde eine AG gegründet, ein Budget und ideale Räumlichkeiten für eine Galerie gefunden und Frédérique Hutter zur Verfügung gestellt. 2008 eröffnete sie darin die Galerie Katz Contemporary, benannt nach dem Haus zur Katz, in dem sich die Galerie befand und die sie innert kurzer Zeit zu einer wichtigen Adresse in der Zürcher Galerie- und Kulturszene machte. Was gegen aussen mit Startfinanzen im Rücken mühelos wirkte, sah in der Realität ganz anders aus. Frédérique Hutter erinnert sich: «Ich hatte plötzlich eine grosse Hülle, die es zu füllen galt und wahnsinnig hohe Fixkosten. Das Problem von Galerien ist immer der Cash-Flow. In Zürich verschärft sich das zusätzlich mit den hohen Mieten und Personalkosten. Ich schaffte es jedoch stets, alle Rechnungen pünktlich zu bezahlen. Der Preis war allerdings hoch. Ich hatte ein verhältnismässig niedriges Einkommen und war ständig am Kosten einsparen.»

In den zehn Jahren als Direktorin der Galerie kuratierte Frédérique Hutter mehr als 50 Ausstellungen – jedes Jahr deren fünf – und organisierte zahlreiche Kunstprojekte und Events. Oft konzipierte sie Doppel-Ausstellungen mit etablierten und jungen Künstlern und baute so etliche Künstlerkarrieren auf. «Fünf Ausstellungen im Jahr sind viel. Kaum ist eine vorbei, kommt die nächste. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet und keine Ferien gemacht», erinnert sich die Galeristin. Nach zehn Jahren lief der Mietvertrag ab und Frédérique Hutter ging über die Bücher. Damals Mitte 40, stellte sie sich die Frage, ob sie weitere zehn Jahre so weitermachen oder ihren eigenen Konzepten nachgehen wollte. Schlussendlich war der Moment gekommen, um ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Ein neues Kapitel mit eigenem Konzept
Nachdem Frédérique Hutter mit der Galerie Katz Contemporary sauber abgeschlossen hatte, brauchte sie erst einmal Ruhe. Diese fand sie in Indien, wo sie bei einem Ayurveda-Aufenthalt Kerala und die Sanni Foundation für sich entdeckte. «Kerala ist ein Ort, der mich beruhigt und mir Sicherheit gibt. Wenn in der Schweiz alle Stricke reissen, dann gibt es immer diesen Ort, wo ich hingehen kann», beschreibt Frédérique Hutter ihre Beziehung zu Kerala. Mit diesem Gefühl der Sicherheit kehrte sie in die Schweiz zurück, wo sie ihr eigenes Unternehmen Frédérique Hutter Art Concept gründete, das auf ein erweitertes Dienstleistungsangebot, auf temporäre Ausstellungsprojekte ohne fixe Ausstellungsräume sowie auf erweiterte Projekte im In- und Ausland fokussiert. Zudem widmet sie sich weiterhin der Betreuung und Förderung ihrer jungen Talente wie Florian Bühler, Patrick Graf, Andrea Heller und Martina von Meyenburg, um nur einige zu nennen, die Hutter entdeckt hat. Dazu braucht sie nichts weiter als einen Büroraum und ein kleines Schaulager. «Endlich habe ich die finanzielle Freiheit, neue Projekte zu realisieren, die meine Leidenschaft wecken», freut sich Frédérique Hutter und fügt an: «Ausserdem möchte ich nur noch mit Künstlern und Leuten zusammenarbeiten, die mich inspirieren und die ich mag.»

Win-win mit unkonventionellen
Um ihre Künstler regelmässig ausstellen zu können, mietet sie sich sowohl in traditionelle Galerien als auch in Räumlichkeiten in unkonventionellen Liegenschaften ein. Das sind aktuell die Büroräumlichkeiten der Immobilienfirma Walde, die mit ihrer 80er-Jahre Backstein-Optik interessante Kontraste zu den bei- spielsweise grossflächigen Arbeiten von Elger Esser schafft. Solche Kooperations-Ausstellungen bieten ausserdem einen interessanten Mix an Kundschaft, da sowohl die Inhaber der Räumlichkeiten als auch die Künstler und deren Galerien ihre Leute zur Vernissage einladen. Frédérique Hutter bezeichnet sie als echte Win-win-Situationen: «Ich gebe meinen Namen her und bespiele die Wände der Firmen mit Kunst. Zusätzlich organisieren wir gemeinsam Vernissagen und Events. Somit haben die Firmen Kunstwerke an den Wänden und eine Gelegenheit, ihre Kunden zu einem speziellen Anlass einzuladen, und ich habe zu günstigen Konditionen einen externen Showroom, wo ich meinen Kunden die Werke zeigen kann.»Das Konzept ist eher ungewöhnlich in der traditionellen Galerieszene und sehr erfolgreich. Man wisse wohl nicht so recht, wie man sie einschätzen solle, lacht Frédérique Hutter und erläutert ihre Position in der Branche: «In der Galerieszene bin ich eine Aussenseiterin, obwohl ich die Szene in- und auswendig kenne. Man unterschätzt mich gerne. Aber ich habe den Ruf, dass ich gut verkaufen kann, und das öffnet viele Türen.»

Ein Mandat mit Förderprogramm
2022 erhielt Frédérique Hutter das Mandat als externe Beraterin der Baloise Collection mit über 2000 hochkarätigen Kunstwerken. Dies beinhaltet auch, jährlich zwei Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung zu kuratieren. «Ich bin keine Kuratorin, da ich keine Kunstgeschichte studiert habe», meint Frédérique Hutter lapidar. Deshalb gründete sie eine Plattform für junge Kuratoren und Kuratorinnen, die das Konzipieren der Ausstellungen übernehmen konnten. Der Baloise gefiel die Idee. «Der Fördergedanke lässt sich von jungen Künstlern auch auf junge Kuratoren und Kuratorinnen übertragen. In diesem Bereich gab es bis heute nichts», gibt Frédérique Hutter zu bedenken und schafft erneut eine Win-win-Situation, was der Erfolg der vier Ausstellungen, die bis jetzt auf dieser Basis stattgefunden haben, bestätigt.
Das nächste interessante Projekt ergab sich per Zufall in den Räumlichkeiten des Recycling-Start-ups Mr. Green, wo sich Frédérique Hutter mit ihrer Freundin Valentina Frutig – eben- falls im Kunstbusiness tätig – verabredet hatte. In den galerie- artigen Büros von Mr. Green erkannte sie sogleich einen Aus- stellungsort für einige ihrer Künstler und Künstlerinnen, wie Martina von Meyenburg, die mit rezyklierten Dingen arbeitet und Patrick Graf, der Objekte aus Karton erschafft. Zusammen mit Bettina Meyer Bickel, ehemals Galerie Rotwand, beschlossen die drei Freundinnen, eine Ausstellung zu kuratieren mit Künstlern, die sich mit einer grossen Bandbreite von Wertstoffen in verschiedenen Medien auseinandersetzen. «Wir machen das nicht wegen des Geldes, sondern aus Freude und Leidenschaft», betont Frédérique Hutter. Das Dreierteam nennt sich Three Janes, in Anlehnung an all die starken Janes dieser Welt und die Glieder einer Kette – englisch chains –, die eine Fortsetzung mit weiteren Gliedern erlaubt.

Indien und die Sanni Foundation
Seit 2017 ist Frédérique Hutter aktive Botschafterin der Sanni Foundation, die sich für die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, die Bekämpfung extremer Armut, die Gesundheitsförderung sowie Förderung von Frauen in Indien einsetzt. Jährlich reist sie in den Wintermonaten für mehrere Wochen nach Indien und lebt mit 34 HIV-positiven Waisenkinder im St. Johns Health Village zusammen. «In Indien habe ich ein zweites Zuhause und einen Ausgleich zu einem Schweizer Alltag gefunden, der trotz aller Kreativität viel Bürokratie und Papierkram enthält. Hier habe ich die Möglichkeit, kreativ zu sein und Dinge zu produzieren.» So hat sie eine eigene Schmuck- und Kleiderkollektion entworfen, deren Verkäufe zu Gunsten der Sanni Foundation gehen. Dieses Jahr hat sie innerhalb von drei Wochen eine kleine Nähfabrik aufgebaut, in der Taschen genäht werden. Ausserdem gibt sie Kunstworkshops und Englischunterricht für «ihre» Kinder.
Für 2025 plant Frédérique Hutter eine Kunstreise für ihre Sammler zur Cochin Biennale, die an der Küste Keralas stattfindet. Die Hotels seien bereits gebucht, freut sie sich und beschreibt, was ihr neues Konzept für sie bedeutet:
«Solche Projekte sind meine zweite Leidenschaft, die ich mir leisten kann, seit ich nicht mehr im Wettbewerbs-Stress bin. Früher war ich immer dem Druck ausgesetzt, Geld zu verdienen. Jetzt schaffe ich mir Freiräume für meine Nischengeschichten und befinde mich im Flow.» ★


Frédérique Hutter, 1972 geboren, wächst in Bern auf. Nach dem Handelsdiplom und dem Gymna- sium im zweiten Bildungsweg, macht sie ein Praktikum bei Christie’s in Genf. Nach Stationen bei namhaften Galerien wie Kunstsalon Wolfensberg, Galerie Bischofberger, Galerie Eva Presenhuber (damals Hauser & Wirth II), Galerie Ars Futura, Galerie Gmurzynska, Haunch of Venison und Galerie Elisabeth Kaufmann gründet sie 2008 die Galerie Katz Contemporary, die sie zehn Jahre als Direktorin leitet. Seit 2018 widmet sie sich mit ihrer Firma Frédérique Hutter Art Concept eigenen Projekten. Frédérique Hutter ist seit 2017 aktive Botschafterin der Sanni Foundation.

Mich interessiert, wenn etwas in der Krise steckt

Posted by Ambra Spiller

Andrea Rytz, CEO der Schulthess Klinik, ist Woman of the Year 2023. Die Managerin über ihre Führungsprinzipien, ihre Karriere und viel Glück auf ihrem Weg.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Rytz, gratuliere, Sie wurden mit grossem Abstand zur Woman of the Year 2023 gewählt.
Andrea Rytz: Das hat man mir gesagt, und ich war im ersten Moment fast ein bisschen peinlich berührt. Nun finde ich das einfach sehr, sehr cool.

Hätten Sie sich das vor 20 Jahren gedacht?
Nein, ich habe weder je an einen Award gedacht noch einen angestrebt. Mein Schwerpunkt war immer, dass ich mache, was ich gern mache. Dazu hatte ich das Glück, dass man mich auch hat machen lassen, was ich machen wollte. Dafür, dass es so herausgekommen ist, bin ich sehr stolz und dankbar.

Herausgekommen? Das klingt, als wäre es Ihnen in den Schoss gefallen.
Oh, nein, ich hatte immer Ehrgeiz und habe mir auch immer sportliche Ziele gesetzt, aber nicht, damit ich eines Tages Woman of the Year werde.

Sondern?
Ich bin beseelt davon zu optimieren – mich, den Alltag, Prozesse, ein Unternehmen. Die Auszeichnung Woman of the Year gilt mir als Person, aber sie gehört meinem ganzen Team. Allein wäre ich nie da, wo ich bin. Für Erfolg braucht es Support. Immer.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

Unser Hirn ist unsere natürliche Ressource

Posted by Ambra Spiller

Die Mathematikerin Dalith Steiger-Gablinger ist eine gewichtige Stimme im Bereich der künstlichen Intelligenz und tritt regelmässig als Referentin zu Zukunftstechnologien auf. Mit dem Start-up SwissCognitive fördert sie den Einsatz kognitiver Systeme in Wirtschaft und Alltag.

In der künstlichen Intelligenz scheiden sich die Geister. Technikenthusiasten malen eine Zukunft aus, in der uns digitale Helfer mühsame Arbeit abnehmen, Schwarzseher warnen vor einer Dystopie, in der KI das Menschsein auslöscht. Sicher ist nur, dass KI mit Chatbots, Siri und Alexa schon mitten in unserm Alltag angelangt ist. Die Mathematikerin Dalith Steiger-Gablinger, Mutter zweier Töchter, setzt sich für Aufklärung ein und dafür, Ängste abzubauen – da- mit wir die digitale Zukunft aktiv mitgestalten, anstatt sie aufoktroyiert zu bekommen, wir die richtigen Standards setzen und die Schweiz wirtschaftlich nicht von asiatischen Ländern überholt wird.

WOMEN IN BUSINESS: Man teilt die Menschen ja oft in die mathematisch/naturwissenschaftlich und die sprachlich/ musisch Veranlagten auf. Als Mathematikerin gehören Sie offensichtlich eher zur ersten Gruppe.
Dalith Steiger: Ich würde mich nicht als besonders begabt für Mathematik bezeichnen. Im Wirtschaftsgymnasium hätte ich wegen meiner schlechten Mathematiknoten die Klasse wiederholen müssen, aber entschied mich dann für eine musische Matur, bei der Musik, Turnen und Zeichnen gleich viel zählten wie Mathematik. An der neuen Schule traf ich zum Glück auf einen Mathelehrer, der mir die Dinge so erklärte, dass ich sie verstand. Darauf habe ich mich nicht nur in die Fächer Physik und Mathematik verliebt, sondern ich kam auch zum Schluss, dass es sehr darauf ankommt, wer dir Mathematik wie vermittelt, damit du sie verstehst. Ich habe übrigens im Nebenfach Pädagogik studiert und jahrelang Schüler auf Gymiaufnahme- und Maturprüfungen vorbereitet. Im blossen Rechnen bin ich aber nicht stark. Was bei mir aber ausgeprägt ist, ist das analytische Denken. Mathematik ist ja nicht einfach Rechnen. Im Mathematikstudium geht es vor allem um Beweisführung und man lernt analytisch zu denken.

Innerhalb Ihres Studiums haben Sie sich dann auf Statistik und Computional Biology spezialisiert und am Krebsinstitut in Heidelberg in der Gentechnologie ihre Diplomarbeit geschrieben, darauf im Informatikbereich in Banken gearbeitet, bis sie Sie für die Künstliche Intelligenz einsetzten. Das hört sich nach einem ungewöhnlichen Weg an. Was ist bei all dem der rote Faden?
Mathematiker kann man sehr vielfältig einsetzen. Mathematik ist nichts anderes als logisch Denken. Das konnte ich in der In- formatikabteilung der UBS ebenso wie beim Softwareentwickler Avaloq. An beiden Orten bestand meine Arbeit darin, zwischen Business und Informatik zu übersetzen und umgekehrt. Als ich Mutter zweier Töchter wurde, und eine der beiden lange im Spital war, konnte ich meinen Job nicht mehr wie bisher weiterführen. Um flexibel zu bleiben, bin ich dann in die Agentur meines Mannes eingestiegen und habe zusätzlich die Geschäftsführung des Swiss IT Leadership Forum, einer Vereinigung von Führungskräften der Schweizer ICT-Wirtschaft übernommen. So bekam ich die ganze Informatikentwicklung auf dem Silbertablett serviert! Im direkten Austausch mit den Chief Informatik Officers (CIO) erfuhr ich, was in ihren Firmen in Bezug auf Informatik Iäuft, was ihre Bedürfnisse sind und wo der Schuh drückt. An einem Gartner IT-Symposium, an der sich die globale Crème de la Crème der Informatik traf, hatte ich dann mein persönliches Aha-Erlebnis: Ich ging an ei- nem elektronischen Billboard vorbei, das für «Digital Avatar» warb. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Im digitalen Mitarbeiter liegt unsere Zukunft. Das war 2014.

Sie sahen das Potential von intelligenten Systemen also schon lange bevor KI, Künstliche Intelligenz, Chatbots und ChatGPT in aller Munde war. Was versprachen Sie sich damals davon?
Aus meiner Zeit in der Informatik-Abteilung der UBS wusste ich, dass Firmen ihren Support und ihre Call Centers zunehmend in andere Länder – zunächst Australien, dann in Billiglohnländer wie Indien und Osteuropa – auslagerten. Ich dachte mir, wir müssen diese Services wieder zurückholen und selber ins Ausland verkaufen. Wir sind ja ohnehin eine Exportnation. Warum also nicht auch digitale Services ins Ausland exportieren? Ich kam zur Überzeugung, dass wir mit intelligenten Systemen, also Avataren, die erste Supportstufe für globale Unternehmen aus der Schweiz anbieten sollten.

Outgesourct wird ja aber, um Geld zu sparen. Die Schweiz ist teuer.
Das ist genau der Punkt. Automatisierte Systeme sparen Geld und Zeit. Wir haben in unserer Geschichte immer Fortschritt erzielt, wenn wir unser Hirn mit Technologie verbunden haben. Automatisierung war der Grundstein der industriellen Revolution. Die smarte Technologie ist nur eine Fortsetzung davon.

Sie wollten den Firmen vermutlich nicht nur dabei helfen, Geld zu sparen. Was ist denn Ihre tiefere Motivation, sich heute für KI starkzumachen?
Mir ging es um einen «wake-up call» für die Schweiz, darum, die Aufmerksamkeit der Entscheidungsträger auf das Potential von KI für ihr Business zu lenken. Damit auch unsere Kinder in einem prosperierenden Land leben und arbeiten können. In der Kombination von Hirn und technischen Möglichkeiten liegt die Zukunft. Wir haben hier in der Schweiz ja keine anderen natürliche Ressourcen als unser Hirn. Überdies braucht es Investitionslust für KI-Start-ups in der Schweiz. Heute liegt unser Fokus darauf Start-ups mit unserem globalen Netzwerk zu helfen Investoren und Kunden im globalen Markt zu finden.

Sie gründeten dann mit ihrem Partner Andy Fitze das Start-up SwissCognitive, einen Wissensmarktplatz, mit dem Sie diese Entwicklung vorantreiben wollen. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe?
Unternehmungen das Potential von KI in ihrem Geschäft aufzuzeigen und sie in ihrer KI-Strategie zu unterstützen. Ein wesentlicher Bestandteil für unsere Analysten-Arbeit, besteht im Austausch mit diversen Firmen, Start-ups, Hochschulen und Experten. Dazu veranstalten wir zum Beispiel grosse Online KI-Konferenzen und Diskussionsrunden für Senior Managers im diskreten Rahmen, um den Wissensaustausch rund um Künstliche Intelligenz fördern. Unser Ziel ist es, Unternehmen und KI-Lösungsanbieter miteinander kurzzuschliessen. Mit anderen Worten, den Informatikern zu vermitteln, was Firmen brauchen, und den Firmen zu sagen, was technologisch bereits möglich ist. Wir verstehen uns als «Compiler», also Übersetzer.

In letzter Zeit wurde viel Kritik in Bezug auf KI laut. Der Chef der Google-Schwesterfirma DeepMind warnt vor dem Risiko der Vernichtung der Menschheit. Warren Buffet vergleicht KI mit der Atombombe. Selbst Tech-Millionär Elon Musk forderte jüngst eine sechsmonatige Pause bei der Entwicklung von KI. Man sollte die Auszeit nutzen, um Regulierungsansätze für Technologien zu finden. Hat Sie das überrascht?
Nein. Diese Leute sind ja sehr nah an der Entwicklung. Natürlich müssen wir diese Stimmen ernstnehmen. Ich fand die Idee mit dem Moratorium suboptimal. Insbesondere, da man diejenigen Leute, die Schlechtes mit KI im Schild führen, mit einem Moratorium bestimmt nicht davon abhalten kann. Mir persönlich sind Aufklärung und Verantwortungsbewusstsein wichtiger.

Was lässt Sie denn hoffen, dass wir mit KI auf dem richtigen Weg sind?
KI wird uns in vielen Lebensbereichen eine grosse Unterstützung sein. Nehmen wir den Gesundheits- und Medizinbereich. Da kann sie bei der Früherkennung von Krankheiten eine entscheidende Hilfe sein, etwa mittels der Analyse von Röntgenbildern und Computertomographien. Bei einer Mam- mographie lassen sich Veränderungen von Gewebe, eine Zyste oder ein Tumor vergrössert früher und schneller erkennen. Wir werden dank KI gesünder leben. Wir werden früher aus dem Spital entlassen, weil der Zustand des Patienten, seine Blutwerte, Sauerstoff, Puls zu Hause automatisiert kontrolliert und die Daten übermittelt werden können.

Anderseits wird der Alltag dadurch auch ein Stück weit entmenschlicht.
Nicht unbedingt. Wenn etwa in einem Alterspflegeheim die Administration über KI entlastet werden kann, können mehr Hände am Bett sein. Es wird Leute geben, die bereit sind, sich für die Pflege umzubilden. Nehmen Sie das Bauwesen, das immer wieder Arbeitskräftemangel beklagt. Hier könnte ein einziger Kranführer die Arbeit von fünf erledigen, und Kräne per Joystick auf mehreren Baustellen lenken. Das nimmt nicht Arbeitsplätze weg, sondern ermöglicht erst, dass grosse Bauprojekte noch durchgeführt werden können! Mit Technologien wird hier Arbeit nicht ersetzt, sondern ermöglicht.

Wenn ChatGPT Sätze auf dem Niveau eines Menschen formulieren, Bewerbungen schreiben, Aufsätze über Goethe verfassen, Drehbücher schreiben, E-Mails formulieren kann, was bleibt uns dann? Mittlerweile bangen selbst Journalistinnen und Juristen sowie Kreativschaffende, dass KI ihre Jobs besser, schneller und günstiger erledigen kann. Was können Sie ihnen entgegenhalten?
Es liegt in der Natur des technischen Fortschritts, dass gewisse Jobs verloren gehen. Das war auch damals so, als man keine Telefonistinnen mehr benötigte. Aber es wurden auch immer wieder neue Berufe geschaffen. Ausserdem wird es in menschenzentrierten Bereichen wie Betreuung, Medizin, Hospitality und Bildung immer Menschen brauchen. Ich sehe unter Zuhilfenahme von Technologie eine grosse Chance für Menschen, denen die Arbeitswelt wegen ihrer Behinderung bis anhin verwehrt war. Warum soll jemand überhaupt das Anrecht auf einen lebenslangen Job haben, nur weil er gesund geboren wurde, wohingegen Leute mit einer Behinderung nicht arbeiten oder nach einem Unfall nicht wiedereinsteigen können? Für einen Grafiker mit Parkinson gibt es dank KI heute Lösungen. Blinde und Menschen, denen ein Arm amputiert wurde, können dank KI und Robotik wieder einer Arbeit nachgehen.

Es wird immer wieder auf höhere Effizienz in bestimmten Tätigkeiten hingewiesen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass wir in die freigewordene Zeit einfach immer noch mehr Arbeit reinstecken …
Das ist ein guter Punkt. Was passiert mit der Zeit, die wir gewinnen? Es liegt aber in der Verantwortung jedes Einzelnen, ob er in der Zeit, die er gewinnt, einer Passion nachgeht oder etwas Zwischenmenschliches tut oder einfach noch mehr arbeitet. Jedenfalls finde ich es besser, dass wenn gewisse Arbeiten von KI oder vom Roboter übernommen werden und mehr Zeit für die menschlichen Betreuungsaufgaben bleibt, als wenn überall nur Menschen arbeiten, die keine Zeit und keine Nerven für das Zwischenmenschliche haben.

Ein Thema, das besondere Ängste auslöst, ist die Offenlegung von Daten.
Das ist ein sehr relevanter Punkt. Beim Datenschutz muss es meiner Ansicht nach ein Umdenken geben. Wenn wir unsere Daten nicht teilen, kann die Forschung sich nicht weiterentwickeln. Meiner Meinung nach sollten Leute mit Krankheiten nicht von Versicherungen ausgeschlossen werden, sondern im Gegenteil, sogar eine Reduktion der Police erhalten, und diese auch noch von den Steuern abziehen können, weil ihre Daten der Forschung und Gesellschaft nützen. Denn dank ihrer Daten können andere vom medizinischen Wissen profitieren, werden dadurch vielleicht weniger oder gar nicht erst krank. Damit muss die Versicherung auch weniger Geld ausgeben. Heute passiert das Gegenteil: Wenn man eine spezielle Krankheit hat, muss man Angst haben, dass man gar nicht erst aufgenommen wird. Es braucht also eine vollkommen neue Art von Denken.

Welche Anwendungen von KI sind denn heute die geläufigsten, und welche brauchen Sie selber in Ihrem Alltag?
KI finde ich ja eigentlich einen ungünstigen Ausdruck. Wenn von «künstlich» die Rede ist – etwa bei künstlichem Gelenken oder künstlichen Pflanzen – geht man immer davon aus, dass sie möglichst naturgetreu sein sollen. Bei der KI geht es aber nicht darum, dass wir das Hirn kopieren. Vielmehr geht es darum, das menschliche Können zu verbessern, zu beschleunigen oder zu multiplizieren. Algorithmen sollen uns dort, wo wir schwach sind, stärken. Es geht um Qualitätssicherung und Sicherheit, um Erhöhung von Produktivität, auch darum, innovative Lösungsansätze zu finden. Wir werden immer mehr auf alles, was einen Daten-Fussabdruck hat, zugreifen können, und mit dem vorhandenen Wissen neues Wissen kreieren.

Wie verwenden Sie selbst KI?
Meine WhatsApp und E-Mails schreibe ich mit Siri. Will ich Ihnen auf die Schnelle bestimmte Sommerfotos auf meinem Smartphone zeigen, kann ich einfach den Begriff «Sonnenbrille» eingeben. Gehe ich auf Netflix, erkennt ein intelligenter Algorithmus mein Profil und macht mir Vorschläge. Im Banking kann ich einem Chatbot Aufträge erteilen.

Gibt es auch Dinge, vor denen Sie sich in Zusammenhang mit KI fürchten? Wie wissen Sie, ob Ihnen ein Mensch oder eine Maschine schreibt? Was macht das mit unserem Vertrauen ineinander?
Am meisten fürchte ich den Menschen, der die KI missbraucht. Zum anderen: Spielt es eine Rolle, ob ein Mensch oder ein Algorithmus dahintersteckt?

Bei einem Liebesbrief meinte ich eigentlich schon.
Für mich steht der Mensch am Anfang und am Ende der Kette. Wenn ich mich hinsetze und einen Brief schreiben will, kann ich ChatGPT sagen, was ich in welchem Stil ausdrücken will. Ich versuche also, meine Emotionen so zu beschreiben, dass am Ende ein Text herauskommt, der mir und meinen Emo- tionen entspricht. Da merkt man dann schon, dass sich ein Mensch damit auseinandergesetzt hat.

Kann KI schöpferisch sein?
Ja! Aber der initiale Input kommt von uns Menschen! Wir haben da draussen immer mehr zugängliche Daten und mit diesen Daten können wir Neues erschaffen. Und mit der KI erschafft eben nicht mehr nur der Mensch Neues, sondern es gibt nun intelligente Algorithmen, die die vorhandene Daten nutzen und daraus Neues kreieren. KI ist wie ein Mixer für ansteuerbare Informationen. Du tust ganz viele Sachen rein, und nachher kommt ein neu kreierter Smoothie heraus, den Du Dir so nie vorstellen konntest. Ich finde übrigens auch, dass Studenten lernen sollen, wie sie mit ChatGPT ihre Arbeiten schreiben können. Ein Professor sagte mir neulich, die Studenten würden das Schreiben verlernen. Ich entgegnete: Dafür müssen sie wieder lernen zu denken! Sie werden eine andere Denkstruktur lernen. Lernen, dedizierte und zielorientierte Fragen zu stellen und kritisch zu hinterfragen.

Wenn ein junger Mensch Sie fragen würde, was er noch lernen soll, wenn doch künftig KI vieles für ihn besorgt, was antworten Sie ihm?
Philosophie und Informatik. Ich finde, wir leben in einem Zeitalter, wo wir alte Glaubensvorstellungen brechen und uns bewusst neu besinnen müssen. Dazu braucht es Philosophinnen und Philosophen. Griechische Philosophen sind wegweisend bis heute. Wir müssen sie sehr ernst nehmen.

Haben Sie eine Zukunftsvision, wie wir in 20 Jahren leben?
Ehrlich gesagt habe ich darauf keine Antwort. Sogar die grossen Player der KI hätten nicht davon zu träumen gewagt, dass es derart bald so etwas wie ChatGPT gibt. Plötzlich war das Ding da. Es ist es ein Blitz eingeschlagen.

Wie würden Sie sich denn wünschen, wie KI unser Leben dereinst verändert?
Neben einem gesünderen Leben ist mein Wunsch, dass wir dank KI zum Beispiel nur noch eine 30-Stunden-Woche hätten. Dann hätten meine Kinder dereinst mehr Zeit für Familie, Freunde, Sport. Und Müttern und Vätern wäre es möglich, eine Führungsfunktion mit ihrer Rolle als Eltern zu kombinieren. Es liegt an jedem von uns, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die uns KI geben wird. ★


DALITH STEIGER-GABLINGER
ist 1971 in Tel Aviv-Jaffa als Tochter einer Israelin und eines Schweizers geboren und wuchs in Küsnacht bei Zürich auf. Sie studierte Mathematik und Wirtschaftsinformatik an der Universität Zürich, legte den Schwerpunkt auf Statistik und Computational Biology und schrieb ihre Diplomarbeit am deutschen Krebsinstitut in Heidelberg auf dem Gebiet der Gentechnologie. Nach dem Studium arbeitete sie in der Informatikabteilung von UBS und beim Banken-Software-Entwickler Avaloq. Gemeinsam mit dem IT-Strategen Andy Fitze gründete sie 2016 das mehrfach preisgekrönte KI-Start-up SwissCognitive und 2019 die Stiftung CognitiveValley, eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, die Schweiz als weltweit führendes Land für kognitive Technologien zu positionieren. Als Mentorin für Mädchen und junge Frauen in der Tech-Branche und Gastdozentin für KI und maschinelles Lernen an der Hochschule Luzern und Genf vermittelt sie einer neuen Generation das Rüstzeug für die Zukunft. Karriere und Familienleben brachte sie, wie sie betont, nur unter einen Hut, weil sie ein sehr starkes familiäres Netzwerk hatte und eine Granny-Nanny engagierte, die in die Betreuung ihrer Töchter zu Hause involviert war.

Mehr Informationen: https://swisscognitive.ch

Besser länger leben

Posted by Ambra Spiller

Sophie Chabloz kam nach Zürich, um Medizin zu studieren und entdeckte, dass das Studium der Lebensmittelwissenschaften ihre wahre Berufung ist. Sie wollte keine Symptome heilen, sondern verhindern, dass Menschen krank werden. Als Mitgründerin von AVEA entwickelt und produziert sie heute Ernährungssupplements für ein längeres und gesünderes Leben.

Sophie Chabloz ist in Fribourg aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sie war eine gute Schülerin mit durchwegs guten Noten. Ihr Traum war es, Medizinerin zu werden. Den Menschen zu helfen, Krankheiten zu bekämpfen, vielleicht ein Mittel gegen Krebs zu finden.

Am Tag der offenen Tür an der Universität Zürich nahm sie an einer Vorlesung der Medizinischen Fakultät teil und wusste sofort, dass sie hier nicht am richtigen Platz war. Dass sie doch nicht Ärztin werden und Kranke heilen wollte. Vielmehr wollte sie lieber den Gesundheitszustand der Menschen verbessern, so dass sie gar nicht erst krank werden.

Noch am selben Tag begleitete sie eine Freundin an die ETH Zürich; dort in der Halle weckte ein Stand mit Postern über Ernährungswissenschaften ihr Interesse. Es ging um ange- reicherten Reis für Afrika, der Diarrhoe verhindern soll. In diesem Moment hatte Sophie Chabloz ihr zweites grosses Aha-Erlebnis. Weder hatte sie gewusst, dass man Ernährungswissenschaften studieren konnte, noch war ihr jemals in den Sinn gekommen, an der ETH zu studieren. Jetzt aber erkannte sie, dass Ernährung sowohl Prävention vor Krankheiten als auch der Schlüssel für ein gesundes Leben sein konnte. Sophie Chabloz wusste in dem Moment: Hier gehörte sie hin.

Jahre später testete Sophie Chabloz für ihre Masterarbeit in Lebensmittelwissenschaften, Ernährung und Gesundheit das Antiaging-Potenzial von Resveratrol, einem Antioxidans, das aus roten Trauben gewonnen wird. Die Forschungen im Bereich Langlebigkeit und Antiaging bescherten ihr ein drittes Aha-Erlebnis: In diesem Bereich wollte sie fortan tätig sein.

2021 gründete Sie die Firma AVEA, die evidenzbasierte Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung von Langlebigkeit entwickelt und online vertreibt.

WOMEN IN BUSINESS: Wie sind Sie als junge Person auf die Idee gekommen, sich mit Langlebigkeit zu beschäftigen?

Sophie Chabloz: Durch meine Grosseltern, die mir sehr nahestanden. Meine Grossmutter litt an Diabetes II und war nierenkrank, sie starb mit 85 Jahren. Mein Grossvater leidet an Alzheimer, er ist 88 Jahre alt, was aussergewöhnlich alt ist für einen Alzheimer-Patienten. Er wusste viele Dinge und hat mich viel gelehrt. Er beherrschte fünf Sprachen. Heute weiss er nicht mehr, wer ich bin. Es ist hart mitanzusehen, wieviel er von sich verloren hat und dass er nur noch ein paar Worte reden kann.

Konnten Sie aufgrund ihres Wissens etwas für Ihre Grosseltern tun?
Ich habe viel recherchiert über die Wirksamkeit von Heilkräutern. Kreuzkümmel, Kurkuma, schwarzer Pfeffer und Omega-3-Säuren. Ich versuchte meine Grossmutter davon zu überzeugen, was gut für sie ist und was nicht. Aber die eigene Familie hört nicht zu, sie haben mich als Wissenschaftlerin nicht wirklich ernst genommen.

Was hat diese Situation in Ihnen ausgelöst?
Ich habe realisiert, dass es eine bessere Art geben musste, um alt zu werden. Es ist eine Tatsache, dass Diabetes II nicht einfach so passiert. Der Lebensstil ist ausschlaggebend. Man kann Diabetes mit einer drastischen Veränderung der Gewohnheiten rückgängig machen. Es wird allgemein viel hingenommen und als normal angesehen, das man verbessern kann. Es ist nicht normal, wenn man immer müde ist. Normal ist, dass man gut schläft und am Morgen Energie hat und Kaffee trinkt, weil man ihn mag. Und nicht, weil man ihn braucht.

Welche Rolle spielen die Gene für ein gutes Altern?
30 Prozent macht die Genetik aus. 70 bis 80 Prozent der Lifestyle. Idealerweise investiert man bereits mit 20 Jahren ins Alter. Wenn man jung ist, ist es einfach, eine gute körperliche Basis aufzubauen, die man dann im Alter besser halten kann. Zudem ist es einfacher, sich in jungen Jahren gute Gewohnheiten anzueignen, als mit 40 den Lebensstil komplett ändern zu müssen.

Was ist Ihre Definition von Gesundheit?
Gesundheit bedeutet nicht, nie krank zu sein. Ab und zu krank oder unwohl zu sein, ist normal. Es ist die Fähigkeit des Körpers nach einer Verletzung oder einer Infektion mithilfe seiner Resilienz und einem kräftigen Immunsystem schnell wieder gesund und in Balance zu kommen. Der Körper hat einen inneren Doktor und kann sich reparieren. Zellen sterben ab und erneuern sich immer wieder. Solange dieses System ausgeglichen ist, ist man bei guter Gesundheit, wenn es sich verschiebt und man nicht mehr so schnell regenerieren kann, ist man nicht mehr bei guter Gesundheit.

Und wie definieren Sie Langlebigkeit?
In der Schweiz sind die Menschen durchschnittlich bis 65 gesund bei einer Lebenserwartung von 85 Jahren. Das heisst 20 Jahre krank sein. Das Ziel ist, dass die Menschen so lange wie möglich so gesund und aktiv wie möglich leben. Wenn man länger gesund bleibt, kann man länger leben. Dies ist jedoch nicht das Hauptziel. Das Ziel ist, die Phase zu verkürzen, in der man krank ist.

Welches sind die wichtigsten positiven Faktoren für Langlebigkeit und gute Gesundheit?
Ich zähle mal auf:
1. Diät. Du bist, was du isst. Egal ob Alles-essend, vegetarisch oder vegan: Kein verarbeitetes Essen! Frische Zutaten, gute Qualität, selber gekocht. Viel Gemüse und Früchte, hochwertige Proteine und Kohlenhydrate aus gesunder Quelle. Wenig Zucker.
2. Bewegung. Cardio- und andere Trainingseinheiten sind gut, zusätzlich sollte man täglich öfters stehen und gehen. 3. Schlaf. Alles läuft auf einen guten Schlaf hinaus. Sieben bis acht Stunden sind ideal. Am besten in einem dunklen Raum ohne Unterbrechungen.
4. Stress-Reduktion. Stress zieht alles in Mitleidenschaft. Ein wenig Stress ist ok, aber chronischer Stress macht krank.
5. Gemeinschaft. Beziehungen mit Menschen, die einem gut- tun. Eine Gemeinschaft, in der man aufgehoben ist. Zu wissen, dass es jemanden gibt, auf den man sich verlassen kann.
6. Der Sinn im Leben. Das heisst, dass man am Morgen beim Aufwachen etwas hat, worauf man sich freut und wofür es sich lohnt, aufzustehen. Das kann der Job, ein Hobby oder ein Tier sein – einfach etwas, das dem Leben einen Sinn gibt.

Was kann man sonst noch tun?
Fasten. Zum Beispiel intermittierendes Fasten. Es aktiviert die Reparierfähigkeit des Körpers. Kalte Duschen sind gut für das ganze System. Sauna aktiviert gesundheitsfördernde Mechanismen im Körper. Genügend Sonnenlicht ist wichtig, auch wenn es bewölkt ist. Das heisst, sich tagsüber nicht immer in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Sonnenlicht reguliert die Produktion von Melatonin, das nicht nur wichtig für den Schlaf, sondern auch ein sehr effektives Antioxidans ist. Und schlussendlich gehört die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zu den wenig aufwendigen Dingen, um die Gesundheit zu fördern.

Was ist mit Genuss, wie zum Beispiel Schokolade, ist sie nicht gut für die Seele?
Genuss ist ganz wichtig. Wenn Schokolade, dann eine wirklich gute Schokolade mit viel Kakaoanteil. Oder ich mag den Truffes-Cake von Sprüngli. Davon esse ich ganz langsam und geniesse. Es ersetzt kein Essen und kommt auch nicht oft vor. Es ist ein spezieller Event und ein persönliches Vergnügen. Genauso wie ein Glas Wein. Wenn der Lebensstil ansonsten gesund ist, haben auch diese Dinge darin Platz.

Wie setzen Sie die Essensregeln bei Ihrem Sohn durch?
Es ist schwierig, mit Kindern alles durchzusetzen. Die Hauptregel für zu Hause lautet: alles selber machen. Auch den Kuchen. Nichts Verarbeitetes mit viel Zucker wie Müeslimischungen, Cerealien oder Nutella. Wenn wir auswärts Hamburger essen wollen, essen wir sie in einem guten Restaurant. Am Zürifest haben wir Crèpes mit Nutella gegessen. Mein Sohn soll verstehen, dass dies Ausnahmen sind und nichts Alltägliches. Es ist erst ein Problem, wenn man diese Dinge immer zu Hause hat und jeden Tag konsumiert.

Wie sieht ein perfekter Tag in Ihrem Leben aus?
Ich lebe kein perfektes Leben. Ich versuche, die Dinge zu tun, die ich einfach tun kann. Intermittierendes Fasten mache ich jeden Tag ganz natürlich. Ich geniesse ein frühes Nachtessen und esse natürlich nicht, wenn ich schlafe. Dann trinke ich am Morgen nach dem Aufstehen ein Glas Wasser, meditiere, habe dann vielleicht ein frühes Meeting und danach ein spätes Frühstück. So ist es ganz einfach, 14 Stunden nichts zu essen. Das geht auch mit Kindern. Ich sitze mit meinem Sohn am Tisch, wenn er frühstückt und trinke ein Glas Wasser. Wir reden zusammen und er fragt nie, weshalb ich nicht esse. Wichtig ist der gemeinsame Moment. Am Wochenende, wenn wir alle länger schlafen, essen wir zusammen Frühstück.

Wie kommen Sie zu genügend Bewegung?
Das ist meine grösste Herausforderung! Ein paarmal in der Woche besuche ich Yogaklassen, mache online Yoga oder gehe joggen. Um mich jeden Tag zu bewegen, habe ich einen Schrittzähler, der mir am Ende des Tages sagt, wie viele Schritte ich gemacht habe. Wenn mein Sohn im Bett ist, gehe ich raus auf einen Spaziergang. Oder ich halte ein telefonisches Meeting im Gehen ab. Wenn das Wetter schön ist, fahre ich mit dem Velo zur Arbeit. So versuche ich die Bewegungen in meinen Tag einzubauen.

Wozu braucht jemand, der einen derart vorbildlichen Lebensstil pflegt, die Produkte von AVEA?
AVEA bietet Nahrungsergänzungsmittel an, die in den Zellen wirken. NAD+ ist ein Coenzym, das in den Zellen aller lebenden Organismen vorkommt. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Gesundheit, der DNA und der Regulierung der Zellfunktionen. Wenn wir älter werden, sinkt der NAD+-Level drastisch. Dieser Entwicklung können wir entgegenwirken. Bereits innert zwei Wochen bis drei Monaten nach Einnahme von AVEA fühlt man sich energiegeladener. Dabei fährt die Energie nicht wie ein Kick ein, sondern etabliert sich nachhaltig. Man steht am Morgen energetischer auf und bleibt den ganzen Tag auf einem hohen Level.

Sie haben Kollagen-Produkte für schönere Haut im Sortiment. Ist das nicht eher Kosmetik?
Unsere Produkte zielen darauf ab, dass man nach einem gelebten Leben gut aussieht und nicht jünger, als man ist. Der Collagen Activator unterstützt den Kollagenaufbau, was das Hautbild und die Nägel verbessert und somit zu einem jüngeren Aussehen verhelfen kann. Er wirkt jedoch auch gegen Entzündungen im Körper und somit gegen Schmerzen. Aus- serdem wirkt sich eine gute Collagenproduktion positiv auf die Knochen und Muskeln aus.

Wann sollte man idealerweise mit der Einnahme von AVEA-Produkten beginnen?
Jedes Alter ist geeignet. Mit 20 braucht man nur einen guten Lifestyle. Mit 30 spürt man, dass man nicht mehr 20 ist. Zu diesem Zeitpunkt lohnt es sich, mit einigen Produkten vorbeugend anzufangen und nicht zu warten, bis man ein Problem hat. Das durchschnittliche Alter unserer Kunden ist 45.

Wirken die Produkte von AVEA auch ohne positiven Lifestyle?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin glücklich, wenn die Leute AVEA nehmen und noch glücklicher, wenn sie ihren Lifestyle ändern. Am glücklichsten bin ich jedoch, wenn die Leute beides machen.

Was passiert, wenn man die Produkte von AVEA nicht mehr einnimmt?
Dann wird sich der Effekt früher oder später einstellen. Man muss die Supplements immer nehmen, damit sie optimal wirken.

AVEA ist eine Erfolgsgeschichte. Wie lautet das Erfolgsrezept dazu?
Wir lesen viele wissenschaftliche Studien und beraten uns mit internationalen Experten aus dem Bereich Longevity. Wir recherchieren über Dosierung, Wirkstoffe und Synergien für die beste Wirkung der Inhaltsstoffe und lassen die Rohstoffe in einem unabhängigen Schweizer Labor testen, damit sie unseren strengen Qualitätsanforderungen entsprechen. Wenn wir ein Produkt entwickelt haben, rekrutieren wir Leute, die die Produkte für drei Monate testen und befragen sie danach. So können wir Nachbesserungen vornehmen. Bis jetzt hatten wir immer einen positiven Outcome.

Was sind ihre neusten Entwicklungen?
Momentan beschäftigen wir uns mit der Reinigung der Zellen durch Autophagie. Und wir entwickeln einen Link zwischen dem Mikrobiom und dem Hirn. Mehr kann ich dazu allerdings noch nicht sagen. ★


Sophie Chabloz
Die 34-Jährige ist in Neuchâtel geboren und hat ihre Schulzeit in Freiburg verbracht. Für ihr Studium übersiedelte sie nach Zürich, wo sie 2015 das Studium in Food Science, Nutrition & Health an der ETH Zürich mit dem Master abschloss. Sie lebt mit ihrem Partner und ihrem dreijährigen Sohn in Baar.


Mehr zu AVEA
AVEA wurde im Juli 2021 mit Hilfe des Investors Tobias Reichmuth und dessen Firma Maximon gegründet. Maximon befähigt Unternehmer und Unternehmerinnen, wirkungsvolle, wissenschaftlich fundierte und skalierbare Firmen aufzubauen, die Lösungen für gesundes Altern und Verjüngung anbieten. Neben der Gründerin Sophie Chabloz, verantwortlich für die Produktentwicklung, wurden die Mitgründer Pascal Rode als COO und Teresa Budetta als CMO an Bord geholt. Die Zahl der Mitarbeitenden ist bis heute auf 22 angewachsen. Die Expansion in den asiatischen Raum ist im Prozess.

Als CEO muss man zuerst den Boden richtig schrubben können

Posted by Ambra Spiller

Ntsiki Biyela hat mehrere Glasdecken durchbrochen: In Südafrika, wo bis heute weisse Männer die Weinwirtschaft dominieren, ist sie die erste schwarze Önologin und eine erfolgreiche Winzerin. Ihr Weinlabel Aslina exportiert sie nach Europa und in die USA.

Südafrikas Winzerinnen sind auf dem Vormarsch. Eine von ihnen ist Ntsiki Biyela, die einen bemer- kenswerten Weg hinter sich hat. Eigentlich wollte sie Chemietechnik studieren. Doch ein Stipendium für ein Weinbaustudium an der Universität von Stellenbosch, das von der Fluggesellschaft South African Airways ausgeschrieben worden war, änderte alles. Ntsiki Biyela gewann es, zog von Mahlabathini, einem Dorf in der südafrikanischen Provinz KwaZuluNatal nach Stellenbosch, und schloss das Studium mit dem Bachelor of Science der Landwirtschaft in der Fachrichtung Weinbau und Önologie ab. Das war vor zwanzig Jahren. Heute gehört sie zu den führenden Köpfen von Südafrikas florierender Weinindustrie.

Für eine junge Frau, die von ihrer Grossmutter aufgezogen wurde – ihre Mutter arbeitete als Haushalthilfe in Durban –, und zunächst ebenfalls in einem Haushalt arbeitete, die noch dazu parallel zum Studium die Sprache Afrikaans lernen musste, keine Selbstverständlichkeit. Heute produziert die 45-Jährige ihren eigenen Wein: Aslina – drei weisse, zwei rote und ein Schaumwein – wurde mehrfach mit Goldmedaillen ausgezeichnet und wird nach Europa, in die USA und nach Japan exportiert – auch in die Schweiz. Bis zu ihrem Studium hatte sie noch nie einen Tropfen Wein getrunken.

WOMEN IN BUSINESS: Erinnern Sie sich, wie es für Sie war, als Sie Ihren ersten Wein probiert haben?
Ntsiki Biyela: Oh ja. An der Stellenbosch University kostete ich erstmals von dieser roten Flüssigkeit, von der alle sagten, sie sei etwas Wunderbares. Aber ich fand Wein, entgegen allen Beteuerungen, am Anfang schrecklich. Wenn jemand von Pflaumen- oder Beerenaroma spricht, stelle ich mir etwas Süsses vor. Doch was ich trank, war alles andere als süss. Ich konnte nicht einmal erklären, wonach mein erster Schluck Rotwein schmeckte. Es war keine romantische Angelegenheit. Der Geschmack am Wein kommt eben erst mit der Zeit.

Heute sind Sie die erste schwarze Winzerin Südafrikas und wurden mit ihrem Wein mehrfach ausgezeichnet. Was waren die grössten Herausforderungen auf Ihrem Weg?
Zunächst hatte ich wirklich Angst, nach Stellenbosch zu kommen. Es war eine grosse Veränderung zu der Umgebung, aus der ich kam. Eine ganz andere Kultur. Auch die Sprache, Afrikaans, war ein Hindernis für mich. Ich erinnere mich an meinen ersten Tag, als ich feststellte, dass ausschliesslich Männer im Raum waren. Das hatte mich zunächst erschreckt. Aber ich konnte mich leicht anpassen, denn zu Hause, wo ich aufgewachsen bin, hatte ich mich um die Kühe gekümmert, und auch da war ich hauptsächlich mit Jungs zusammen.

Dann waren es eher Hindernisse im Kopf, die sich in Realität schnell auflösten?
Ich denke, die Erziehung hat einen sehr grossen Einfluss darauf, wie wir uns in der Welt verhalten. Mir hat es geholfen, dass ich mich jeweils frage: Was ist das Schlimmste, das jetzt passieren kann? Und dass ich alles, was sich auf den ersten Blick als Hindernis darstellt, positiv betrachte. Ich frage mich: Wie kann ich es ändern, wie kann ich es für mich arbeiten lassen. Und wenn ich an einen neuen Ort komme, schaue ich, dass ich wirklich auf die Menschen zugehe. Ich sorge dafür, dass ich gesehen werde, verstecke mich nicht, egal, wie einschüchternd die Situation ist.

Sie sind die erste in Ihrer Familie, die studieren konnte, und arbeiten in der Luxusindustrie. Inwiefern sind – auch in der Weinbranche – immer noch Einflüsse des Apartheid-Regi- mes zu spüren?

Natürlich haben sich die Dinge stark geändert, und sie entwickeln sich weiter. Was aber übrigbleibt, ist der Rassismus und die ungleiche Verteilung von Reichtum. Wie ich gesagt habe, der Geschmack am Wein kommt mit der Zeit. Das bedeutet auch, dass der Weingenuss kein Privileg der Weissen mehr ist. Aber eben erst seit 20 Jahren! Es ist verrückt, wenn man das bedenkt.

Wein wird heute also von allen Bevölkerungsteilen gleichermassen genossen.
Ja, bei jenen Menschen, die nicht in Armut leben, ist der Weingenuss in der Bevölkerung gleich verteilt. Jeder, der es sich leisten kann, geniesst das luxuriöse Getränk. Für mich selbst bedeutet Wein die Nähe zur Natur. Die Natur gehört uns allen. Sie ist grossartig, und wenn man bereit ist, zu lernen, beginnt man, die Feinheiten zu verstehen, etwa die Charaktereigenschaften der verschiedenen Traubensorten.

Sie hatten früh Erfolg, gewannen Medaillen. Warum haben Sie sich vor sieben Jahren entschlossen, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen, anstatt angestellt zu bleiben?
Schon während ich studierte, wusste ich, dass ich irgendwann mein eigenes Unternehmen gründen würde. Und als ich zu Beginn in einer Weinverkostung arbeitete habe, entwickelte ich sofort eigene Unternehmensideen und dachte mir: Warte mal, in Durban könnte ich doch meinen eigenen Verkostungsraum eröffnen? Später konnte ich im Rahmen eines Praktikumsprogramms, welches das US-Aussenministerium für afrikanische Frauen organisierte, teilnehmen. Da traf ich auf Frauen aus verschiedensten afrikanischen Regionen, und auf einen Redner, der sagte: «Wenn Du Dein eigenes Unternehmen gründen willst, musst Du zuerst verstehen, warum Du das tun willst.» Ich realisierte, dass für mich die Motivation darin bestand, dass ich flexibel bleiben wollte, flexibler, als man es im Angestelltenstatus ist, um in meinem Dorf helfen zu können. Ich wollte Veränderung nicht nur in mein eigenes Leben, sondern auch in das meiner Umgebung bringen.

Wie meinen Sie das?

Ich dachte mir, wenn ich in der Stadt mein Geschäft aufbaue und dieses ein gewisses Niveau erreicht, dann kann ich dies nutzen, um meine Leute im Dorf zu unterstützen. Im Gegensatz zu Frauen in vielen anderen afrikanischen Ländern konnte ich mein Unternehmen unter meinem Namen registrieren lassen und bei einer Bank einen Kredit bekommen.

Für Ihr eigenes Weingut hatten Sie dennoch nicht genügend Geld. Wie startet man denn als Winzerin ohne Weingut?
Ich begann in einem gemieteten Raum auf einem Weingut ausserhalb von Stellenbosch, kaufte Trauben von verschiedenen Weingütern und vinifizierte sie. So mache ich es noch heute. Chardonnay-Trauben beziehe ich zum Beispiel von einem Weingut aus Stellenbosch und aus Elgin. Den Stellenbosch-Wein lagere ich in Edelstahl und den Elgin-Wein in Fässern. Denn Stellenbosch ist wärmer, so dass der Chardonnay von Natur aus reichhaltig ist. Elgin ist eher säurebetont und mineralisch. Mit ein wenig Holz wird die Säure etwas gemildert. Heute produziere ich 100 000 Flaschen und exportiere.

Sie haben Ihren Wein nach Ihrer Grossmutter Aslina benannt. Was bedeutet sie Ihnen?
Sie war mein grosses Vorbild. Sie war jemand, die etwas sehr Kleines in etwas Grosses, Blühendes verwandeln konnte. Mein Grossvater ist früh gestorben, so war sie die Matriarchin im Haus. Als ich mit meinen Geschwistern bei ihr lebte, hatte sie sehr wenig Geld, aber sie unterstützte uns Kinder in allem, und sie verstand, dass man das Wenige, das man hat, durch den Anbau von Pflanzen ergänzen muss, damit jeder zu essen hat. Sie lehrte uns Disziplin auf liebevolle Art.

Während Ihrer Ausbildung kamen Sie mit anderen Winzern in Frankreich, Italien und den USA in Kontakt, reisten viel zu berühmten Weingütern.
Ja, ich wollte wirklich herausfinden, wie sich die Weinbaugebiete und Produktionsprozesse unterscheiden. In Kalifornien traf ich viele Winzerinnen, testete ihre Weine, diskutierte über die Schwierigkeiten beim Produktionsprozess. Mit Helen Keplinger aus dem Napa Valley ging ich eine wunderbare Kollaboration ein. Sie kam zu mir nach Südafrika, und wir mischten unsere Weine.

Worauf sind Sie heute besonders stolz?

Wir haben soeben einen eigenen Verkostungsraum geöffnet. Das ist ein Meilenstein für uns. Aber ich denke, mein grösster Erfolg ist, dass ich ein Team habe, das mit mir meine Vision teilt und sie vorantreibt.

Sie arbeiten mit Menschen, mit der Natur, Sie betreiben ein Business, das auch Administration umfasst. Welche Arbeit ist Ihnen die Liebste?
Ich bin nicht gerade ein Fan von Verwaltung. Wer tut das schon gerne? Ich liebe die Seite der Weinherstellung, aber genauso die Verkostungen. Ich finde es interessant zu sehen, wie verschieden die Menschen auf meine Weine reagieren. Ich kann an ihrer Körpersprache erkennen, wenn sie nicht meinen, was sie sagen.

Wirklich?

Ja. Als meine Grossmutter zum ersten Mal einen Wein von mir kostete, merkte ich ihr an, dass sie stolz auf ihre Enkelin war. Als sie einen Schluck nahm und sagte, dass er gut schmeckt, konnte ich aber ihrem Gesichtsausdruck ablesen, dass sie ihn nicht wirklich mochte. Sie fühlte sich wahrscheinlich wie ich mich, als ich zum ersten Mal Wein probierte.

Das Hospitality- und Weinbusiness erfreut sich heute grosser Beliebtheit bei jungen Menschen. Was würden Sie jenen empfehlen, die da einsteigen wollen?
Was ich für mich erkannt habe, ist, dass man wirklich leidenschaftlich sein muss für das, was man tut. Denn wenn man nicht mit Leidenschaft dabei ist, ist man auch nicht in der Lage, jemandem zu vermitteln, was man tut. Emotionen spielen nun einmal eine wichtige Rolle. Aber Leidenschaft allein genügt nicht. Man muss auch sicherstellen, dass man sich über die Branche genau informiert, in die man einsteigen will. Manche Branchen sehen von aussen schick und glamourös aus, aber es steckt verdammt viel Arbeit dahinter. Es ist wichtig zu wissen, dass man hart arbeiten muss, wenn man etwas erreichen will. Es braucht auch Geduld und Arbeitswillen. Heute wollen viele Junge gleich CEO sein. Aber zuerst muss man den Boden richtig schrubben können. ★


NTSIKI BIYELA
ist Gründerin und Direktorin von Aslina Wines. Nach der High School arbeitete sie ein Jahr als Haushaltgehilfin und begann 1999 mit dem Agrikultur-Studium an der Stellen- bosch University. Nach Studienabschluss heuerte sie 2004 bei Stellekaya, einem Boutique-Weingut in Familienbesitz, an. 2009 wurde sie zum Winemaker of the Year ernannt. 2017 kam sie unter die Top 20 der innovativsten Frauen im Bereich «Essen und Trinken» des Magazins Fortune. Ihre Weine wurden mehrfach mit Goldmedaillen ausgezeichnet, sie werden u.a. in die Schweiz, die Niederlande, die USA und die Bermudas sowie nach Deutschland, Schweden, Japan, Ghana und Kenia exportiert. Sie sitzt im Vorstand der Pinotage Youth Development Academy, einer Organisation, die junge Arbeitslose zwischen 18 und 25 Jahren für die Wein- und Tourismusindustrie ausbildet.

Volle Transparenz

Posted by Ambra Spiller

Hannah Helmkes Mission: Mittels Digitalisierung gegen den Klimawandel kämpfen. Das von ihr mitgegründete Climate-Tech-Start-up right° hat eine Metrik entwickelt, die die Klimawirkung von Staaten, Anleihen, Aktien und Firmen auf der Basis des Pariser Klimaabkommens berechnet – in Grad Celsius. Dafür hat sie unter anderem den Digital Female Leader Award erhalten. Ein Interview darüber, was sie antreibt.

WOMEN IN BUSINESS: Sie engagieren sich beruflich für den Kampf gegen die Klimaerwärmung. Wie tragen Sie persönlich dazu bei, dass Ihr CO2-Fussabdruck möglichst klein ist?

Hannah Helmke: Eigentlich tue ich das Übliche: Ich benutze grünen Strom, ernähre mich vegetarisch oder vegan. Wenn ich Dinge kaufe, achte ich darauf, dass sie nachhaltig produziert und von hoher Qualität sind. Und mein bevorzugtes Verkehrsmittel ist die Bahn.

Das ist geradezu vorbildlich. Sie benutzen kein Auto mehr?
Doch, aber ein Elektrisches von BMW. Entscheidend bei der Wahl war für mich, dass das Unternehmen zumindest Klimaziele hat, die nach unseren Berechnungen 1.5°C-konform sind.

Das Thema Klima ist ja emotional sehr geladen. Was halten Sie von Klimaaktivisten, die sich auf die Strassen kleistern?
Ich halte dieses Verhalten für eine schwierige und ganz entscheidende Phase im Leben eines Menschen. Es ist gut, wenn wir wütend sind. Man muss dann aber aus der Wut herauskommen und seine Energie in etwas kanalisieren, das einem auch etwas zurückgibt – etwas schaffen. Sonst geht die Kraft ja einfach nur aus und man verliert das Interesse daran, Dinge verbessern zu wollen.

Mit Ihrem Climate–Tech–Unternehmen tun Sie genau das: Sie stellen Firmen Klima-Metriken bereit. Was ist das Besondere an Ihrem Service?
Wenn wir über Klimawirkung sprechen, heisst es ganz häufig: «Deutschland stösst X Tonnen CO2 aus, Unternehmen Y stösst Z Tonnen CO2 aus». Doch damit kann im Grunde niemand etwas anfangen. Kaum jemand weiss, ob das viel oder wenig ist, oder wie viel Tonnen CO2 denn ausgestossen werden dürfen, damit wir unsere Klimaziele erreichen. Bei right° gehen wir einen Schritt weiter: Wir haben eine Software entwickelt, die zeigt, wie viel Grad an Erderwärmung man erwarten muss, wenn sich die ganze Welt so verhalten würde, wie das untersuchte Unternehmen. Wenn jeder diese Kenngrösse – also °C – ver- steht, dann kann man anfangen Strategien zu entwickeln, um die Auswirkungen aufs Klima zu reduzieren.

Sie sind ursprünglich Psychologin. Was hat Psychologie mit dem Klimawandel zu tun?
Ich habe Psychologie studiert, weil ich Sportpsychologin werden wollte. Mich haben immer Menschen fasziniert, die ihr Ding gefunden haben; die alles und noch ein bisschen mehr geben und dem Rest der Welt zeigen, dass es geht. Was auch immer das ist. Am eindeutigsten ist das im Sport, wobei Höchstleistung im Kopf entsteht. Höchstleistung brauchen wir auch, um die Klimatransition hinzubekommen. Diese Herausforderung ist ein echter Stresstest für jeden einzelnen von uns als Menschen, für unsere Gesellschaft, für die Politik und die Wirtschaft. Ich geniesse es sehr, nun aus der Rolle eines Entrepreneurs heraus mit Menschen zu arbeiten, die die Höchstleistung erbringen wollen, ein System nicht nur anzuprangern, sondern es auch echt zu ändern.

Was stand bei der Themenwahl mehr im Vordergrund: Das drängende Problem? Oder ganz rational die Tatsache, eine gute Marktnische für einen Service, ein interessantes Produkt am Markt gefunden zu haben?
Eine Mischung: Zunächst kann ich mich an die Unerträglichkeit des Gefühls erinnern, als ich angefangen habe, das Problem Klimawandel zu verstehen. Warum baut man ein System auf, das eine Spur von Zerstörung, Krankheit und Frustration hinter sich herzieht? Eine passive Teilnahme an diesem Sys- tem bedeutet, seine eigene Würde zu verletzen. Man macht das einfach nicht – man zerstört diesen Planeten nicht. Ich kann das eigentlich nicht in Worte fassen, wie abstrus diese Unsin- nigkeit für mich ist.

Vom Psychologiestudium zum Climate-Tech-Unternehmen ist ein weiter Schritt. Wie gelang er Ihnen?
Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, ich habe also gelernt zu machen und anzupacken. Natürlich habe ich überlegt, Aussteigerin zu werden, aber das wäre kein Ventil für diese Energie, die da entstanden ist und es wäre sicherlich kein Weg, Antworten auf meine Fragen zu finden. Warum also nicht ein Unternehmen bauen, das einem Raum für die eigene Lebensgestaltung gibt – und mir jeden Tag das Gefühl der Selbstwirksamkeit gibt? Dieses Gefühl ist Gold wert – im wahrsten Sinne des Wortes.

Spielt auch Idealismus eine Rolle?
Ich kann es nicht leiden, wenn man mich in die Ecke der Idealisten steckt. Für mich sind Idealisten viel zu viel mit sich selbst beschäftigt. Ich war auch mal idealistisch – durch die Phase muss man es aber durchschaffen hin zur intrinsischen Motivation. Idealismus führt nicht zu Veränderung und genau deshalb zur Radikalisierung. Wir haben einfach nicht mehr den Luxus zu debattieren, ob das aktuelle System hilfreich ist für das Lösen des Klimaproblems oder welche alternativen Systeme dafür besser geeignet wären. Wir müssen mit dem arbeiten, was wir im Hier und Jetzt haben, denn die Hütte brennt. Unternehmerischer Erfolg ist über viele Wege ein Hebel für die Steuerung des Verhaltens der Menschen: Status, Kapital, Faszination und Identität. Ich bin davon überzeugt, dass er so eingesetzt werden kann, dass sich die Menschen mit Ehrgeiz auf das Lösen der Klimakrise fokussieren.

Worauf gilt es generell zu achten, wenn man ein Start-up gründet?
Das Wichtigste ist Integrität, also sich selbst gegenüber immer treu und ehrlich zu bleiben. Jeder zerrt an einem und als Gründer rückt man auf den Radar von Menschen, die ihr Helfersyndrom oder ihren Machtanspruch an einem auslassen wollen. Vor allem als weibliche Gründerin. Man darf nicht zur Marionette werden für Menschen, die für ihren eigenen Selbstwert Anerkennung durch andere suchen. Ausserdem sollte man jeden Tag mehr Fragen stellen als Antworten geben. Eine Lern- und Entwicklungskultur für sich zu etablieren ist essenziell. Das geht gut durch einen Co-Gründer oder einen Co-Geschäftsführer, den man wertschätzt und dem man vertraut. Und nicht zuletzt sollte man mindestens einen Hund haben, weil man einfach einen wahren Freund für jede Lebenslage braucht. Für die meisten Menschen ist das, was man als Gründer erlebt, weit weg und das ist auch völlig in Ordnung. Die Konsequenz ist dann aber, dass man sich gegenseitig nicht dort abholen kann, wo man mit dem steht, was einen beschäftigt. Es klingt irrsinnig, ist aber wahr – Hunde können das, was mir im Umgang mit diesem Umstand sehr hilft.

Sie führen das Start-up zusammen mit Ihrem Partner, der auch Ihr Lebenspartner ist. Wie beeinflusst dies die Zusammenarbeit, und wie ergänzen Sie sich?
Ein gemeinsames Unternehmen beeinflusst eine Partnerschaft sehr. Eine gesunde Partnerschaft hat für mich viel damit zu tun, dass jeder Partner Raum hat, sich stets zu erweitern. Gemeinsam eine Firma zu führen, ist die ideale Bedingung dafür. Entsprechend hat die gemeinsame Führung eine sehr positive Wirkung auf unsere Partnerschaft. Sebastian hat einen Hintergrund als Rechtsanwalt in der Finanzwelt. Er kennt die eiserne Disziplin und die harte Leistungskultur aus der Grosskanzlei. Seine Fähigkeiten, eine unternehmerische Basis aufzubauen versteht sich sehr gut mit meinem Interesse, eine echte Lösung bereitzustellen. Aus diesen beiden Blickwinkeln schauen wir gemeinsam auf alle strategischen Entscheidungen. Die Komplementarität zwischen uns ist, glaube ich, das grösste Asset für die Firma.

Was sind denn Ihre persönlichen Stärken, die Sie für dieses Unternehmen mitbringen?
Ich glaube, ich kann gut mit Komplexität umgehen, sodass wir zu systematischen und ganzheitlichen Lösungen kommen. Ausserdem bin ich neugierig – ich lerne also schnell und viel alles Mögliche, was uns nach vorne bringt. Und es muss weit gehen, dass ich etwas persönlich nehme, was Sachlichkeit selbst in schwierige Situationen bringt.

Und was sind Ihre Schwächen?
Ich bin fürchterlich ungeduldig. Das kann sich auf unterschiedlichste Weise negativ auf Beziehungen auswirken. Ausserdem bin ich nicht so gut in Betriebswirtschaft, wie man das in meiner Rolle vielleicht sein sollte. Da braucht es dann wiederum etwas Geduld von meinem CFO-Kollegen.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie merken, dass Sie bei der Arbeit auch mal an ihre Grenzen stossen – sei es physisch oder intellektuell oder psychisch? Was tun Sie dann?
Wenn es die physische Grenze ist, weil der Körper zu lange in einem angespannten Zustand war, dann ziehe ich die Notbremse und finde irgendwie Schlaf. Wenn es die intellektuelle Grenze ist, dann muss ich eben jemanden fragen. Und wenn es psychisch ist, dann ziehe ich mich zurück, bin für mich und gebe mir bewusst Raum. Das kann beim Sport sein, wo ich einfach meinen Körper spüre; nachts in einer Bar bei Musik, die mich völlig einnimmt; mit mir selbst sprechend auf Spaziergängen mit meinen beiden Hunden oder bei einem der wenigen Menschen, in deren blosser Gesellschaft ich eine Per- spektive empfinde.

Als Unternehmerin erlebt man Ups und Downs. Was ist der bisher grösste Erfolg, auf den Sie besonders stolz sind?
Wir haben verschiedene Projekte erfolgreich abgeschlossen und eine tolle Resonanz in der Öffentlichkeit bekommen. Der grösste Erfolg aber ist wohl, dass Sebastian und ich trotz der wirklich gnadenlosen marktwirtschaftlichen Lage für junge Unternehmen immer noch die ganz deutliche Mehrheit an right° halten.

Was war das bis dahin Schwierigste?
Corona, der russische Angriffskrieg in der Ukraine, die Zinswende und die damit verbundenen anhaltenden Schwierigkeiten der Wirtschaft haben auch uns getroffen. Die multiple Krise erzeugte Unsicherheit und schob Projekte zur Ausarbeitung einer 1,5°C-konformen Klimastrategie auf der Prioritätenliste von vielen Unternehmen erst mal nach hinten. Wir haben uns deshalb einen Sparkurs verordnet und geschaut, wie wir unsere Ressourcen effizienter einsetzen. Dabei haben wir gemerkt, wie krisenunerfahren wir und unser Team sind. Wir fokussieren deshalb verstärkt darauf, unsere Entscheidungen und unsere Werte klar zu kommunizieren, damit für unsere Mitarbeiter die Erwartungen, die an sie gestellt werden, besser nachvollziehbar sind.

Wie laden Sie Ihre Batterien wieder auf?
Ich habe gelernt, im Moment zu leben, weil ich oft erlebt habe, dass im nächsten Moment einfach alles anders sein kann. Es gibt so unglaublich viele reiche Momente jeden Tag. Sie reichen locker, die Batterien auf mindestens Reservestatus zu halten.

Inwieweit gelingt es Ihnen, sich digital zu entkoppeln, wenn Sie Freizeit haben?
Ich habe kaum Freizeit, sodass ich wenig Gelegenheit habe, das zu üben. Entsprechend schlecht gelingt mir das leider.

Was würden Sie jungen Berufsfrauen raten, die sich jetzt gerade ins Berufsleben «stürzen»?
Dass sie alles erreichen können, solange sie in der richtigen Gesellschaft sind. Man muss höllisch aufpassen, wer um einen herum ist, denn man wird von jedem beeinflusst. Ob man will oder nicht. Manchmal ist man sich selbst die beste Gesellschaft – ertrage ich mich?

Wenn Sie sich nicht Climate Tech widmen würden, welche Thematik hätte Sie noch interessiert?
In irgendeiner Form etwas mit Tieren – Tierärztin, Polizeipferdetrainerin. Oder ich hätte eine Hundepension aufgemacht. Ich finde, Tieren gehört die Welt. Sie können nämlich mit ihr umgehen.

Was macht die private Hannah Helmke am liebsten?
Die private Hannah fotografiert sehr gerne, liebt es auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen, vom Tauchlehrer zu lernen, wie man sich mit den Meerestieren bewegt, einem Skilehrer eine Abfahrt hinterherzujagen und könnte Stunden in hochwertigen Inneneinrichtungshäusern verbringen.

Was tun Sie für Ihre persönliche Work-Life-Balance?
Ich habe dieses Wort bis heute nicht begriffen. Das ist aber auch egal. ★


ZUR PERSON
Hannah Helmke, 1988 in Rastatt in Baden-Württemberg geboren, gründete zusammen mit ihrem Partner Sebastian Müller das Softwareunternehmen right° und ist heute dessen Geschäftsführerin. Ihr Unternehmen hat eine Software entwickelt, die Firmen dabei unterstützt, die Klimastrategien an den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens auszurichten, also weniger als zwei Grad Erderwärmung anzustreben. Ihr Team besteht aus 20 Mitarbeitenden aus fünf Nationen, davon acht Frauen. Hannah Helmke studierte Psychologie und International Business, und war zunächst für einen IT-Dienstleister und die Deutsche Post DHL tätig, wo sie die Potenziale der Digitalisierung für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen erforschte.
2020 wurde sie mit dem Digital Female Leader Award in der Kategorie «Sustainability» ausgezeichnet, 2021 war sie Preisträgerin des AmCham Female Founders Award. Ihr Unternehmen wurde mit dem renommierten Next Economy Award ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Partner und ihren beiden Hunden in Frankfurt am Main und Baden-Baden.

Übernehmen Sie Verantwortung

Posted by Ambra Spiller

Haben Sie öfter das Gefühl, dass alle etwas von Ihnen wollen und Sie wissen gar nicht, wie Sie all diesen Ansprüchen gerecht werden sollen? Oder beschleicht Sie manchmal ein diffuses Gefühl von Unzufriedenheit, obwohl Ihr Leben doch eigentlich perfekt scheint? Dann ist es Zeit, Innezuhalten und Ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Selbstführung heisst hier die Zauberformel und ist nicht zu verwechseln mit Selbstmanagement, der effizienten Organisation von Aufgaben, Zeit und Ressourcen. Die Selbstführung geht viel tiefer und fokussiert sich auf die bewusste Steuerung und Entwicklung Ihrer eigenen Persönlichkeit, Werte und Ziele. Also die Verantwortung für Ihre Zufriedenheit zu übernehmen.

Selbstführung als Schlüssel zum Erfolg
In unserer schnelllebigen Welt stehen wir vor immer komplexeren Herausforderungen. Ob Führungskraft, Unternehmerin, Berufseinsteigerin oder Mutter, für uns alle ist es wichtig, bewusste Entscheidungen zu treffen, klare Ziele zu setzen und sich selbst zu führen. Warum? Die Fähigkeit zur Selbstführung hilft uns, einfacher durchs Leben zu navigieren und dabei mehr Leichtigkeit und Freude zu erfahren.

Allerdings ist die Kunst der Selbstführung kein einmaliger Prozess, sondern eine lebenslange Reise. Indem Sie die Kontrolle über Ihr Leben übernehmen und an Ihrer persönlichen Entwicklung arbeiten, können Sie nicht nur beruflichen Erfolg, sondern auch wahrhaftige Erfüllung finden.

Beginnen Sie mit den richtigen Fragen
Der erste und wichtigste Schritt ist die Selbstreflexion. Wir neigen dazu, uns stark auf das Äussere zu konzentrieren, doch wenn wir beginnen unsere Aufmerksamkeit nach innen zu richten – auf unsere Persönlichkeit und Fähigkeiten – können wir uns unseres Potenzials bewusstwerden.

Gönnen Sie sich etwas Ruhe und stellen Sie sich folgende Fragen:
Was sind meine wichtigsten Werte, die mich ausmachen und die ich vermitteln möchte?
Welche langfristigen und kurzfristigen Ziele und Ambitionen habe ich?
Wie definiere ich für mich Erfolg?
Welche Haltung, welche Einstellung möchte ich anderen gegenüber einnehmen?
Was ist mir in Beziehungen wichtig – sowohl im Privatleben wie auch im Beruf?

Je mehr Sie Ihr Denken und Handeln analysieren und hinterfragen, desto besser lernen Sie sich selbst kennen und desto authentischer werden Sie. Beginnen Sie noch heute Ihre Reise zur Selbstführung und sehen Sie, wie sich Ihre Welt verändert. Ihr Weg zum Erfolg beginnt in Ihnen selbst.

Mit unserem online Coaching-Programm Empower yourself! Dein Leben. Deine Verantwortung. unterstützen wir Sie gerne auf dieser Reise zu einem selbstbestimmten und erfüllteren Leben. Geben Sie im Feld Bemerkungen den Code WIB Promotion ein und Sie erhalten 25% Rabatt auf den Originalpreis.


CC Studio GmbH – Coaching & Consulting

Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Mehr Menschlichkeit und Lebensqualität in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Wir unterstützen Sie dabei, mutig und neugierig neue Perspektiven zu entdecken und ihre Berufung zu finden. Dabei helfen wir Ihnen, Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und begleiten Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung für mehr Zufriedenheit im Alltag.

www.ccstudio.ch

Bisherige Gastkolumnen:

An der härtesten Regatta der Welt

Posted by Ambra Spiller

Justine Mettraux ist eine der besten Hochsee-Seglerinnen der Welt. Nächstes Jahr startet die 37-jährige Genferin bei der Nonstop-Regatta Vendée Globe. Allein.
Ein Gespräch über Herausforderungen und Risiken, die Vorteile von Mentaltraining und die Schönheit eines Delfinschwarms.

Effizient arbeiten, Risiken abschätzen, clevere taktische Entscheidungen fällen, sich auf schnell verändernde Situationen einstellen, dabei einen ruhigen Kopf bewahren und auch immer an die eigenen Grenzen gehen: Was wie ein Schnelllehrgang für Manager tönt, bewältigt Justine Mettraux regelmässig auf dem beengten Raum eines Segelschiffs. Und die- ser Situation stellt sie sich immer wieder unter erschwerten Bedingungen: im Wettkampf, auf hoher See, bei Wind und Wellengang. Die Tragweite der Fehlhandlungen, der sie ausgesetzt ist, fasst sie mit einem lapidaren Satz zusammen: «Falle ich ins Wasser, bin ich verloren.»

Jüngst segelte sie etwa im Rahmen des «14. Ocean Race» mit vier Männern an Bord in einer Rennjacht in 35 Tagen 20 500 Kilometer um das Kap Hoorn an der Südspitze Chiles. Das Rennen gilt als eine der härtesten Herausforderungen des Segelsports, und für Justine Mettraux war es die dritte Hoch- seeregatta – eine mythische dazu, von der sie sagt, sie hätte sich nie erträumt, dass sie jemals daran teilnehmen könnte, als sie mit dem Segeln begann. (Das US-Team, mit dem sie drei Etappen mitsegelte, gewann das Rennen.) Einem Journalisten gegenüber resümierte die Skipperin lachend, was es heisst, auf engstem Raum ohne Toilette und Dusche mit vier Männern unterwegs zu sein. «Ich gewöhnte mich schnell da- ran, dass ich keine Privatsphäre hatte.»
Nächstes Jahr steht ihr die Umsegelung der Welt an der Vendée Globe bevor. Physisch wird sie allein auf dem Schiff sein. Im Hintergrund aber steckt ein 10-köpfiges Team aus Technikern, IT- und Wetterspezialisten, mit dem sie zusammenarbeitet. Auch muss man gewieft im Umgang mit Sponsoren sein, denn der Kampf der Offshore-Segler um Budgets ist schwierig. Eine Wettkampfseglerin muss auch eine Unternehmerin sein. Eine selbstgenügsame dazu: Nimmt etwas Schaden, muss sie selbst reparieren, ohne von aussen Hilfe anzunehmen. Während des Segelns gibt es zwar keine Kommunikationsbeschränkungen, d.h. sie kann alle Probleme an Bord in Echtzeit mit ihrer Landcrew besprechen. Aber helfen muss sie sich am Ende selbst. Die Regatta sei, so Mettraux, die Erfüllung ihres Lebenstraums.

WOMEN IN BUSINESS: Sie sind kürzlich in einem Team mit vier Männern auf kleinstem Raum im Südpazifik gesegelt. Vergisst man da das ganze Gender-Thema?
Justine Mettraux: Ja, genauso ist es. Als plötzlich Frauen zugelassen und die Teams gemischt wurden, gab es Männer, die damit Mühe hatten. Doch heute fühlt sich das komplett normal an. Auf einem kleinen Schiff gibt es keine Intimsphäre, keine Toilette, keine Dusche. Du bist nur einen Meter voneinander entfernt, und ob Mann oder Frau, jeder hat dieselben Bedürfnisse. Man schaut einfach nicht hin!

Nächstes Jahr starten Sie zu Ihrer Weltumsegelung. Dabei kann ja alles Mögliche passieren, man ist den Wettergewalten ausgesetzt, das Schiff kann Schaden nehmen, man ist tage- und wochenlang allein. Wie bereitet man sich auf das Unvorhergesehene vor?
Man muss sich schwierige Situationen vorstellen können. Die grösste Herausforderung ist, dass Wettersysteme innerhalb von 24 Stunden mehrfach wechseln können, und zwar rasch. Man muss also schnell und flexibel reagieren können. Man muss dabei viel mentale Arbeit leisten, um schwierige Situationen bewältigen zu können.

Das gesamte Interview lesen Sie in der Ausgabe Oktober 2023. Bestellen Sie diese in unserem Shop.


Zur Person
Justine Mettraux wurde 1986 in Genf geboren. Dort, im «Centre d’entraînement à la régate» (CER), lernte sie das Segeln als Schülerin in ihrer Freizeit. Bereits im Alter von 16 Jahren nahm sie an der «Tour de France en voile» teil. Im Jahr 2011 fand sie im Informatikunternehmen TeamWork einen Sponsor, der es ihr ermöglichte, zu trainieren und an ihrem ersten Transatlantik-Rennen teilzunehmen. 2019 wurde Justine Mettraux bei den SUI Sailing Awards zur Schweizer Seglerin des Jahres gewählt. 2022/2023 segelte sie im legendären «Ocean Race» die beiden längsten Etappen des siegreichen 11th Hour Racing Team mit – mit dem amerikanischen Rennstall hat sie einen Teilzeitvertrag. 2022 erwarb Mettraux’ Sponsor das Segelboot Charal vom bekannten bretonischen Skipper Jérémie Beyou, um es Justine Mettraux anzuvertrauen. Mit dem Schiff, das nun auf TeamWork. net umgetauft wurde, wird sie nächstes Jahr an der Vendée Globe teilnehmen und die Welt im Alleingang umsegeln.

Wind und das Wasser spürt Justine Mettraux seit Kindesbeinen auf ihrer Haut. Dabei kamen ihre Eltern ursprünglich aus dem Freiburger Umland, der Vater war Bauernsohn. Als sie nach Genf in die Nähe des Sees zogen, wurde das Segelboot zum Mittel, um mehr im Freien zu sein. Ihr Vater wurde Amateursegelsportler, ihre Mutter Sporttaucherin, und mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern verbrachte sie jede freie Minute auf dem Segelschiff. Heute sind alle Geschwister Profisegler wie sie selbst. In Genf gibt es ein Regatta-Trainingszentrum, das von der Stadt unterstützt wird; jedes Kind kann für 150 Franken pro Jahr im Jahr viermal die Woche trainieren – und genau das tat Justine. In der Bretagne und in Hyères fand sie Geschmack am Hochsee-Segelsport, und mit 16 bestritt sie erste Rennen.

Bevor sich Mettraux mit Mitte zwanzig dazu entschied, sich ganz dem Segelsport zuzuwenden, machte sie das Primarlehrerdiplom an der Pädagogischen Hochschule in Lausanne und unterrichtete. Seit 2011 arbeitet die 37-Jährige mit ihrem Sponsor, TeamWork, einem IT-Unternehmen, zusammen. In den letzten Jahren hat sich die Welt des Segelsports sukzessive für die Frauen geöffnet. Heute ist Mettraux eine der ganz wenigen Schweizerinnen im Off-Shore-Segelsport. Als erste Schweizerin hat sie an den Hochsee-Segelrennen teilgenommen, wie der «Mini-Transat», der «Solitaire du Figaro» und der «Transat Jacques Vabre 9». 2019 wurde sie an den SUI Sailing Awards zur «Seglerin des Jahres» gekürt. Justine Mettraux setzt sich zudem für mehr Diversität im Segelsport ein und ist eine der Botschafterinnen des Magenta-Projekts, eines internationalen Sportnetzwerks von Profiseglern, das den Segelsport bei Mädchen fördert.

Erklärtes Ziel: Gendermedizin

Posted by Ambra Spiller

Mit dem neuen Lehrstuhl für Gendermedizin nimmt die Universität Zürich in der Schweiz
eine Pionierrolle ein. Massgeblich daran beteiligt: Prof. Dr. Beatrice Beck Schimmer, Direktorin Universitäre Medizin. Ein Gespräch über Geschlechtsunterschiede.

Im Jahr 1865 erteilte die Universität Zürich als erste Hochschule im deutschen Sprachraum Frauen die Zulassung zum Studium. Die Russin Nadeschda Prokofjewna Suslowa promovierte als erste Frau an der medizinischen Fakultät und meinte seinerzeit: «Ich bin die Erste, aber nicht die Letzte. Nach mir werden Tausende kommen.» Sieben Jahre später absolvierte schliesslich die erste Schweizerin, Marie Heim-Vögtlin, ihr medizinisches Staatsexamen, um später als Gynäkologin tätig zu sein.
Auch Beatrice Beck Schimmer liebäugelte bereits in jungen Jahren mit einem Medizinstudium, da sie sich für die Biologie des Menschen und für das Zusammenspiel der Organsysteme interessierte. Entschieden wie sie war, folgte sie ihrer inneren Stimme und schrieb sich an der Universität Bern ein. Nach erfolgreicher Beendigung ihres Studiums sei sie jedoch auch mit Vorurteilen gegenüber weiblichem Fachpersonal konfrontiert worden, sagt sie rückblickend: «Als ich als Notärztin einen Patienten behandelte, erkundigte sich dieser nach einem Arzt. Das habe ich aber weggesteckt.» Weitaus schwierigere Erfahrungen sammelte Beatrice Beck Schimmer als Assistenzärztin, in einer Zeit, als sie rund um die Uhr arbeitete und zunehmend der Wunsch nach einer gesunden Work-Life-Balance aufkam. Ihr Chef setzte eine Verbesserung der Situation in Aussicht, doch nichts geschah. «Das führte dazu, dass ich ein Angebot des Zürcher Univer- sitätsspitals annahm und einen Neuanfang als Anästhesistin wagte. Mein Vorgesetzter goutierte meine Kündigung keineswegs, sprang sogleich vom Stuhl auf und entgegnete: ‹Das ist das letzte Mal, dass ich eine Frau angestellt habe.› Einige Zeit später berücksichtigte er erneut Medizinerinnen, doch dieses Erlebnis setzte mir längere Zeit zu.»

Women in Business: Sie sind als Direktorin Universitäre Medizin an der Universität Zürich tätig. Wie erleben Sie heute die Stellung der Frau im Rahmen Ihrer Fakultät?
Beatrice Beck Schimmer: Seit 2005 schliessen mehr Frauen als Männer das Medizinstudium ab. Letztes Jahr lag der weibliche Anteil gar bei 61,1 Prozent. Im kommenden Herbst werden rund 430 Studierende erwartet. Die Universität Zürich ist gefordert, nicht nur Ärztinnen und Ärzte auszubilden, sondern auch mehr Professorinnen zu berufen. In den oberen Hierarchien sind die- se nach wie vor untervertreten. Ich persönlich befürworte, dass wir Frauen nicht für eine Männerwelt «zurechtgetrimmt» wer- den, sondern einen Kulturwandel herbeiführen.

Wie muss man sich einen solchen Entwicklungsprozess vorstellen?
Kurz nach meinem Stellenantritt habe ich das Projekt «Re-De- sign-Berufungen» ins Leben gerufen, unter anderem mit dem Ziel, den Anteil der Professorinnen zu erhöhen. In einem ersten Schritt sollte die Klinikstruktur des jeweiligen universitären Spitals diskutiert und angepasst werden. So können beispielswiese grosse Einheiten in drei oder vier fachspezifische Gruppen unterteilt werden, was dazu führt, dass nicht lediglich eine Person für rund 60 Medizinerinnen und Mediziner zuständig ist. Die Reduktion der Führungsspanne führt zu flacheren Hierarchien. Neu führt das Dreier- oder Vierer-Gremium die Klinik, wobei eine Person für eine bestimmte Dauer den Vorsitz übernimmt. In zwei Pilotprojekten im Bereich Anästhesiologie und Viszeral- sowie Transplantationschirurgie werden die Strukturanpassungen inklusive Definition neuer Führungsrollen umgesetzt.

Trauen sich Frauen Führungsaufgaben weniger zu?
Ich denke nicht. Institutionen müssen jedoch ein attraktives Umfeld schaffen, das auch Frauen motiviert und unterstützt, Führungsaufgaben wahrzunehmen. An der Medizinischen Fakultät steht das Direktorium in engem Austausch mit der vor zwei Jahren gegründeten Chancengleichheitskommission. Diese hat verschiedene Massnahmen zur Schaffung einer positiven Ambiance erarbeitet, indem unter anderem biologische und soziale Komponenten von Geschlecht in Lehre und Forschung einbezogen werden. Professorinnen dienen zudem als Vorbilder für die jüngere weibliche Generation. Ich selbst bin regelmässig als Mentorin tätig und begleite dabei eine Nachwuchskraft auf ihrem akademischen und beruflichen Weg. Derzeit sind drei Frauen in der Universitätsleitung vertreten. Dadurch widerspiegeln wir nicht nur die Geschlechterverhältnisse, sondern motivieren auch andere, unserem Beispiel zu folgen.

Wo besteht noch Verbesserungspotential in Bezug auf leitende Funktionen?
Die geschlechtsspezifischen Vorurteile müssen beseitigt werden ebenso wie Stereotypen. Das Ziel besteht darin, eine unterstützende und inklusive Arbeitsumgebung zu schaffen. Aussagen von Berufskollegen wie: «Ich möchte dir helfen» dürften in diesem Zusammenhang nicht förderlich sein, da sie nur starre Vorstellungen im Zusammenhang mit Frauen bedienen. Umso wichtiger ist eine offene und respektvolle Kommunikation. Es wäre ausserdem wünschenswert, wenn Männer in höheren Positionen mehr auf die weiblichen Anliegen eingehen würden. Hiermit spreche ich gewisse Machtspiele und intransparentes Verhalten an, das einer konstruktiven Zusammenarbeit oft im Wege steht.

Nebst dem Beruf kommen meist noch familiäre Verpflichtungen hinzu. Wie ist es Ihnen als zweifache Mutter gelungen, Vollzeit zu arbeiten?
Ein tragendes Netz von externen Mitgliedern und Familie sowie eine solide Partnerschaft stellen einen erheblichen Vorteil dar, was bei mir der Fall war. Auch bekam ich die Möglichkeit, in der Klink ein Teilzeitpensum auszuüben, um meine Forschungsarbeit vorantreiben zu können. Das hat mich wiederum motiviert, das Laufbahnförderprogramm «Filling the Gap» mit einer finanziellen Unterstützung von nahezu einer Million Franken pro Jahr auf die Beine zu stellen, mit dem Bestreben, insbesondere Frauen im Rahmen von geschützter Forschungszeit zu unterstützen. Inzwischen bieten die Hochschulen und universitären Spitäler viele unterstützende Instrumente an, die junge Medizinerinnen nützen sollten. Das kann von einer Beratung in der Abteilung Gleichstellung bis hin zur Bewerbung eines Laufbahnförderprogramms reichen. Auch ist es ratsam, private und berufliche Kontakte zu pflegen. Nicht selten trifft man dabei auf Gleichgesinnte. Und, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.

Sie haben in den USA in einem Grundlagenlabor gearbeitet, bauten später eine Forschungsgruppe auf und waren als Forschungsrätin beim Schweizerischen Nationalfonds tätig, bis Sie schliesslich zur Direktorin Universitäre Medizin ernannt wurden. Sind Sie bewusst auf eine leitende Funktion zugesteuert?
Eigentlich nicht. Vielmehr hat man mich angefragt, ob ich mich für besagten Posten bewerben möchte. Allerdings handelte es sich um eine reifliche Überlegung. Es war eine schwierige Diskussion, die ich mit mir selbst und meiner Familie geführt habe, denn ich war eigentlich sehr zufrieden mit meiner Forschungstätigkeit und jener als Leitende Ärztin. Letztendlich packte ich die Herausforderung an, zumal ich gerne strategisch agiere. Übrigens habe ich mich bereits als Prodekanin für Chancengleichheit eingesetzt, und da spielt auch die Gendermedizin als Teil der Präzisionsmedizin eine wichtige Rolle.

Die Universität Zürich führt als erste Hochschule der Schweiz einen Lehrstuhl für Gendermedizin ein. Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich allerdings hinterher.
Die USA und Kanada beschäftigen sich schon längere Zeit mit geschlechtergerechten Forschungsprogrammen und sind deshalb bereits weit fortgeschritten. Auch Länder wie Österreich und Deutschland schreiten stetig voran. Umso wichtiger ist es, dass die Schweiz den Anschluss nicht verliert. Die personalisierte Medizin beschäftigt Universitäten und Universitäts- spitäler seit einigen Jahren mit dem damit verbundenen Ziel, Patientinnen und Patienten eine präzise Diagnostik, passende Therapien und dadurch eine verbesserte Lebensqualität anbieten zu können. Im kommenden Jahr werden wir den neuen Lehrstuhl für Gendermedizin einberufen, um Geschlechterunterschiede zu erforschen und in Lehre und Praxis einzubringen. Es handelt sich um eine Vision für den Medizinstandort Zürich bestehend aus einem grossen Netzwerk, zu welchem die vier universitären Spitäler Balgrist, das Kinderspital, das Universitätsspital sowie die Psychiatrische Universitätsklinik gehören. Allzu lange ist übersehen worden, dass sich Frauen von Männern unterscheiden und bei bestimmten Krankheiten andere Symptome aufweisen sowie eine andere Medikamentendosierung benötigen.

Frauen haben bei gleichen Diagnosen weniger gute Chancen, intensivmedizinisch betreut zu werden als Männer. Woran liegt das?
In der Schweiz werden geschlechtsspezifische Aspekte in klinischen Studien und der Grundlagenforschung bisher weitgehend vernachlässigt. Die wenigen vorhandenen Erkenntnis- se baut man kaum in die klinische Routine ein, obwohl eine wachsende Anzahl von Studien belegt, dass ein geschlechtsneutrales Universalkonzept in der Erforschung und Behandlung von Krankheiten nicht sinnvoll ist. Fazit: Eine fehlende Geschlechterperspektive in der Forschung führt zur Abkopplung von wissenschaftlichem Fortschritt. In der Klinik besteht insbesondere die Gefahr von verfehlten Diagnosen und Behandlungen. Und die Versorgung verteuert sich unnötig, wenn sie sich nicht spezifisch an ihre Zielgruppen wendet.

Wurden auch kritische Stimmen in Bezug auf den neuen Lehrstuhl laut?
Die noch wenigen Erkenntnisse im Bereich der Gendermedizin sind noch lange nicht in allen Fachbereichen vorhanden. Allerdings stehen nicht alle Medizinerinnen und Mediziner Veränderungen positiv gegenüber.

Gibt es weitere Hürden zu meistern?
Am Medizinstandort Zürich ist es wichtig, dass die gendermedizinischen Aspekte in die Versorgung einfliessen. Das Universitätsspital Zürich plant deshalb, ein interdisziplinäres Frauengesundheits-Center «Women’s Health Center» aufzubauen. Gerade im ambulanten Bereich des Universitätsspitals ist die räumliche Nähe der verschiedenen Fachdisziplinen gegeben, so dass diese miteinander agieren können. Ziel ist es, ein Kompetenzzentrum für die optimale Versorgung von Frauen mit überregionaler und internationaler Ausstrahlung zu etablieren. Renommierte Fachvertreterinnen und -vertreter erweitern ihre vorhandene disziplinäre Kompetenz durch die Genderaspekte zum Wohl der Patientinnen und Patienten.

Eine möglichst präzise Diagnostik soll im Zentrum stehen. Wie kann die Forschung vorangetrieben werden?
Der Ausbau der Präzisionsmedizin am Standort Zürich ist mein erklärtes Ziel. Zurzeit entsteht eine Biomedizin-Informatik-Plattform, die eine zeitgemässe Datensicherung, Datenmanagement sowie Datenaustausch zwischen Forschenden ermöglichen soll. Nur so wird es denkbar sein, mehrere hundert bis hin zu Millionen Parameter gleichzeitig abzurufen und zu analysieren. Dabei spielt das Geschlecht ebenso eine wichtige Rolle wie die Blutgruppe, das Gewicht und andere Gesundheitsdaten.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Bisher laufen Forschungsprojekte, die Genderaspekte berücksichtigen unter fachspezifischen Schwerpunkten wie zum Beispiel die koronare Herzkrankheit, Autoimmunerkrankungen oder Covid-19. Klinische Studien sind bislang meist nicht auf entsprechende Differenzierungen ausgelegt. Geschlechterunterschiede in der Fallsterblichkeit nach Herzinfarkt, nach Bypass- operationen oder nach kardiovaskulären Eingriffen, die altersabhängig bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern, wurden nur in retrospektiven Analysen gefunden. Aber auch zu Geschlechterunterschieden bei Nierenerkrankungen, beim plötzlichen Herztod, bei Depressionen und Osteoporose fehlen oft systematische Studien.

Weshalb hat man sich bislang nur auf den männlichen Prototyp fokussiert?
Der Mann kennt keinen hormonellen Zyklus wie die Frau. Bei weiblichen klinischen Studienteilnehmerinnen muss dieser mitberücksichtigt werden. Dadurch wird die Forschung auf- wändiger und teurer. Die Schweiz strebt Gleichstellung und Gleichberechtigung an – auch in der biomedizinischen Forschung und in der Medizin. Deshalb ist das Bewusstsein für die geschlechtsspezifische Information gerade bei der datengetriebenen Medizin essenziell. Sonst wird in der Präzisionsmedizin der männliche Prototyp weitergeführt.

Inwiefern erhalten Sie diesbezüglich Unterstützung von der Wirtschaft?
Sowohl Forschungsinstitutionen als auch Hochschulen greifen uns unter die Arme. Im Bereich Wirtschaft wäre es sinnvoll, mit Firmen zusammenarbeiten zu können, welche Produkte im Zusammenhang mit der Frauenmedizin vertreiben. In der Schweiz existieren bereits solche Unternehmen. In einem übergeordneten Sinn wäre es im Bereich der Diversität wichtig, mehr weibliche Entrepreneure zu haben.

Welche Rolle spielen künftig genetische Analysen und künstliche Intelligenz in Bezug auf die Gendermedizin?
Die bisherige Ignoranz gegenüber den Einflüssen des biologischen Geschlechts in Diagnose, Therapie und Prävention darf nicht wie bis anhin weiterschreiten. Wir müssen erreichen, dass in der Forschung das geschlechtsspezifische Medizinwissen gefördert wird, so dass die künstliche Intelligenz nicht einen Prototypen Mensch kennt, sondern biologische weibliche und männliche Unterschiede genügend mitberücksichtigt. ★


ZUR PERSON
Beatrice Beck Schimmer, 60, studierte Humanmedizin an der Universität Bern und habilitierte im Jahr 2003 an der Universität Zürich. Von 2005 bis 2018 arbeitete sie als leitende Ärztin am Universitätsspital Zürich und ab 2009 zusätzlich als ordentliche Professorin für Anästhesiologie
im Bereich Grundlagenforschung und klinische Forschung. Von 2012 bis 2018 war sie Mitglied des nationalen Forschungsrats des Schweizerischen Nationalfonds. Seit 2011 setzt sie sich aktiv für die weibliche Nachwuchsförderung ein. 2018 wurde Beatrice Beck Schimmer zur Direktorin Universitäre Medizin an der Universität Zürich berufen, und übt diese Funktion als erste Frau aus. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Söhne.

«Bei EY bin ich umgeben von inspirierenden Menschen»

Posted by Ambra Spiller

Jenny Mathias ist seit 3 Jahren Partnerin im Audit bei EY in der Schweiz und frischgebackene Chief Talent Officer (CTO). Mit der Ernennung zur CTO darf sie nun ihren Traumjob leben.

Die gebürtige Amerikanerin Jenny Mathias hat über 16 Jahre Erfahrung im Bereich Audit und startete ihre Karriere bei EY in Chicago, bevor sie 2013 intern zu EY Schweiz transferierte. Seit ihrem Praktikumseintritt bei EY konnte sie viele spannende Mandate betreuen und mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen und unterschiedlicher Grösse zusammenarbeiten. 2020 wurde sie zur Partnerin von EY ernannt. «Die Menschen zusammen mit den spannenden Klienten bei EY sind für meine Arbeit die Basis und motivieren und inspirieren mich», sagt Mathias und fügt hinzu: «Neben dem inspirierenden Umfeld waren die aussergewöhnlichen Karriereerfahrungen bei EY die Gründe, die mich dazu bewogen haben, mich auf die Stelle als CTO zu bewerben.»

Mathias startet in ihre neue Rolle mit einem reichgefüllten Rucksack. So hat sie in ihrer früheren Funktion als Talent Leaderin des Bereichs «Assurance» bereits Talentthemen vorangetrieben. Dabei war es ihr besonders wichtig, die unterschiedlichen EY-Büros in der Schweiz zu besuchen und mit den Mitarbeitenden direkt in Kontakt zu treten. Sie erklärt: «Ich bin der festen Überzeugung, dass es nur möglich ist, Talente zu gewinnen, zu entwickeln und zu fördern, wenn ich mir die Zeit nehme, unsere Mitarbeitenden zu verstehen und dazu muss ich sie kennenlernen.» Sie sieht dies als integralen Bestandteil einer erfolgreichen Talentstrategie und möchte dies auch in ihrer neuen Rolle als CTO weiterführen.

Ihr Ziel als neue CTO ist es, die Werte «Karriereerfahrung, Gesamtvergütung und Wohlbefinden» für die EY-Mitarbeitenden überzeugend und relevant vorzuleben, wobei die Flexibilität in Zukunft der wichtigste Eckpfeiler sein wird. Eine Karriere in einem professionellen Dienstleistungsunternehmen ist manchmal herausfordernd, da nicht jeder Tag planbar ist. Es können immer unvorhersehbare Themen bei den Kunden oder Mitarbeitenden auftauchen und Zeitdruck auslösen. Als Mutter von zwei kleinen Kindern, ist es für Mathias zentral, dass sie alle Dinge, die ihr wichtig sind, im Alltag integriert – dabei helfen ihr eine gute Organisation, ein sich gegenseitig unterstützendes Team sowie der Rückhalt ihres Ehemannes. Der Wunsch nach mehr Flexibilität sei aber kein «Frauenthema», auch wenn er lange Zeit insbesondere mit Müttern in Verbindung gebracht wurde. Heute stellen alle Personen zunehmend den Anspruch nach Flexibilität und dem möchte Mathias in ihrer Rolle als CTO Rechnung tragen und sich darauf fokussieren. Dadurch kann sie sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben wachsen, sich weiterentwickeln und so beide Bereiche voranbringen. Energie schöpft Mathias bei ihrer Familie. Sie ist für Mathias Hauptinspirationsquelle und grösste Unterstützerin: «Meine Kinder erinnern mich ständig daran, dass ich immer ein Vorbild für sie bin. Diese Haltung versuche ich auch bewusst im Arbeitsleben zu bewahren», erläutert Mathias.

«Reisen zu verschiedenen Kulturen und der Teamsport Fussball haben mich geprägt. Ich bin deshalb gerne von Menschen umgeben, die unterschiedliche Hintergründe haben und in alle Richtungen denken können», erklärt Mathias und gibt einen Rat an Berufseinsteiger: «Sei neugierig, lasse dich auf Veränderungen ein und höre nie auf zu lernen. So kann eine aussergewöhnliche Karriereerfahrung bei EY gelingen – du hast es selbst in der Hand!»

Interessiert, mehr über Jobs bei EY zu erfahren? Dann besuche unsere Webseite: https://www.ey.com/en_ch/careers oder schreib uns: recruitment.switzerland@ey.com


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So finden Sie Ihre Berufung

Posted by Ambra Spiller
Die jüngsten Ereignisse auf dem Schweizer Finanzplatz haben viele Menschen erneut dazu veranlasst, sich und ihre berufliche Situation zu hinterfragen. Sie vielleicht auch?

Einschneidende Ereignisse zwingen uns manchmal dazu, den Status quo zu analysieren und uns zu fragen, was wir wirklich wollen. Veränderungen, so schmerzhaft sie auch sein können, sind immer auch eine Chance für einen Neuanfang.

In der letzten Ausgabe haben wir darüber geschrieben, wie wichtig es ist, den eigenen Kompass immer wieder neu auszurichten. Sich seinen privaten und beruflichen Zielen bewusst zu sein und das Leben Schritt für Schritt danach auszurichten. Oft ist es jedoch nicht so einfach zu wissen, wohin wir gehen sollen, was unsere Berufung sein könnte.

Aristoteles sagte einst: «Wo die Bedürfnisse der Welt mit deinen Talenten zusammentreffen, dort liegt deine Berufung.» Wir finden, dass diese Aussage es ziemlich gut trifft.

Im Karrierecoaching stellen wir uns die Fragen: Was kann ich? Was will ich? Und was braucht die Welt, respektive der Arbeitsmarkt? Diese Fragen sind oft nicht so einfach zu beantworten.

Was kann ich?
Ein Teil unserer Stärken ist uns oft gar nicht so bewusst. Wir fokussieren uns meist auf unsere berufliche Kompetenz, um herauszufinden, was wir gut können. Dabei setzen wir viele unserer individuellen Fähigkeiten eher im Privatleben ein.

Sie könnten zum Beispiel darauf achten, mit welchen Anliegen Freunde und Bekannte auf Sie zukommen. Überlegen Sie sich zudem, wann Sie besonders kreativ oder belastbar sind. Wofür werden Sie immer wieder gelobt? Was tun Sie gerne, was können Sie besonders gut, weil es Ihnen leicht fällt?

Was will ich?
Um diese Frage zu beantworten, ist es spannend, sich auszumalen, was Sie tun würden, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Wenn für Ihren Lebensstandard gesorgt wäre, ohne dass Sie ein Einkommen erzielen müssen. Überlegen Sie sich auch, wann Sie sich glücklich fühlen und alles um sich herum vergessen.

Was braucht die Welt?
Bei der letzten Frage, nämlich was die Welt, respektive der Arbeitsmarkt braucht, geht es darum sich zu überlegen, in welchem Bereich oder in welcher Tätigkeit die eigenen Stärken und Wünsche am besten entfaltet werden können. Dabei lohnt es sich, ein bisschen Recherche zu betreiben und über den eigenen Horizont hinauszuschauen. Welche neuen Möglichkeiten gibt es, um Ihr Potenzial bestmöglich zu nutzen?

Seien Sie neugierig und grosszügig zu sich selbst, wenn Sie sich diese Fragen stellen. Trauen Sie sich, Ihre kühnsten Gedanken aufzugreifen und alles aufzuschreiben, was Ihnen einfällt. Freies Phantasieren und Träumen, kann uns Einblicke in verborgene Wünsche geben. Haben Sie keine Sorge, dass Sie abheben. Ihr Verstand wird Sie automatisch wieder auf den Boden der Realität zurückbringen.

Wenn Sie sich diese Fragen lieber in einer geschützten Umgebung stellen und professionell dabei begleitet werden möchten, dann sind unsere Angebote Neuorientierung und KarriereCoaching eine gute Wahl.


CC Studio GmbH – Coaching & Consulting

Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Mehr Menschlichkeit und Lebensqualität in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Wir unterstützen Sie dabei, mutig und neugierig neue Perspektiven zu entdecken und Ihre Berufung zu finden. Dabei helfen wir Ihnen, Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und begleiten Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung für mehr Zufriedenheit im Alltag.

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Bisherige Gastkolumnen:

Langeweile macht kreativ

Posted by Ambra Spiller

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende und damit bleibt oft nur die Erinnerung an das süsse Nichtstun während der letzten Ferien. Im Alltag erlauben wir uns solche Momente viel zu selten. Schade eigentlich, weil darin der Schlüssel zur Entfaltung unserer Kreativität liegt.

Sich zu langweilen wird in unserer Gesellschaft oft negativ betrachtet. Die meisten Menschen fürchten sich vor diesem Zustand oder haben ein schlechtes Gewissen, wenn Sie einmal nichts tun. Wir versuchen Langeweile zu vermeiden, indem wir unsere Zeit mit endlosen Ablenkungen und Aktivitäten füllen. Doch neuste Forschungen zeigen, dass Nichtstun eine erstaunliche Quelle für Kreativität und Innovation sein kann.

Der Default Mode als Quelle für Kreativität

Langeweile führt dazu, dass unser Gehirn in den «Default Mode» wechselt, in welchem wir abschalten und vor uns hinträumen. Ein Zustand, den wir oft mit Sinnlosigkeit und Zeitverschwendung verbinden. Doch die Wissenschaft zeigt, dass gerade in diesen Momenten, in denen unser Geist scheinbar ziellos umherwandert, tatsächlich etwas Grossartiges passiert. Wenn wir uns langweilen, haben wir die Gelegenheit uns von der Hektik des Alltags zu distanzieren und in unsere eigenen Gedankenwelten einzutauchen. In diesem Zustand beginnt unser Gehirn, verknüpfende und abstrakte Muster zu suchen, Informationen aus verschiedenen Bereichen zu kombinieren, die sonst scheinbar nicht zusammenpassen würden. Diese Verbindungen sind oft der Ausgangspunkt für kreative Durchbrüche.

Gönnen Sie Ihrem Gehirn eine Pause

Statt dem stetigen Verlangen nach externem Input – zum Beispiel in Form von sozialen Medien – nachzugeben, sollten wir uns bewusst mehr Raum zum mentalen Abschalten gönnen. Sehen Sie dies als wertvolle Gelegenheit zur Regeneration und zur Entfaltung Ihrer Kreativität. Das ist leichter gesagt als getan – diese drei Schritte können dabei helfen.

Bewusste Pausen: Planen Sie Phasen der Langweile in Ihren Alltag ein. Lassen Sie Ihren Geist wandern und beobachten Sie, wohin Ihre Gedanken Sie führen. Dies kann sogar während alltäglicher Tätigkeiten wie Wäsche zusammenlegen praktiziert werden.

Digitale Entgiftung: Reduzieren Sie die ständige Ablenkung durch digitale Medien. Gönnen Sie sich regelmässig Offline-Zeiten, in denen Sie bewusst auf Bildschirme verzichten und sich der Langweile hingeben.

Kreative Rituale: Schaffen Sie bewusste Momente der Entspannung. Ein Spaziergang in der Natur, Zeichnen, Musizieren, Stricken, Töpfern oder schreiben Sie über Ihre Gedanken, Ideen und Beobachtungen.

In einer Zeit, in der Innovation und Kreativität immer wichtiger werden, sollten wir die Kraft des «Default Mode» nicht unterschätzen. Indem wir die Langweile willkommen heissen, öffnen wir die Tür zu neuen Denkansätzen, Ideen und Lösungen. Lassen Sie beim nächsten Mal, wenn Sie in einer Warteschlange stehen, doch einfach mal das Telefon in der Tasche und beobachten Sie Ihre eigenen Gedanken.


 

CC Studio GmbH – Coaching & Consulting

Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Mehr Menschlichkeit und Lebensqualität in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Wir unterstützen Sie dabei, mutig und neugierig neue Perspektiven zu entdecken und ihre Berufung zu finden. Dabei helfen wir Ihnen, Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und begleiten Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung für mehr Zufriedenheit im Alltag.

www.ccstudio.ch

Bisherige Gastkolumnen:

Brückenbauerin zwischen Ost und West

Posted by Ambra Spiller

Natalie Amiri ist auf einer Mission: Die Iran- und Nahostexpertin, preisgekrönte Journalistin und Buchautorin nutzt alle Kanäle, um ein wahrheitsgetreues Bild über die Verhältnisse in Iran und Afghanistan zu vermitteln. Ihren Weg bahnte sich die Deutsch-Iranerin mit einer aussergewöhnlich grossen Portion Mut und Beharrlichkeit.

Auf ihrem Instagram-Account zitiert sie René Descartes, den französischen Philosophen, und seine Handlungsanweisungen, wie man zu «wahrem Wissen» gelangt, und zeigt Bilder von jungen iranischen Frauen ohne Kopftuch. Das steckt den Rahmen ab, in welchem sich Natalie Amiri bewegt: Als Journalistin und Islamwissenschaftlerin will sie ein differenziertes Bild von den Zuständen im Iran geben, als Deutsch-Iranerin auch die menschlichen Seiten sprechen lassen. Von 2015 bis 2020 berichtete sie aus dem ARD-Studio in Teheran, das sie auch leitete, und produzierte unter schwierigsten Bedingungen Reportagen, die weder die Stereotype bedienen, die im Westen über den Iran im Kopf herumgeistern, noch dem Bild entsprechen, das die Propagandamaschine der Regierung zeichnet. Dadurch brachte sie sich immer wieder in Schwierigkeiten: Sie wurde bedroht, verhaftet, ihr wurde der Presseausweis entzogen oder sie wurde gar an der Ausreise gehindert. Zurück in Deutschland, moderiert sie den «Weltspiegel» in der ARD und schreibt. Ihre Bücher, eine Mischung aus persönlichen Erlebnisberichten und politischer Analyse, sind Bestseller.

WOMEN IN BUSINESS: Sie mussten 2020 Ihren Posten in Teheran aufgrund der aktuellen Gefährdung Ihrer Sicherheit aufgeben und kehrten nach Deutschland zurück. Was geht in Ihnen heute vor, wenn Sie die blutigen Proteste aus der Ferne verfolgen?
Natalie Amiri: Es ist schrecklich. Ich brauche es, vor Ort zu sein, um meine Arbeit als gerechtfertigt zu sehen. Ich möchte mit den Menschen sprechen, mittendrin sein, selbst wenn dies bedeutet, mich Gefahren auszusetzen. Mir gaben aber viele Menschen in meinem Umfeld zu bedenken, dass ich mundtot gemacht worden wäre, wenn ich in den letzten Monaten vor Ort geblieben wäre. Heute schaltet das Regime jede Stimme aus. Von hier konnte ich sehr viel mehr seit den Protesten über das Unrechtsregime und seine brutalen Vorgehensweisen berichten, ohne dass ich daran gehindert worden wäre. Ich konnte lauter sein.

Hunderttausende von Menschen kommen als Flüchtlinge vom Osten nach Westen auf der Suche nach einem besseren Leben. Sie sind in München geboren und aufgewachsen, aber machten den umgekehrten Weg und lebten über fünf Jahre im Iran. Was war Ihre Antriebsfeder, im Iran zu arbeiten?
Ich bin getrieben davon, zu zeigen, wie es den Menschen ausserhalb unseres eurozentristischen Dunstkreises geht, und zudem, welche Folgen sie auch durch unsere Politik ertragen müssen. Eine junge Frau, die während der Proteste für mehrere Tage in einem Gefängnis gefoltert wurde, sagte mir: «Wenn Ihr wegseht, dann bringen sie uns alle um». Meine Arbeit hat in Ländern wie Iran, Afghanistan, Syrien eine Bedeutung. Im Iran dürfen die Menschen ihre Meinung nicht äussern, es gibt keine Pressefreiheit. Jede und jeder, der für sie ein Sprachrohr ist, dient ihrem Überleben.

Foto: Markus C. Hurek

…weiter zu lesen im Magazin WOMEN IN BUSINESS 02/2023.
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Die erfolgreichste Forscherin der Schweiz

Posted by Ambra Spiller

Sie ist der weibliche Teil des Power-Ehepaars Clozel, das in den letzten Jahren die Schweizer Pharmabranche mitgeprägt hat. Martine Clozel hat nach ersten Berufsjahren in der Forschung bei Roche die beiden Pharmaunternehmen Actelion und Idorsia mitgegründet. Ans Aufhören denkt die 67-Jährige noch lange nicht.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Clozel, Sie sind in der Öffentlichkeit bekannt als Wissenschaftlerin und Unternehmerin, die zusammen mit ihrem Mann die Schweizer Pharmaunternehmen Actelion und Idorsia gegründet hat. Doch wie sah Ihr Leben davor aus?

Martine Clozel: In Nancy, im Nordosten Frankreichs, wo ich geboren wurde, habe ich nach dem Abschluss des Gymnasiums an der dortigen Universität ein Medizinstudium in Angriff genommen. Relativ schnell wurde mir aber klar, dass ich nicht einfach «nur» Ärztin sein wollte. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber mir war es wichtig, auch die Mechanismen von Krankheiten zu verstehen. Deshalb begann ich mich für die Forschung zu interessieren und habe auch noch Biologie und Physik studiert, um die Forschung auf die Medizin anwenden zu können. Diese Erweiterung hat mein Berufsleben stark und nachhaltig beeinflusst. Ausserdem habe ich in jener Zeit auch meinen Mann, den Kardiologen Jean-Paul Clozel, kennengelernt.

Wie ging der Berufseinstieg vonstatten?
Nach dem Studium ging ich noch für ein Jahr an die Universität in San Francisco, um mich vor allem im Bereich der Forschung und des Schreibens von Studienprotokollen sowie von wissenschaftlichen Publikationen weiterzubilden. Zurück in Frankreich war ich dann eine Zeit lang Assistenzprofessorin in der Neonatologie. Ich begleitete unter anderem die Geburt von Fünflingen. Das war eine
Sensation, da dies die erste Geburt von Fünflingen in Frankreich war und alle fünf überlebten. Sogar das Wochenmagazin Paris Match berichtete darüber.

Welcher Weg führte Sie schliesslich in die Pharmabranche?
Zur gleichen Zeit gründete ich mit meinem Mann zusammen ein Forschungslabor. Wir wollten begreifen, wie Krankheiten entstehen und Behandlungen dagegen entwickeln. 1987 wechselten wir beide in die Pharmabranche zu Roche nach Basel, und ich war dort als Wissenschaftlerin in der Forschung tätig. Diese Arbeit gefiel mir auf Anhieb sehr gut, denn mit einer bahnbrechenden Entdeckung kann man potenziell tausenden von Menschen helfen, während man als Hausärztin grundsätzlich nur einen Patienten zur gleichen Zeit behandelt.

Zehn Jahre später wagten Sie mit Ihrem Mann zusammen den Schritt in die Selbstständigkeit. Was führte dazu, die Komfortzone und einen sicheren Arbeitsplatz aufzugeben und selbst ins Risiko zu gehen?
1997 entschieden wir uns zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern, Roche zu verlassen und in Allschwil die neue Firma Actelion zu gründen. Hintergrund dieser Entscheidung war der Umstand, dass Roche die Entwicklung eines Medikaments gegen Herzinsuffizienz, an dem mein Mann und ich arbeiteten, einstellen wollte. Wir haben beide allerdings fest an dieses Projekt geglaubt und wollten die Forschung fortsetzen. Für uns war das ein riskanter sowie ehrgeiziger Entscheid und ein sehr grosser Schritt, den wir aber nie bereut haben. Anfänglich waren wir Generalisten und machten alles selbst. Aber wir hatten eine gute Einstellung, glaubten an uns und waren voll motiviert. In den Jahren nach der Gründung von Actelion konnten wir das Medikament erfolgreich weiter bringen. Dieses entfaltete seine Wirkung zwar weniger gegen Herzinsuffizienz, sondern vielmehr gegen pulmonale arterielle Hypertonie und entwickelte sich zu einem grossen Erfolg für Actelion und für die Patienten.

Wie beurteilen Sie rückblickend diese Gründer- und Wachstumszeit?
Das Unternehmen entwickelte sich sehr gut und war ausserordentlich erfolgreich. Im Verlaufe der 20 Jahre konnten wir für fünf Medikamente eine Marktzulassung erhalten und unsere Produkte erfolgreich zu den Patienten bringen. Auch die Mitarbeiterzahl stieg stetig an. 2017 waren mehr als 2500 Mitarbeitende bei Actelion beschäftigt. Rund die Hälfte davon waren Frauen. In vielen Niederlassungen im Ausland war der Posten des General Managers mit Frauen besetzt. So zum Beispiel unter anderem in Frankreich, Österreich, Griechenland, Polen oder Mexiko.

Welche Rolle spielten damals Themen wie Lohngleichheit, Geschlechterfragen oder Frauenförderung? Gleichberechtigung, gleiche Löhne für gleiche Arbeit und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis waren uns immer wichtig und sind es heute noch. Für unsere Bemühungen und Errungenschaften in der Frauenförderung wurde Actelion mit einem Preis ausgezeichnet. Das Preisgeld spendeten wir unserer Standortgemeinde Allschwil, damit sie Kinderkrippen einrichten konnte. Actelion betrieb selbst eine Krippe für 45 Kinder von Mitarbeitenden, was sich sehr lohnte, denn viele gute Mitarbeitende entschieden sich nicht zuletzt deshalb für uns.

Gleichwohl veräusserten Sie Actelion und gründeten Idorsia. Wie kam es dazu und wie ist die neue Firma ausgerichtet?
Im Jahr 2017 kaufte Johnson & Johnson die Actelion, was eigentlich nicht geplant war. Wir hätten weiter innerhalb der neuen Struktur forschen können, aber weil unsere Forschungsabteilung in dieser grossen Firma verloren gegangen wäre, einigten wir uns, die Forschungsabteilung von Actelion abzuspalten. Wie schon vor 20 Jahren gründeten wir eine neue Firma, Idorsia, die auch in Allschwil ihren Hauptsitz hat. Im Unterschied zu Actelion mussten wir mit Idorsia nicht bei null angefangen. Gestartet waren wir mit rund 650 Mitarbeitenden. Heute beschäftigt Idorsia mehr als 1300 Mitarbeitende, wovon etwa 45 Prozent Frauen sind. Unser Kern ist immer noch die Forschung und Entwicklung, aber mittlerweile haben wir schon zwei neue Medikamente auf den Markt gebracht: eines gegen zerebrale Gefässspasmen in Japan und eines gegen Schlafprobleme, das bereits in den USA und den ersten Ländern in Europa erhältlich ist und voraussichtlich auch bald in der Schweiz verfügbar sein wird.

Woher nehmen Sie Ihre Motivation, als Forscherin und als Unternehmerin zu funktionieren?
Die Innovationskraft unseres Wirkens und die Leidenschaft für die Forschung treiben mich tagtäglich an. Es gibt nichts Befriedigenderes, als zu forschen und die besten Medikamente zu entwickeln. Das ist auch für unsere Mitarbeitenden motivierend. Wir verstehen uns als eine familiäre Firma mit einer tollen Kultur. Alle setzen sich für Idorsia ein, was auch ein Grund für unseren Erfolg ist. Forschung ist kein einfaches Feld, vor allem wenn man etwas ganz Neues machen will. Da kann man nur im Team erfolgreich sein und auch die Vielfalt spielt eine wichtige Rolle. Bei uns arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Herkünften, Hintergründen und Nationalitäten.

Sie haben für Ihre eigenen Unternehmen jeweils die Schweiz als Standort gewählt. Was gab den Ausschlag
dafür?

Die Schweiz ist ein guter Standort, um die besten Talente in der Pharmabranche zu bekommen. Insbesondere natürlich die Region Basel. Auch die Nähe zu den Grossunternehmen wie Roche und Novartis ist wichtig. Und doch ist da auch genug Raum für Startups und kleinere Firmen. Wir haben auch gerne Studenten, Praktikanten und Post Docs bei uns, um sie an die Forschung heranzuführen und ihnen zu zeigen, wie unsere Branche funktioniert. Ausserdem bieten wir interne und externe Weiterbildungsprogramme an.

Die Pharmabranche gilt als sehr international. Wie setzt sich die Belegschaft von Idorsia zusammen?
An unserem Hauptsitz in Allschwil brauchen wir Spezialisten aus aller Welt, weshalb unser Team besonders international zusammengesetzt ist. In den einzelnen Ländereinheiten gibt es hingegen mehr lokale Mitarbeitende, da sie den jeweiligen Markt gut kennen müssen. Weltweit kommen unsere Mitarbeitenden aus 43 Nationen. Wir möchten als Firma in dieser Beziehung ein Vorbild sein und für alle die gleich guten Arbeitsbedingungen anbieten. So fördern wir zum Beispiel die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern.

Im Jahr 2022 haben Sie den Prix Suisse der Initiative Schweiz gewonnen, der jährlich an eine Person vergeben wird, die «herausragende Leistungen für die Schweiz» erbracht hat. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?
Ich wurde für meine Tätigkeit in der medizinischen Forschung und für die Entwicklung verschiedener neuer Medikamente geehrt, was mich sehr gefreut hat. Besonders berührt hat mich, dass ich als Frau, als Forscherin und als Unternehmerin ausgezeichnet wurde. Die Preisverleihung im Kursaal Bern habe ich als angenehm und einzigartigen Abend in Erinnerung. Auf die Auszeichnung bin ich sehr stolz, und ich hoffe, dass ich für andere Frauen ein gutes Beispiel sein kann. Im gleichen Jahr haben mein Mann Jean-Paul und ich auch noch die Ehrendoktorwürde der Philosophisch- Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel verliehen bekommen. Auch diese Wertschätzung war eine grosse Ehre, vor allem, weil sie zum ersten Mal überhaupt einem Ehepaar zuteilwurde.

Wie hat sich in den letzten Jahrzehnten die Situation für Frauen im Berufsleben verändert? Und wie unterstützen und fördern Sie bei Idorsia diese Entwicklung?
Die Zeiten haben sich seit meinem Studium und meinen Anfängen im Berufsleben stark geändert. Heute ist es einfacher, als Frau eine Berufskarriere zu starten und diese mit einer Familie in Einklang zu bringen. Das vielfältige Krippenangebot und die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit haben entscheidende Vorteile für Frauen, aber auch für die Gesellschaft gebracht. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass Frauen mit Kindern nach einer Elternzeit in den Job zurückkehren können. Bei Idorsia sind wir darum bestrebt, für Familien möglichst gute Bedingungen zu schaffen, in dem wir zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle anbieten und Homeoffice ermöglichen. ★

MARTINE CLOZEL
Die 1955 in Nancy geborene und heutige französisch-schweizerische Doppelbürgerin Martine Clozel ist Ärztin, Forscherin, Wissenschaftlerin, Gründerin und Unternehmerin. Zusammen mit ihrem Mann Jean-Paul gründete sie 1997 in Allschwil (BL) das Unternehmen Actelion, das sich innert 20 Jahren zum grössten Biotech-Konzern in Europa entwickelte. 2017 wurde das Unternehmen Actelion für 30 Milliarden Dollar von der Johnson & Johnson gekauft. Einzig die Forschungsabteilung für die Entwicklung von Medikamenten behielten sie und gründeten eine neue Firma: Idorsia. Martine Clozel ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und wohnt in der Region Basel.

IDORSIA PHARMACEUTICALS LTD
Idorsia ist ein unabhängiges biopharmazeutisches Unternehmen mit Sitz in Allschwil (BL), das auf die Entdeckung, Entwicklung und Kommerzialisierung innovativer Medikamente spezialisiert ist. Die Firma verfügt über ein breites, diversifiziertes und ausgewogenes Portfolio, das mehrere Therapiegebiete abdeckt. Das Portfolio umfasst gegenwärtig zwei vermarktete Produkte und mehr als zehn Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung. Über 1300 Fachleute sind weltweit bei Idorsia beschäftigt. Das Unternehmen ist an der SIX Swiss Exchange kotiert.

Im Gespräch mit Kathrin Eckhardt

Posted by Ambra Spiller

Sieben Jahre ist es her, dass Kathrin Eckhardt nach Ghana reiste, ohne Plan. Daraus ist das Kathrin Eckhardt Studio entstanden, ihr eigenes Label mit ihren Designs, die lokale Handwerkerinnen und Produzenten für sie umsetzen. In Ghana lernte sie auch ihren Mann kennen, seit Dezember sind die beiden Eltern und leben in Zürich. Eine grosse Veränderung. Aber nicht die einzige. Doch der Reihe nach.

WOMEN IN BUSINESS: Kathrin, womit hat das Leben angefangen, das Sie führen?

Kathrin Eckardt: Mit meiner Maturaarbeit. Ich habe ein Modeheft über Zürich gemacht. Dafür habe ich mit vielen Leuten gesprochen, was letztlich dazu geführt hat, dass im Stilbund der NZZ am Sonntag einen Job bekommen habe, ohne danach gesucht zu haben oder eine journalistische Ausbildung zu haben. Da ist mir das erste Mal so richtig bewusst geworden, zu was ich fähig bin, wenn ich etwas aus Leidenschaft mache. Ich habe während dem Studium dort weiter gearbeitet, mit jedem Jahr mehr Verantwortung übernommen und am Ende Shootings von A bis Z gemanagt. 2009 wechselte ich in den Gesellschaftsbund und lernte schreiben. Als ich im Zug der Medienkrise keine Festanstellung bekam, habe ich mich selbstständig gemacht und unter anderem für grosse Werbekunden wie Nike, Ikea und Jelmoli gearbeitet.

Das hat Ihnen gefallen?

Anfangs sehr, irgendwann wurde es eintönig und mir hat die Kreativität gefehlt. Zudem ist die Werbebranche ein recht patriarchales System. Mich hat das angefangen zu stören. Auch mit dem hohen Materialverschleiss für ein einziges Bild hatte ich immer grössere Mühe.

Deshalb sind Sie nach Ghana?

Ich habe einen Mann kennengelernt, der ganz zu Beginn unserer Begegnung sagte, er gehe nach Ghana, er habe dort ein Projekt. Der Gedanke hat mich fasziniert, sofort hat meine Intuition gesagt, ich solle mitgehen. Also bin ich mit.

Heisst, Sie waren bereit für etwas ganz Neues und haben etwas sehr Anderes ausgewählt.
Ich war am Anfang auch total verloren. Dort ist alles anders als hier. Es gab nichts, woran ich mich hätte halten können.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Da ich erst einmal in die Gesellschaft reinkommen musste, habe ich angefangen, oft in der Stadt unterwegs zu sein mit dem Taxi, auch um zu lernen, wie die Stadt organisiert ist. Und so habe ich die Handwerkskünste entdeckt, die so gut zu meiner Liebe und meinem Flair für Ästhetik passen. Anfangs habe ich Sachen eingekauft, in die Schweiz gebracht und geschaut, was wie läuft. Es lief ganz gut und ich habe dann damit begonnen, mein eigenes Label aufzubauen, mit meinen Designs.

Wer hat es umgesetzt?

Bevor ich meine eigene Stoffkollektion inklusive Kleider nach Zürich brachte, das war 2017, habe ich einmal nur Stoffe importiert, die waren aber nicht von mir. Die alleine haben sich kaum verkauft. Deshalb habe ich sie vernäht, zu einfachen Kimonos und Wickelröcken. Das lief gut und ich wusste, das hat Potenzial. Ich habe Kunsthandwerker gesucht für meine eigenen Designs, erst für Stoffe, dann auch für eigene Körbe. Je mehr ich in die Kultur hineingekommen bin, desto mehr Kunsthandwerker habe ich kennengelernt, desto mehr Produkte sind es geworden.

Die westafrikanische Kultur unterscheidet sich sehr von der europäischen. Hatten Sie da keine Probleme?

Es gab sehr viel zu lernen für mich. Die ghanaische Ästhetik war sehr anders als meine. Gerade Schnitte? Werden dort kaum getragen. Meine Farbkombis waren zu wenig farbig. Anfangs konn- ten die Handwerker meine Ästhetik nicht verstehen und es gab Widerstand. Ich habe lange gesucht, bis ich ein Team gefundenhatte, das offen war und meine Art, die Dinge zu machen, auch verstand. Ich habe meine Teams einige Male gewechselt bis dahin. Meine Ideen waren für viele Handwerker total abstrakt, da sie keine Berührungspunkte haben mit dem Schweizer Markt.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Handwerkern?

Am Anfang, als ich die Missstände in Ghana sah, war ich beseelt davon, etwas zur Linderung beizutragen, etwas Sinnvolles und Nachhaltiges anzustossen für die Menschen dort. Das hat sich in den sieben Jahren geändert. Am Anfang hatte ich das Typische Westler-Syndrom, dachte, ich müsse die Situation der Menschen dort mit einer Möglichkeit zum Arbeiten verbessern. Kein guter Ansatz, um nachhaltig Geschäfte zu machen! Es gab viele Geschichten, die für mich schwierig und enttäuschend waren. Mein Learning: Ich habe meine Einstellung und mein Vorgehen verän- dert, habe mein Geschäft auf Augenhöhe mit den Handwerkern aufgebaut, und zwar so, dass es für alle Beteiligten stimmt. Da hat es angefangen zu funktionieren, ich zog die richtigen Leute an, solche, die auch ernsthaft zusammen weiterkommen wollten und gute Arbeit ablieferten. Heute sind wir ebenbürtige Partner.

Wie viele Leute arbeiten für Sie?

Es sind vier Teams und rund 18 verschiedene Handwerker, die für mich gearbeitet haben. Ich habe in meinem Studio zwischen 600 und 800 Körbe pro Jahr verkauft zudem Möbel wie Stühle und Bänke und Kleider, es war eine One-woman-Show, ich habe alles selber gemacht vom Design über das Marketing bis zur Logistik. Meine Produkte habe ich zum allergrössten Teil online und in meinem Studio verkauft. Auf Zwischenhandel habe ich verzichtet. Der kostet viel und braucht viel Zeit.

Sie sind im Dezember Mutter geworden, sprechen in der Vergangenheitsform. Haben Sie aufgehört mit Ihrem Business?

Ich habe Kathrin Eckhardt Studio vorerst auf Eis gelegt. Um meinem zweiten Business mehr Raum zu geben und dies weiter zu entwickeln und Zeit für meine Familie zu haben.
Und was wird das Neue?

Channeling und Energiearbeit, ich habe 2019 damit angefangen, rausgegangen damit bin ich 2021.

Was ist das?

Ich berate Menschen, währenddem ich in Verbindung bin mit der geistigen Welt, dem Verborgenen, den Energien um uns, die wir nicht sehen, sehr wohl aber spüren können. Für mich ist das an sich nichts Neues, ich kenne das schon lang. Was dem jetzt noch mehr Aufmerksamkeit gibt, ist, dass ich gerade in der Pandemie immer mehr Mühe damit hatte, dass ich nur Geld verdienen kann mit einem physischen Produkt und das in einer Welt, in der es viel zu viele Produkte gibt. Das ist das eine. Das andere ist, dass ich versuche, in meinem Leben dahin zu gehen, wo meine Inspiration ist. Derzeit ist das, mit meinem Fähigkeiten andere zu unterstützen.

Mit der geistigen Welt in Kontakt treten heisst also Channeling. Kann man das lernen?

Ich hatte die Fähigkeit einer hohen Intuition schon immer. Das war schon als Kind so. Das ist dann recht in den Hintergrund getreten für lange Zeit. In Ghana habe ich dazu wieder den Zugang gefunden. 2019 habe ich dann eine Channeling-Ausbildung gemacht.

Und was gelernt?

Meinen Kanal bewusst ein- und auszuschalten und eine klare Kommunikation mit der geistigen Welt zu haben. Es gibt verschiedene Techniken und Tools, die mir helfen, meine Fähigkeit zu verstehen und damit zu arbeiten.

Klingt ziemlich abgespaced.

Ich weiss. Damit raus zu gehen, hat Mut gekostet. Ich, die Designerin und Geschäftsfrau, biete plötzlich etwas an, wovor viele Leute grossen Respekt haben.

Warum gehen Sie damit überhaupt in die Öffentlichkeit?

Mir selbst hat das sehr viel gebracht und das möchte ich weitergeben.

Können Sie etwas konkreter werden?

Ich kann den Körper und Menschen energetisch lesen. Verstehe ihre Veranlagungen und Problematiken und wir können diesen in der Session auf den Grund gehen. Blockaden können gelöst und Traumas aus der Sicht der geistigen Welt angeschaut werden. Channeling bedeutet, dass die universelle Energie durch michfliesst und mir die Informationen gibt, die ich für die Session brauche, um die Person bestmöglich zu unterstützen. Ich habe nicht die Perspektive einer Psychologin oder eines Psychiaters, sondern die der geistigen Welt. Das ist nochmals eine ganz andere Sichtweise auf uns, eine sehr wertvolle und hilfreiche.

Helfen meine Geister Ihnen oder Ihre Geister mir?

Ihre Geister erzählen mir über Sie und sie helfen Ihnen.

Sie lachen!

Ja, das ist etwas sehr, sehr Schönes. Und ich lache auch, weil wenn man das so erzählt, klingt es so salopp und auch etwas verrückt, ist es aber nicht. Wir alle werden geboren mit unseren Geistführern, die sich um uns kümmern und eng mit uns verbunden sind. Allein schon mit ihnen in Kontakt zu kommen, ist für viele Menschen sehr berührend und bereichernd, weil sie wissen, dass sie nicht allein sind.

Wie reagiert denn Ihr Umfeld auf Ihren neuen Beruf?

Sie kennen mich alle als jemand, der mit beiden Füssen auf dem Boden steht und nicht nur in der spirituellen Welt unterwegs ist. Für viele war es nicht überraschend, dass ich das nun anbiete. Die einen sind sehr offen, andere abwartend.

Sehen Sie denn jetzt meine Geister?

Dafür müsste ich mich erst mit Ihnen verbinden. Und ich müsste mich eintunen.

Eintunen?

Ja, ich habe gelernt, mich ein- und auszutunen. Sonst hätte ich immer diese Infos, wäre immer davon umgeben. Mir ist es sehr wichtig, sehr klar zu trennen. Ich sehe mich als Verbindung zwi- schen ihnen und dieser Realität.

Gibt es so etwas wie eine generell gültige Aussage zu den Geistführern, die um jeden Menschen herum sind?

Ja, sie sind pures Wohlwollen und voller Liebe für uns. ★

Wenn Kunst sich mit Entspannung verbindet

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Ann Demeester will als neue Direktorin des Zürcher Kunsthaus das Haus öffnen, der Kunst vermehrt auch gesellschaftliche Fragen stellen und neue Besucherschichten anlocken. Mit ihren Visionen weckt die Belgierin hohe Erwartungen.

Eine Frau wird in die oberste Führungsetage eines der wichtigsten Schweizer Kunstmuseen geholt und ist fest entschlossen, das Haus zu öffnen, kritische Fragen zu stellen, neue Besucher zu holen. Sie will neue Wege gehen, wie mit Kunst mit teilweise fragwürdiger Provenienzgeschichte – Stichwort Sammlung Bührle, Nazi-Fluchtkunst – umgegangen wird. Sie will den Kanon neu präsentieren. Sie will auch Leute mit Migrationshintergrund und Expats ins Haus locken oder Leute, die mit Kunst nichts zu tun haben.

Der frische Wind, der durch die erlauchten Hallen des Chipperfieldbaus (und auch des alten Kunsthauses) wehen soll, ist bereits zu spüren, wo immer die belgische Literaturwissenschafterin und Museumsfrau mit den langen braunen Haaren anzutreffen ist; in zahlreichen Presseinterviews, in denen ihr frischer Blick zu spüren ist (und für die sie auch einmal ein Modeshooting vor ausgesuchter Kunst absolviert) oder an Podiumsgesprächen.

Am traditionellen Neujahrsmeeting des Tages-Anzeigers in Zürich überraschte sie die Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur mit ihrem ungewohnten Zugriff auf Kunst, Witz und Charme. Eines ihrer Lieblingsthemen scheint zu sein, welch positiven Effekt Kunst und Kreativität in überraschenden Settings haben können. Sie erzählte davon, wie in den USA bei Medizinstudierenden und bei der Polizei Kunstbetrachtung in die Schulung integriert wird. Für Demeester geht die Funktion von Kunst weit über ihre Rolle als Selbst – bestätigung für ein elitäres, bildungsbürgerliches Publikum hinaus. Sie attestiert Kunst geradezu heilende Eigenschaften. Auch in den Arbeitsalltag im Kunsthaus bringt sie frischen Wind. Mit ihrer nahbaren Art motiviert sie ihre Mitarbeiter neu; sie organisiert Teamsitzungen, bringt Teilnehmer aus verschiedensten Abteilungen zusammen und bricht Kästchendenken auf.

Demeester ist eine Changemakerin, die etwas riskieren will. Im Herzen des kulturellen Zürichs denkt eine Belgierin über nichts weniger nach, als wie das Kunsthaus eine neue Rolle in der Gesellschaft einnehmen kann.

WOMEN IN BUSINESS: Sie sind Belgierin, sind im Juli von Holland in die Schweiz gezogen. Wie arbeitet man sich in eine neue Mentalität und Kultur ein?
Ann Demeester: Mit profundem Desk Research und mit vielen Gesprächen. Anders als ein Expat, der mit einem Welcome-Paket empfangen wird, muss sich das bei mir als organischer Prozess entwickeln. Mir war wichtig, viel Historisches zu lesen, wobei sich viel auf die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs konzentriert hat, auch wegen der Diskussion um die Impressionisten-Sammlung von Emil Bührle, die wir als Leihgabe im Haus haben. Ich las vom «Handbuch der neuen Schweiz» über ein Kinderbuch über Schweizer Geschichte bis zu Fachbüchern wie «Kunst, Krieg und Kapital» und «Das kontaminierte Museum». Während man als Einheimische über viel unbewusstes Wissen verfügt, muss ich mir vieles erst aneignen. Für mich ist jeder Tag eine Lernkurve.

Wie fremd kommt Ihnen denn Ihr neuer Arbeits- und Wohnort vor?
Das Ausländerdasein bin ich gewohnt. Ich war ja als Belgierin schon in Holland Ausländerin. Ich weiss, wie es ist, sich auf eine vollkommen andere Kultur einzulassen. Ich sage immer, Belgien ist ein Patchwork aus verschiedenen Kulturen, wo man wie in einer WG zusammenlebt. Man teilt sich vielleicht Küche und Badezimmer, aber nicht mehr. Das ist vielleicht ähnlich wie in der Schweiz. Das hilft mir, mich hier einzuleben.

Sie sind weder in einem kunstaffinen Haus aufgewachsen, noch haben Sie Kunstgeschichte studiert. Wie wird man trotzdem Direktorin eines Kunstmuseums?
Ich hatte keinen Plan. Mein Weg entwickelte sich organisch, indem ich immer meine Interessen verfolgte, und ich das Glück hatte, dass sich Chancen ergaben. Meine Eltern waren zwar nicht kunstaffin, aber ich bin in einem Bildungssystem aufgewachsen, das mir viel Kultur bot. Ich wusste lange nicht, was ich machen wollte, aber ich war ein Bücherwurm und interessierte mich für das Reich der Fiktion, die parallele Realität der Imagination. Die habe ich dann in der Literatur und im Theater gefunden, aber auch in der Kunst und im Tanz.

Was interessiert Sie daran?
Mich faszinieren Parallelwelten. Darin machen Künstler Vorschläge, wie man die tägliche Realität anders sehen kann. Ich schloss dann ein weiteres Studium in Cultural Studies an und arbeitete ein paar Jahre als Literaturjournalistin, schrieb aber zunehmend auch über Kunst. Eines Tages rief mich dann Jan Hoet, der Direktor des SMAK-Museums an und fragte, ob ich seine Assistentin werden wollte. So rutschte ich in die Museumswelt hinein und begann, zu kuratieren.

Museumsarbeit setzt sich aus vielen verschiedenen Disziplinen zusammen. Welche gefällt Ihnen am besten?
Was ich am meisten liebe, ist die Vermittlung der Kunst. Das Management macht zwar jetzt 80 Prozent meiner Arbeit aus, aber mein Ziel bleibt es, Begeisterung für die Kunst zu wecken. Ihr Spezialgebiet an der Universität war postkoloniale englischsprachige Literatur in Indien. Die postkoloniale Sichtweise, damals eher ein Nischenthema, ist heute im Brennpunkt vieler Diskussionen, auch in der Schweiz. Das stimmt. Dieses Studium hat bei mir denn auch den Blick früh dafür geschärft, dass wir uns als Europäerinnen und Europäer unseres eurozentrischen Blicks bewusst sein müssen. Es geht nicht um Schuld. Es geht darum, dass man dieses Bewusstsein hat, dass die Kolonialgeschichte uns nicht nur geprägt hat, sondern dass dieses imperiale Denken nach wie vor vorhanden ist. Dieses Bewusstsein musste ich mir nicht erst jetzt frisch anlernen, sondern war für mich früh schon eine natürliche Haltung, die in meine Ausstellungspraxis immer hineingespielt hat.

Als Direktorin am Frans Hals Museum stellten Sie die niederländischen Meister in den Kontext von Kolonialismus. Welche Kontexte gäbe es denn in Zürich, der Schweiz zu untersuchen?
In Holland habe ich zeigen wollen, dass das vielbeschworene «Goldene Zeitalter» niederländischer Kunst nur mit Kolonialismus, Sklaverei, aber auch Handel entstehen konnte. Wenn Holland kein Imperium gewesen wäre, sähe man auf Stillleben nur Käse, Äpfel und Milch, und kein Porzellan, keine persischen Teppiche und exotischen Pflanzen! In der Schweiz fasziniert mich, welche Rolle die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs gespielt hat und, breiter gefasst, was Neutralität in der Vergangenheit und heute bedeutet. Mit der Sammlung Bührle haben Sie ein gutes Beispiel, an dem sich diese Frage aufarbeiten lässt. Mit dieser Sammlung sind viele komplexe und umstrittene Themen verknüpft, die aber gleichzeitig eben auch viel über das Selbstverständnis der Schweiz aussagen. Der Umgang mit der Sammlung Bührle provozierte einen Skandal, aber ich sehe sie eben auch als eine Möglichkeit, bei historischen und gesellschaftlichen Themen anzuknüpfen. Ich finde nicht, dass Kunst damit nichts zu tun hat. Kunst hat sehr viel damit zu tun, und Bührle ist ein Pars pro Toto. Es geht um Waffenhandel mit den Nazis, aber auch darum, dass ihn der Schweizer Staat ermöglicht und wirtschaftlich sogar davon profitiert hat, obwohl er neutral war. Das ist ein relevantes Thema, das auch das Kunsthaus angehen muss. Mit dem im Hinterkopf machen wir in diesem Jahr eine neue Ausstellung.

Schweben Ihnen weitere Themen vor, die in einem gesellschaftlichen Bezug stehen?
Ja, zum Beispiel das Thema der Neutralität. Was bedeutet sie? Sie ist Teil der nationalen Identität, aber sie ist ein Konstrukt. Was bedeutet sie in der heutigen Welt, wie wird sie in der Kunst reflektiert? Eine weitere Baustelle nicht nur am Zürcher Kunsthaus ist die Repräsentanz von Frauen in Sammlungen und Ausstellungen. Am Zürcher Kunsthaus wurden nur elf Prozent der Sammlung von Künstlerinnen geschaffen, und es gab in vielen Jahren nur einen Bruchteil von Einzelausstellungen, die Frauen gewidmet waren.

Es gibt doch jetzt auch viele Neuentdeckungen und Neuevaluierungen?
Ja, überall werden jetzt auch historische weibliche Positionen neu entdeckt. Wir werden nächstes Jahr zum Beispiel Suzanne Duchamp in einer kleinen Präsentation zeigen. Aber jede historische Sammlung wird letztlich eine Dominanz von weissen Heteromännern beibehalten, an der man nichts mehr ändern kann. Man kann Figuren neu entdecken, aber auch durch retrospektive Ankäufe lässt sich das Ungleichgewicht nicht mehr ändern. Was die Gegenwartskunst betrifft, haben wir auf ein natürliches Geschlechtergleichgewicht geachtet, ganz ohne Quote, aber als Antwort auf das breite Spektrum an aussergewöhnlichen Künstlerinnen, die wir heute in der Welt sehen. Wir werden auch Künstlerinnen einladen, mit unserer Sammlung in Dialog zu treten, ihr eine andere Stimme entgegensetzen.

Das Museum als Institution hat in den letzten Jahren eine grosse Entwicklung erlebt. Wie sehen Sie seine Rolle?
Idealerweise ist ein Museum für mich ein Zentrum der Neugier. Früher, zur Zeit der Aufklärung, gab es ja diese Wunderkammern, wo – auch imperialistische – Neugier befriedigt wurde. Heute sieht man das Museum nicht mehr nur als Hort von Objekten, sondern auch von Ideen und Erzählungen. Ich betrachte es als unsere Aufgabe, Neugier zu stimulieren und verschiedene Diskussionen anzuregen. Man muss nicht zwangsläufig alles besitzen, sondern es gibt auch andere Formate, etwa Performances oder Debatten. Dabei können wir immer noch ein Bilderpalast sein, aber einer, den wir aufmischen und der durchlässig wird.

In welche Richtung denken Sie da?
Eine Metapher, die hier allerdings nicht so gut aufgenommen wurde, ist für mich ein Tempel auf Bali. Der Tempel wird dort ganz selbstverständlich in den Alltag integriert. Man kommt dorthin, um die Götter zu verehren, aber auch, um die Familie zu treffen, zu essen und zu reden. Dafür, dass das «Castle on the hill» zu einem Zentrum der Neugier umgebaut wird, bedarf es aber viel Arbeit von unserer Seite.

Wenn die Rolle des Museums ändert, streben Sie damit auch andere Besucher an?
Gerade, weil ich nicht aus einer kunstaffinen Familie stamme, liegt mir sehr am Herzen, dass auch Menschen einen Zugang finden, die noch keine Beziehung zur Kunst haben. Ich weiss aber aus Erfahrung, dass man andere Gemeinschaften nicht so leicht erreicht. Wir haben ihnen zwar viel zu bieten, aber sie müssen es auch wollen. Ich wohne in Altstetten, und da gibt es viele Schweizer, deren Familien ursprünglich aus Ex-Jugoslawien stammen. Ich bin gespannt, wie viele von meinen Nachbarn ins Kunsthaus kommen. Es gibt in Zürich viele Secondos, es gibt Expats, die für Unternehmen wie Google arbeiten. Es braucht viel Zeit, herauszufinden, wie man diese verschiedenen Bevölkerungsgruppen erreicht. Es reicht nicht, dass man ihnen nur die Türe öffnet. Es braucht Ideen und spezielle Programme.

Sie wollen die Kunst also vom Sockel holen. Soll sie nicht mehr etwas Spezielles sein?
Sie stellen eine Grundsatzfrage, mit der sich Museen heute befassen müssen. Kunst ist etwas Spezielles, aber sie soll nicht exklusiv sein! Es braucht kein Vorwissen, um der Kunst zu begegnen. Kunst ist nicht nur für Insider. Kunst ist kein Sudoku, das man lösen muss! Ich bin der lebende Beweis dafür. Es geht darum, den Kontakt aufzunehmen und offen zu sein, dann kann jeder mit einem Kunstwerk eine Begegnung haben. Aber man muss sich Mühe geben, offen zu sein, denn ab und zu ist Kunst komplex.

Drehen wir den Uhrzeiger der Zeit ins Jahr 2030. Was wäre Ihre Zukunftsvision für das Kunsthaus? Freies Fantasieren ist erlaubt!
Wenn ich wirklich fantasieren darf, dann wäre mein ideales Kunsthaus mit einem Wellness Center verbunden. Das hört sich idiotisch an, aber wenn man diese Offenheit haben will, von der ich gesprochen habe, dann muss man entspannt sein. Und wo entspannt man sich besser als in einer Sauna oder einem Hammam, wo man auch den Körper trainieren kann? ★



Ann Demeester
Ann Demeester, geboren 1975 in Brügge, ist seit dem 1. Oktober 2022 Direktorin des Zürcher Kunsthauses. Sie studierte Germanistik an der Universität Gent und Kulturwissenschaften an der KU Leuven. Sie arbeitete zunächst als Journalistin und Literaturkritikerin, bevor sie Assistentin des renommierten belgischen Museumsdirek – tors und Kurators Jan Hoet wurde. Unter seiner Leitung kuratierte sie Ausstellungen in Belgien, u.a. im Stedelijk Museum in Gent, wie auch in Deutschland am Marta Herford. 2006 bis 2014 leitete sie das Amsterdamer Kunstzentrum Appel Arts Centre, ab Februar 2014 Direktorin des Frans Halsmuseum / De Hallen in Haarlem.

Aktuelle Ausstellungen im Kunsthaus Zürich:

Foto: © Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

 

 

Leidenschaft ist Pflicht

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Seit über 50 Jahren gehört Tilla Theus zu den profiliertesten Architektinnen. Am 4. Juni wird die Grande Dame der Schweizer Architektur 80. Ans Aufhören denkt die gebürtige Bündnerin aber keineswegs.

Die Bündnerin Tilla Theus studierte Architektur an der ETH in Zürich – zu einer Zeit, als Frauen dort noch die Minderzahl stellten. Gerade einmal acht Prozent der Studierenden am Departement waren damals weiblich. Inmitten der vielen männlichen Kommilitonen und Professoren erlernte die junge Bündnerin Mitte der 1960er Jahre nicht nur ihren Beruf, sondern auch, sich unter Männern durchzusetzen. Für sie ein Ansporn, einen Extra-Effort zu leisten. Das sollte bis heute so bleiben.

WOMEN IN BUSINESS: Tilla Theus, Sie haben sich direkt nach Ihrem Abschluss 1969 als Architektin selbstständig gemacht. Warum haben Sie sich dafür entschieden und war für Sie schon immer klar, dass Sie ein eigenes Büro führen wollten?
Tilla Theus: Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Selbstverantwortung selbstverständlich war. Daher war es für mich immer klar, wenn ich ein Studium mit positiven Resultaten abschliessen kann, dass ich dann auch meine berufliche Verantwortung übernehmen will. Und zwar nicht in diesen Bereichen, in die wir Frauen gerne abgeschoben wurden, zu Projekten wie Küchen, Bädern und Einfamilienhäusern. Ich wollte in einem Massstab arbeiten, der unseren Semesterarbeiten entsprochen hat. Also öffentliche Gebäude, Alters- und Pflegeheime, Hotels und ganze Siedlungen. Zusätzlich war es für mich selbstverständlich, eigenverantwortlich im Team handeln zu können. Dies erwies sich als nicht so einfach, weil meine Mitarbeiter meist älter waren als ich. Das führte dazu, dass mir beim ersten Treffen mit unserer Bauherrschaften der Sekretärinnen-Status zugeteilt wurde mit der Äusserung: «Sie schreiben sicher das Protokoll, Fräulein?»

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau in einem eher männerdominierten Bereich gemacht?
Ich habe vor allem zu Beginn meiner Karriere die Erfahrung gemacht, dass ich, um als Frau in einem technischen Beruf ernstgenommen zu werden, mehr liefern muss als meine männlichen Kollegen. Aber das hat mich nicht gross gestört: Schliesslich ist mein grösserer Einsatz dem Projekt zugutegekommen. Qualität fordert ihren Einsatz.

Ihr Architekturbüro besteht nun seit über 50 Jahren. Was hat sich im Laufe der Zeit verändert? Was ist einfacher und schwieriger geworden?
Unser Studium war und ist hart, sehr hart sogar. Später haben sich im Beruf viele Mitstudenten anders orientiert. Wer dabei blieb, hat diese Leidenschaft für Visionen, die bei dem Menschen, dem Bewohner, sei es in der Stadt, sei es im Quartier oder in einzelnen Gebäuden ein Wohlbefinden auslöst und damit dem Besitzer einen Mehrwert schenkt. Das ist über alle Zeiten identisch geblieben. Die Normen, die Vorschriften, die bauphysikalischen Gedanken und die energetischen Massnahmen haben sich verändert – aber dafür gibt es technische Möglichkeiten, die wir heute einsetzen.

Tilla Theus’ Büro in Zürich ist spezialisiert auf die Projektierung und Ausführung von Neubauten in städtebaulich anspruchsvollem Kontext, auf Umbauten und Sanierungen von denkmalgeschützten Objekten sowie auf Innenarchitektur und Raumdesign. Schon ihr erstes grosses Projekt, das Altersheim von Mollis, war eine Sensation: Tilla Theus, damals 26 Jahre alt und frisch ab Hochschule, gewann den Wettbewerb im Kanton Glarus. In den vergangenen 50 Jahren hat ihr Büro Bauten entworfen und erstellt, die weit über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt haben. Zu ihren wichtigsten Projekten gehört der gut abgeschirmte Hauptsitz des internationalen Fussballverbands FIFA auf dem Zürichberg. Das Bauwerk mit 300 Arbeitsplätzen umfasst zwei Ober- und fünf Untergeschosse mit einer Fläche von 37 400 Quadratmetern – quasi ein Hochhaus unter der Erde. Der von einem gewebeartigen Metallnetz umspannte Glasaufbau scheint überdem zurückversetzten Erdgeschoss zu schweben. Ein millionenschweres Projekt. «Sein Luxus und seine Unzugänglichkeit provozieren den Betrachter», urteilte die Neue Zürcher Zeitung. Für Schlagzeilen sorgte auch das Gipfelrestaurant auf dem Weisshorn, das von Natur- und Landschaftsschützern heftig und lange bekämpft worden war, bis das Bundesgericht sich für den Bau entschied.

Zeitlose Räume zu schaffen, die unzertrennlich mit der Architektur verbunden sind, das ist der grosse Verdienst der Architektin. Wie die Auseinandersetzung mit bestehender Bausubstanz und die sorgfältig austarierte Balance zwischen Alt und Neu das Werk von Tilla Theus kennzeichnen, kann man an zahlreichen Projekten ablesen – von der Revitalisierung des Restaurants Krone in Dietikon/ZH über das glamouröse «Gran Café Motta» in Zürich bis zum Umbau von acht Zürcher Altstadthäusern zum Hotel Widder. Tilla Theus beherrscht die Planung und Ausführung von Neubauten in städtebaulich anspruchsvollem Kontext ebenso wie stilsichere Umbauten und Sanierungen von denkmalgeschützten Objekten. Ihr jüngstes Werk ist das 2022 eröffnete Drei-Häuser-Hotel Caspar in Muri. Im Klosterort verband sie zwei über 500-jährige Gasthäuser – die Gasthöfe Adler und Ochsen – mit einem Neubau zu einem starken Ensemble. Aussergewöhnliche Handwerkskunst und der Blick fürs Detail prägen das neue Hotel.

Sie bauen leidenschaftlich gern historische Gebäude um. Was hat Sie besonders fasziniert am Auftrag für das Hotel Caspar in Muri?
Für mich war es eine spannende Aufgabe, nach vielen Umbauten in Zürich einmal nicht in einer städtischen Umgebung zu bauen. Muri als Klosterort ist ein Zwitter zwischen Stadt und Land. Das kulturelle Angebot ist in der kleinen Aargauer Gemeinde sehr hoch, die Gemeinde ist eng verknüpft mit dem bald tausendjährigen Benediktiner-Kloster. Für die private Bauherrschaft, vier alteingesessene Murianer, war der Bau des Hotel Caspars eine Herzensangelegenheit. Sie wollten Muri etwas zurückgeben. Das gab für mich als Architektin eine ganz andere Herangehensweise an das Projekt.

Inwiefern?
Ich verstehe die Bauherrschaft als Sparringspartner. Ich lege während des ganzen Bauprozesses grossen Wert auf einen Dialog auf gleicher Augenhöhe. Bauherrschaft und Architekt müssen sich Vertrauen schenken. Wir erziehen uns gegenseitig, aber ich bin mit den Jahren auch nachgiebiger geworden.

Sie kämpfen aber auch um Ihre Ideen.
Natürlich. Gerade über meine Idee, die Wandbemalung im Gastraum des «Adlers» mit einem Punktraster zu überfassen, war die Bauherrschaft zunächst gar nicht begeistert. Wir beziehen uns auf die Stiche des Malers Caspar Wolf: Die Bauherrschaft hatte eine Mappe mit alten Stichen des Künstlers gekauft. Im Kloster gibt es ein kleines Caspar-Wolf-Museum. Wir wollten aber nicht die Bilder einfach 1:1 übertragen und malen. So kamen wir auf die Idee, sie hochzuskalieren und auf Leinen zu malen. Das fand Anklang bei der Bauherrschaft. Was für sie fremd war: mein Vorschlag, einen Punktlayer über die Malerei zu legen, um diese mit dem Heute zu verknüpfen. Erst das grossformatige Punktemuster macht die Malerei nicht kitschig, sondern modern und zeitgemäss. Die Bauherrschaft kam für die Schlussbesprechung extra aus den Skiferien. Und gemeinsam wurde nach Diskussionen erkannt, dass die Verfremdung durch den Punkteraster zwingend sei.

Was ist bei Ihrer Spezialisierung auf die Verbindung zwischen Alt und Neu die grösste Herausforderung?
Es gibt ganz verschiedene Arten mit Alt und Neu umzugehen, zum einen Alt mit Neuem historisierend ergänzen, zum anderen Alt und Neu in Gegensatz zu stellen und dann noch Alt und Neu so zu verweben bzw. zu verschleifen, dass etwas anderes entsteht und weder das Alte noch das Neue ablesbar bleibt.

Wie gehen Sie da heran?
Wir versuchen zunächst den Geist des Baus zu erfassen. Wir gehen den Spuren der Geschichte nach – wie Detektive. So offenbart uns der Bau seine Geheimnisse und welche Veränderungen für ihn möglich sind. Nach dieser Recherche studieren wir die Bedürfnisse der künftigen Nutzer und übertragen diese in die Zukunft. Im Hotel Caspar gibt es eine ganze Palette, wie man mit Alt und Neu umgehen kann.

Wie im Gastraum des «Ochsen».
Der Gastraum mit den zwei Stuben ist vielfach umgebaut worden. Dort trafen die 1940er auf die 1980er Jahre, aus jeder Zeit haben wir Teile übernommen. So haben wir etwa die Rasterdecke aus den Achtzigerjahren in den Raum mit den furnierten Spanplatten aus den Vierzigerjahren integriert, während in der anderen Stube neu gestaltete Wandpaneele nach altem Muster eingefügt worden sind. Als Vorlage diente uns ein zufällig unter vielen Schichten entdecktes Tapetenstück.

Hochskalieren und Verfremden ist eine Stilübung, die Sie gern verwenden. Trompe-l’oeils eine andere. Findet man diese auch im Hotel Caspar?
Natürlich, beispielsweise in den Zimmern des «Adlers»: Für die Tischbeine entwarfen wir gedrechselte Holzbeine mit einem marmorartigen Anstrich, um so die Marmor-Ablageflächen mit den Beinen als Einheit wirken zu lassen. Allerdings mit einem kleinen Augenzwinkern!

Was steckt hinter dieser Idee?
Ich liebe es, in meinem Zimmer einen langen Tisch für meine Dinge zu haben. Solche überlangen Tischplatten wirken im Hotel schnell mal langweilig und leer. So suchten wir nach etwas Spielerischem. Der Projektleiter Holger Widmann hatte die Idee, für die eleganten grauen Marmorplatten gedrechselte Beine zu entwerfen, die der Restaurator marmorieren würde. Das Resultat wirkt erfrischend.

Der «Ochsen» und der «Adler» sind Umbauten. Wie ergänzt der Neubau «Wolf» das Ensemble?
Der «Wolf» sollte als enger Verwandter des «Ochsen» erkennbar sein. Um den Neubau nicht historisierend wirken zu lassen, haben wir einzelne Elemente des benachbarten Altbaus zeitgemäss umgesetzt. Zusätzlich wurde der Fassadenachse ein Knick verliehen und der Giebel leicht nach vorne geneigt. So wirkt das Haus plötzlich jung und frisch. Und die Geschichte dazu lautet: Der Wolf, (das Tier), neigt sein Haupt dem Gast entgegen und streckt seine Pfoten aus zum herzlichen Willkommen.

Die Verbindung von Alt und Neu, versehen mit lustvollen Spielereien und viel Sinn fürs Detail sind charakteristisch für Tilla Theus’ Werk. Seit sie mit dem Hotel Widder in Zürich (1988-1995) einen Meilenstein in der Geschichte der modernen Hotelarchitektur gesetzt hat, gilt sie als Expertin für die Sanierung von Hotels.

Das Luxushotel Widder wird als eines der ersten Designhotels bezeichnet. Was machte es damals so anders?
Es galt, in ein kleinzelliges und denkmalpflegerisch sensibles Quartier ein Luxushotel zu integrieren – architektonisch profiliert, städtebaulich harmonisch und betriebsökonomisch sinnvoll. Der Abbruch der acht mittelalterlichen Stadthäuser war ausser Frage. Ich beliess so jedem Baukörper seine Kleinräumigkeit, die ihn prägte. Das Hotel Widder setzt in der Luxuskategorie eine bahnbrechend ganzheitliche Hotelphilosophie um. Diese Trendwende basiert auf dem sinnlichen Erlebnis der Echtheit. Denn damals war ein Hotel der Luxuskategorie eigentlich eine Bühne – Plüsch, Brokat, Stuck und Samt, dazu unechtes Mobiliar. Hoteliers wollten es für ihre Gäste damals antik und kuschelig. Das war gar nicht mein Ding.

Sondern?
Wir wollten, dass die Gäste spüren, sie sind in einem Luxushotel, aber auch gleichzeitig zu Gast in einem städtischen Bürgerhaus. Wir setzten in den 51 Zimmern der acht Häuser auf echte Materialien, bis ins Detail. Ich fand es stossend, dass früher die Suiten alle paar Jahre neu ausgerüstet wurden. Und ich bewies, dass das nicht nötig ist. So konnten wir beispielsweise die hochwertigen Vorhänge mit ihren ebenso wertvollen Futterstoffen einfach umdrehen, Das Futter wurde zum Vorhang und der Vorhang zum Futter. Diese architektonische und innenarchitektonische Authentizität war für ein Luxushotel umwälzend neu.

Neu war auch die Möblierung.
Ja, was heute Standard ist, nämlich Designmöbel in den Zimmern und öffentlichen Bereichen einzusetzen, war damals vollkommen unüblich. Ich musste sogar zu den Herstellern wie Cassina und Vitra persönlich fahren und ihnen mein Konzept erläutern, damit ich den Le-Corbusier-Sessel nicht in Schwarz, sondern in Rot bekam.

Tilla Theus findet mit ihrem Team selbst auf die schwierigsten Fragen immer eine Antwort. Das schätzen ihre Auftraggeber ebenso wie die Sorgfalt, mit dem das Büro an die Projekte herangeht. Grundsätzlich mehr zu leisten, als von Männern verlangt wird, ist Tilla Theus eine Ehrensache.

Eine der zehn besten Hotelbars Europas: Die amerikanische Tales of the Cocktail Foundation zeichnete die Zürcher Widder-Bar im Mai 2022 aus. Sie sind bekannt für Ihren Hang nach Perfektion. Gehört Selbstausbeutung auch dazu?
Mein reicher Erfahrungsschatz verknüpft mit der stetigen Neugier, auch für Unmögliches eine positive Lösung zu finden. Dazu gehört Perfektion und auch, ich gestehe es ungern, Selbstausbeutung. Wenn es aber gelingt, lässt die Freude darüber alle Mühsal vergessen.

Wie haben Sie sich Ihre Leidenschaft für Architektur bewahrt?
Meine Visionen in gebaute Realität umzusetzen, ist meine Leidenschaft. Die Freude daran ist über alle Jahre und Jahrzehnte gleichgeblieben, obwohl sich das Umfeld in allen Bereichen geändert hat. Leidenschaft ist Pflicht in meinem Metier.

Was würden Sie jungen Frauen/Gründerinnen raten, die am Anfang ihrer Karriere stehen? Welchen Rat hätten Sie sich damals gewünscht?
Mut und Durchhaltewillen. ★


 

TILLA THEUS
Geboren am 4. Juni 1943 in Chur, studierte Architektur an der ETH in Zürich. Nach ihrem Studium eröffnete sie 1969 gemeinsam mit Hp. Grüninger ihr Büro in Zürich, das seit 1985 unter dem Namen Tilla Theus und Partner AG firmiert.

WERKE
Die Spezialität des Büros von Tilla Theus sind der Umbau von historischen Gebäuden und das Bauen in komplexen städtebaulichen Strukturen. Dazu zählen das Hotel Widder (1988- 2018) in Zürich, das Swiss Re Headquarter (1996–2000), das Haus zum Rechberg (2004–2014) in Zürich und das Bankgebäude Leuenhof (2017–2021) in Zürich. Daneben realisierte das Büro auch Einzelbauten wie das FIFA-Headquarter (2003–2006) in Zürich oder das Gipfelrestaurant Weisshorn (2006–2012) in Arosa.

Foto: Christian Scholz

Mit der Superkraft Humor

Posted by Ambra Spiller

Humor ist für Harriet Beveridge eine ernsthafte Sache. Nach ihrem Abschluss an der Oxford University hat sie als Unternehmensberaterin bei EY angefangen zu arbeiten – und dort zu ihrer Berufung gefunden: Seit bald 20 Jahren ist sie Stand-up-Comedian, coacht Führungskräfte und teilt ihre Erkenntnisse als Keynote-Speakerin an Happenings wie dem Event «Reset & Recharge» von She’s Mercedes.

Ihr Steckenpferd: Gedankenkonstrukte und Verhaltensmuster im Sinn des eigenen Gedeihens verändern, indem sie sie erst einmal freischaufelt. Ihre Karriere als Stand-up-Comedian hat Harriet Beveridge mit Kursen gestartet und dabei erst einmal selbst erfahren, wie transformativ Humor sein kann. Und wie hilfreich, um mit den Herausforderungen und Veränderungen im Leben umzugehen. Wie heisst es so schön: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Wir treffen die Mutter von zwei Jungs im Teenageralter online. Sie sitzt in Bath (UK), wo die Sonne an diesem Nachmittag auf ihr Pult scheint. Auch sie selbst strahlt, ist in ihrem Element: erzählt, lacht, reagiert – manchmal wie aus der Kanone geschossen, manchmal nach einer Denkpause.

WOMEN IN BUSINESS: Harriet, was haben Sie Karrieremenschen zu bieten? 
Harriet Beveridge: Ich kann helfen, aussergewöhnliche Leistungen zu erzielen und Erfolg zu haben, mit Betonung auf UND.

Warum betonen Sie das?
Weil sehr viele Menschen das als entweder oder erleben, weil sie das Beste aus ihrem Leben machen wollen und sich dabei ruinieren, weil sie sich zu sehr anstrengen. Es ist effizienter, sich standardmässig um das eigene Wohlbefinden zu kümmern, anstatt zu versuchen, die Balance zwischen Arbeit und Privatleben an den Rand zu drängen. Mit dem verbunden zu sein, was einem wirklich wichtig ist, macht resilient.

Kann man das lernen?
Natürlich, das ist ja das Gute daran.

Was haben Sie für Tipps auf Lager?
Ganz viele, sehr verschiedene. Ich bin kein Guru mit perfekten Rezepten und Antworten, aber ich bin eine, die selbst unterwegs ist und in ihrem Rucksack Erfahrungen und Tipps von zwei Jahrzehnten, die ich damit verbracht habe, zu forschen, zu experimentieren und zu üben, wie man Glauben und Selbstvertrauen aufbaut, wie man Gewohnheiten ändert und installiert und wie man ein Netzwerk knüpft, in dem man gedeihen kann.

Ein konkreter Tipp?
Einer ist zum Beispiel die Zehn-Minuten-Regel: Beginnen Sie eine unangenehme Aufgabe mit der Erlaubnis, nach zehn Minuten wieder aufzuhören. Untersuchungen zeigen, dass das Gehirn dann weiterarbeitet. Und wenn Sie sich dann wieder an die Aufgabe setzen, fällt es schon leichter, sich damit zu beschäftigen. Oder aber Sie stellen nach zehn Minuten sogar fest, dass Sie problemlos dranbleiben können – weil die Aufgabe gar nicht so unangenehm ist, wie gedacht.

Wie gehen Sie vor?
Ich bin eine leidenschaftliche Verfechterin der Komödie als Kraft des Guten. Ich kombiniere meine vielfältigen Learnings aus Einzelcoachings und auf der Bühne mit meiner Expertise als Unternehmenscoach. Die Strategien aus der Stand-up-Comedy helfen, Resilienz und nachhaltige Leistung aufzubauen.

Wie haben Sie zur Stand-up-Comedy gefunden?
Es war ein Prozess. Ich ging an einen Standup-Comedy-Kurs. Coaching und Comedy ist irgendwie das gleiche. Es geht darum, auszusprechen, was aktuell geschieht und nicht, was wir annehmen oder sehen wollen. Und dann geht es darum, neugierig zu sein und zu fragen, warum mache ich, was ich mache? Die Komik funktioniert ziemlich ähnlich.

Erinnern Sie sich an den ersten Kurs?
Der erste Kurs wurde von einem sehr, sehr chaotischen Stand-up-Komiker geführt. Es war sehr gut, denn es war so ganz anders als alles, was ich bis dahin gemacht habe. Wir haben daran gearbeitet, sehr klar zu sein in Bezug auf das, was wir fühlen, bei allem, was wir tun. Bist du genervt? Das ist interessant. Bist du aufgeregt? Das ist interessant.

Wo haben Sie Ihre Wurzeln als Berufsfrau?
Ich habe an der Universität in Oxford studiert und verschiedene Abschlüsse gemacht. Aber das, was mich am meisten interessiert, sind menschliche Connections. Ich bin gerade an meiner Masterarbeit in Neurowissenschaften. Meine Karriere habe ich als Unternehmensberaterin bei Ernst & Young gestartet. Ich habe schnell gemerkt, dass die Leute sehr heiss darauf waren, ihre Performance ständig zu verbessern.

Für die Firma?
Und für sich selbst. Das gehört für mich zueinander und zusammen. Die grosse Frage dabei ist: Wie kann man eine gute Karriere machen und gleichzeitig aufblühen.

Sind Sie sehr busy?
Ja. Aber ich habe die Kontrolle darüber. Es ist ja sehr einfach, in die Falle zu treten, oh, ich bin so busy, oh, ich bin so ausgelastet. Das höre ich so oft bei meinen Klienten. Ich sage dann immer, okay, was von all dem, was dich so busy macht, kannst du kontrollieren? Was ist nur lärmig?

Sie haben Kinder?
Ja, zwei Jungs im Teenage-Alter.

Wie kommen Sie mit denen klar?
Es ist eine besondere Situation. Auf einmal habe ich noch zwei Männer im Haus. Sie sind gross. Und grossartig.

Sie sind seit 20 Jahren im Geschäft. Wie hat es sich entwickelt?
Was ich sehe bei Frauen: Es lastet mehr Druck auf ihnen als früher. Und ich habe oft mit Frauen zu tun, die daran arbeiten, was Führen für sie heisst. Ist es copy-paste dessen, was Männer machen, damit sie die Beförderung bekommen? Die Möglichkeiten und Optionen werden besser, aber der Druck auch grösser. Er ist riesengross – in allem super zu sein.

Ist das überhaupt manageable oder brennt einen das zwangsläufig aus?
Es klingt vielleicht etwas simpel, aber vieles lässt sich regeln mit «wählen». Welche Games spielen wir mit, welche nicht? Es ist so schnell passiert, dass man in der Falle sitzt, in der die Gesellschaft sagt, was man zu tun und zu lassen hat.

Ihre Wahl?
Ich wollte immer etwas machen, das mir erstens Spass macht, was mich mit Menschen verbindet und mit dem ich einen Unterschied machen kann und nicht einfach das Naheliegende, Offensichtliche. Zum einen Ja zu sagen, heisst auch zum anderen Nein zu sagen. Man muss aufrichtig und ehrlich sein mit sich selbst.

Was sind denn so die Themen ihrer Klientinnen?
Ich höre oft, ich will mich nicht in Politik verstricken und mich damit aufhalten. Als Coach muss ich das aufschlüsseln. Politik kann ätzend sein, das kann man nicht kontrollieren, aber was man sehr wohl in der Hand hat, ist der Umgang damit. Das gilt ganz generell. Das ist wohl einfacher gesagt
als getan. Wer der Star in seiner Show sein will, braucht ein Supportteam aus herzlichen, gleichgesinnten Seelen. Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, war das für Männer alles viel einfacher als für Frauen. Sie hatten den Golfclub, den Stripclub, den Gentlemen’s Club.

Was haben Sie für ein Supportteam?
Ich habe einen Coach, ich habe Sponsoren, ein Soundingboard und Freunde, um mich auszutauschen und zu reflektieren. Und eine Putzfrau. Ich stelle fest, dass viele Frauen sich davor scheuen, sich
unterstützen zu lassen, nicht aus finanziellen Gründen, sondern wegen einer inneren Blockade von der Art «ich sollte doch in der Lage sein, das allein zu schaffen».

Sie haben ein Buch mit dem Titel «Will it make the boat go faster» geschrieben – in Kollaboration mit einem Olympioniken. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Ich bin total unsportlich. Ich bin in eine Firma eingestiegen und am gleichen Tag auch Ben Hunt Davis. Seine Geschichte ist hoch inspirierend: Er hat als ganz gewöhnlicher Kerl mit einem ganz gewöhnlichen Team Aussergewöhnliches erreicht: olympisches Gold. Er hat ein paar sehr interessante Strategien für die Sportler. Das Buch handelt davon, diese Strategien ins tägliche Leben zu transferieren und sie zu nutzen für unser eigenes Fortkommen.

Welches ist die effizienteste Strategie?
Es gibt 13 Kapitel. Für mich persönlich am nutzbringendsten war das Thema rund um den Glauben an sich selbst. Und es hat mich sehr fasziniert, dass selbst das olympische Team mit den besten Ruderern Englands immer noch intensiv an seinem eigenen Selbstvertrauen arbeiten muss.

Was steckt dahinter?
Die Tatsache, dass man nur die Performance kontrollieren kann, nicht die Resultate. Aber genau daran werden wir gemessen, dafür werden wir bezahlt. Man darf seinen Selbstwert deshalb nicht von Resultaten abhängig machen. Im Buch haben wir zahlreiche erprobte Methoden drin, die einem helfen, die eigene Performance auf Gold-Medaillen-Level zu bringen für eine erfüllende Karriere.

Was ist eine erfüllende Karriere?
Für jeden etwas anderes und die Antworten auf Fragen wie, was motiviert einen, was treibt einen an? Mich zum Beispiel motiviert es, mit Leuten in Verbindung zu treten, Spass zu haben und bei ihnen etwas zu bewirken. Ich coache Leute mit sehr verschiedenen Fähigkeiten.

Was haben sie gemeinsam, ausser dass sie sich von Ihnen
coachen lassen?

Die Japaner haben dafür den Ausdruck «hungry ghosts». Er bedeutet, nie zufrieden sein, immer mehr zu wollen, nach etwas zu streben, um glücklich und zufrieden zu sein. Nur: Man wird nicht glücklich und zufrieden, wenn man etwas Bestimmtes erreicht hat. Es geht im Leben aber darum, wie man glücklich sein kann, mit dem, was man ist und was man hat.

Sie halten viele Reden, stehen als Komödiantin auf der
Bühne. Ihre Witze kommen nicht immer an. Wie ist das?

Wie eine grosse Metapher für das Leben: Man bekommt nicht immer, was man sich wünscht und was man will. Wir tun so, als könnten wir Versagen und Fehler verhindern. Können wir aber nicht. Manchmal gehe ich auf die Bühne, und es klappt nicht. Das passiert den besten Comedians. Wir arbeiten, machen Fehler und wir versagen. Hart, aber gehört einfach dazu. Für einen Comedian ist es das Grösste, wenn sein Publikum lacht. Wenn man zusammen lacht, ist man verbunden. Der Preis, den man bezahlt, indem man sich darum bemüht, ist halt einfach, dass es nicht immer klappt.

Ist Humor etwas Individuelles oder Generelles?
Beides. Jeder mag einen individuellen Sinn für Humor haben. Aber es funktioniert oft sehr gut, die Dinge beim Namen zu nennen, auszusprechen, direkt, ungeschönt. Oder zu übertreiben – bis zur Verzerrung der Realität.

Ist es anders in England oder in Deutschland auf der
Bühne zu stehen?

Absolut. Man darf natürlich nicht generalisieren, aber Holländer sind zum Beispiel viel direkter als Briten, die haben dafür ein Feeling für Doppelbödiges. Es gibt klar kulturelle Unterschiede. Davon lasse ich mich nicht leiten, sondern achte vielmehr auf das individuelle Level des Publikums.

Kennen Sie das Publikum denn?
Ich versuche, so viel herauszufinden über das Publikum, wie ich kann. Aber nichts ersetzt schliesslich auf der Bühne zu stehen und dann herauszufinden mit Interaktionen, wo die Leute stehen.

Für Sie als Coach: Was ist der einfachste Fall, was schwierig?
Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Coaching ist ein starkes Instrument, weil es dazu dient aufzudecken, wo es klemmt und was dahinter steckt. Kollegen zu finden, ist an sich ja einfach. Und wenn nicht, ist es spannend aufzudecken, warum es schwerfällt. Coaching ist wie eine Schatzsuche – man sucht das Schloss und dann den Schlüssel. Das braucht manchmal Zeit, manchmal hat man beim ersten Versuch den richtigen Schlüssel in der Hand. Manchmal muss man 20 verschiedene Schlüssel ausprobieren, bevor man Zugang erhält.

Wie merken Sie, dass es der richtige ist?
Das macht richtiggehend Klick. Es ist das Schönste für mich als Coach, dabei zu sein, wenn die Truhe aufspringt. Worüber sprechen Sie am liebsten als Keynote-Speaker vor einer weiblichen Zuhörerschaft? Wie können wir einen guten Job machen bei der Arbeit und gleichzeitig gedeihen und nicht ausbrennen.

Was ist der Schlüssel?
Anerkennen, dass man Arbeiten geniesst, Freude daran hat, kann einer sein. Oder sich darüber bewusst zu werden, was einem wichtig ist und worauf man seine Energie verwendet. Hier besteht oft ein Graben. Viele denken, harte Arbeit muss weh tun und schwer sein. Und um weiterzukommen, muss es maximal unbequem sein. Dabei: Man kann sehr gut sein im Job und das, was man tut, geniessen und Freude daran haben.

Können Sie selbst in Ihrem Leben umsetzen, was Sie predigen?
Jedes Mal, wenn ich eine Keynote-Session halte oder eine Einzelsitzung, ist es, als würde ich in den Spiegel schauen. Ich gehe jeden Tag durch mein eigenes Coaching-Programm. Ich glaube, ich bin ziemlich gut darin, Grenzen auszubalancieren.

Das heisst konkret?
Ich tendiere dazu, zu schnell ja zu sagen, zu zu vielen Dingen. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, bei einer Anfrage zuerst eine Pause einzulegen, bevor ich antworte.

Haben Sie Role Models?
Einen Menschen auszuwählen, kann gefährlich sein, man idealisiert, vor allem, wenn es Menschen sind, die man nie persönlich treffen kann. Wir haben alle Superkräfte.

Ihre?
Humor.

Haben Sie einen Lieblingswitz?
Ja. Den ersten Witz meiner Kids. Sie waren noch klein und der Witz ist schrecklich, aber sie haben alle so zum Lachen gebracht, deshalb ist es mein Lieblingswitz.
Er geht so: Was ist das, sagt eine Null zu einer anderen Null und
zeigt auf eine Acht. Die Antwort: Schöner Gürtel.

Event-Empfehlung der Redaktion:
Seien Sie beim nächsten She’s Mercedes Event dabei und lernen Sie Harriet Beveridge persönlich kennen.

«Reset & Recharge»
Eine Veranstaltung der She’s Mercedes Initiative.
Datum und Uhrzeit: Donnerstag, 27. April, 18 Uhr
Ort: Grand Hotel Les Trois Rois
Ticketpreis: CHF 59.–

Powered by

Voranmeldungen unter: janina.geiger@mercedes-benz.com

Die Initiative She’s Mercedes steht für die Idee, dass Inspiration Aussergewöhnliches bewirken kann. Mehr zur Initiative und zu den Events von She’s Mercedes in der Schweiz finden Sie im Newsletter mercedes-benz.ch/shesnewsletter-de sowie unter mercedes-benz.ch/shes

Im Gespräch mit Marguita Kracht

Posted by Ambra Spiller

Sie ist hineingeboren in die Besitzerfamilie eines der besten Hotels der Welt, dem Baur au Lac in Zürich, und wird dereinst das Zepter von ihrem Vater, Andrea Kracht, übernehmen. Wir haben mit Marguita Kracht, 31, über die Freuden und Leiden einer Hotelerbin gesprochen, über den Seiltanz zwischen Tradition und Zeitgeist sowie über ihren selbstbestimmten Werdegang.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Kracht, erstaunlicherweise waren Sie nicht an der Hotelfachschule in Lausanne (EHL), sondern haben einen anderen Weg eingeschlagen. Wie kams?

Marguita Kracht: Ich habe als Kind zwar nie im Hotel gelebt, habe aber viel Zeit im Hotel verbracht und war von klein auf damit vertraut. Zudem: Mein Vater war an der EHL und ich dachte, ich mache was anderes. Meine letzten Schuljahre habe ich in einem Internat in der Westschweiz absolviert zusammen mit jungen Leuten vornehmlich aus dem angelsächsischen Raum. Dort habe ich entschieden, in den USA Wirtschaft zu studieren. Ich habe mich an der Boston University beworben und wurde dort angenommen.

Ihre Eltern liessen Sie einfach ziehen? 
Absolut, der Entscheid war ganz in ihrem Sinn. Sie haben mich stets ermutigt, zu reisen, die Welt zu entdecken und verschiedene Kulturen zu erleben. Als Unternehmen sind wir auch schlussendlich international unterwegs, von den Gästen bis zum Personal.

Und Ihre Motivation?
Ein anderer Blickwinkel, um mein Bild zu vervollständigen. Ich bin deshalb auch nicht direkt nach der Universität in die Hotellerie, sondern habe in New York bei Moët Hennessy als Praktikantin angefangen.

Warum?
Es hat mich interessiert. Wir haben hier ja auch den Weinhandel Baur au Lac Vins, der genauso zu unserem Unternehmen gehört wie das Hotel. Es war eine grossartige Gelegenheit, Erfahrungen im Bereich von Marketing und Kommunikation zu sammeln, für den das französische Luxuskonzern LVMH, zu dem Moët Hennessy gehört, so bekannt ist. Sie betreiben Marketing und Kommunikation auf höchstem Niveau. Es war dann auch eine lustige, was sage ich da, eine intensive Zeit.

Erzählen Sie!
Ich habe dort kurz nach meinem 21. Geburtstag angefangen, war die Jüngste im Verkaufsteam und lernte mit sehr verschiedenen Gegenübern zu kommunizieren. Wir sind im Nordosten der USA oft auf Verkaufsreisen gegangen, haben mit unserem Champagnerportfolio Restaurants, Hotels und auch Privatkunden besucht.

Was war die Herausforderung für Sie?
Wenn Amerikaner etwas verkaufen wollen, sind Sie sehr extrovertiert, während wir hier in der Schweiz eher den zurückhaltenden Auftritt pflegen. Wenn man dort Erfolg haben will, muss man aus sich herauskommen, selbstbewusst auftreten. Das war eine anspruchsvolle Übung für mich.

Was haben Sie davon behalten?
Ich habe vor allem sehr viele Einblicke bekommen in Aspekte, die
dannzumal in der Schweiz noch nicht so aktuell waren, wie professionelles
Corporate Marketing, bei dem alles konsistent ist und sich wie ein roter Faden durch das ganze Unternehmen zieht. Seit ich nun hier im Baur au Lac angefangen habe, sind wir dabei, unsere Corporate Identity dahingehend neu zu denken.

Das heisst?
Wir haben das Archiv studiert und als Erstes unser Logo neugestaltet und auch unser Wappentier, den Löwen. Wir haben ein Jahr lang daran gearbeitet. Als nächsten Schritt werden wir nun Produkte neu labeln.

Macht das Spass?
Oh ja, es gibt keine Vorgaben von einem Corporate Office. Wir sind ein Familienunternehmen, sind dynamisch unterwegs und können rasch entscheiden. Zudem ist mein Vater ein offener Mensch und für Neues zu haben.

Was sind Ihre Ideen?
Ich werde oft gefragt, was ich anders machen will. Und ich antworte immer, dass Neues nichts Neues ist für uns, sondern Teil unserer DNA. Und Teil unseres Erfolges: Die Bedürfnisse der Gäste ändern sich laufend, und das darf man nicht verschlafen, sonst gilt man rasch als gestrig. Man muss sich immer wieder fragen, was fehlt, was könnte den Gästen morgen gefallen. Man darf nie zufrieden sein, wenn man an der Spitze bleiben will. In der Familie hatte bislang jeder seine persönliche Handschrift. Ich freue mich darauf, meine eigene Persönlichkeit und Handschrift zu hinterlassen.

Können Sie sich einbringen?
Ja, mein Vater erwartet das auch. Er sagt immer, wahrscheinlich werde ich ja von uns am längsten damit leben. Und von daher ist es ihm sehr wichtig, dass mir die Änderungen, die wir anstossen und realisieren, passen, weil ich darin wirken werde.

Ihre zentralen Themen aktuell?
Ein grosses Thema ist sicher, wie wir uns vermarkten. Wir haben viele Stammgäste, die uns schon sehr lange kennen, teils schon seit Generationen zu uns kommen. Das ist eine Seite. Die andere ist, wie wir uns in der Branche vermarkten, Stichwort: «War for Talents». Wie wir uns als Arbeitgeber positionieren und zeigen, wird dabei immer wichtiger. Man kann ein superschönes Produkt haben, am Ende des Tages kommen die Gäste zu uns, weil sie den Service schätzen und die Leute, die diesen leisten. In die Hardware zu investieren, ist wichtig. Sich um die Software zu kümmern, essenziell. In einem schönen Hotel gibt es nichts Schlimmeres als unpersönlichen Service. Mitarbeiter sind bei uns nicht einfach Personal, sondern ein wichtiger Teil der Atmosphäre.

Ins Hotel Ihrer Eltern einzusteigen: Wahl oder Pflicht?
Für mich war es eine einfache Wahl, denn ich empfinde es als grosses Glück, hier das weiterführen zu dürfen, was seit 178 Jahren von meiner Familie aufgebaut worden ist. Ich war ja nun lange weg, schätze es sehr, dass ich dazu die Gelegenheit hatte. Hier einzusteigen, hat sich für mich ganz natürlich ergeben: Mit jeder neuen Erfahrung erweiterte ich meine Ideensammlung für das Baur au Lac. Irgendwann entwickelte sich aus der Ansammlung all dieser Ideen ein immer grösser werdendes Verlangen diese auszuprobieren und umzusetzen – ein Verlangen, welches ich im letzten Jahr nicht mehr loswurde.

Auf Ihnen lastet ein grosser (Erwartungs-)Druck.
Ich denke, ein gewisser Druck ist notwendig und gesund. Den braucht es auch, um sich zu motivieren und kompetitiv zu bleiben, damit man überhaupt erfolgreich sein kann.

Worin besteht der Druck?
Das Hotel gehört uns nicht. Meine Vorfahren, mein Vater und ich sind nur die, die das Haus weiterreichen. Mein Ziel im Leben ist es, dafür zu sorgen, dass das Baur au Lac erfolgreich bleibt. Mein Vater hat in den letzten Jahren vieles für das Hotel gemacht und kann es in einem super Zustand überreichen. Das ist auch mein Ziel für die nächste Generation.

Ihr Nachfolger ist schon geboren.
Ja. Er heisst Andrea wie mein Vater und ist fünf Monate alt.

Wie ist es, mit dem Vater zu arbeiten?
Das habe ich mir kürzlich auch überlegt. Es ist interessant, wir sind eine andere Generation, er ein Mann, ich eine Frau. Wir machen gewisse Dinge zusammen, mal er mehr, mal ich mehr.

Immer einer Meinung?
Wir sind uns nicht immer einig, aber grossen Streit haben wir wenig. Haben wir verschiedene Vorstellungen, versuchen wir uns einander anzunähern. Wir können sehr gut kollaborativ arbeiten und verstehen uns auch sehr gut, weil wir recht ähnlich sind vom Wesen her.

Was sind die aktuell grössten Herausforderungen?
Der Umgang mit den ganzen Trends, von Digitalisierung bis Nachhaltigkeit. Wie damit umgehen? Was davon mitmachen? Einerseits dürfen wir nichts verschlafen, andererseits uns nicht verzetteln. Damit beschäftigen wir uns intensiv und suchen Lösungen, die für uns stimmen. Kleines Beispiel: der Zimmerschlüssel. Den hat bei uns immer der Concierge ausgehändigt. Persönlich – und mit der Chance, sich mit den Gästen auszutauschen. Dieser Touchpoint ist sehr wichtig, wird geschätzt. Als wir die Rezeption renoviert haben, haben wir uns dafür entschieden, das beizubehalten. Der physische Schlüssel selbst ist heute Hightech, aber er wird vom Concierge ausgehändigt und bei Verlassen des Hauses von ihm entgegengenommen. Wie eh und je, weil er zum Haus gehört, wie übrigens auch unser Kiosk. Auch den haben wir beim Umbau neu aufleben lassen, und werden künftig dort auch eigene Produkte verkaufen.

Wie, was?
Honig aus unserem Garten, zum Beispiel. Oder unsere 1844 Schokolade, die wir ausserhalb von Paris herstellen lassen. Aktuell bin ich daran, unser Merchandising-Angebot zu überarbeiten und zu erweitern.

Ist Ihr Vater hier im Hotel Ihr Vater oder Ihr Boss?
Mein Mentor. Er hat so viel Erfahrung und das Feingefühl für Menschen und Führung. Bevor ich hier eingestiegen bin, hatte ich immer wieder Ideen, habe ihm gesagt, warum machen wir das nicht, warum nicht jenes. Heute heisst es einfach: Machs!

Wird er Ihnen das Hotel je überlassen?
Das überlege ich mir nicht. Wir teilen eine Passion, das ist wunderschön.

Was haben Sie von ihm geerbt?
Das Feingefühl für Menschen. Das ist so wichtig in unserem Business, guter Kontakt zu Gästen, Mitarbeitern, Lieferanten. Und dann das Schätzen von Traditionen und ihrer Bedeutung für das
Ganze.

Sind Sie hier im Hotel Fille à Papa?
Wäre ich ein Fils, wäre es vielleicht schwieriger, weil man mich viel stärker mit meinem Vater vergleichen würde. Das ist nicht der Fall. Ich höre nur immer wieder, wir hätten eine ähnliche Art.

Stimmt?
Ja, ich denke schon. Vielleicht bin ich die feminine Version von
ihm.

Wie sind die Aufgaben hier im Hotel verteilt?
Das Tagesgeschäft wird von unserem Direktor geleitet, und wir halten uns da raus. Wir können uns nicht in Details vergraben, sonst verlieren wir die Flughöhe, die nötig ist, um die Übersicht zu behalten. Diese Aufteilung sichert strategisches Denken für die langfristige Zukunft.

Haben Sie dafür so etwas wie einen Glaubenssatz oder ein Leitmotiv?
Ja. Das Zitat der amerikanischen Schriftstellerin Maya Angelou. Sie sagte: «Menschen vergessen, was du gesagt oder was du getan hast. Aber sie vergessen nie, wie sie sich bei dir gefühlt haben». Ich lebe jeden Tag danach.

Die Firmengründung ist eine Achterbahnfahrt

Posted by Ambra Spiller

Stéphanie Borge ist Co-Gründerin und Mitinhaberin der neuen Bäckerei Juliette – pain d’amour, die im März in Zürich eröffnet wird. Mit zwei Filialen wagen sie und ihre Geschäftspartner Nicolao Colombo und Rolf Lüthy den Sprung in die Selbstständigkeit.

WOMEN IN BUSINESS: Stéphanie Borge, nach der Tourismus-, Möbel- und Automobilbranche geht es für Sie nun ans traditionelle Handwerk. Weshalb eröffnen Sie in Zürich eine französische Bäckerei?

Stéphanie Borge: Ich bin Französin, habe meine Heimat aber mit 28 Jahren verlassen. Ich habe als Marketing-Chefin für Frankreich Tourismus in New York gearbeitet, bis ich meinen Mann kennenlernte und wir zusammen in die Schweiz kamen. Ich habe das traditionelle Baguette und die Pâtisserie aus Frankreich immer sehr vermisst. Und ich wunderte mich schon lange, dass es in Zürich keine französische Bäckerei gibt, obwohl 40 000 Französinnen und Franzosen hier leben und die Zürcher Bevölkerung grundsätzlich ein Faible für die französische Gastronomie hat. Mein Mann und mein Sohn halfen mir dabei, die Idee zu konkretisieren.

Wie ging es dann weiter?
Ich habe mich mit zwei Kollegen zusammengesetzt, um das Projekt gemeinsam zu besprechen. Die Eröffnung eines Ladenlokals birgt eine grosse Komplexität und ist nichts, was man allein bewältigen kann, wenn man es gut machen möchte. Zu dritt haben wir die Firma gegründet, einen Businessplan erarbeitet, gerechnet, analysiert und viel Zeit und Energie in die Vorbereitung gesteckt.

Was verbindet Ihre Businesspartner und Sie?
Wir teilen die Liebe zum Handwerk. Wir finden es sehr bedauerlich, dass traditionelle Handwerksbetriebe aus den Stadtzentren verschwinden und industriell gefertigten Produkten weichen müssen. Wir möchten mit hervorragenden Produkten und gutem Marketing diesem Trend entgegenwirken. Mit unseren Fähigkeiten und unserer Erfahrung ergänzen wir uns bestens. Ausserdem sind wir drei gleichermassen grosse Fans der französischen Backtradition. Baguette ist ein Kulturgut. Es ist ein Klassiker, den wir perfektionieren wollen. Doch wir bieten noch mehr als das: Bei uns soll es das beste Pâtisserie- und Brotangebot der Stadt geben. Wir durften unsere Produkte schon bei einigen Experten testen lassen und haben sehr gute Kritik erhalten. Diese Qualitätsprüfung ist uns sehr wichtig.

Weshalb war es Ihnen wichtig, nicht allein zu gründen?

Die Firmengründung gleicht einer Achterbahnfahrt. Es gibt viele Ups und Downs – Tage, die super Neuigkeiten bereithalten und solche, an denen man sich sagt: Oh nein! Gerade da sind die richtigen Partner wichtig. Sie fangen auf und motivieren, wenn man verunsichert ist.Gibt es Ängste, die Sie begleiten?
Selbstverständlich. Beispielsweise, dass wir im Hinblick auf unsere Liquidität unter Druck geraten und all das, was wir investiert haben, verloren geht. Ich sage mir aber auch: La peur n’évite pas le danger. Wir können nur unser Bestes geben und positiv bleiben. Das ist der einzige Weg, um gute Ergebnisse zu erzielen. Und selbst wenn wir am Ende nicht erfolgreich sein sollten, haben wir so viel gelernt. Es gibt keine bessere Schule als die Selbstständigkeit.Was bedeutet für Sie Erfolg?
Jeden Tag zur Arbeit gehen zu können mit Freude und Leidenschaft. Das ist die Grundlage für Erfolg.Was reizt Sie am Unternehmertum?
Ich hatte die Möglichkeit, für viele spannende Firmen zu arbeiten – in unterschiedlichen Branchen und Unternehmensformen. Das Unternehmertum war bisher noch nicht dabei, war aber immer im Hinterkopf. Ich finde es spannend, etwas für unser Team, die Gemeinschaft und mich selbst zu tun.

Was braucht es für den Schritt in die Selbstständigkeit?
Essenziell ist eine gute Idee, an die man glaubt. Details müssen geprüft und die Vorbereitung mit grosser Präzision angegangen werden. Wir haben unseren Businessplan sicher 20 mal umgeschrieben, bis die Zahlen verlässlich waren. Ausserdem muss es gelingen, andere täglich für das eigene Projekt zu begeistern, die Finanzierung zu sichern, mental stark zu bleiben und selbstverständlich Freude an der Arbeit zu haben.

Weshalb ist die mentale Stärke ein elementares Element?
Weil der Weg in die Selbstständigkeit Hürden birgt. Selbst dann, wenn alle Gründerinnen und Gründer finanziell beteiligt sind, müssen Investoren und Banken überzeugt werden, um eine solide Finanzierung zu ermöglichen. Ein weiteres Thema ist die Komplexität und die Langwierigkeit der Prozesse. Es gibt Spielregeln – insbesondere jene der Stadt. An diese muss man sich natürlich halten, auch wenn man das Gefühl hat, dass sie nicht unternehmerfreundlich sind. Wir waren überrascht, wie lange es gedauert hat, Rückmeldungen von den Ämtern zu erhalten.

Hat es bei der Suche nach Investoren eine Rolle gespielt, dass Sie eine Frau sind? Es heisst immer wieder, dass die Kapitalbeschaffung bei der Gründung für Männer leichter ist.
In unserem Fall habe ich es nie als nachteilig empfunden, eine Frau zu sein. Ich habe gemerkt: Es geht vor allem um die berufliche Erfahrung und das bestehende Netzwerk – das schafft Vertrauen. Ich würde sagen, es war bei uns sogar einfacher für mich als Frau. Auf der Suche nach Gründungssubventionen stiessen wir auf vier Genossenschaften, die für neue Projekte bürgen. Eine dieser Genossenschaften unterstützt Projekte, die von Frauen lanciert werden. Dies war für die Bankfinanzierung entscheidend.

Sie haben am 27. Februar zwei Standorte in Zürich eröffnet. Weshalb gleich zwei?
Es war für uns nicht möglich, zentral eine wirtschaftlich sinnvolle Lokalität zu finden, die gross genug ist, um die Bäckerei- und Pâtisserieproduktion unter einem Dach zu vereinen. Am Bleicherweg, mitten in Zürich, eröffnen wir unsere Boulangerie- Pâtisserie und ein Café mit 24 Plätzen. Am Vulkanplatz in Altstetten befindet sich unser Pâtisserie-Atelier. An beiden Stand- orten haben Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, unsere Produkte zu kaufen.

Mit wie vielen Mitarbeitenden starten Sie?
Aktuell freuen wir uns über zehn Mitarbeitende. Unser Chef-Boulanger und unser Chef-Pâtissier kommen aus Frankreich und sind absolute Spezialisten. Die beiden haben wir zuerst rekrutiert. Es ist uns wichtig, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Ideen und ihre Expertise einbringen und mitgestalten können. Wir möchten volle Transparenz bieten und das Gefühl vermitteln: Hier können alle anpacken und mitgestalten! Mit dieser Start-up-Philosophie hatten wir keinerlei Schwierigkeiten, in diesen doch angespannten Zeiten motiviertes Personal zu rekrutieren.

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Selbstverständlich auf frisches Baguette mit Beurre salé. ★


Mehr über Stéphanie Borge
Stéphanie Borge ist 48 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihrem 15-jährigen Sohn in Rüschlikon. In Frankreich geboren und aufgewachsen, führte sie ihre Karriere im Bereich Sales und Marketing international zu renommierten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Zuletzt war Stéphanie Borge als Director Brand Management für das Automobilunternehmen BMW Group Switzerland tätig, verliess die Firma nach sechs Jahren und macht sich nun zusammen mit ihren beiden Partnern Nicolao Colombo und Rolf Lüthy mit einer französischen Bäckerei in Zürich selbstständig.

Mehr Infos unter: www.juliette-boulangerie.ch

Theaterinszenierung mit Adrenalinkick

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Diandra Donecker ist eine der jüngsten führenden Kunsthändlerinnen Europas. Im Interview sagt sie, worin für sie der Reiz des Kunsthandels liegt und was der Adrenalinkick im Auktionssaal auslöst.

Kürzlich machte das deutsche Auktionshaus Grisebach mit einem spektakulären Coup von sich reden: der Versteigerung von Max Beckmanns «Selbstbildnis gelb-rosa» aus dem Jahre 1943. Das Selbstporträt des Leipzigers, das in seinem Exil in Amsterdam entstand, war ein Glanzlicht der Auktionssaison. Der Kunsthandel ist diskret, aber so viel weiss man: Das Werk stammt aus einer Schweizer Privatsammlung. Und es sollte für einen zweistelligen Millionenbereich den Besitzer wechseln.

An der Spitze von Grisebach steht Diandra Donecker. Die smarte, international ausgebildete Kunsthistorikerin hat das Haus seit 2019 einer Erfrischungskur unterzogen und versteht es, Grisebach immer wieder in eine intellektuell-prickelnde Kultureventbühne zu verwandeln. Sie weiss, was sie ihrem Publikum schuldet. Denn, wie sie einmal sagte: «Eine Auktion ist auch eine Theaterinszenierung.»

Wie kein anderes Metier gründet der Kunsthandel auf einem exzellenten Beziehungsnetz und langjähriger Erfahrung. Umso mehr liess in der Branche aufhorchen, als die Frankfurterin im Alter von erst Anfang dreissig zur leitenden Geschäftsführerin und Partnerin eines der angesehensten Auktionshäuser Deutschlands mit Sitz in Berlin (und mit einer Filiale in Zürich) erkoren wurde. Zum Zeitpunkt des Interviews ist sie mit ihrem Team in den Endzügen der Katalogisierung für die Dezember-Auktionen. Donecker, die das Haus mit rund 60 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro leitet, wirkt nahbar, natürlich, unprätentiös, «hands-on».

WOMEN IN BUSINESS: Sie stehen mitten in den Vorbereitungen zu der Dezember-Auktion. Wie bringt man eigentlich jedes Mal einen Katalog voll? Es heisst ja, eine Auktion lebt von den drei D: Death, Debt und Divorce? Das hiesse ja, die Werke kommen automatisch zu Ihnen?
Diandra Donecker: 70 Prozent der Einlieferungen ergeben sich aus aktiver Akquisition. D. h. für alles, was Sie in unseren Katalogen finden, kam die Initiative von uns aus. Nur die Werke im Schätzwert unter 10 000 Euro und diejenigen für unsere Online-Auktionen kommen automatisch zu uns. Mit anderen Worten. Der Prozess ist jedes Mal mit derselben grossen Spannung verbunden, der immer wieder aufs Neue dieselbe Erleichterung folgt.

Sie wurden mit 30 zur Geschäftsführerin von Grisebach gewählt. Wie steigt man so jung und schnell auf in einem Berufsfeld, das doch so stark von Beziehungen und langjährigen Erfahrungen lebt?
Nach meinem Kunstgeschichtestudium hat es mich schnell in Richtung Handel gezogen. Während und nach meinem Studium habe ich in Galerien, an Messen und in Museen zig Praktika gemacht. So entstand früh ein Netzwerk, auf das ich heute zurückgreifen kann. Ich habe sehr rasch Mentoren gefunden, die mich gefördert, aber auch stark gefordert haben, zum Beispiel Marie Christine Graefin von Huyn, die Geschäftsführerin von Christie’s in München. Mit dem Mehrheitseigner von Grisebach hatte ich ausserdem das Glück, dass er die Vision hatte, jetzt die junge Generation nachrücken zu lassen, um die Zukunft von Grisebach zu definieren. Dass ich so jung in dieser leitenden Rolle bin, funktioniert aber nur, weil meine geschätzten Kollegen und Partner, Micaela Kapitzky und Markus Krause, mit grosser Erfahrung um mich herum sind, die mit mir den Blick nach vorne wagen.

Sie sind aber auch schon für Ihre eigene Sekretärin gehalten worden. Wie gingen Sie mit der anfänglichen Skepsis um?
Interessanterweise fühlte ich mich intern von Beginn an unterstützt. Aber von aussen gab es doch einige kuriose Momente. Ich war ja unbekannt, und viele fragten verwundert, wer ich bin und warum ich so schnell nach oben komme. Es gab auch skurrile Momente. Einmal nahm ich einen Kunden in Empfang, der sagte, «Schön, nun bringen Sie mich doch gerne zu Frau Donecker». Ein anderer meinte: «Machen Sie mir bitte meinen Kaffee schwarz». Beide meinten wohl, ich sei meine Sekretärin. Aber das ärgerte mich nicht. Ich fand es eher lustig.

Worin liegt für Sie denn der Reiz des Kunsthandels? Sie waren ja am Metropolitan Museum und im British Museum und hätten ebenso gut eine Museumskarriere einschlagen können.
Was mich am Auktionswesen fasziniert, ist der Adrenalinkick, und dass man jede Saison mit anderen Kunstwerken zu tun hat. Durch die verschiedenen Einlieferungen begegnet man ständig neuen Kunden. Man muss sich immer wieder neu einarbeiten, und manchmal gibt es eine Entdeckung, eine Weltneuheit. Bei uns arbeiten 40 Kunsthistoriker mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Mich mit ihnen auszutauschen, bereichert mich ungemein. Ich lerne dabei ständig Neues hinzu. Ich könnte es negativ ausdrücken, und sagen, ich bin manchmal ungeduldig und ruhelos. Aber das Auktionswesen passt wohl genau deswegen zu mir. Denn wir müssen sozusagen alle sechs Monate das Rad neu erfinden, d.h. wieder Kataloge von neuem produzieren. Ein Problem hätte ich, wenn ich zehn Jahre lang am selben Projekt sein müsste. Dazu wäre ich untauglich.

Welche Erfahrungen haben Sie aus dem Ausland mitgebracht?
Die angelsächsische Museumsarbeit ist viel dynamischer und zu andern Feldern im Kunstbereich viel durchlässiger als hier in Deutschland. Man hat viel mehr Kontakt zu Sponsoren und zu Händlern. Dort ist das Museum quasi Teil des Marktes, und auch der ständige Kontakt zu Sammlern gehört dazu. In Deutschland sind die Grenzen weniger durchlässig.

Welche neuen Akzente setzten Sie, als Sie die leitende Geschäftsführung übernahmen?
Das Erste, was ich dachte, als ich hierherkam, war: Was ist das für eine wunderschöne Villa, aber warum ist hier so wenig los. Ich dachte, wir müssten es lebendiger machen, das Haus mit Veranstaltungen gegen aussen öffnen, auch die Terrasse und den Garten bespielen. Ich wollte Schwellenängste abbauen und eine neue, jüngere Klientel anziehen. Wir machen jetzt praktisch jede Woche eine Veranstaltung, zum Beispiel mit dem Comic-Zeichner Philipp Deines, der das Buch «Die 5 Leben der Hilma von Klingt» herausgab, oder dem Regisseur Lars Kraume. Der zweite Aspekt, auf den ich mein Augenmerk legte, war die Digitalisierung. Einerseits haben wir unseren digitalen Auftritt verstärkt und – während des coronabedingten Lockdowns – einen Podcast «Die Sucht zu sehen» mit der renommierten Autorin Rebecca Casati entwickelt. Andererseits bieten wir Online-Only-Auktionen an, für Editionen und Grafik sowie Werke bis 3000 Euro. Unsere Fotografie-Auktionen finden seit diesem Herbst nur noch online statt. Wir haben nämlich gemerkt, dass unsere Klientel gerade stark in der Schweiz, Frankreich und den USA vertreten ist und den gedruckten Katalog und die Live-Veranstaltung der Auktion im Bereich Fotografie nicht mehr so nachfragen. Die Abendauktionen für Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts sind aber immer noch ein gesellschaftliches Event hier in Berlin und heiss begehrt.

Gibt es auch Schattenseiten der Digitalisierung?
Sie ist ja auch verantwortlich dafür, dass es eine grosse Beschleunigung gibt – und das in einem Bereich, wo es doch eigentlich um Kontemplation und die solide Konsolidierung von kulturellen Werten gehen müsste. Die Frage ist richtig und wichtig. Man muss immer wieder darüber neu nachdenken. Einerseits kommt man heute um das Digitale nicht mehr herum. Man muss heute verstanden haben, dass der Kunde nicht mehr automatisch nach Berlin kommt, und es der globale Markt gar nicht anders erlaubt. Andererseits können Online-Auktionen dazu führen, dass ein Kunde aus der Ferne nur noch nach seinem Stichwort sucht, beispielsweise nach Lucio Fontana – und ihm dadurch Entdeckungen entgehen. Das ist schade, denn Kunst ist ja nichts anderes als eine Bildquelle, über die wir etwas über unser Menschsein erfahren. Aber wir versuchen, mit unseren Kunden so viel zu interagieren wie nur möglich.

Es ist immer wieder von neuen Käufergruppen die Rede, die in der Kunst ein Investment sehen. Machen Sie diese Erfahrung ebenfalls?
Ich denke auch, dass der Investitionsgedanke zugenommen hat. Das Volumen des Kunstmarkts hat sich auch stark vergrössert, und damit auch seine Teilnehmer. Man merkt beispielsweise, dass die Kunden sehr gut vorbereitet sind, was die Preisschätzungen anbetrifft. Viele nutzen den Zugang zu den Preisdatenbanken wie Artnet. Heute verfügen viel mehr Menschen über finanzielle Mittel, in Berlin gibt es eine starke Start-up-Kultur, da kommt schon mal der 35-Jährige zu uns, der schon eine Million Euro hat, und uns um unsere Meinung fragt. Ich betrachte es als unseren Job, mit ihm in ein Gespräch zu kommen – nicht nur darüber, was ihm spontan gefällt, sondern darüber, womit er sich sonst beschäftigt.

Die breite Masse nimmt Auktionen vor allem über die sagenhaften Preise wahr und begegnet Millionen-Beträgen auch mit Unverständnis. Spiegelt der Preis die Qualität des Werks?
Nein. In den meisten Fällen spiegelt er das Begehren von mindestens zwei Menschen, die für ein bestimmtes Werk bieten – und nicht mehr und nicht weniger. Sässe der eine zum Zeitpunkt der Versteigerung im Flugzeug und hätte die Auktion vergessen, kriegt der andere das Werk zum tieferen Schätzwert. Darin liegt letztlich auch gewissermassen die Brutalität des Marktes. Der Bürger merkt allerdings schon durch die hohen Zuschläge, die etwa ein Werk von Emil Nolde, von Gerhard Richter oder von Andy Warhol erhalten, dass einem Künstler ein besonderer Wert beigemessen wird. Dennoch: Der Preis spiegelt vor allem einen Moment wider. Etwas zugespitzt formuliert und bestimmte Raritäten ausser Acht gelassen: Morgen könnte das Resultat schon wieder ein anderes sein.

Letztes Jahr ersteigerte das Kunstmuseum Den Haag Max Beckmanns «Badende» für 2,3 Millionen Euro bei Grisebach. Hätte ein Scheich aus Abu Dhabi mehr bezahlt, wäre die Allgemeinheit um ein Kunstwerk ärmer.
Absolut. Deshalb ist es auch bei spektakulären Arbeiten wichtig, wenn sie von öffentlichen Museen angekauft werden. Wir sind der Markt. Somit kann jeder kommen, der will, und ein Werk ersteigern, wenn er das Geld dazu hat. Aber man darf nicht vergessen: Viele Privatsammler geben ihre Werke ja als Leihgaben in Ausstellungen, und auf diese Weise hat jedermann Zugang dazu. Auktionshäuser haben in den letzten Jahren viel von der Luxusgüterindustrie gelernt und verwandeln Kunstwerke in Objekte der Begierde, indem sie sie aufwändig inszenieren, und in glamourösen Events präsentieren.

Dürfen wir ketzerisch sein: Hat Kunst diese Form von Auratisierung überhaupt nötig?
Ich glaube nicht, dass das Kunstwerk sie nötig hat. Aber das Publikum hegt schon bestimmte Erwartungen. Ein gutes Bild kann man, salopp gesagt, an jede Betonwand hängen, und der Kenner würde es trotzdem erkennen und verstehen. Aber wir bewegen uns in einem Umfeld, in welchem die Klientel es gewohnt ist, auf eine bestimmte Art angesprochen zu werden. Sie erwarten ein bestimmtes Environment, eine bestimmte Form der Präsentation. Denken wir daran, wie in der Mode und im Design, oder auch in der Automobilbranche, präsentiert wird, wie man im Digitalen an die Dinge heranzoomen und von allen Seiten her betrachten kann. Da liegt es auf der Hand, dass man auch die Erfahrung der Kunst aus der Ferne ganz nah an die Menschen heranbringen will. Das Kunstwerk ist und bleibt aber das Herzstück, und das Drumherum sind die Glitzerpunkte, die den Zugang schaffen.

Sammeln Sie auch selbst Kunst?
Ja. Mein privates Interesse gilt Zeichnung und Grafik. Ich mag zum Beispiel Hermann Glöckner, einen deutschen Konstruktivisten, der während der DDR nicht anerkannt wurde, sehr gerne, oder Gary Kuehn. Ich besitze auch eine Fotografie von Alfred Stieglitz, die er von der Fotografin Dorothy Norman gemacht hat.

Hätten Sie unbeschränkte Mittel zur Verfügung, was würden Sie gerne erwerben?
Oh, ich glaube das würde täglich wechseln. Im Moment hätte ich wahnsinnig gerne ein Bild der amerikanischen Künstlerin Helen Frankenthaler! Vermutlich hätte ich jeden Tag eine andere Antwort. ★


 

Diandra Donecker
Diandra Donecker wurde 1988 als Tochter einer Kunsthistorikerin und eines Fotografen in Frankfurt am Main geboren und studierte Kunstgeschichte in München, wo sie ihre Magisterarbeit über niederländische Druckgrafik verfasste. Nach Volontariaten am Metropolitan Museum in New York, im British Museum in London und bei der renommierten Kunsthandlung Katrin Bellinger, sammelte die Kunsthistorikerin weitere Berufserfahrung bei Karl & Faber und bei Christie’s in London. Seit 2017 arbeitet sie für Grisebach in Berlin, zunächst als Leiterin der Abteilung für Fotografie, ab 2019 als Geschäftsführerin und Partnerin.

Grisebach
Grisebach wurde 1986 von Bernd Schultz in Berlin gegründet, mit dem Ziel, an die grosse kulturelle und künstlerische Geschichte der Stadt anzuknüpfen. Das Haus ist spezialisiert auf Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts und eines der führenden Kunstauktionshäuser Europas.

Foto: Markus Jans

Im Gespräch mit Sophie Lacoste

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Sie ist Mitbesitzerin und Co-Präsidentin von Fusalp: Sophie Lacoste spricht über femininen Führungsstil, das Stahlbad Schauspielerei, ihren Umgang mit Angst und ihre Freude darüber, den richtigen Riecher gehabt zu haben.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Lacoste, Sie sind die Enkelin des Gründers der berühmten Marke mit dem Krokodil und stehen heute nicht an der Spitze des Unternehmens?
Sophie Lacoste
: Mein Vater hat das Unternehmen 2012 an Manor verkauft. Zusammen mit meinem Bruder Philippe habe ich dann 2014 die französische Skibekleidungsmarke Fusalp übernommen – und die Marke entstaubt und neu positioniert. Aus den damals 6,3 Millionen Euro Umsatz sind 40 Millionen geworden, mit Läden von Aspen bis Zürich.

Was erzählen Sie am liebsten aus Ihrem CV?
Bevor wir anfangen: Haben Sie die neueste Studie von McKinsey gesehen über Frauen und Management?

Nein. Erzählen Sie!
Sie kommt zum Schluss, dass Firmen, die von Frauen geführt werden, sehr gut performen und wissen Sie auch warum? Frauen sind viel anpassungsfähiger als Männer.

Das hat Sie überrascht?
Nein, nein, das ist natürlich wahr. Frauen mit Managementfunktion geht es vor allem darum, Leute dabei zu unterstützen, das Beste aus sich herauszuholen und nicht um ihre eigene Profilierung. Es gibt natürlich auch Männer, die so funktionieren.

Was meinen Sie mit «so»?
Der Unterschied besteht weniger zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen einem eher femininen und eher maskulinen Führungsstil. Zweiterer, davon bin ich überzeugt, funktioniert nicht mehr für die Generationen, die nun nachrücken. Weil sie nicht mehr die gleichen Ziele haben im Leben.

Das heisst?
Es ist nun an uns, dafür zu sorgen, dass sie sich willkommen fühlen und wohl mit den Aufgaben, die sie übernehmen, und sie wollen Impact.

Fusalp macht Kleider, die die Welt nicht braucht.
Genau. Das ist eine der Herausforderungen, denen sich viele Unternehmen heute stellen müssen. Man muss die Erfahrung der Mitarbeitenden bereichern, Sinn geben, sie auf die Art bei uns halten. Ich höre so oft von Leuten um die 25, dass sie ihren Job gekündigt haben, weil sie darin keinen Sinn sahen. Ihnen scheinen Geld und materielle Sicherheit weniger wichtig als uns.

Was tun Sie als Arbeitgeberin?
Sinn, Inspiration und Ermächtigung geben – und über den Tellerrand hinaus blicken. Wir haben zum Beispiel die philanthropische Initiative «Fusalp s’engage». Mitarbeiter können Projekte pitchen, die sie unterstützen wollen, die Belegschaft stimmt dann ab. Dabei geht es nicht einfach um Geld, sondern auch um persönliches Engagement – auch während der Arbeitszeit. Das wird sehr geschätzt.

Können Sie das Bedürfnis nach mehr als Job und Geld verstehen?
Ja. Als ich so alt war wie mein 14-jähriger Sohn heute, fiel die Berliner Mauer. Ich bin aufgewachsen in einer Welt der Entspannung und Zuversicht. Er aber wächst auf in einem Riesendurcheinander mit offenem Ausgang. Da denkt man doch ganz anders über Arbeit nach, will, wenn man schon arbeitet, auch etwas bewirken, in der Welt, in der man lebt. Wir als Entrepreneurs müssen auf dieses Bedürfnis der Mitarbeitenden reagieren, etwas geben. Sie sollen happy sein.

Sind Sie denn happy?
Ich selbst mag unsere Produkte sehr und auch die Marke Fusalp. Aber das Wichtigste und Erfüllendste für mich ist es, die Firma zu führen. Es ist spannend, und ich liebe Herausforderungen und vor allem habe ich keine Angst davor.

Wovor?
Ich rede nicht von Waghalsigem, Hochriskantem – lebensmüde bin ich nicht. Ich habe grundsätzlich vor nichts Angst. Und wenn doch, weiss ich, dass ich genau das tun muss, wovor ich Angst habe – für mein eigenes Fortkommen.

Und Sie getrauen sich das dann auch?
Ich versuche es immer und schaffe es meistens.

Grossartig –wer verlässt schon freiwillig seine Komfortzone.
Ich! Ich bin nicht gern in der Komfortzone. Da habe ich immer das Gefühl, dass ich etwas verpasse, dass das Leben an mir vorbeizieht.

Was haben Sie für Leadership-Prinzipien?
Ich bin in einer sportlichen Familie aufgewachsen und Teamgeist ist wirklich etwas, wovon ich eine Ahnung habe. Alle zusammen und viele kleine Dinge machen die grosse Geschichte.

Was war Ihr härtestes Learning, als Sie Unternehmerin wurden?
Ich glaube, die Herausforderung ist wirklich, dass jeder seinen Platz findet. Ich als Co-Präsidentin muss mir bewusst sein, was meine Verantwortung ist und was nicht. Dafür muss ich sensibel sein, wer ich bin, und daher kann ich das auch immer besser.

Können Sie das ausführen?
Ich bin nicht exekutiv und bin zwar nahe dran, aber stets mit Abstand. Ich sage niemandem, was er oder sie zu tun hat, das ist nicht meine Aufgabe und würde auch wenig Sinn machen, da viele hier schon seit Jahrzehnten im Unternehmen sind und ihren Job verstehen. Ich verfolge aber, was sie machen, weil es meine Verantwortung ist, sicherzustellen, dass sie das Richtige tun – für die Firma, für die Marke, für unsere Strategie.

Und wie machen Sie das?
Mit regem Austausch.

Wohin geht die Reise mit Fusalp?
Als wir hier anfingen, war der Bestseller eine Jacke für 269 Euro. Das war ein Produkt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, war ein Basic ohne Identität. Wir haben uns dann auf das fokussiert, wofür die Marke einst bekannt gewesen ist: Highend-Produkte. Und dann haben wir herausgefunden, dass wir Fusalp sogar als Luxusmarke positionieren können. Heute ist der Topseller eine Jacke für rund 1200 Euro. Diesen Weg haben wir eingeschlagen und sind erfolgreich.

Erfolgreicher als erwartet?
Schon der vorherige Besitzer hatte ein paar Produkte, die sehr highend waren. Aber er konnte sie nicht verkaufen, weil ihm die Kunden fehlten. Es waren aber genau diese Teile, die uns begeistert haben, sehr klassisch, stylish, technisch hoch interessant. Bref: Wir haben sofort gespürt, dass daraus eine weltweit erfolgreiche Marke werden kann.

Wie wird eine Marke weltweit bekannt?
Durch Kollaborationen mit weltweit bekannten Marken zum Beispiel. In Frankreich, wo wir nach wie vor die Hälfte des Umsatzes machen, kennt uns jeder – als Skibekleidungsmarke. Aber: Wir machen auch Mäntel, Hosen, Blusen und so weiter. Dank der Kollaboration, die wir mit Chloé eingegangen sind, wird Fusalp auch mit anderem assoziiert als mit der Skipiste. Wir haben noch einiges Weiteres vor in der Richtung. Alles noch nicht spruchreif.

Haben Sie Rolemodels?
Ja, meine Grosseltern. Für sie war es wichtig, anständig zu sein, sich stets selbst zu verbessern und auch das Geschäft. Zwei grossartige Sportler eben mit dem Geist «man fordert sich heraus, man kämpft, aber immer Respekt vor dem Kontrahenten». Sie waren nicht nur auf sich oder das Business fokussiert, sondern haben immer mitbekommen, was rund um sie herum geschah.

Der andere Co-Präsident ist Ihr Bruder Philippe. Wie arbeiten Sie zusammen?
Wir haben beide unsere Gebiete. Bei mir sind unter anderem die Finanzen und die Kommunikation, er ist eher global ausgerichtet, kümmert sich um die Märkte.

Womit wir auf die erste Frage zurückkommen könnten …
Ich bin in Lacoste, der Firma meiner Grosseltern und Eltern, aufgewachsen und kam mit 23 in den Verwaltungsrat von Lacoste, nachdem ich meinen Master in Finance gemacht hatte. Zudem war ich Schauspielerin, das Theater war lange meine Hauptsache. Aber dieser Beruf, bei dem man viel unterwegs ist, wird anstrengend, wenn man kleine Kinder hat und extrem anstrengend, wenn die Projekte zudem eher ätzend als erfreulich sind. In genau der Situation war ich eines Tages – und habe entschieden, die Schauspielerei sausen zu lassen und bin in die Firma eingestiegen.

Ihre Eltern haben Lacoste schliesslich an Manor verkauft, statt Sie zur Nachfolgerin zu machen, woraufhin Sie ausgeschieden sind. Ressentiments?
Wissen Sie, da hat mich mein Schauspielberuf etwas Zentrales gelehrt. Es gibt Regisseure, die nicht nett mit einem umgehen, was einen hart treffen kann, da die Arbeit, die man auf der Bühne abliefert, man selbst ist. Wenn einem gesagt wird, du machst das schrecklich, ist man selbst schrecklich. Ich habe so gelernt, zu unterscheiden zwischen mir und dem Job. Und das hat mir bei der Geschichte mit meiner Familie, die lieber verkauft hat, als an die nächste Generation zu übergeben, geholfen. Ich war traurig, aber es hat mich nicht im Innersten verletzt.

Der Erfolg mit Fusalp ist Ihre süsse Rache?
Ich muss keine Rache nehmen. Das habe ich zu keinem Zeitpunkt gebraucht, aber ich bin sehr glücklich, dass es so gut läuft und wir so gut zusammenarbeiten und funktionieren. Unser Erfolg gehört uns allen.

Was ist aus dem Theater geworden?
Ich gehe nach wie vor zweimal die Woche ins Theater und würde noch öfter hingehen, wenn ich könnte. Ich liebe es, je öfter desto besser.

Was lieben Sie daran so sehr?
Wenn ich mich in den Stuhl setze, im Dunkeln, da bin ich allein mit mir und die andern um mich zählen nicht mehr. Ich kann das Stück schauen oder etwas ganz anderes denken, habe Zeit dafür und das Recht dazu. ★

Foto: Fusalp

Wie wollen Sie sich 2023 fühlen?

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Das neue Jahr hat begonnen und damit die Herausforderung, all die guten Vorsätze umzusetzen, die man sich vorgenommen hat. Viele Menschen scheitern daran, dieses Vorhaben einzuhalten und hören irgendwann ganz damit auf. Dabei hilft uns ein Jahresmotto oder -vorsatz unser Leben bewusster zu gestalten und damit auch zufriedener zu sein.

Der Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit uns zu fragen, was wir vom kommenden Jahr erwarten; welche Wünsche, Ziele und Träume wir haben. Denn ohne eine klare Vorstellung davon, was wir wollen, besteht die Gefahr, dass wir uns einfach vom Fluss des Lebens treiben lassen und nicht dort landen, wo wir eigentlich hinwollten.

Machen Sie sich Gedanken, was Sie im neuen Jahr erreichen möchten. Helfen Ihnen konkrete Vorsätze? Dann entwerfen Sie am besten gleich einen Plan, wie Sie diese umsetzen. Ansonsten versuchen Sie es doch mal mit einem Jahresmotto. Wir haben uns dazu entschieden, uns dieses Jahr von einem GEFÜHL leiten zu lassen, statt guten Absichten nachzujagen.

Gefühle als Wegweiser
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um sich bewusst zu werden, mit welchem Gefühl Sie durchs neue Jahr gehen wollen. Das kann der Wunsch nach mehr Gelassenheit, Neugier oder Freude sein, oder dass Sie sich mutig, erfolgreich oder lebendiger fühlen wollen. Vielleicht steht das neue Jahr für Sie auch unter dem Motto Freiheit: Die Freiheit so zu sein und sich so zu zeigen, wie Sie wirklich sind. Oder sich die Freiheit zu nehmen, die Dinge zu priorisieren, die Ihnen guttun.

Versuchen Sie immer wieder, in ihr persönliches Jahresgefühl einzutauchen. Malen Sie sich aus, was Sie alles tun können, um sich so zu fühlen. Und überprüfen Sie im Laufe der Monate, ob sich das Motto noch gut anfühlt.

Nutzen Sie Ihre Ressourcen
Egal ob wir uns konkrete Handlungen oder ein bestimmtes Lebensgefühl für 2023 vornehmen, wir sollten darauf achten, dass es nicht zum lästigen «To Do» wird, sondern uns als Ressource dient. Wir können unseren Alltag nämlich besser bewältigen, wenn wir uns immer wieder Zeit für das nehmen, was uns stärkt. Das kann für einige eine Auszeit mit Yoga oder Wandern sein, andere geniessen in Ruhe einen Kaffee oder lesen ein Buch. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns helfen mit mehr Energie und Freude durch den Tag zu gehen. Wir haben für Sie eine Vorlage erstellt, in die Sie Ihre persönlichen Ressourcen für 2023 schreiben können. Und falls es Ihnen schwerfällt, haben wir zur Inspiration bereits ein paar Ideen unserer Klient:innen eingefügt.

Sie können Ihre persönliche Liste oder einen anderen Gegenstand am Arbeitsplatz auch als Erinnerung nutzen, um regelmässig eine Pause einzulegen und sich zu fragen, wie Sie sich gerade fühlen. Wenn das Gefühl nicht dem entspricht, wie Sie sich fühlen wollen, dann kann eine für den Moment passende Ressource helfen, Ihre Innenwelt neu wieder auszurichten.


 

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Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Mehr Menschlichkeit und Lebensqualität in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Wir unterstützen Sie dabei, mutig und neugierig neue Perspektiven zu erfahren und einen empowernden Team Spirit zu kreieren. Wir stärken Ihre Selbstwirksamkeit und begleiten Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung für mehr Zufriedenheit im Alltag.
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Bisherige Gastkolumnen:

 

 

Nachhaltig investieren geht nur aktiv

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Anja Hochberg verwaltet bei der Zürcher Kantonalbank rund 40 Milliarden Schweizer Franken. Wo andere der Schwindel befällt, bewahrt sie ruhig Blut. Schliesslich hat sie schon einige Krisen gesehen, bewältigt und analysiert. Und sie weiss: Menschen sind wichtiger als Materielles.

Anja Hochberg empfängt im Büro mit riesigen Fensterfronten und einem tollen Ausblick ins Industriequartier rund um die Neue Hard im Zürcher Kreis 5. Ihr Chef, Iwan Deplazes, hat seinen Stuhl für einen Monat geräumt. Nun ist Hochberg die Anlagechefin der Zürcher Kantonalbank. Sie vertritt ihren Boss im Rahmen eines Programms zur Frauenförderung der ZKB: In diesem Jahr sind 150 Leitungspositionen ausgeschrieben, auf die sich Frauen bewerben können, um einen Monat auf dem Chef(innen)sessel zu sitzen. «Eine coole Sache», findet Anja Hochberg. Es symbolisiere in die Organisation hinein, dass Frauen Führungsrollen übernehmen können. Jede könne herausfinden, ob sie sich als Chefin eigne. Für sie halte sich die Herausforderung in Grenzen, fügt Hochberg ruhig an, sie habe ja schon Ähnliches gemacht. Manche Chefs begleiteten mehr, ihrer habe so viel zu tun, «dass er mich alleine rennen lässt. Da muss er halt mit den Entscheidungen leben, die ich treffe», erklärt sie und lacht.

Anja Hochberg ist mit ihrem 17-köpfigen Team für die Multi-Asset-Lösungen der ZKB zuständig. Diese Mischfonds im Umfang von 40 Milliarden Schweizer Franken sind das Kernangebot der ZKB. Rund ein Drittel davon entfällt aufs Vorsorgesparen (etwa mit frankly, siehe Box), zwei Drittel sind hochindividuelle Mischlösungen für institutionelle Anleger und sehr vermögende Privatpersonen. Das Kundenspektrum ist extrem breit – «jeder hat irgendwie mit uns zu tun».

WOMEN IN BUSINESS: Anja Hochberg, wir leben in unruhigen Zeiten. Wie beeinflusst die geopolitische Lage Ihre Arbeit?
Anja Hochberg
: Das treuhänderische Mandat sitzt uns fest auf den Schultern. In diesen Zeiten hilft uns unsere Erfahrung – wir haben im Team einen Schnitt von 18 Jahren Markterfahrung. Da haben wir schon einiges durchgemacht.

Und die Klimakatastrophe?
Wir nehmen sie als aktives Mandat war und haben als erste Schweizer Asset Manager die aktiv gemanagten Portfolios am Pariser Klimaabkommen ausgerichtet. Wir verwalten 200 Milliarden Schweizer Franken und sind in vielen Unternehmen Grossaktionäre. Im Jahr sitzen wir rund 300- bis 500-mal mit den Verwaltungsrätinnen und -räten oder dem Management von Schweizer und internationalen Firmen zusammen und diskutieren mit ihnen die Massnahmen zur Senkung des CO2-Ausstosses, eine unserer Bedingungen für Investitionen. Ein gutes Beispiel, das wir zusammen mit anderen Asset Managern gestemmt haben, ist Holcim, die ein extrem CO2-intensives Geschäft betreiben. Unser Engagement hinsichtlich CO2-Reduktionspfad hat unter anderem bewirkt, dass Holcim einen Bond zur Unternehmensfinanzierung begeben hat, der an CO2-Reduktionsziele gebunden ist. Hält das Unternehmen seine eigenen Ziele nicht ein, muss es höhere Zinsen zahlen, was sich aufs Geschäft auswirkt. Nachhaltigkeit ist ein zentraler Performancetreiber der Zukunft und fester Bestandteil unserer Investmentphilosophie. Möchte ein Anleger ein Sündenportfolio haben mit Kohle, Tabak, Splitterbomben, kann er das gerne woanders machen. Wir haben Ausschlusskriterien. Unternehmen, bei denen wir denken, ein Transformationsprozess könnte sich lohnen, begleiten wir. Deshalb halten wir ESG-Lösungen, die nur auf Ausschluss setzen, für nicht zielführend.

Es gibt mittlerweile viele Anlageprodukte, die «nachhaltig», «grün», sogar «dark green» sein sollen. Wie finde ich als Kundin heraus, was echt ist und was Greenwashing?
Ganz wichtig ist, dass jeder Nachhaltigkeit für sich definiert. Innerhalb der EU soll die Taxonomie dem Ganzen eine Struktur geben. Das hilft bei einer ersten Einsortierung. Darüber hinaus gibt es seit kurzem eine Selbstregulierung der Schweizer Asset Manager, die sich verpflichten, diese Mindestkriterien auch einzufordern. Für mich das Relevanteste: Transparenz. Was verspricht der Prospekt? Bei unseren Produkten weisen wir in einer Bewertungsskala den Grad der Nachhaltigkeit aus, von A bis G. Wir zeigen für unsere Fonds auch den CO2-Absenkungspfad auf. Auch wir unterscheiden zwischen hellgrün – Firmen, die auf dem Weg sind und die wir begleiten – und dunkelgrün, extrem nachhaltige Unternehmen. Es ist schwierig, Firmen zu finden, die durchwegs dunkelgrün sind. Vesta etwa, die Windräder produziert, ist eine Firma, wo das eindeutig ist. Nicht so eindeutig wäre eine Schuhproduktionsfirma, die sich entschieden hat, 30 Prozent ihrer Turnschuhe mit aus dem Meer abgefischtem Plastik herzustellen. Da muss man dann abwägen, ob das reicht für eine Aufnahme in ein streng nachhaltiges Universum. Wir analysieren jedes Unternehmen im Hinblick auf die verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen und sind fest davon überzeugt, dass nachhaltig investieren nur aktiv geht.

Wieso gibt es keine Anlageprodukte, die explizit für Frauen sind?
Wir wollen unseren Investorinnen und Investoren ermöglichen, in den verschiedenen Schattierungen von Nachhaltigkeit zu investieren. Von «pinken» Produkten halten wir nichts, wir wollen unsere Anlagen nicht nur einer Zielgruppe zur Verfügung stellen. Wir wissen allerdings, dass Frauen tendenziell risikoärmer investieren, deshalb bieten wir die Strategien für verschiedene Risikoappetite an. Frauen sollen aber an allen Anlagen teilhaben können, vielleicht mit einer zusätzlichen Sicherheitsstufe, dafür etwas weniger Rendite. Das Problem ist ein anderes: Wie bringe ich Frauen dazu, zu investieren? Wie behalte ich sie bei der Stange? Welche Themen interessieren Frauen? Hier müssen wir stärker auf Investitionsinhalte fokussieren und nicht einfach klassisch auf die Rendite verweisen. Ein Vergleich zum Autokauf: Während sich Männer eher für PS und Drehzahl interessieren, wollen Frauen mehr über die Innenausstattung wissen, ob ein Kindersitz Platz hat, wohin der Kaffeebecher kommt. Das haben noch zu viele Banken und Asset Manager nicht auf dem Radar.

Investieren Frauen anders als Männer?
Auf den ersten Blick ja, sie sind risikoaverser und investieren defensiver. Vergleicht man aber Frauen und Männer mit demselben finanziellen Know-how, verhalten sie sich ähnlich. Die Tatsache, dass Frauen risikoaverser sind, wird oft dahingehend interpretiert, dass sie unsicher seien, weniger Know-how hätten. Die andere Interpretation wäre: Männer investieren trotzdem, obwohl sie keine Ahnung haben.

Sie empfehlen den Frauen, sich weiterzubilden. Konkrete Tipps?
Wichtig ist: Man muss keine Expertin auf dem Gebiet werden. Frauen sollen sich klarmachen, wieso sie investieren sollen, warum Investieren besser ist als Cash zu haben, besonders in Zeiten steigender Inflation. Es gibt enorm viele spannende Podcasts zum Thema, Onlineangebote, Frauenfinanzseminare, da erlangt man zum einen in einer verdaubaren Art und Weise das Wissen und man kann sich mit anderen Frauen zum Thema vernetzen. Das finde ich bei den Finanzevents für Frauen gut. Ein Buch bringt einen da nicht unbedingt weiter.

Gerade in der Altersvorsorge müssen Frauen aufholen. Da erstaunt es doch, dass sich trotzdem viele, auch jüngere Frauen, nicht genügend um ihre finanzielle Situation kümmern. Wie erklären Sie sich das?
Schaut man sich die Durchschnittsbiografie einer Frau an, ist es oft so, dass sie entweder relativ spät ins Arbeitsleben eintritt oder relativ lange draussen bleibt. Dann arbeitet sie auch noch Teilzeit und von dem, was sie verdient, bleibt ihr relativ wenig zum Sparen. Bei den Männern ist der Einstiegslohn höher und damit auch die Möglichkeit, zu investieren. Das ist für mich der Hauptgrund. Zum andern ist es für Männer normal, über das Thema nachzudenken. Frauen setzen oft andere Prioritäten. Für Männer ist Geld zum Teil auch ein Stammtischthema – schau mal, was ich Cooles gemacht habe! Keiner hausiert mit seinen Verlusten, aber sie beschäftigen sich mit dem Thema. Da muss ich mich als Frau dann selbst am Kragen nehmen, weil es wichtig ist für meine eigene Zukunft. Ich investiere in die Kinder, aber ich muss auch in meine Zukunft investieren. Viele Frauen gönnen sich zu wenig Ich-Zeit, das kenne ich selbst auch. Und zu dieser Ich-Zeit muss eben auch das Thema «Ich und meine Finanzen» gehören.

Sie bekleiden eine hohe Position in der Finanzwelt und sind noch immer ziemlich allein auf weiter Flur …
Es gibt zum Glück noch andere Frauen in vergleichbaren Positionen. Ich profitiere hier wohl von einer gewissen Presseresonanz aus früheren Rollen, aber es gibt immer mehr Frauen an der Spitze. Zum Beispiel Mirjam Staub-Bisang bei BlackRock, Charlotte Bänniger beim Fixed-Income Bereich von UBS Asset Management, Fiona Frick bei Unigestion, Nanette Hechler-Fayd’herbe bei der CS, Christel Rendu de Lint bei Vontobel. Wir tauschen uns regelmässig aus. Wir können zeigen, dass es möglich ist – und was ich ganz wichtig finde: Wir können auch zeigen, dass es Spass macht. Und dass es eine attraktive Aufgabe ist. Für mich die attraktivste Berufung, die es gibt.

Sie haben eine 16-jährige Tochter. Was raten Sie ihr?
Sie bekommt natürlich durch meinen Job viel mit. Mittlerweile interessiert sie sich auch fürs Anlegen, weil sie gemerkt hat, dass ein Teil ihrer Wünsche über ihr Taschengeld hinausgeht. Sie hat jetzt einen Fondssparplan, was ich allen Jugendlichen empfehlen würde. Wenn vom Taschengeld etwas übrigbleibt, kann man das einzahlen, sich selber Investitionsziele setzen. Mit dem derzeitigen Marktumfeld lernt sie nun auch, dass es Risiken gibt und nicht immer alles schön geradeaus läuft. Im Gymnasium hat sie eine Einführung in Wirtschaft und Recht, aber Finanzfragen werden nirgends thematisiert. In der Biologie erfahren wir, wie die Nierenkörperchen der Regenwürmer heissen und müssen das auch noch auswendig lernen. Wie relevant investieren, die eigenen Finanzen für das künftige Leben sind, erfahren die meisten erst dann, wenn sie das erste eigene Geld verdienen. Das Thema müsste auf allen Schulstufen vermittelt werden. Wenn es keinen Platz dafür hat im regulären Lehrplan, wieso nicht einmal eine Projektwoche zum Thema Finanzen anbieten?

Sie sind in der DDR aufgewachsen. Wie hat Sie das geprägt?
Meine 18 Jahre in der DDR haben mich geerdet. Ich weiss, womit man als Mensch auskommt, und ich weiss, was ich im Zweifelsfall nicht brauche. Das macht mich unabhängig, speziell in einer Branche, die stark von finanziellen Anreizen lebt. Ich nenne es unabhängig, man könnte auch sagen: nicht erpressbar. Was ich in der DDR auch gelernt habe: Beziehungen zu Menschen sind wichtiger als Materielles. Und dass es sich lohnt, Dinge zu hinterfragen, sich auch mal gegen etwas zu stellen. Was ich in der Wendezeit erlebt habe, hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, für etwas einzustehen. Und im Zweifelsfall auch dafür die Konsequenzen zu tragen. Die DDR-Zeit hat mir auch Flexibilität im Denken gebracht. Das hilft mir auch, wenn es um Investitionen geht. Wenn einer sagt, das hats noch nie gegeben, das wirds nie geben, dann sage ich: nein, alles kann passieren! Und die Selbstbestätigung: In der DDR ist alles zusammengebrochen, aber ich habs geschafft, etwas Neues aufzubauen. Viele Frauen leiden ja unter Selbstzweifeln, das hatte ich glücklicherweise in dieser Form nicht, weil ich mir immer sagen konnte: Du hast 1988 bei null angefangen. Ich hatte kein Geld. Ich kannte niemanden im Westen. Und ich habe es geschafft. Das gibt mir Bestätigung auch in schwierigen Zeiten. Viele Frauen haben enorme Erfolgserlebnisse in ihrem Leben, aber können das nicht in Kraft für ihre Zukunft umwandeln. Dabei lohnt es sich doch, innezuhalten und zu sagen, wow, das hab’ ich cool gemacht, und sich selbst ein bisschen zu zelebrieren! Und nicht Angst zu haben vor der nächsten schwierigen Situation. ★


 

Anja Hochberg
Anja Hochberg, geboren 1970, hat über 24 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung. Sie leitet seit Januar 2020 den Geschäftsbereich Multi Asset Solutions im Asset Management der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Mit ihren Teams verwaltet sie rund 40 Milliarden Schweizer Franken in Mischfondslösungen unter der Marke Swisscanto oder als Spezialmandate für institutionelle Anleger und hochvermögende Privatkunden. Vor ihrem Wechsel zur ZKB arbeitete sie viele Jahre bei der Credit Suisse, wo sie globale Führungspositionen bekleidete, etwa als Leiterin Volkswirtschaft, Chief Investment Officer und Leiterin Anlagelösungen. Hochberg promovierte an der Universität Wales und war dort vier Jahre lang Dozentin für Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Finanzmärkte. Sie studierte Wirtschaftsgeschichte und Volkswirtschaftslehre in Berlin und absolvierte erfolgreich ein Zusatzstudium am Collège d`Europe in Brügge. Die gebürtige Thüringerin, die 2001 in die Schweiz zog, ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Sie engagiert sich als Beirätin der «Fondsfrauen», des grössten deutschsprachigen Frauen-Finanz-Netzwerks für Frauen im Asset Management.

frankly – die Dritte Säule in der Hosentasche
frankly ist die Vorsorge-App der Zürcher Kantonalbank. Sie wurde im März 2020 lanciert, um das Vorsorgesparen attraktiver und nahbarer zu machen. Als digitale Lösung angelegt, ist das Angebot niederschwellig und sehr einfach gestaltet. In zehn Minuten ist diese 3. Säule auf dem Handy eingerichtet. Je mehr Leute mit frankly sparen, desto geringer die Gebühren – derzeit betragen sie 0,45 Prozent. frankly ist zwar eine Lösung der Zürcher Kantonalbank, aber mittlerweile stammen immer mehr Kundinnen und Kunden von ausserhalb des Kantons Zürich. Das verwaltete Vermögen beträgt 1,3 Milliarden Schweizer Franken. Über 63 000 User nutzen die App für ihr Vorsorgesparen, 38 Prozent davon sind Frauen.

Haben Sie Ihren Kompass richtig ausgerichtet?

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Nach den ersten beiden Monaten des Jahres liegt einiges, was wir uns zum Jahreswechsel motiviert vorgenommen haben, wahrscheinlich bereits wieder in weiter Ferne. Wie schaffen wir es also, den Dingen, die uns am Herzen liegen und guttun, im Alltag mehr Raum zu geben?

Oft sagen wir die Yogastunde, den Fitnessbesuch oder das private Mittagessen kurzfristig ab, weil ein Meeting wichtiger ist oder eine dringende Aufgabe erledigt werden muss. Wir priorisieren dann die Arbeit gegenüber unserem Privatleben, beziehungsweise unserem Wohlbefinden, und wundern uns, wenn wir abends erschöpft oder unzufrieden sind.

Dabei kann es auch anders gehen. Wie würde Ihr Leben aussehen, wenn Sie Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse ernster nehmen würden? Was würde sich verändern, wenn bei Ihren Entscheidungen Ihre Lebensqualität im Vordergrund stehen würde?

WIR STEHEN UNS OFT SELBST IM WEG
Unser Denken ist wie ein Kompass, der uns immer wieder an den gleichen Ort führt, wenn wir ihn nicht bewusst neu ausrichten. Wenn wir beispielsweise in unserem Alltag etwas verändern oder etwas Neues wagen wollen, dann finden wir oft eine Ausrede, um es letztlich nicht zu tun und in unserer Komfortzone zu bleiben.

Unser Gehirn mag nämlich keine Veränderungen, es ist auf Sicherheit und Kontrolle programmiert. Das führt dazu, dass wir uns mit ängstlichen Gedanken, einschränkenden Regeln oder übermässigem Druck selbst blockieren. So hindern wir uns daran, unser Potenzial zu entfalten und gehen wie mit angezogener Handbremse durchs Leben.

VERPASSEN SIE IHREM DENKEN EIN UPGRADE
Unsere Gefühle und unser Verhalten werden von unserem Denken beeinflusst. Wenn wir unsere Denkweise verändern, ändern wir auch unseren Blick auf die Welt und erkennen plötzlich viele neue Möglichkeiten, die das Leben uns bietet.

Dazu können wir zum Beispiel unser Bewertungssystem und unsere Konditionierungen hinterfragen und uns bewusst entscheiden, nach welchen Grundsätzen wir heute leben wollen. Wir dürfen unser Denken auch „bunter“ machen, indem wir vom Schwarz-Weiss- und Entweder-oder-Programm in einen Sowohl-als-auch-Modus wechseln.

Es lohnt sich, sich zu überlegen, was für Sie ein gutes und erfülltes Leben ausmacht; wie Sie Ihren Kompass ausrichten würden, wenn es um Ihre persönliche Entwicklung und Entfaltung geht. Die Neuausrichtung ist ein Anfang. Um eine nachhaltige Veränderung zu bewirken, ist es jedoch wichtig, den Kompass regelmässig zu nutzen und das neue Denken zu üben. So können Sie Ihre Lebensqualität Schritt für Schritt erhöhen, im Einklang mit Ihren beruflichen und privaten Zielen.


 

Verlosung

Ein Paradigmenwechsel vom Überlebens- zum Entfaltungsdenken zu vollziehen, ist mit professioneller Begleitung einfacher und meist wirkungsvoller. Daher verlosen wir zwei Zoom Coaching-Sessions, in denen wir Sie dabei unterstützen Ihren Kompass neu ausrichten.

Füllen Sie bis zum 31. März 2023 das Kontaktformular aus mit dem Hinweis WIB Wettbewerb. Die Gewinner:innen werden Anfang April informiert.

 


 

 

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Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Mehr Menschlichkeit und Lebensqualität in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Wir unterstützen Sie dabei, mutig und neugierig neue Perspektiven zu erfahren und einen empowernden Team Spirit zu kreieren. Wir stärken Ihre Selbstwirksamkeit und begleiten Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung für mehr Zufriedenheit im Alltag.
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Die Lotion magique von Renens

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Wäre Lebensmittelverschwendung ein Land, es wäre der drittgrösste Produzent von Treibhausgasen weltweit. Die promovierte Biologin Olga Dubey will dem etwas entgegensetzen und arbeitet mit ihrem Start-up AgroSustain an natürlichen Produkten, die Früchte und Gemüse länger haltbar machen.

Da, schon wieder! Ein Blick in die Gemüseschublade – und das Nachtessen wird umgeplant. Anstatt Pasta mit Zucchettisauce und einen grossen Gurkensalat gibt es Pasta mit Tomatensauce und einen kleinen Gurkensalat. Die Zucchetti und die Gurke haben sich im Kühlschrank verbrüdert und präsentieren sich an einem Ende matschig (die Gurke) und mit einem grauweissen Pelz gescheckt (die Zucchetti). Also heisst es, grosszügig rüsten und ab in den Grünkübel mit dem verdorbenen Gemüse.

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird jährlich etwa ein Drittel der weltweiten Lebensmittelproduktion im Wert von 1,66 Billionen US-Dollar verschwendet. Die Lebensmittelverschwendung, die bei der Lagerung und dem Transport schnell verderblicher Lebensmittel entsteht, ist zu einer der grössten Herausforderungen für die Lebensmittelindustrie geworden. Der WWF schätzt, dass in der Schweiz jährlich 2,8 Tonnen Lebensmittel im Kübel statt im Konsumentenmagen landen, das sind 330 Kilo pro Person. Für 40 Prozent der Lebensmittelverluste sind die Endverbraucher verantwortlich. Lebensmittelverschwendung findet aber an verschiedenen Punkten entlang der Wertschöpfungskette statt, nicht nur bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Auf die Landwirtschaft entfallen laut WWF Schweiz 11 Prozent, auf die Verarbeitung 30 Prozent, gefolgt von Gastronomie (12 Prozent) sowie Gross- und Detailhandel (7 Prozent).

Ein Team gegen Foodwaste
Olga Dubey und ihr Team bei AgroSustain haben sich dem Kampf gegen Foodwaste verschrieben. Das Start-up, das Olga 2018 zusammen mit ihrem Mann Sylvain gegründet hat, beschäftigt mittlerweile 14 Leute in der Forschung, der Produktion und dem Verkauf. Das junge Unternehmen ist vor Kurzem nach Renens gezogen, wo das Team in luftigen, hellen Räumen arbeitet – unter dem wachsamen Auge von Roxy, der kleinen Hündin der Dubeys, die in ihrem resoluten Wesen neben 50 Prozent Spitz wohl auch etwa 30 Prozent Officemanagerin vereint.

Im ersten Raum riecht es nach Bananen. Nach überreifen Bananen. Auf Tabletts liegen artig aufgereiht Bananen, die obere Reihe braun bis braunschwarz, die untere gelb. Im Minigewächshaus aus Plastik daneben stehen Bananenblätter in Glasflaschen. Auf der linken Seite braun und verschrumpelt, auf der rechten grün und saftig. Ein Mitarbeiter trägt ein Blech voller Kakaoschoten vorbei, die er gerade präpariert hat. Es wird sich später wohl dasselbe Bild präsentieren: Die nicht mit dem Produkt von AgroSustain behandelten Früchte verderben schneller als die behandelten. Im Produktionsraum – ein Reinraum, der nur mit entsprechender Schutzkleidung und gut gewaschenen Händen betreten wird – stehen Kübel mit der fertigen Lotion für den Transport zu einem Kunden bereit. Eine blitzblank geputzte Maschine, ähnlich einem Teigrührwerk, steht prominent im Raum. Hier wird das Produkt auf Pflanzenölbasis hergestellt, es mutet in Aussehen und Textur wie eine Mayonnaise oder eine Lotion an. Die genaue Zusammensetzung bleibt geheim.

Auf die Kunden gehört, neues Produkt entwickelt
Ursprünglich, so Olga Dubey, hätten sie ein Fungizid auf den Jahre bis zur Zertifizierung. «Für ein Start-up, wo sich drei Monate schon wie ein Jahr anfühlen, ist das keine Option. Kaum ein Investor ist bereit, ein solches Risiko mit Agritech einzugehen.» Dann kam Corona, das Geld wurde knapp und die Investoren zeigten sich noch risikoscheuer. Nach diversen Kundengesprächen begann AgroSustain schliesslich mit der Entwicklung eines Produkts, das die Frische von Lebensmitteln verlängert. Giovanelli Fruchtimport, ein Unternehmen, das in der Deutschschweiz exotische Früchte vertreibt, ist heute einer der wichtigen Kunden von AgroSustain. Seit März 2021 ist das Frauenfelder Unternehmen, das seit 1906 Früchte und Gemüse aus aller Welt importiert, strategischer Partner von AgroSustain. Gerade hätten sie einen Vertrag über mehrere Millionen Franken mit einer grossen französischen Firma unterzeichnet, die ebenfalls im Früchtehandel tätig sei, sagt Dubey. Den Namen verrät sie nicht, es gebe viel Vertraulichkeit in diesem Business, fügt die Unternehmerin mit einem verschmitzten Lächeln an.

Die drei wichtigen Nein
Potenzielle Kunden sind zum Beispiel Produzenten mit einem eigenen Verpackungsbetrieb. Sie können die Lotion direkt nach der Ernte auf ihre Produkte aufbringen, etwa indem sie sie besprühen oder in einem Bad behandeln. Das können Äpfel sein, Bananen, Mangos, Avocados. Produzenten von Südfrüchten verkaufen ihre Ware meist nach Volumen und sind bis zur Auslieferung für das Produkt verantwortlich. Es gilt die einfache Gleichung: Volumen gleich Geld. Schrumpfen zum Beispiel die Mangos auf dem Transportschiff nach Rotterdam, verliert der Produzent einen Teil seiner Einkünfte. Distributoren wiederum arbeiten unter enormem Druck. «In diesem Verteilzentren geht es zu wie in einem Ameisenhaufen. Alles ist durchorganisiert, alles muss schnell gehen. Mit unserem Produkt helfen wir den Verteilern, die Qualität länger zu erhalten, was wiederum den Druck etwas reduziert», sagt Dubey. Der Retailer wiederum will, dass Früchte und Gemüse im Laden frisch und schön aussehen, und das möglichst lange. Die drei wichtigen Nein in der Argumentationskette für den Kunden: Nein, man sieht nicht, dass die Produkte behandelt wurden. Nein, man riecht nichts. Nein, die Textur verändert sich nicht. «Gibt es nur ein einziges Ja, hast du den Kunden verloren», gibt Dubey zu bedenken. Noch ein Pluspunkt: Da die Beschichtung auf der Basis von Pflanzenöl hergestellt wird und daher nicht wasserlöslich ist, geht sie zu Hause auch durch Abwaschen nicht gleich verloren.

Tausche Pipette gegen PowerPoint
Aber wieso tut sich Olga Dubey dieses stressige Start-up-Leben überhaupt an? Die 32-Jährige lacht. «In der Forschung verbringst du viel Zeit im Labor mit wenig sozialer Interaktion.» Pipettieren könne sie nach all den Jahren im Labor nun wirklich gut, sagt sie schelmisch. Aber für ihr Business gelernt habe sie in der Einsamkeit des Labors vor allem eines: «Du musst die Dinge zu Ende denken, wenn du nicht ein paar Jahre deiner Arbeit verlieren willst. Genau das brauche ich auch als Unternehmerin.» Rückblickend sei sie wohl nicht sehr glücklich gewesen, so allein im Labor. Seit sie als Unternehmerin jeden Tag mit Leuten zu tun habe, viele Gespräche führe, präsentieren und überzeugen müsse, werde sie immer zufriedener. Der Tatsache, dass sie aus Russland für das Doktorat in die Schweiz an die Uni Lausanne gekommen ist, verdanke sie wohl ihrer Resilienz. «Im Gespräch mit anderen Kolleginnen und Kollegen, viele von ihnen aus Lateinamerika, entdecke ich immer wieder einen gemeinsamen Nenner: Sich in einem fremden Land einzuleben, zu etablieren, immer wieder kleinere und grössere Hürden nehmen zu müssen – das macht einen stark. Das hilft mir auch im Businessalltag. Ich habe gelernt dranzubleiben und mich durchzusetzen.»

Nachhaltigkeit für Generationen
Olga Dubey betont, dass der Erfolg von AgroSustain Teamarbeit sei. Ihr Mann Sylvain, ebenfalls promovierter Biologe, ist CTO des Unternehmens. Mit Frits Vranken als CCO und François Fidanza als CFO ergänzen zwei Männer mit grosser Businesserfahrung das Führungsteam. Und wie ist es so, mit dem Ehemann im gleichen Unternehmen zu arbeiten? Olga Dubey grinst: «Das ist ok. Ich habe mein Büro, er hat seins. Im gleichen Büro könnten wir nie arbeiten, das wäre wohl ein Desaster.» Sie hätten die Verantwortlichkeiten sehr früh getrennt. Sie stehe als CEO für alle sichtbar vorne, er sei verantwortlich für die Forschung und Entwicklung. Keiner rede dem anderen rein. «Und Zuhause sind Gespräche über die Arbeit tabu.» Dass für Businesstalk keine Zeit bleibt am Abend, dafür dürfte auch Richard, geboren Anfang 2022, sorgen. Unternehmensluft schnuppert er schon regelmässig, etwa wenn er beim Vater bei einer Besprechung auf dem Knie sitzt. Olga wünscht sich, dass ihr Kind naturnah und im Kontakt zu Tieren aufwächst. «Wer in und um die Natur herum erzogen wird, fühlt sich automatisch verantwortlich für seine Umwelt.» Nachhaltig zu leben könne man nicht einfach aus Büchern lernen, es brauche die persönliche Verbindung. «Und wenn er dann seine verrückten Eltern dauernd über Foodwaste sprechen hört, bleibt vielleicht noch zusätzlich etwas hängen.» ★


 

AgroSustain
Olga Dubey wird 1990 im russischen Kasan geboren. Sie studiert Biologie, macht ihren Masterabschluss am Max Plack Institut in Deutschland. Für ihr Doktorat wechselt sie an die Universität Lausanne. Ziel ihrer Doktorarbeit ist es, ein pflanzliches Mittel gegen Schädlinge zu finden. Im Jahr 2018 gründen Olga und Sylvain Dubey, beides promovierte Biologen, AgroSustain. Das Unternehmen entwickelt natürliche Lösungen zum Schutz von Nutzpflanzen, Obst und Gemüse und reduziert damit Lebensmittelabfälle und Treibhausgasemissionen. Die von den Forschern entwickelte biologische Lösung, eine natürliche Beschichtung auf Pflanzenölbasis, kann die Frische von Früchten und Gemüse um mehr als 20 Tage verlängern. Das Start-up erhielt zahlreiche Unterstützungen in der Höhe von insgesamt 4,8 Millionen Franken, etwa von BRIDGE, Venture Kick, Horizon2020. Zusätzlich sicherte sich AgroSustain über drei Investitionsrunden mehr als fünf Millionen Franken. Das Unternehmen mit Sitz in Renens oberhalb von Lausanne hat 14 Mitarbeitende. Mehr erfahren

Foto: www.agrosustain.ch

Im Gespräch mit Andrea Rytz

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Andrea Rytz, Chefin von 1250 Mitarbeitenden der Schulthess Klinik in Zürich, über Zielstrebigkeit, Tyrannen im Arztkittel und Herausforderungen, nun, da sie angekommen ist, am Ziel ihrer Träume.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Rytz, Sie haben es von der Röntgenfachfrau zur Spitaldirektorin gebracht. Überrascht?
Andrea Rytz
: Nein. Das war seit Abschluss meiner Lehre mein erklärtes Ziel.

Im Ernst?
Im Ernst. Als ich mit 21 vom Inselspital ans Unispital in Zürich wechselte, fragte mich Herr Fiechter, der damalige Chef-Röntgenassistent, was machen Sie in fünf Jahren? Ich antwortete, das weiss ich nicht genau, denke, ich arbeite dann immer noch im Röntgen, bin eine gute Fachfrau, bilde Junge aus. Und dann sagte ich: Was ich weiss, ist, dass ich irgendwann Spitaldirektorin sein will.

Ganz schön selbstbewusst.
Ja, mein Gegenüber fand das arrogant und hat mir das auch gesagt. Am Ende dieses Gesprächs hatte ich gelernt, wenn man weiss, was man will, ist man arrogant und wenn man mit 21 keinen Plan hat, ist man verpeilt. Jedenfalls bin ich dann recht gefordert worden, konnte im Notfall dann bald einmal ein kleines Team führen. Das hat mir sehr gefallen. Und ich habe viel gelernt.

Konkret?
Es gab einen Professor alter Schule. Wenn ich ihm die Röntgenaufnahmen brachte, fragte er jeweils, «Rytz, was sehen wir?» Ich habe gelernt, genau hinzusehen, zu beschreiben und zu diagnostizieren. Und vor allem: Nicht nur das Offensichtliche in Betracht zu ziehen, sondern das grosse Ganze. Dafür bin ich heute echt dankbar. Mit 27 wechselte ich als Abteilungsleiterin Radiologie in die Klinik «Im Park». Dort hatte ich dann mit einem Chefarzt zu tun, der eigentlich nie nett war, im Gegenteil. Damit habe ich gelernt umzugehen.

Geht das?
Ja, indem man nicht alles an sich heranlässt. Ich habe das im Schockraum in sehr jungen Jahren gelernt und kann das sehr gut. In 95 Prozent der Abende, da ich hier rauslaufe, denke ich nicht mehr ans Geschäft, sobald die Tür zu ist. Ich lasse alles hier.

Und in den anderen fünf Prozent?
Da ist etwas passiert, was mich persönlich betrifft.

Im Alter von 39, mit Zusatzausbildungen im Rucksack, wurden Sie schliesslich Spitaldirektorin.
In der Klinik Belair in Schaffhausen, ein kleines Spital in der Hirslanden-Gruppe, das ein Sanierungsfall war und so gesehen ideal, um das Handwerk der Klinikdirektorin zu lernen. Wir haben Prozesse optimiert und bauliche Massnahmen getroffen, um das Business effizient zu machen. Nach vier Jahren waren wir zurück in der Gewinnzone und ich wäre wohl immer noch da, wäre mein Chefarzt von damals nicht bei mir im Büro gewesen, als ich per Anruf die Anfrage erhielt, ob ich mich in der Schulthess Klinik bewerben möchte – was ich dankend ablehnte. Er sagte nur, «gehts noch, das musst du machen». Und hier bin ich.

Glücklich?
Sehr.

Die Schulthess Klinik gehört einer Stiftung, nicht einem gewinnorientierten Konzern. Da haben Sie sicher viel weniger Druck.
Naja. Wir stehen auf der Spitalliste und müssen daher wie alle anderen Spitäler auch einen EBITDA von mindestens zehn Prozent erreichen. Zudem: Wir finanzieren 34 Forscher mit den Mitteln, die wir im Betrieb erwirtschaften.

Ist das schwierig?
Es ist Arbeit, man muss sich anstrengen. Wir haben in den letzten sieben Jahren hier jeden Stein einmal umgedreht und neu gebaut, Prozesse und medizinische Abläufe neu definiert. So sind wir hocheffizient geworden. Wir arbeiten mit weniger Betten und weniger Personal und haben trotzdem ein Wachstum jedes Jahr von plus drei Prozent.

Auf Kosten von?
In einem Spital verdient man das Geld mit Prozessen. Und verliert Geld mit ineffizienten Prozessstrukturen. Das sind mitunter simple Themen. Ein Beispiel: Früher hat man bei jedem Patienten, der in den Operationssaal kam, einen Schmerzkatheter gelegt. Das machen wir nicht mehr. Wenn Sie Schmerzen haben, kommt unser Schmerzteam und eruiert, was Ihnen in dem Moment hilft. So haben wir alles in der Tiefe neu gedacht – und vieles revolutioniert hier. Noch ein Beispiel: Wir haben damit aufgehört, die Patienten kränker zu machen, als sie sind. Heisst: Unsere Patienten gehen heute zu Fuss in den Operationssaal und werden nicht im Bett reingeschoben. Zwei Stunden nach dem Eingriff steht man bei uns erstmals auf seiner neuen Hüfte und stellt fest, dass sie hält. Dieses Zutrauen beschleunigt den Heilungsprozess.

Was sind heute Ihre grössten Herausforderungen?
Die Preise sind fix. Ich kann nicht sagen, meine Stromkosten sind zehn Prozent höher, ich muss aufschlagen. Es gibt einen Tarif pro Patienten, der ist definiert und fertig. Das gleiche gilt für die EBITDA-Vorgabe von zehn Prozent. Das muss man dann erst einmal umsetzen.

Von wegen steigender Kosten: Die Strompreise sind im Galopp. Was geht in Ihnen vor?
Ich denke, was sind wir doch für coole Typen gewesen, dass wir letztes Jahr eine Flatrate bis 2024 ausgehandelt haben.

Im Ernst?
Ja, so ein Glück. Dazu entschieden wir uns wegen den sehr hohen Corona-Kosten. Ich wollte nicht noch einmal einen Kostenblock haben, der volatil ist. Wir haben die Flatrate auf dem Durchschnitt unseres Stromverbrauchs der letzten drei Jahre fixiert, was aus heutiger Sicht echt sehr cool ist.

Ihr Worst Case?
Menschliches Versagen mit entsprechenden Schlagzeilen in der Presse. Wir sehen pro Jahr 130 000 Patienten, führen 10 000 Operationen durch. Wir sind eine Fabrik. Wir haben alles vorgekehrt, um einen Fall Rosmarie Voser (eine Wirtin aus dem Rafzerfeld, der das Herz einer falschen Blutgruppe implantiert worden war, Anm. der Redaktion), der sich vor bald 20 Jahren im Unispital ereignet hat und an den sich bis heute jeder erinnert, der das mitgekriegt hat, bei uns auszuschliessen.

Wie führen Sie?
Anständig sein, sich nicht so wichtig nehmen, kein Machtgehabe aufführen. Ich habe Menschen gern. Sie interessieren mich und ich glaube Natürlichkeit, Offenheit und Freundlichkeit sind nie falsch, nicht gegenüber einem Arzt, nicht gegenüber einer Reinigungskraft. Ich würde sagen, ich bin sehr zugänglich und präsent, kenne sehr viele der 1250 Mitarbeitenden mit Namen.

Und wie entscheiden Sie?
Ich bin kein Alleinherrscher. Die strategischen und operativen Entscheidungen werden hier am Sitzungstisch in meinem Büro gefällt von sechs Personen.

Wird da auch gerungen?
Natürlich. Ich suche ja auch bewusst Menschen um mich herum aus, die anders denken, die Auseinandersetzung mit einem Thema bringt einen weiter. Wir sind hier alle per Du. Das macht es einfacher damit umzugehen, wenn die Emotionen hoch gehen. Da kann man auch mal sagen, hey, chill mal, trink einen Kaffee und beruhige dich. Dann diskutieren wir weiter, bis es gut ist und damit erledigt. Den Spruch: «Am Ende ist alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende» würde ich sofort unterschreiben.

Wie realistisch ist eigentlich die Serie «Grey’s Anatomy»?
Sehr. Ich könnte darüber ein Buch schreiben.

Und was hat es mit der Männerdomäne auf sich?
Eine Anekdote: Als ich hier beim Vorstellungsgespräch war, bin ich von einem Arzt am Tisch gefragt worden, ob ich ein Problem damit habe, eine Frau zu sein. Ich dachte, was für eine Frage, wir haben 2015! Ich habe geantwortet: Weiss nicht, ich war noch nie ein Mann. Aber wissen Sie, wenn ich Ihre Chefin werden sollte, hätte ich ein Problem mit Ihrer Ausdrucksweise. Daran müssten wir sofort arbeiten. Die Antwort auf Ihre Frage: Eine Frau zu sein, war für mich immer ein Vorteil und ich habe mir das zunutze gemacht, ist ja nicht mein einziger USP.

Ihr nächstes grosses Projekt?
Mein Mann und ich machen eine Weltreise. Dreieinhalb Monate.

Wer schmeisst die Klinik?
Meine Stellvertreterin.

Nervös?
Nervös machen würde es mich, wenn ich keine Stellvertretung hätte, die funktioniert, da müsste ich mich fragen, was ich alles falsch gemacht habe. ★

Foto: Schulthess Klinik

Geschäftsmodell Diversität

Posted by WOMEN IN BUSINESS

In den obersten Führungsebenen der Pharmaindustrie ist der Frauenanteil deutlich höher als in anderen Branchen. Warum das so ist, haben wir Silvia Schweickart, Chefin bei Novartis Pharma Schweiz, gefragt.

Seit drei Jahren hat sie die Verantwortung für ein Unternehmen mit rund 270 Mitarbeiterinnen und  Mitarbeitern, das für die Vermarktung von über 100 verschreibungspflichtigen Medikamenten zuständig ist. Allerdings hat Silvia Schweickart diese Führungsposition nicht bewusst angepeilt, ganz im Gegenteil: «Es handelt sich um einen puren Zufall. Zu Novartis bin ich über einen Headhunter gekommen. Als mir die Funktion der Pharma-Chefin angeboten wurde, nutzte ich diese Chance.» In der Gesundheitsbranche hat sie schon früh Fuss gefasst, ob als Head of Regional Marketing Europe bei Merz Aesthetics oder General Manager Switzerland bei Nestlé Skin Health S.A.

WOMEN IN BUSINESS: Silvia Schweickart, zu Ihren Aufgaben gehört, die Medikamente des globalen Novartis-Konzerns zu Patientinnen und Patienten in der Schweiz zu bringen. Was ist Ihre grösste Herausforderung?
Silvia Schweickart
: In unserer Branche nehmen Anforderungen aufgrund von Regularien, Behörden, aber auch Vergütungsverhandlungen und Compliance-Themen einen zentralen Platz ein. Das ist einerseits mit Einschränkungen verbunden und andererseits notwendig, damit die Arzneien eine optimale Wirkung erzielen und beispielsweise auch Nebenwirkungen rechtzeitig identifiziert werden können. Ich übe eine spannende Tätigkeit aus, zumal unser Konzern den Auftrag hat, mittels Therapien und Medikamenten vielen Patientinnen und Patienten Hoffnung auf Verbesserung ihrer Symptome oder gar auf eine mögliche Heilung zu schenken. Hierzu einen Beitrag leisten zu können, spornt mich immer wieder aufs Neue an.

Stichwort sozialer Aspekt: Ist dies einer der Gründe, weshalb mehr Frauen in der Pharmabranche vertreten sind, zumal diese laut manchen Forschern empathischer sind als Männer?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. In unserem Sektor weisen wir grundsätzlich einen hohen Frauenanteil auf, was auch auf mein Team zutrifft. Die Pharmaindustrie hat schon früh erkannt, dass Diversität nicht lediglich Männer und Frauen einschliesst, sondern auch unterschiedliche Hintergründe, Altersgruppen und verschiedene berufliche Erfahrungen, welche mit einem Mehrwert verbunden sind. Dadurch lässt sich eine grössere Nähe zur Kundschaft herstellen, da wir deren Bedürfnisse besser verstehen können. Novartis hat diesen Trend nicht zufällig aufgegriffen, denn es herrscht ein intensiver Wettbewerb um Nachwuchstalente. Wir können es uns nicht erlauben, auf männliche und weibliche Anwärter zu verzichten, die unserem Anforderungsprofil entsprechen. Deshalb unterstützen wir auch Eltern in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vor zwei Jahren haben wir zudem den Vaterschaftsurlaub eingeführt, und viele Männer nehmen dieses Angebot in Anspruch. Teilzeitanstellungen nehmen ebenfalls einen hohen Stellenwert ein.

Nach wie vor werden Teilzeitpensen kritisch betrachtet im Hinblick auf eine vielversprechende Karriere. Wie denken Sie darüber?
In meinem Team nehmen mehrere Führungskräfte kein Vollpensum wahr. Natürlich bringt eine verantwortungsvolle Position auch zeitliche Investitionen und Verpflichtungen mit sich. Dennoch übernehmen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Teilzeitpensum bei Novartis, und ich überlasse ihnen die Organisation. Ich würde nicht bestätigen, dass ein geringerer Beschäftigungsgrad weniger Chancen mit sich bringt. Oftmals ist es auch so, dass Personen zunächst 100 Prozent tätig sind, schliesslich reduzieren und zu einem späteren Zeitpunkt wiederum aufstocken.

Also gilt es nach wie vor, gegen Vorurteile anzukämpfen?
Absolut. Kreative Lösungsansätze sind gefragt. Wenn jemand mit einer 100-Prozent-Stelle auf 50 Prozent reduzieren möchte, kann man beispielsweise überlegen, ob ein Jobsharing eine gute Möglichkeit darstellen könnte.

An welche weiteren Arbeitsmodelle denken Sie?
Das hybride Arbeiten erfreut sich zunehmender Beliebtheit, und im Gegensatz zu manch anderen Firmen zeige ich mich als Chefin in dieser Hinsicht flexibel. Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, bringt Flexibilität in den Alltag hinein. Trotzdem lege ich Wert darauf, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch ins Büro kommen, um die Teamkultur aktiv zu leben, was einen Lunch oder einen Apéro miteinschliessen kann.

Kamen jemals Zweifel auf, Ihrer Position nicht gerecht zu werden?
Natürlich hegt man zu Beginn gewisse Bedenken. Der Respekt war vorhanden, aber nicht aufgrund meines Geschlechts. Ich finde es wichtig, einen leitenden Posten aus der inneren Überzeugung heraus zu übernehmen.

Was unterscheidet Sie von anderen Chefinnen?
Ob ich tatsächlich anders bin, kann ich nicht beurteilen. Für mich nimmt die Teamkultur einen wichtigen Platz ein. Ich lege Wert auf einen respektvollen Umgang, eine offene Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen. In einer Leadership-Funktion muss ich nicht nur die Unternehmensstrategie gestalten und umsetzen, sondern nehme auch eine grosse Verantwortung gegenüber anderen Menschen wahr.

Sie vertreten den Standpunkt, dass nicht das jeweilige Geschlecht im Fokus stehen soll im Zusammenhang mit Stellenbesetzungen.
Das trifft zu. Frauenförderung wird oft medial aufgegriffen. Aber ich stelle mich dagegen, in erster Linie eine weibliche Person zu berücksichtigen. Mir liegt viel daran, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutlich zu kommunizieren, dass wir Menschen mit passenden Profilen auswählen. Wir haben auch keine Frauenquote eingeführt. Die Person, welche am meisten überzeugt, erhält den Zuschlag.

Welche Eigenschaften sind notwendig, wenn man eine Führungsposition anstrebt?
Man muss den Willen aufbringen, innerhalb des Unternehmens etwas zu verändern sowie Einsatz zu zeigen und Mut aufzubringen. Wenn die nötige Passion in Bezug auf die Führungsrolle fehlt, wird sich kein Erfolg einstellen. Jüngeren Talenten, die sich noch in einer Entwicklungsphase befinden, gebe ich  gerne meinen «3×2-Tipp» mit auf den Weg. Wichtig ist, für unterschiedliche Funktionen offen zu sein und wenigstens in zwei unterschiedlichen Funktionen gearbeitet zu haben – zum Beispiel im Marketing- und zusätzlich im HR-Bereich. Diese Breite an Erfahrungen ist essenziell. Wer in einer internationalen Firma tätig ist, sollte ausserdem in mindestens zwei unterschiedlichen Ländern gelebt und gearbeitet haben. Schliesslich sollte die Person Erfahrung in mindestens zwei verschiedenen Geschäftsmodellen mitbringen, beispielsweise in einem Startup und in einem Grosskonzern.

Diversität wird in Ihrem Unternehmen ebenfalls grossgeschrieben. Weshalb?
Wir bieten unterschiedliche Jobprofile an, unter anderem im Aussendienst, im Marketing oder in der Qualitätskontrolle. Unternehmen können es sich nicht leisten, auf einen Teil der arbeitenden Bevölkerung zu verzichten, weil die Bandbreite an Ausbildungen, Berufserfahrung sowie Meinungen dringend gefragt ist – ebenso wie unterschiedliche Persönlichkeiten und Führungsstile. Das muss gezielt gefördert werden, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Kann die Diversität auch deshalb besser gelebt werden, weil Novartis ein internationaler Konzern ist?
Das würde ich nicht sagen, denn auch lokale Firmen können diesen Grundsatz bestens umsetzen und sich überlegen, wie sich dies fördern lässt. Es trifft zu, dass wir über Möglichkeiten verfügen, internationale Talente aus diversen Ländern an Bord zu holen. Das hat allerdings nichts mit unserer eigentlichen Firmenkultur zu tun. Die Verbindlichkeit, die Attraktivität des Arbeitgebers sowie die Entwicklungschancen gehören zu den Grundvoraussetzungen, um eine Arbeitsstelle attraktiv zu gestalten. Es existieren auch spezielle Förderungsprogramme für Frauen mit unterschiedlichem Fortschritt in den jeweiligen Branchen.

Stossen Sie hin und wieder an Ihre Grenzen?
Das kann zuweilen vorkommen, aber viele Menschen in Führungspositionen müssen mit einem vollen Terminkalender zurechtkommen. Viele Themen werden oft gleichzeitig an mich herangetragen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit Stresssituationen umzugehen. Abends gönne ich mir oft eine Yogastunde.

Das Gesundheitswesen steht vor grossen Veränderungen und Entwicklungen. Die Unternehmensstrategie muss laufend überprüft werden. Wie packen Sie das konkret an?
Die Diskussionen rund um die Bedeutung von Innovationen sowie um den Zugang zu neuen Medikamenten gewinnt weiter an Bedeutung. Ich setze mich für Lösungen ein, die sich gut umsetzen lassen und einen Mehrwert für alle Akteure im Gesundheitswesen bringen. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. ★


 

Silvia Schweickart
Nach Absolvierung der American School of Paris und der Erlangung des Bachelor und Master of Business Administration (BBA) an der Pepperdine University Los Angeles (USA) sowie eines MBA an der WHU-Otto Beisheim School of Management in Deutschland stieg Silvia Schweickart bei Saatchi & Saatchi Healthcare Communications ein. Es folgten Stationen bei Merz Aesthetics in Deutschland und Grossbritannien. Anschliessend übernahm sie die Rolle des General Managers für die Schweiz bei Nestlé Skin Health. Seit 2019 ist sie Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Novartis Pharma Schweiz.

 

WOMAN OF THE YEAR 2022 Laura Meyer

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Laura Meyer, seit 2021 CEO der Hotelplan Group, ist «Woman of the Year 2022». Im Interview spricht die Digitalexpertin über ihre Zeit als Krisenmanagerin, darüber, wie der Tourismus der Zukunft aussieht und wo sie als Tourismus-Expertin mit ihrer Familie die Festtage verbringen wird.

WOMEN IN BUSINESS: Liebe Laura Meyer, herzliche Gratulation: Sie sind von einer Community aus erfolgreichen, starken Wirtschaftsfrauen zur «Woman of the Year» gewählt worden. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Laura Meyer: Der Preis ehrt mich sehr. Ich nehme ihn stellvertretend für alle Mitarbeitenden der Hotelplan Group an. Dank ihrer hervorragenden Leistung und ihrem grossem Engagement stehen wir heute da, wo wir sind – und dies nach zwei sehr herausfordernden Jahren.

In der grössten Krise, die die Tourismusbranche je erlebt hat, haben Sie Anfang 2021 bei der Hotelplan Group das Steuer als CEO übernommen. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen fast die Hälfte des Umsatzes verloren, über 100 Millionen Franken Verlust gemacht, mehrere hundert Stellen wurden abgebaut.
Ja, der Einstieg war sicher anspruchsvoll. Die Unsicherheiten waren gross. Ein Vorteil war allerdings, dass ich das Unternehmen bereits kannte, da ich seit 2018 Verwaltungsrätin bei Hotelplan Group war.

Sie waren gerade mal 40 Jahre alt und traten Ihren ersten CEO-Job gleich als Krisenmanagerin in einem Unternehmen mit rund 2000 Mitarbeitenden an. Ganz schön mutig!
Vielleicht. Anderseits war für mich klar, dass die Pandemie eines Tages vorbei sein wird und die Menschen dann wieder reisen wollen – Reisen ist ein wichtiger Teil von Lebensqualität! Als Tochterunternehmen der Migros waren und sind wir in einer privilegierten Situation. Insofern verstand ich den Einstieg als CEO in so einer Zeit auch als Chance! Und ja: Ich mag Herausforderungen. Ich muss etwas bewegen können, ich möchte mit Leuten arbeiten, die – wie ich auch – mit Leidenschaft dabei sind und anpacken können.

Woher kommen eigentlich diese innere Stärke, die Sie ausstrahlen, der Wille, immer weiterzugehen, die Lust, grosse Herausforderungen anzupacken?
Ich war schon immer sehr neugierig und abenteuerlustig. Mein Mann findet das zwar teilweise immer noch anstrengend (lacht). Ich komme aus einer Familie mit starken Frauen. Meine Urgrossmutter führte eine Schreinerei und hatte fünf Kinder, meine Grossmutter war eine der ersten Gemeinderätinnen in Zürich, meine Mutter hat mit 50 Jahren nochmals ein Studium angepackt. Dazu kommt: Ich habe schon früh mein eigenes Geld verdient. Während des Gymnasiums und Studiums habe ich gejobbt, im Kino oder in Restaurants. Das hat mich belastbar und unabhängig gemacht. Aber auch meine Auslanderfahrungen haben mich weitergebracht.

Wo waren Sie unterwegs?
Wir sind schon mit unserer Mutter viel gereist, während des Studiums habe ich ein Jahr in Spanien verbracht, in meiner Zeit als Unternehmensberaterin war ich in mehr als zehn Ländern auf vier Kontinenten unterwegs.

Im Vorfeld der Bundesratswahl kam die Diskussionen auf, ob man das Amt überhaupt ausüben kann, als Frau mit jüngeren Kindern. Sie selber sind Mutter von zwei fünf- und sieben-jährigen Buben – Ihre Meinung?
Dazu kommt mir ein Zitat der deutschen Managerin Janina Kugel in den Sinn «Kinder und Karriere geht schon, ist halt sauanstrengend». Was es zwingend braucht, ist eine gute Betreuungsstruktur. Ich habe das grosse Glück, einen sehr engagierten Mann zu haben und überhaupt ein sehr unterstützendes familiäres Umfeld. Dafür bin ich enorm dankbar.

Was ist bei der Vereinbarkeitsdebatte wichtig aus Unternehmenssicht?
Firmen sollten einen Rahmen schaffen, der jungen Eltern ermöglicht, weiterhin anspruchsvolle Jobs zu leisten. Flexibilität ist wichtig, für Mütter und Väter. Bei der Hotelplan Gruppe ermöglichen wir deshalb zum Beispiel, dass die von uns überobligatorisch geleistete Mutterschaftszeit durch den Mann bezogen werden kann. Ausserdem haben wir die Vaterschaftszeit auf vier Wochen erhöht.

Von jungen, kompetenten, gescheiten Frauen höre ich in meinen Coachings regelmässig, sie würden sich einen Job im Management nicht zutrauen. Sie meinen, sie seien nicht gut genug.
Ja, ich weiss, dass kommt immer noch vor. Schade. Und ganz ehrlich, manchmal ärgere ich mich etwas darüber.

Warum?
Auch wenn es bestimmt noch herausfordernd ist und auch grosse Branchenunterschiede gibt – die Zeiten für Frauenkarrieren waren doch noch nie so gut wie heute!

Was möchten Sie diesen Frauen zurufen?
Traut euch und sucht einen Job, der Spass macht, bei dem ihr etwas bewegen könnt, immer wieder Neues lernt und gefördert und gefordert werdet. Das gleiche gilt natürlich auch für Männer!

Sie haben ursprünglich Rechtswissenschaften studiert, dann einen MBA gemacht, Sie waren weltweit für McKinsey in der Beratung tätig oder auch bei der NZZ, wo Sie seit kurzem im Verwaltungsrat Einsitz haben. Vor Ihrem Wechsel zu Hotelplan waren Sie Head of Digital Distribution & Analytics bei der UBS. Was ist der rote Faden in Ihrer Karriere?
Mich haben Veränderungen und was diese für Unternehmen bedeuten, immer interessiert: die digitale Transformation, ein sich stetig veränderndes Kundenverhalten, Nachhaltigkeit. Alles Themen, die auch für die Tourismusbranche zentral sind.

Wie gut hat sich die Hotelplan Group seit der Pandemie erholt?
Die Pandemie hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig vielen Menschen das Reisen ist. Es hat sich ein effektiver Nachholbedarf aufgestaut. Wir sind zufrieden mit dem Sommer- und Herbstgeschäft. Die Unsicherheiten bleiben aber gross: Inflation, politische Unsicherheiten, Pandemie – in unserer Branche bleibt es anspruchsvoll.

Während der Pandemie hatten sich viele Leute gewünscht, dass sie ihre Reisen in einem Reisebüro gebucht hätten, statt über anonyme Online-Plattformen, wo sie sich mit den Stornierungen selbst herumschlagen mussten. Wird heute wieder mehr im Reisebüro gebucht?
Ja, wir haben tatsächlich nicht nur im Geschäftsreisenbereich, sondern auch bei den Freizeitreisen, viele Neukundinnen und Neukunden gewonnen. Ihnen geht es um die Sicherheit und das Vertrauen, die wir als Reiseveranstalter bieten. Einige haben während der Pandemie Geld verloren, weil sie ihre Reise selbst zusammengestellt hatten. Mit uns hat keine Kundin, kein Kunde und kein Partner Geld verloren – darauf bin ich stolz.

Grundsätzlich gehen die Buchungen im Reisebüro aber zurück.
Das ist richtig, der Anteil des Online-Reisemarkts steigt. Auch wir generieren etwas über die Hälfte des Umsatzes über unsere Onlineplattformen. Aber ich erinnere gern daran, dass die Reisebüros schon vor mehr als zehn Jahren totgesagt wurden, als die grossen digitalen Plattformen in den Markt drängten. Und es stimmt, einige, auch namhafte Reisebüros, sind verschwunden. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es auch in Zukunft einen Wert hat, wenn Expertinnen und Experten bei der Reiseplanung unterstützen. Ob diese in Reisebüros sitzen, online, per Videocall oder von mir aus im Metaverse beraten, ist zweitrangig.

Buchen kann man seine Reisen schon seit Jahren digital. Wie wird die Digitalisierung die Reisebranche zusätzlich transformieren?
Kundenbedürfnisse sind unterschiedlich. Gewinnen werden diejenigen, die es schaffen, über alle Kanäle hinweg personalisiert, und im richtigen Moment die relevanten Inspirationen und Informationen zu liefern. Deshalb ist auch unser Credo: Wo auch immer wir digitale Angebote anbieten, stehen unsere Kundinnen und Kunden im Zentrum. Wir fragen uns: Was brauchen Sie? Was bringen ihnen die digitalen Services und ganz wichtig: sind sie einfach nutzbar? Bei Hotelplan Suisse zum Beispiel führen wir Beratungsgespräche auch per Videotelefonie. Ausserdem haben wir einen virtuellen Berater und unser Inspirationstool Holiday Finder eingeführt; Kundinnen swipen sich damit zum perfekten Ferienmatch.

Welche Rolle spielen die Social-Media-Kanäle?
Sie sind besonders in der Inspirationsphase wichtig. Es gibt ja diese sogenannten Once-in-a-Lifetime-Destinationen oder auch Locations, die als besonders Instagram-tauglich gelten. Diese sind wahre Magnete für die Social-Media-Community. Man schaut sie gerne an und kommt in Stimmung, selbst eine Reise zu buchen.

Wenn man Digitalexperten Glauben schenken will, wird sich unser Leben zunehmend in den virtuellen Raum verschieben. Welche Rolle spielt Virtual Reality in Ihrer Branche?
Virtual Reality wird sicher an Bedeutung gewinnen. Stellen Sie sich vor, Sie sind im Reisebüro, setzen eine VR-Brille auf und können zum Beispiel durch das Hotel schlendern, das Sie bislang im Prospekt oder auf der Webpage angeschaut haben. Da bekommen Sie doch einen ganz anderen Eindruck.

Warum haben Sie dann Ihr VR-Testprojekt 2017, das Sie in einigen Reisebüros durchführten, wieder abgebrochen?
Ganz einfach: Weil wir viel zu früh waren. Wir hatten zu wenig Content, das heisst, es gab nicht genug Material zum Anschauen. Aber glauben Sie mir, die Frage ist nicht, ob dieses Angebot kommt, sondern, wann. Die Reiseveranstalter, Hotels, Destinationen, Anbieter von Kreuzfahrten – niemand kann sich erlauben, diese Entwicklung zu verpassen.

Warum soll ich mich künftig mit tausenden Touristen durch Venedig zwängen, wenn ich dank VR gemütlich von zu Hause aus durch die Lagunenstadt schlendern kann?
Wir sind uns sicher einig – Sie werden niemals das gleiche Gefühl haben, wenn Sie virtuell auf dem Sofa unterwegs sind, als effektiv vor Ort. Wenn Sie traditionell reisen, lassen Sie Ihren Alltag zurück und tauchen in neue Welten ein, die wirklich alle Sinne berühren. Aber wie bereits gesagt: Als Quelle der Inspiration wird virtuelle Realität sicher grossartig sein.

Ein weiteres wichtiges Thema für Sie ist Nachhaltigkeit.
Ja, das Thema liegt mir nicht nur als CEO eines Reiseveranstalters, sondern auch persönlich sehr am Herzen. Gerade als Mutter bin ich sehr besorgt darüber, in welchem Zustand wir unseren Planeten den nächsten Generationen hinterlassen. Das Thema Nachhaltigkeit darf niemanden kalt lassen.

Wie sieht die Nachhaltigkeitsstrategie von Hotelplan aus?
Wir verfolgen eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie mit ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten. Nachhaltigkeit ist ein äusserst komplexes Thema. Nur schon an der Frage, wie sie gemessen wird, scheiden sich die Geister. Wir engagieren uns deshalb auch aktiv bei der der Branchenorganisation Futouris für mehr Transparenz, einheitliche Berechnung und Darstellung von CO2-Emissionen.

Bleiben wir kurz bei den ökologischen Aspekten. Wollen Ihre Kunden zunehmend klimafreundlich reisen?
Ja, immer mehr Kundinnen und Kunden wollen ihre CO2-Emissonen beim Reisen reduzieren. Wir möchten ihnen immer genauer aufzeigen, wieviel CO2 sie durch ihre Reise ausstossen und wie sie diese mit einem Klick kompensieren können.

Was können Sie ihnen sonst noch anbieten?
Zum Beispiel Ferien in der Schweiz – im Ferienwohnungsgeschäft sind wir mit unserer Marke Interhome stark im Markt vertreten. Dann reisen immer mehr Leute gerne mit dem Zug: Beliebt sind Städtereisen nach Paris, Mailand oder Frankfurt, Familien nehmen gerne Nachtzüge. Deswegen haben wir bei der Hotelplan-Marke Migros Ferien neu auch Pauschalreisen mit dem Zug im Programm.

Und bei den Geschäftsreisen? In der Pandemie waren sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich. Was ist davon geblieben?
Viele Unternehmen legen heute fest, für welche Destinationen der Zug und wohin der Flieger genommen wird. Sicher interessant ist diesbezüglich ein Angebot unseres Tochterunternehmen Finass: Als erstes Businessreiseunternehmen der Schweiz können hier Flüge mit Sustainable Aviation Fuels gebucht werden, welche den CO2-Fussabdruck stark reduzieren.

Was unternimmt die Hotelplan Gruppe selbst?
Unser Ziel ist, unseren CO2-Ausstoss bis 2030 zu halbieren und bis 2050 gar netto Null zu erreichen. Bereits dieses Jahr sind wir bei den direkten Emissionen und auch bei den indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie klimaneutral.

Lassen Sie uns noch kurz in die Zukunft schauen. Wir haben Krieg in Europa, die geopolitische Lage ist äusserst instabil, die wirtschaftlichen Aussichten sind trüb: Was heisst das für die Reisebranche?
Die Unsicherheiten bleiben gross. Aber als Reisebranche sind wir uns Krisen und Volatilität gewohnt – jede Krise auf der Welt betrifft uns irgendwie. Wichtig ist, schnell aber besonnen zu handeln und möglichst viel Flexibilität in relevante Prozesse einzubauen.

Fliegen war lange sehr günstig oder zu günstig, um genau zu sein. Was kommt da auf uns zu? Wer kann sich künftig noch Ferien leisten?
Ich gehe davon aus, dass die Zeit der Billigsttickets vorbei ist. Das ist auch gut so. Bei der jetzigen Energiepreisentwicklung bleiben die Kosten für Kerosin noch länger hoch. Flugpreise sind aber sowieso volatil und primär abhängig von Angebot und Nachfrage. Als Hotelplan Gruppe arbeiten wir deshalb für unsere wichtigsten Destinationen mit Charterplätzen, bei denen wir die Preise stabiler halten können. So können wir hoffentlich auch in Zukunft Schweizerinnen und Schweizer mit kleinem Budget Ferien ermöglichen – ganz gemäss der Vision von Dutti. Leider sind auch Zugreisen nicht billig. Ich würde mich freuen, wenn die Nachtzüge etwas günstiger würden und das Angebot grösser wäre – diesen Sommer war es fast unmöglich, kurzfristig einen Platz zu bekommen.

Die Festtage stehen vor der Tür, wohin reisen Frau und Herr Schweizer über die Festtage?
Neben den Ferien in den Bergen sind Reisen in warme Destinationen wieder sehr gefragt, wie zum Beispiel auf die Malediven, Seychellen, Ägypten, Gran Canaria oder Costa Rica. Aus Nachhaltigkeitssicht empfehlen wir: lieber weniger häufig an diese Orte reisen, dafür länger bleiben – wenn man es sich einrichten kann.

Und wo werden Sie mit Ihrer Familie die Weihnachtsferien verbringen?
Die Festtage verbringen wir an diversen Familienfeiern in und rundum Zürich. Danach gehen wir Skifahren in den Schweizer Bergen – natürlich in einer Ferienwohnung von Interhome. ★


 

Laura Meyer
Laura Meyer (41) übernahm Anfang 2021 als CEO das Steuer beim Reiseunternehmen Hotelplan Group. Zuvor hatte sie seit 2018 als Mitglied des Verwaltungsrats die Geschicke des internationalen Konzerns mitbestimmt. Vor ihrem Wechsel in die Tourismusbranche war Laura Meyer als Managing Director und Head of Digital Distribution & Analytics bei der UBS Switzerland tätig. Die Zürcherin, die über einen Master of Law der Universität Zürich und einen Master in Business Administration der privaten französischen Wirtschaftshochschule Insead verfügt, hatte nach dem Studium ihre Karriere in der Unternehmensberatung bei McKinsey begonnen. Sie war sechs Jahre für das Unternehmen in über zehn Ländern auf vier Kontinenten unterwegs. Im Frühling 2022 wurde die Digitalexpertin in den Verwaltungsrat der NZZ gewählt. Laura Meyer ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Hotelplan
Hotelplan wurde 1935 von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler gegründet, um Familien aus einfacheren Verhältnissen Ferien in der Schweiz zu ermöglichen. Seither hat sich das Unternehmen zu einem internationalen Reisekonzern entwickelt. Heute arbeiten rund 2000 Mitarbeitende in Europa für die Hotelplan Gruppe. Sie ist in den Bereichen Badeferien, Individual- und Rundreisen, der  Vermittlung von Ferienwohnungen und Ferienhäusern sowie auch im Geschäftsreisebereich tätig. Das Unternehmen ist in vollständigem Besitz des Migros-Genossenschafts-Bundes.

Foto: Hotelplan Group

Unsicherheit gehört zum Leben

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Zum Jahresende blicken viele Menschen jeweils zurück. Was habe ich dieses Jahr genossen? Welche Erlebnisse haben mich herausgefordert? Auf die Frage, wie Ihr 2022 war, können wahrscheinlich die wenigsten von Ihnen eine eindeutige Antwort geben. Doch das darf so sein.

Wir erleben wundervolle Momente in traurigen Situationen und nerven uns auch mal, wenn eigentlich alles gut läuft. Das Leben ist nicht immer nur gut oder schlecht. Unsere Welt ist vielschichtig und komplexe Situationen sind immer mehrdeutig.

Die eine Lösung gibt es selten
In unserer schnelllebigen Zeit, in der wir ständig neue und häufig auch widersprüchliche Informationen erhalten, wird diese Mehrdeutigkeit immer präsenter. Sie mussten sich sicher auch schon für eine bestimmte Lösung entscheiden, im Wissen, dass auch eine andere Option gut gewesen wäre. Wir können immer weniger auf bewährte Methoden zurückgreifen und müssen deshalb neuartige Lösungen erarbeiten. Dabei wissen wir selten, ob dieser Weg – von der Zukunft aus betrachtet – wirklich der richtige gewesen ist. Es gibt Menschen, die gut mit dieser Komplexität und Unsicherheit umgehen können, andere hadern, flüchten sich in ein Schwarz-Weiss-Denken und begegnen allem Unbekannten mit Angst.

Mit Widersprüchen leben lernen
Der Fachbegriff für einen konstruktiven Umgang mit Mehrdeutigkeit ist die Ambiguitätstoleranz. Menschen, die diese Fähigkeit haben, betrachten Mehrdeutigkeit differenzierter und begegnen Widersprüchen offener. So bleiben sie auch bei Unsicherheit gelassener. Das erleichtert Ihnen, gute Lösungen oder Kompromisse zu finden.

Möchten auch Sie Ihre Ambiguitätstoleranz stärken? Dann machen Sie sich zuerst bewusst, dass Widersprüchlichkeit zum Leben gehört und versuchen Sie, dies anzunehmen. Zudem lohnt es sich, öfters die eigene Komfortzone zu verlassen. Sie werden sehen, wie Sie mit jeder positiven Erfahrung weniger Angst vor dem Ungewissen haben und immer neugieriger werden. So wird es Ihnen mit der Zeit einfacher fallen, Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen und nicht nur dem Leben, sondern auch Ihren Mitmenschen offener zu begegnen.

Ein gutes Übungsfeld dürften für viele die anstehenden Festtage sein. Denn gerade für die Menschen, die uns am nächsten stehen, fehlt uns oftmals das Verständnis, das wir anderen gegenüber aufbringen. Es ist wichtig, dass wir uns darin üben, denn mit einer neugierigen, offenen und vertrauensvollen Haltung können wir die Herausforderungen unserer Zeit konstruktiv angehen.

Ambiguitätstoleranz hat auch viel mit persönlicher Reife zu tun. Je mehr wir mit unserem Inneren verbunden sind, desto weniger sind wir von den äusseren Umständen beherrscht. In unserem online Leadership-Programm lernen Sie sich selbst besser kennen und stärken Ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen. Für die Beta-Version, die am 1. Februar 2023 mit einem kurzen Kick-Off Online Workshop startet, haben wir nur noch 2 Plätze frei. Wenn Sie also bereits eine Führungsrolle haben oder bald eine übernehmen wollen, dann sichern Sie sich jetzt einen der begehrten Plätze!


 

CC Studio GmbH – Coaching & Consulting
Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Mehr Menschlichkeit in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Wir unterstützen Führungspersonen und Teams dabei, mutig und neugierig neue Perspektiven zu erfahren und einen empowernden Team Spirit zu kreieren. Wir stärken Ihre Selbstwirksamkeit, fördern Ihre persönliche Entwicklung und Entfaltung für mehr Lebensqualität. www.ccstudio.ch

Seien Sie neugierig!

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Zum Jahresende häufen sich für viele von uns die gesellschaftlichen Anlässe. Manche freuen sich auf zahlreiche bereichernde Begegnungen, für andere ist es eine lästige Verpflichtung. Wie ergeht es Ihnen bei solchen Gelegenheiten?

Gerade bei Networking Events setzen wir uns oft unnötig unter Druck. Wir wollen mit möglichst vielen Menschen in Kontakt kommen und dabei einen guten Eindruck hinterlassen. Ob ein Abend anregend und erfolgreich war, hängt jedoch oft nicht von der Anzahl der Gesprächspartner:innen sondern vielmehr von der Qualität der Gespräche ab.

Was macht ein gutes Gespräch aus?
Eine gute Unterhaltung fühlt sich ein wenig nach Tanzen an, nach Geben und Nehmen. Es bedarf Präsenz und ehrliches Interesse am Gegenüber. Seien Sie also aufmerksam, neugierig und offen, etwas Neues zu erfahren.

Menschen erinnern sich weniger an das, was Sie gesagt haben, als daran, wie sie sich in Ihrer Gegenwart gefühlt haben. Überlegen Sie mal, wie es sich anfühlt, wenn jemand Ihnen aufmerksam zuhört, versucht Ihre Meinung zu verstehen und nicht einfach den eigenen Standpunkt deutlich zu machen? Genau das können Sie für sich nutzen. Wenn Sie empathisch kommunizieren, bleiben Sie nicht nur in guter Erinnerung, Sie lernen etwas über Ihre Gesprächspartner:innen und fühlen sich durch bereichernde Gespräche gestärkt.

Zuhören ist eine Kunst für sich
Gemäss Stephen Covey hören die meisten Menschen nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten. Seien Sie also neugierig und trauen Sie sich nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstehen. Offene, sogenannte W-Fragen (Was? Wie? Wer? Wann? Wo?) eignen sich dafür gut. Bleiben Sie während des Gesprächs aufmerksam und halten Sie nicht im Kopf an eigenen Fragen oder Inputs fest. Sie verlieren sonst rasch den Faden und wirken abwesend.

Gerade wenn Menschen etwas sehr Persönliches teilen, verspüren wir oft den Impuls, unser Gegenüber zu bestärken, indem wir von ähnlichen Erlebnissen erzählen. Das ist zwar gut gemeint, hilft der anderen Person aber selten. Zeigen Sie stattdessen Mitgefühl und lassen Sie der Person Raum, um über ihre Erfahrung zu sprechen.

Die eigene Botschaft klar vermitteln
Zu einer guten Gesprächsführung gehört nicht nur das achtsame Zuhören, sondern auch die eigene Botschaft verständlich darzulegen. Überlegen Sie, was wirklich wichtig und interessant für Ihr Gegenüber ist und fokussieren Sie sich darauf. Verlieren Sie sich nicht in Details und machen Sie immer wieder kurze Pausen. Das ermöglicht den Zuhörenden Fragen zu stellen.

Erfolgreich kommunizieren zu können, ist nicht nur an Networking Events von Vorteil. Es hilft Ihnen auch, Ihre Beziehungen zu vertiefen und Konflikte zu vermeiden – sowohl im Privatleben als auch im Beruf.


 

CC Studio GmbH – Coaching & Consulting
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Einmaliges Angebot: 12 Wochen transformatives Leadership Coaching Programm
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Möbel für die hybride Zukunft

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Raphael Gielgen ist Future-of-Work-Trendscout bei Vitra – eine spannende und herausfordernde Aufgabe. Er soll in unserer sich rasant verändernden Welt herausfinden, wie unsere künftige Arbeitswelt aussehen wird.

WOMEN IN BUSINESS: Unter einem Future-of-Work-Trendscout stellen wir uns einen Schokoladenjob vor, bei dem Sie viel in der Welt herumreisen und aufregende Orte besuchen. Was tun Sie als Future-of-Work-Trendscout für Vitra tatsächlich?
Raphael Gielgen: Meine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, das Wesen der Wissensarbeit zu verstehen. Ich versuche zu ergründen, wie diese Wissensarbeit in einer Zoom-Out-Perspektive, also in fünf oder zehn Jahren, organisiert und gestaltet sein wird. Meine Perspektive ist also nicht heute oder morgen, sondern die Zukunft.

Was heisst das genau?
Ich muss bei meinen Überlegungen einen deutlichen Zeitsprung machen, wobei mein Gedankengang auf vier Dimensionen bzw. Fragen beruht: Wo findet die Arbeit in Zukunft statt? An welchen Themen und Inhalten werden wir arbeiten? Mit wem, also mit welchen Kolleginnen und Kollegen, werden wir das tun? Und welches sind die wesentlichen Tools, mit denen wir arbeiten werden? Mein zeitlicher Horizont ist also die Zukunft, mein inhaltlicher Kontext die Wissensarbeit.

Wie wird man zum Future-of-Work-Trendscout?
Ich war immer schon neugierig und kann mich gut und schnell auf andere Menschen einstellen. Ich lernte zuerst Schreiner, musste aber nach fünf Jahren feststellen, dass mein Talent für diesen Beruf nicht das allerbeste war, dass ich es aber umso besser mit Leuten kann. Ich habe dann in einem Einrichtungshaus gehobenen Standards eine zweite Ausbildung gemacht und bin in der Folge dem Thema Raum über viele Jahre treu geblieben. Dabei habe ich mich vor allem mit dem Einrichten, Planen und Verkaufen von Büros beschäftigt, und zwar in unterschiedlichen Funktionen, so zum Beispiel als Leiter eines Teams von Innenarchitekten oder als Geschäftsführer einer Vertriebsorganisation. Was mich dabei als Konstante begleitete: Ich habe immer Projekte gemacht, die Neuland waren. Ich wollte nie einfach nur verwalten und der Routine verfallen. Als ich eines Tages schliesslich zu Vitra wechseln wollte, hat mein alter Arbeitgeber von seinem Recht des Wettbewerbsverbots Gebrauch gemacht.

Warum?
Bei Vitra sollte ich, ähnlich wie bei meinem alten Arbeitgeber, ebenfalls in der vertriebsnahen Beratung eingesetzt werden, und zwar zur Betreuung von Grosskunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So war es jedenfalls ursprünglich geplant. Deshalb durfte ich nicht direkt zu Vitra wechseln, sondern mir wurde eine einjährige Arbeitssperre auferlegt.

Ein Jahr lang sassen Sie gewissermassen auf der Strafbank?
Jein! Ich verschaffte mir einen Ersatzjob bei einer Firma, die Innenräume mit grossen vertikalen Gärten und Wasserwänden naturnah gestaltete. Rein technisch hatte ich davon zwar keine Ahnung, aber ich habe gemerkt, wie interessant das Ganze war. Also habe ich damit angefangen, über grundsätzliche Dinge nachzudenken. Die Firma konnte von mir nicht erwarten, dass ich Wasserpumpen oder die Düngung der Pflanzen optimieren würde. Meine Aufgabe bestand vielmehr darin, das bestehende Geschäftsmodell grundsätzlich in Frage zu stellen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Allmählich habe ich gemerkt, dass diese neue Tätigkeit ein Stück weit meine Berufung ist, denn ich konnte dabei all meine Talente, Erfahrungen und mein ganzes Wissen einbringen. Gleichzeitig reifte in mir der Gedanke: Wie wäre das eigentlich, wenn du genau das auch für Vitra tätest?

Die Idee zum Future-of-Work-Trendscout verdanken Sie also Ihrer Wartezeit in einem Ersatzjob?
So ungefähr! Jedenfalls ergab dann das eine das andere, und schliesslich kreierten wir bei meinem Stellenantritt bei Vitra vor neun Jahren den neuen Job eines Future-of-Work-Trendscout. Es war gewissermassen eine Stelle mit einem offenen Profil. Allen war bewusst, dass wir uns auf ein Experiment einliessen, ohne zu wissen, was das dem Unternehmen bringen würde.

Das Experiment ist offenbar geglückt, denn Ihre Expertise ist heute sehr gefragt. Zumal nach Corona die Frage im Raum steht, wie der Arbeitsort gestaltet sein muss, an den die mittlerweile ans Home-Office gewöhnten Mitarbeitenden gerne wieder zurückkehren. Wie also muss das Büro konzipiert sein, damit es attraktiver ist als das Home-Office?
Der grösste Impuls, nach einer langen Zeit der Isolierung wieder ins Büro zurückzukehren, ist der Wunsch nach sozialen Kontakten. Hingegen lassen sich Aufgaben, bei denen man sowieso allein vor dem Bildschirm sitzt, weiterhin gut auch zu Hause erledigen. Das Zuhause ist sogar ein ausgesprochen idealer Ort zur Erledigung von Routinearbeit. Andererseits benötigen die Menschen regelmässig Rituale, die das soziale Gefüge stärken. Dazu gehören das gemeinsame Essen im Kreis der Kolleginnen und Kollegen, ob in der Kantine oder im Restaurant, Kaffeepausen, informelle Gespräche, Lehrveranstaltungen usw. Die Intimität dieser Rituale und das gegenseitige Vertrauen, das dabei entsteht, lassen sich nicht vergleichen mit dem distanzierten sozialen Austausch bei einem virtuellen Meeting am Bildschirm. Sowieso lässt sich vieles nicht einfach so via Bildschirm oder allein am Schreibtisch erledigen. Wenn die Leute an wirklichen Fragestellungen arbeiten, müssen sie sich physisch treffen können.

Also zurück ins Sitzungs- oder Konferenzzimmer?
Ich denke da eher an Räume, die vieles offen lassen. Wenn ein Raum eine Agilität bietet, die uns dazu einlädt, schnell etwas zu verändern, dann verändert das auch etwas mit uns. Und Veränderung ist die grosse Herausforderung der Zukunft, und zwar auf allen Ebenen. Wenn wir mit Managern reden, lautet der Tenor, dass die Transformation der Arbeit eben erst beginnt. Sie wird z. B. in der Schweiz dazu führen, dass in fünf Jahren jeder zweite Franken mit Produkten und Services verdient wird, die es heute gar noch nicht gibt. Obwohl alle davon reden, geht es dabei nicht primär um die digitale Transformation, sondern vor allem um die Erneuerung der eigenen Organisation. Dieser Erneuerungsprozess kann nicht zu Hause stattfinden. Der Gerätehersteller Bosch hat, um ein Beispiel zu nennen, in den vergangenen Jahren mehr als eine Milliarde Euro investiert, um die eigene Organisation für die künftigen Herausforderungen fit zu machen.

Wo werden wir künftig vor allem arbeiten?
Der Imperativ lautet: Remote first! Die Firmen müssen sich so umstellen, dass es letztlich egal ist, wo ihre Leute tätig sind. Idealerweise kann jeder Mitarbeitende von überall her einen Beitrag zu einer bestimmten Aufgabe oder Fragestellung leisten. Zum Ökosystem dieses Remote first gehören sowohl virtuelle Räume wie z. B. Microsoft Teams als auch physische Räume, wie ich sie eben beschrieben habe. Gefragt ist letztlich der beste Ort für die beste Arbeit, mit jeweils speziellen Räumen für Rituale, für Fragestellungen, für die Innovation, für die Transformation. Der beste Ort kann auch ein virtueller Raum sein, der uns tolle Bilder aus dem Metaversum zeigt, oder es kann ein Rückzugsort in den Bergen sein, oder eben das Home-Office. Der Mitarbeitende soll situativ auswählen und entscheiden können, welches der beste Ort zur Erledigung einer bestimmten Aufgabe oder Fragestellung ist.

Welche Konsequenzen hat diese hybride und multilokale Arbeitswelt für den Möbelproduzenten und Büroeinrichter Vitra?
Als Designunternehmen konzentrieren wir uns auf die physischen Qualitäten und Herausforderungen, die sich im Zusammenhang mit der Gestaltung der künftigen Arbeit stellen, und nicht auf die virtuelle Ausgestaltung.

Wie wird das Büro der Zukunft konkret aussehen?
Die Reise in die Zukunft hat bei Vitra schon im Jahre 2000 mit dem von der Designerin Sevil Peach entwickelten Citizen Office begonnen. Dieses bietet bereits eine Vielfalt von abwechslungsreichen, auf die jeweilige Arbeitssituation abgestimmten Umgebungen, in denen die Leute nach Belieben interagieren und sich frei bewegen können. Das Citizen Office mit seiner Studio-Atmosphäre hat bis heute seine Gültigkeit. Und es bedient auch die Erwartungen und Anforderungen der neuen Zeit, von der wir hier reden. Parallel zur Etablierung des Citizen Office haben vor allem die führenden IT-Unternehmen den Arbeitsort zusehends als zentrales Element des Employer Branding entdeckt und entsprechend ausgebaut. Der Betrieb wird zum attraktiven Campus, zum physischen Supercomputer, mit Arbeits-, Begegnungs-, Erholungs- und Unterhaltungszonen. Bei Vitra haben wir dafür das Konzept Club Office entwickelt. Zudem öffnen sich die Unternehmen nach aussen, sodass die Grenzen zwischen privat und öffentlich verschwimmen. Die Firmen bieten Coworking-Spaces an, in denen auch Mitarbeitende anderer Firmen willkommen sind.

Ist diese amerikanische Campus-Idee in Europa, wo alles etwas enger und kleiner und der Boden meistens knapp ist, überhaupt realisierbar?
Die Herausforderung ist bei uns aufgrund des beschränkt verfügbaren Bodens zweifellos grösser, doch es gibt auch hier eindrückliche Beispiele. Beim deutschen Bio-Unternehmen Alnatura in Darmstadt betritt der Besucher ein Gebäude, das in einem renaturierten Park gelegen und ganz aus natürlichen Materialien wie Lehm und Holz gebaut ist. Es bietet ein tolles veganes Restaurant an, das genauso wie weitere Bereiche des Firmengeländes öffentlich zugänglich ist.

Beim Citizen Office bzw. Club Office und beim Firmencampus reden wir aber von der Gegenwart? Oder bereits von der Zukunft?
Was es beim Citizen Office ursprünglich noch nicht gab, waren diese hybriden Orte, die uns erlauben, zu jeder Zeit mit Menschen, ob sie nun zu Hause, im Büro oder irgendwo sind, kommunizieren zu können. Diese Erweiterung des Citizen Office in die virtuelle Welt findet jetzt gerade statt. Jeder Arbeitsraum bei uns ist heute so ausgestattet, dass wir per Knopfdruck sofort in die Microsoft-Teams-Architektur eintauchen können. Wir können also jederzeit spontan nach draussen in die Welt, und jeder, der da draussen sitzt, kann spontan zu uns. Was in Zukunft noch hinzukommen wird: Die virtuellen Räume werden eine nochmals andere Qualität kriegen, indem sie sich zum Beispiel ins Metaversum ausweiten. Es können darin auch komplexeste Fragestellungen diskutiert, beantwortet und dafür neue Lösungen gesucht und gefunden werden.

Wie weit ist dieser Vorstoss ins Metaversum ein Thema bei Vitra, zumal dessen Kerngeschäft, nämlich Möbel und Büroeinrichtungen, primär physischer Natur ist?
Wir sind in der Tat in physischen Realitäten zu Hause. Und solange das Gesetz der Schwerkraft gilt, haben wir unseren Platz in dieser Welt. Aber ich glaube, dass die Innenarchitektur eine Art Renaissance erleben wird. Es geht dabei um neue und zusätzliche Qualitäten. Ein Raum soll den Menschen helfen, Dinge zu begreifen, die ihre Arbeit unterstützen. Meine Kolleginnen und Kollegen bei Vitra stellen Möbel her, in deren Bestimmung weit mehr steckt als das, was wir uns unmittelbar vorstellen können.

Nach welcher Methode arbeitet der Future-of-Work-Trendscout? Ist er ein Wissenschaftler oder doch eher ein Guru?
Deduktive wissenschaftliche Methoden helfen mir kaum weiter, zumal ich nicht akademisch geprägt bin und zumeist sehr intuitiv handle. Meiner Aufgabe habe ich mich eher situativ angenähert, wobei am Anfang die These stand: Wenn wir wirklich wissen wollen, wie das Büro von morgen aussieht, müssen wir wissen, wie sich Arbeit verändert. Und wenn wir das wissen wollen, müssen wir zu denen fahren, die Arbeit gerade neu erfinden. Also organisierte ich eine Reise in die USA, an der rund zehn Kolleginnen und Kollegen von Vitra und zehn externe Gäste teilnahmen. Wir besuchten in einer Woche mehr als 25 forschungs- und technologielastige Unternehmen in Boston,Seattle, San  Francisco (Silicon Valley) und Los Angeles. Wir sprachen mit den Protagonisten der neuen Arbeitsformen und schauten uns Unternehmen an, die als Protagonisten einer neuen Zeit galten, damals vor neun Jahren. Schon am zweiten Tag dieser Reise war uns allen klar, dass der Status quo keine Option mehr sein kann und dass wir vor einer grossen Veränderung stehen. Diese Reise war für uns alle ein Schlüsselerlebnis. Und sie wurde für mich zu einem grossen Resonanzraum, der meine Aufgabe erweitert hat. Wir alle haben verstanden, was auf uns wartet, und wir haben uns geschworen, noch methodischer zu werden in dem, was wir tun.

Mit welchen Erwartungen an den Future-of-Work-Trendscout?
Dass ich an allen wichtigen Schnittstellen von Vitra präsent bin, mich mit allen Bereichen vernetze, besonders natürlich mit der Entwicklung, dem Marketing und dem Verkauf. Dass ich regelmässig einen Output schaffe, der zumindest zu Handlungsempfehlungen führt. Dass ich über alles hinweg garantiere, dass sich der Muskel der Neugierde im gesamten Betrieb fortpflanzt.

Das heisst dann streng methodisch?
Von Insight zu Impact, von Impact zu Action!

Insight?
Aus den unzähligen Gesprächen, die ich führe, ergeben sich Informationen.

Impact?
Die Summe der Informationen werte ich aus mit dem Ziel, etwas zu bewirken, was schliesslich zur Action, also zu einer konkreten Handlungsempfehlung führen sollte.

Wie kommen Sie zu den notwendigen Informationen?
Ich kommuniziere nach innen und nach aussen hauptsächlich über Social Media. Auf LinkedIn komme ich auf 16 000 Follower. Wöchentlich habe ich auch mindestens zwei ausführliche Gespräche, bei denen ich Kolleginnen und Kollegen draussen in den Märkten begleite. Nächste Woche zum Beispiel bin ich in Singapur, und in meiner Agenda sind für diese Zeit zwanzig Termine eingetragen.

Geht es dabei konkret auch um neue Aufträge?
Nein! Diejenigen, die mich bestellen, wollen von mir wissen, was die Zukunft bringt. Von Vitra werden bei solchen Treffen nicht nur Produkteinnovationen erwartet. Man schätzt uns als Gesprächspartner, der Informationen weitergibt, Inspirationen vermittelt und Perspektiven aufzeigt. Wir sollen die Kunden ermuntern und ihnen Werte vermitteln, die man mit der Marke verbindet. Daraus können sich dann zuweilen konkrete Projekte entwickeln, bei denen man zum Beispiel einen Bauherrn in seinem Tun bestärkt oder ein Mandat erweitert. Darüber hinaus sind diese Treffen für mich wichtig, um zu sehen, was die Leute bewegt und wie sie darauf reagieren. Ich bin dabei auch Empfänger von Botschaften, die ich in die Organisation Vitra hineintrage.

Wie passiert das?
Es gibt dafür unterschiedliche Formate. Zum Beispiel treffe ich mich mit Teams aus der Entwicklung oder dem Verkauf zu Fragerunden. Zu meiner Aufgabe gehört weiter, Opportunitäten auf dem Markt aufzuspüren und diese den Mitarbeitenden mitsamt Handlungsempfehlungen zu vermitteln.

Wie lautet Ihr Orakel für das Jahr 2032? Wie sieht dann die Arbeitswelt aus?
Im Jahr 2032 ist die Zeitzone die Arbeitszone. Die Unternehmen sind noch globaler organisiert. Ihre Mitarbeitenden sind über die ganze Welt verstreut. Entsprechend arbeiten wir nicht nur mit Kolleginnen und Kollegen in der unmittelbaren Umgebung zusammen. Zu den Teams gehören viele weitere Mitarbeitende, mit denen wir uns sechs- bis achtmal jährlich für zwei bis drei Tage treffen, zwecks Vertrauensbildung und zwecks jener bereits erwähnten und für jedes Unternehmen unverzichtbaren Intimität. Wirtschaftlich befinden wir uns 2032 mitten in einer Umbruchphase mit vielen neuen Services und innovativen Produkten, die Umweltbedürfnissen voll und ganz Rechnung tragen. ★


 

Future-of-Work-Trendscout Raphael Gielgen
Seit 2014 arbeitet Raphael Gielgen (53) als Future-of-Work-Trendscout beim Designunternehmen Vitra. Der gelernte Schreiner ist über einige Umwege in diese berufliche Rolle geschlüpft, die er selbst als Herausforderung, Leidenschaft und Berufung empfindet. Privat wohnt Raphael Gielgen auf einem kleinen Hof vor den Toren der Stadt Regensburg. Ein idyllischer Ort inmitten der Natur, den er und seine Familie mit einer Jugendwohngruppe, Pferden, Ponys, Katzen und Hunden (alle aus dem Tierschutzheim) teilen. Hier lebt er im Einklang mit den Zyklen der Natur. Er liebt es, an diesem Ort über den Tag hinaus nachzudenken. Von seinen Arbeitskollegen halten ihn einige gelegentlich für verrückt. Seine unbändige Neugier, die rastlose Suche nach Erklärung und die Lust, alles auf den Kopf zu stellen, machen ihn zuweilen unbequem. Und wenn er nach einer langen Reise wieder einmal im Büro erscheint, erzählt er von Dingen, die mehr nach virtueller Utopie als nach gelebter Wirklichkeit klingen. Vor der Pandemie besuchte er jeweils mehr als 100 Unternehmen, Universitäten und Start-ups im Jahr. Die Welt ist sein Arbeitsplatz, die Zukunft sein Forschungsgebiet, die Entschlüsselung des «Quellcodes der Arbeitswelt» sein eigentliches Ziel. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen dokumentiert er auf einem «Panorama» – einer Art Landkarte der Trends und Muster einer neuen Welt.

Fotos: Markus Altmann.

Emotional kompetente Menschen sind erfolgreicher

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Wie geht es Ihnen, wenn Sie morgens die Zeitung aufschlagen und die vielen negativen Nachrichten lesen? Wie reagieren Sie, wenn eine Person Ihnen ein schönes Kompliment macht? Und was empfinden Sie, wenn Ihre Arbeit kritisiert oder hinterfragt wird? Alles, was wir erleben, löst eine emotionale Reaktion in uns aus. Die Frage ist, ob wir diese bewusst wahrnehmen und wie wir damit umgehen.

Besonders in kritischen Situationen ist es entscheidend, ob wir unsere Gefühle richtig einordnen können. Emotional kompetente Menschen sind sich ihrer Emotionen bewusst und können angemessen mit ihnen umgehen. Es fällt ihnen leicht, ihre Gefühle mitzuteilen und sich anderen Menschen wohlwollend und empathisch zuzuwenden.

Emotionen im Beruf
Emotionen gelten gerade im beruflichen Kontext oft als unprofessionell. Doch auch wenn sie nicht offen gezeigt werden, sind sie da. Wir tun zwar meist so, als würde es uns gut gehen. In der Tat fühlen wir uns aber ganz anders. Das kostet Energie, steigert das Stressempfinden und lässt uns weniger produktiv sein.

Ein bedachter Umgang mit Gefühlen ist deshalb entscheidend. Dieser schützt vor Stress, verhilft zu mehr Zufriedenheit und verbessert die zwischenmenschlichen Beziehungen. All diese Faktoren sind für eine gute Zusammenarbeit und den beruflichen Erfolg wichtig.

Emotionale Kompetenz kann trainiert werden
Wie also kann ich meine emotionale Kompetenz verbessern? Ein erster und der wohl wichtigste Schritt umfasst, sich seinen eigenen Gefühlen bewusst zu werden. Es gibt eine schöne Metapher dafür: Verlassen Sie immer wieder die Tanzfläche des Lebens und gehen Sie auf den Balkon, um das Geschehen von oben zu beobachten. Fragen Sie sich, was fühle ich gerade? Welche Bedürfnisse habe ich? Was triggert mich?

In einem zweiten Schritt geht es darum, emotionale Situationen zu managen. Oft reagieren wir aus einem Impuls heraus, ohne zu reflektieren. Wenn wir es schaffen, einen Moment innezuhalten, bevor wir reagieren – also auf den Balkon zu gehen – gelingt meist eine passendere Antwort.

Zudem ist es wichtig, dass wir lernen, auch negative Gefühle wahrzunehmen, auszuhalten und in einer Form mittzuteilen, die konstruktiv ist. Meistens hilft es, wenn wir aus der eigenen Perspektive in einer ICH-Botschaft kommunizieren. Die Aussage «Ich fühle mich gerade nicht richtig verstanden und habe das Gefühl, dass du mir gar nicht genau zuhörst» birgt viel weniger Konfliktpotential als eine Verallgemeinerung, wie «Nie hörst du mir zu, du verstehst mich einfach nicht».

Sie werden sehen, die Herausforderung besteht nicht im Verstehen dieser Impulse, sondern in deren Anwendung. Auch hier gilt: Übung macht den Meister beziehungsweise die Meisterin.


 

CC Studio GmbH – Coaching & Consulting
Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Das Wohlergehen von Menschen in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Strukturiert und zielorientiert, mit viel Feingefühl und Leichtigkeit, kreieren wir einen vertrauensvollen Raum für neue Perspektiven, Erkenntnisse und Handlungsoptionen. Wir stärken Ihre Selbstwirksamkeit, fördern Ihre persönliche Entwicklung und Entfaltung für mehr Lebensqualität.

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Die Kosmopolitin

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Seit über 200 Jahren entwirft das St. Galler Familienunternehmen Christian Fischbacher edle Stoffe. Gemeinsam mit ihrem Mann Michael leitet Camilla Fischbacher den Textilverlag mit grosser Tradition. Als Creative Director ist sie für die Weiterentwicklung des Unternehmens verantwortlich.

Die Liebe für Stoffe und Farben wurde ihr in die Wiege gelegt: Schon ihr Vater sammelte Teppiche und Textilien. Camilla Fischbacher, halb Iranerin, halb Amerikanerin, wuchs in der iranischen Hauptstadt Teheran auf. Im Sommer 1980, der Schah war bereits aus dem Land geflohen, befand sich die Familie gerade in den Ferien in der Schweiz. Die Rückkehr in die Heimat stand nach dem Umsturz ausser Frage, das Leben der Familie änderte sich auf einen Schlag. Die Familie blieb in der Schweiz. Nach dem Schulabschluss studierte Camilla Fischbacher Kunstgeschichte, Geschichte und Fotografie in den USA. Während des Studiums in Oxford traf sie Michael Fischbacher, der – in sechster Generation Nachfahre von Christian Fischbacher – an der renommierten Universität Sinologie studierte. Die beiden wurden ein Paar und heirateten. Nach Stationen in Malaysia und Hongkong traten Camilla und Michael Fischbacher 1997 ins Familienunternehmen ein, Camilla Fischbacher baute in dieser Zeit den Showroom auf. Gemeinsam besuchten sie Lieferanten, Vertriebspartner und Kunden in aller Welt. Nach vier Jahren zog das Paar mit seinen beiden Söhnen nach Amerika: In Los Angeles kam ihre Tochter zur Welt. Auch hier war die Reise nicht zu Ende: Von Amerika ging es zur Niederlassung in Tokio, ist Japan doch einer der grössten Märkte für Christian Fischbacher. 2008 schliesslich kehrte die Familie zurück nach St. Gallen, wo Camilla Fischbacher seitdem als Creative Director die kreative Weiterentwicklung der Firma verantwortet, während ihr Mann das Unternehmen führt.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Fischbacher, war der Schritt schwierig, 2008 von Tokio in die Ostschweizer Provinz zurückzukehren?
Camilla Fischbacher
: Ja, das war eine extreme Veränderung. Wir sind vom Tokioter Stadtviertel Shinagawa direkt nach St. Gallen gezogen – von der Megacity aufs idyllische Land. Aber dieses Extrem war für uns besser, als nur einen halbherzigen Schritt zu machen. Für unsere damals noch kleinen drei Kinder war der Umzug aufs Land natürlich schön – sie haben das erste Mal im Leben eine Kuh in natura gesehen.

Ihr Mann Michael trat damals die Nachfolge seines Vaters als CEO an, während Sie die Rolle des Creative Director des Unternehmens übernahmen. Was waren Ihre ersten Änderungen nach der Übernahme der Leitung?
In meinem ersten Jahr als Kreativdirektorin beschloss ich, eine neue Linie innovativer Stoffe einzuführen, die aus PET-Flaschen und industriellen Textilabfällen recycelt wurden. Das war sehr gewagt. Schliesslich handelte es sich bei unserem Unternehmen um ein traditionelles, fast 200 Jahre altes Unternehmen, das für elegante Bettwäsche und Vorhänge stand. Ich wollte ein jüngeres Publikum ansprechen. Und ich hatte bei amerikanischen Herstellern diese recycelten Stoffe gesehen – mein Gott, waren diese ersten Recycling-Textilien hässlich und unangenehm im Griff. Aber ich habe das Potenzial gleich erkannt.

Das war sicher nicht ganz einfach.
Stimmt, das Managementteam bestand damals fast ausschliesslich aus Männern, auch das Verkaufspersonal war grösstenteils männlich. Da hiess es dann zunächst: Camilla, hör doch auf mit deinen Abfall-Stoffen. Aber ich kann sehr hartnäckig sein, wenn ich eine Idee verfolge – ich gebe dann nicht auf, bis ich sie verwirklicht habe! Und so kam 2009 die Kollektion Benu auf den Markt. Ich wusste, dass die neue Linie ein grossartiges Produkt war und dass wir weltweit die Ersten sein mussten, die so etwas für den Markt der Heimtextilien produzierten.

Woher stammt der Name?
Die Kollektion ist nach dem altägyptischen, mythischen Vogel Benu benannt. Dieser verbrennt, um aus seiner Asche neu zu erstehen, ganz wie der griechische Phoenix. Das Gewebe der Benu-Kollektion wird aus gebrauchten PET-Flaschen gewonnen. Entsorgte Flaschen werden gesammelt, zermahlen und nach dem Einschmelzen zu Polyester-Endlosgarnen versponnen. Damit lassen sich im Vergleich von recycelten zu nicht recycelten PET-Flaschen in der Produktion sehr viel Energie und Wasser einsparen.

Benu war nicht nur als Textilie eine Innovation: Auch die Bildsprache war völlig neu.
Richtig. Ich fand als ausgebildete Fotografin, dass unsere Entwicklung eine eigene visuelle Sprache verdiente. Und so kreierten wir einen neuen Auftritt für Benu. Aber wir änderten auch generell die Bildsprache unseres Unternehmens: Wir waren unter den ersten, die edle Stoffe in alten Fabriken und verlassenen Orten mit Patina inszenierten. Denn es sollte ja um die Stoffe gehen, nicht um die Wohnumgebung. Das gab natürlich zunächst auch Irritationen. Aber bald wurde diese visuelle Sprache kopiert.

Das ist jetzt mehr als zehn Jahre her. Was waren die wichtigsten Meilensteine in der weiteren Auseinandersetzung mit dem Recycling-Material?
Mit jeder Kollektion konnten wir neue Anforderungen an den Stoff erfüllen. Anfangs waren die Textilien noch nicht sehr ansprechend, rau und die Farbpalette war begrenzt. Wir arbeiteten einige Zeit daran, ein leichteres, weicheres Material zu entwickeln. Neben PET kamen allmählich auch Recyclinggarne aus der Modeindustrie zum Einsatz. Der nächste Innovationsgrad wurde mit der Schwerentflammbarkeit erreicht, damit können die Stoffe auch im Objektbereich eingesetzt werden. Mit dem Benu Pure ist uns erstmals ein Weisston gelungen, auf den wir sehr stolz sind, denn frühere Versuche mit Recyclingpolyester hatten meist einen Blau- oder Grünstich, der von den ursprünglichen PET-Flaschen stammt.

Vergangenes Jahr sorgte Christian Fischbacher mit einer weiteren Innovation für Aufsehen: Die hochwertige Kollektion von Vorhangstoffen Benu Sea wurde aus dem Material Seaqual Yarn entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Polyestergarn, das zum Grossteil aus «Upcycled Marine Plastic» – aufbereiteten Plastikabfällen aus dem Meer – sowie aus recycelten PET-Flaschen gewonnen wird. Das Garn gilt als besonders pflegeleicht, knitterarm und strapazierfähig – eine vollwertige und zugleich nachhaltige Alternative zu neu produziertem Polyester. Für Teile der Kollektion wurde das Garn speziell veredelt. Um etwa einen matten Look zu erzielen, schnitt man das Endlos-Garn in der Produktion in kleine Stücke, die in Länge und Textur einer Naturfaser ähneln. Anschliessend wurde aus diesen Fasern ein Garn gesponnen, dessen optische und haptische Qualität einem Vergleich mit Baumwolle standhält. Dies überzeugte nicht zuletzt die Jury des Design Preis Schweiz: «Der Textilverlag Fischbacher setzt mit seiner «Benu Sea»-Kollektion auf dem Markt und in der Branche Zeichen, die gar nicht hoch genug einzuschätzen sind: Für die Nutzung von recyclierten Textilmaterialen, für die Erforschung des kreativen Potenzials solcher Materialien und für den Schutz der Weltmeere – stammt doch das in den Benu Sea-Stoffen verarbeitete Polyestergarn wesentlich aus Plastikabfall, der das Ökosystem der Ozeane beschädigt. Nebenbei beweist die Kollektion eindrücklich, dass Recycling- Textilien in Sachen Qualität und Design einem Vergleich mit konventionellen Produkten standhalten können.»

Mit der «Benu Sea»-Kollektion haben Sie den Design Preis Schweiz 2021 gewonnen. Was bedeutet Ihnen, dem Unternehmen, diese Anerkennung?
Sehr viel! Es ist die Bestätigung dafür, dass sich unser jahrelanges Engagement für hochwertige Recycling-Textilien gelohnt hat. Vor 13 Jahren, als wir die ersten Recycling-Produkte auf den Markt gebracht haben, stiess dies bei den internen Verkäufern auf Unverständnis: Wie passt das zu den hohen Qualitäts- und Designansprüchen? Inzwischen sind wir glücklicherweise so weit, dass man in Sachen Ästhetik und Haptik keine Kompromisse mehr eingehen muss, denn Recycling-Textilien stehen konventionellen Produkten in nichts nach.

Wie kam es zur Idee, mit rezykliertem Meeresplastik zu experimentieren?
Ein Lieferant stellte uns damals einen ersten Prototyp vor. Auch wenn es noch kein schönes Produkt war, hatte es sofort mein Interesse geweckt. Für mich war von Beginn an klar, dass Textilien in einem Kreislauf genutzt werden müssen. Recyceltes Plastik aus den Meeren aufzubereiten und wiederzuverwenden, war der nächste logische Schritt.

Woher stammen diese Abfälle, die dafür gewonnen werden?
Wir arbeiten mit Organisationen zusammen, die in der nahen Umgebung von Produzenten Plastikabfälle aus den Meeren und von Stränden entfernen und aufbereiten. Dasselbe gilt auch für die Baumwoll- und Textilabfälle, sie stammen aus der Umgebung des Produzenten, werden dort sortiert und weiterverarbeitet.

Eine exakte Farbigkeit zu erreichen, soll ja mit Garnen aus aufbereitetem Kunststoff sehr schwierig sein. Den Stoff «Benu Talent FR» bieten Sie aber in 30 leuchtenden Farben an. Wie geht das?
Da Recycling-Produkte in der Herstellung anders funktionieren als konventionelle Stoffe und jede Farbe anders reagiert, war es in der Tat eine Herausforderung. Die aufwendige Entwicklungsarbeit hat sich aber gelohnt. Dank des feinen Flors erstrahlen die Farben besonders leuchtend und lebendig. Wir sind stolz, einen flammhemmenden, Outdoor-tauglichen Veloursstoff entwickelt zu haben, den namhafte Möbelhersteller gerne einsetzen.

Welche weiteren Herausforderungen gab es in der Entwicklung?
Die grösste Herausforderung liegt sicherlich darin, die Produkte in der gewohnten hohen Qualität zu entwickeln: Ein fliessender Fall, ein angenehmer Griff, der nicht auf die Herkunft des Materials schliessen lässt. Bis wir die Produkte in den Händen halten konnten, hat es seine Zeit gebraucht.

Innovationen wie diese sind nicht einfach im Textilbereich: Geht es immer weiter mit solchen Entwicklungen?
Unbedingt, denn wir sind erst am Anfang. Neben der Verwendung alternativer Materialien sollten wir den Schritt weiter in Richtung Kreislauffähigkeit gehen. Wir müssen uns alle bemühen, unseren Konsum zu reduzieren, auf langlebige Produkte statt auf schnelle Trends zu setzen. Und wenn uns etwas nicht mehr gefällt, müssen wir es anders einsetzen oder verschenken, so wie man es früher tat. Wertschätzung des Produkts und der verwendeten Rohstoffe ist hier das Stichwort! Das gilt für alle Gegenstände, die uns im Alltag umgeben.

Wie sehen Sie das Potenzial von nachhaltigen Textilien?
Dahinter steckt eine ganze Industrie. Wenn das Sammeln und Aufbereiten bestehender Materialien auch finanziell attraktiv ist, wird in diesem Bereich mehr Forschung betrieben. Reycling-Produkte zu entwickeln, muss lukrativer sein als neue Ressourcen einzusetzen.

Wie geht es nun weiter?
Wir wünschen uns ein kreislauffähiges Benu-Produkt. Daran arbeiten wir derzeit mit viel Energie.

Muss sich die Textilbranche in Zeiten der Klimaveränderung und Rohstoffknappheit ändern?
Inzwischen haben glücklicherweise schon einige Hersteller nachhaltige Produkte für sich entdeckt, aber es ist noch keine Selbstverständlichkeit – gerade in der Textilbranche. Es sollte ein grösserer Austausch von Erkenntnissen stattfinden, um alternative Ideen voranzutreiben.

Die Kreislaufwirtschaft als Ausweg für die angeschlagene Schweizer Textilbranche?
Kreislaufwirtschaft und intelligente Textilien sind die Zukunft. Fasern, die mit Funktionen versehen sind, um Energie einzusparen und negative Umwelteinflüsse zu verhindern. Wenn Textilien schon allein aufgrund ihrer Beschaffenheit weniger gereinigt werden müssen und so weniger Mikroplastik in die Umwelt gelangt, ist es schon ein Anfang.

Wo in der Gesellschaft muss Ihrer Meinung nach ein Umdenken stattfinden?
Bei jedem von uns! Der bewusste Konsum sollte viel mehr in den Köpfen verankert sein. Qualitativ hochwertige, langlebige Produkte sollten gewählt werden, die Bestand haben und nach einer Reparatur weiter genutzt werden können. Wir haben alle eine Verantwortung und müssen vor Augen haben, dass die Rohstoffe unserer Erde endlich sind.

Mit jeder Generation hat sich bei Christian Fischbacher viel verändert: Am Anfang wurde noch mit Rohware gehandelt, es folgten Stoffe für Foulards und Accessoires, später kamen der Modebereich und die Heimtextilien dazu. Der ständige Wandel ist wichtig und einer der Gründe, warum es das Unternehmen heute noch gibt. Camilla Fischbacher treibt nicht nur den Ausbau der Recyclingqualitäten voran, sondern entwickelt mit ihrem Designteam einen kosmopolitischen Spirit, der von vielfältigen kulturellen Strömungen inspiriert ist. So holte sie für die neue Kollektion den Architekten Hadi Teherani an Bord.

An der Mailänder Möbelmesse wird im Juni die Kollektion «Contemporary Persia» präsentiert. Was zeichnet diese aus?
Hadi Teherani stammt wie ich selbst aus Teheran. Unsere gemeinsam entwickelten Vorhang- und Bezugsstoffe interpretieren die einzigartige Vielfalt des Irans in eleganten und raffinierten Dessins. Sanfte Farben treffen auf natürliche Materialien wie Wolle. Aber es finden sich auch kräftige Töne in der Kollektion – eine Hommage an das kontrastreiche iranische Landschaftsbild.

Sie sind dafür zu ihren persischen Wurzeln zurückgekehrt.
Ja, im Dialog mit Hadi Teherani wurde uns die enorme schöpferische Kraft bewusst, die der Iran mit seinem reichen kulturellen Erbe entfesselt. Aber ich lasse immer wieder mal kleine Andenken an meine iranische Herkunft einfliessen, mal ein Name für eine Kollektion, mal ein traditionelles Muster. Ich bin bei meinem Designteam dafür bekannt, Paisley-Muster zu lieben.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Ich liebe so vieles an meinem Job! Die Vielfältigkeit, das Reisen, neue Produkte zu lancieren. Und ich bin ständig auf der Suche nach Inspirationen für kommende Kollektionen. Neue Ideen entstehen an den ungewöhnlichsten Orten. ★


 

Camilla Fischbacher
Camilla Fischbacher wurde 1970 in Teheran geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und Fotografie in den USA und erwarb ihren Master of Philosophy in Oxford, wo sie auch ihren Mann Michael kennenlernte. Das Paar lebte in Malaysia, Hongkong, Los Angeles und Tokio, bevor sie sich in St. Gallen niederliessen. Seit 2008 ist Camilla Fischbacher Art Director beim St. Galler Familienunternehmen Christian Fischbacher.

Das Unternehmen
Christian Fischbacher steht seit 1819 für feinste Textilien und Schweizer Handwerkstradition. Der 1803 geborene Gründer Christian Fischbacher sammelte damals die Webwaren der Bauernfrauen und brachte sie zum Markt. Im 19. Jahrhundert expandierte das Unternehmen immer weiter und wuchs zum Familienbetrieb heran. Das Erfolgsrezept waren die besonders edlen Stoffe aus St. Gallen. Diese waren bereits seit dem 13. Jahrhundert als «weisses Gold» bekannt. Sechs Generationen später ist Christian Fischbacher heute der älteste Textilverlag in Familienbetrieb weltweit. Der kosmopolitische Spirit der Kollektionen gilt heute als wichtiges Markenzeichen des Hauses. Niederlassungen befinden sich in Deutschland, Italien, Frankreich, Niederlande, England, Japan und Thailand.

Foto: Christian Fischbacher

Der Umbruch bringt spannende Herausforderungen

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Umbruch in der Wirtschaftsprüfungsbranche: Die Entwicklung von Wegen um die Prüfung intelligenter, schneller und sicherer zu machen bietet eine spannende Herausforderung.

Ich bin Kerry Herholdt, Audit Partner und Talent Leader Assurance im Bereich Financial Services bei EY in der Schweiz. Seit sechs Jahren fokussiere ich mich bei EY auf Kunden aus den Finanzbereichen (FSO) Insurance und Reinsurance und unterstütze sie bei Themen rund um das Audit. In Assurance spielen wir eine Schlüsselrolle, indem wir Unternehmen, Anlegern und Aufsichtsbehörden Vertrauen in Abschlüsse, wichtige Informationen und Prozesse vermitteln.

An meinem Job gefällt mir besonders, dass ich während meiner Arbeit immer wieder etwas Neues lerne. Die Kunden entwickeln sich weiter, daher gibt es auch immer neue und interessante Aufgaben, die geprüft werden müssen. Assurance hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da die globalen Märkte immer komplexer und vernetzter werden. Deshalb suchen wir nach neuen Wegen, um die Prüfung intelligenter und effizienter zu erledigen und eine bessere Sicherheit zu erlangen, womit wir bei allen Stakeholdern mehr Vertrauen schaffen.

Allem voran steht für mich das Team, denn ich liebe es mit Menschen zu arbeiten. Die Mitarbeiterentwicklung liegt mir besonders am Herzen. Daher bekleide ich auch die Talent Partnerin Rolle für FSO Assurance, wo ich zum Beispiel die Rekrutierung aktiv mitgestalten kann. Auch meine eigene Entwicklung ist mir wichtig. Ich suche immer nach Möglichkeiten, mich durch die Arbeit an Kundenaufträgen weiterzuentwickeln. Ein regelmässiger Ausgleich ist jedoch wichtig: Meine Batterien lade ich bei meiner Familie auf. Ich geniesse die Zeit mit meinem Mann und meinen Kindern an der frischen Luft. Wenn es die Zeit erlaubt, powere ich mich auch gerne im Fitness aus.

Neben spannenden Aufgaben ermöglicht mir EY auch die Flexibilität, meinen Terminkalender so zu gestalten, dass ich meine Kunden, mein Team und meine persönlichen Bedürfnisse berücksichtigen kann. So stelle ich sicher, dass ich alle meine Aufgaben erfüllen kann – einschliesslich Zeit für meine Familie und mich. Wer neugierig und lernbereit ist sowie ein Gespür für Zahlen hat und auch Teamwork schätzt, der ist im EY Assurance Team genau richtig.

Interessiert, mehr über Jobs im Bereich von Assurance / Audit bei EY zu erfahren? Dann besuche unsere Webseite und erfahre mehr über unsere spannende Karrieremöglichkeiten bei Assurance: Careers in Assurance Services | EY – Switzerland

Wir freuen uns auf dich.


 

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Claudia Giorgetti Del Monte

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Wir haben die Leiterin Organisation und Kulturentwicklung bei der Mobiliar Versicherung gefragt, ob das Büro nun ausgedient hat und was eine gute Arbeitsplatzkultur ausmacht.

WOMEN IN BUSINESS: Seit sieben Jahren sind Sie Leiterin Organisation und Kulturentwicklung bei der Mobiliar Versicherung. Was sind Ihre aktuellen Kernthemen?
Claudia Giorgetti Del Monte: Die Frage nach dem «Arbeitsplatz» beziehungsweise dem «Arbeitsraum» ist zurzeit eines meiner Kernthemen. Die Arbeitswelt hat sich durch die Pandemie verändert. Wie soll sich der Arbeitsplatz der Zukunft gestalten? Wir können nicht mehr vom klassischen Arbeitsplatz ausgehen, wie wir ihn aus Vor-Pandemiezeiten kannten. Der Mix aus physischer und mobil-flexibler Arbeit setzt sich zunehmend durch. Ich denke dabei auch an die junge Generation. Mit ihr wächst eine neue Arbeitnehmergeneration heran, die heute mit einer selbstverständlichen Zoom-Ausbildung auf den Arbeitsmarkt kommt und sich ganz anders positioniert. Das hat einen grossen Einfluss darauf, wie sich Arbeitsräume künftig gestalten. Das zweite grosse Kernthema ist, wie wir als soziale Wesen in den hybriden Arbeitsmodellen künftig miteinander interagieren – und vor allem effizient zusammenarbeiten zu können. Hybride Zusammenarbeit verlangt ein hohes Mass an Reflexion mit sich selbst, dem Team und dem Ort. Unternehmen müssen ihre Angestellten darin unterstützen, den hybriden Arbeitsplatz zu verstehen. Gleichzeitig müssen sie aber auch Kollaboration, Identität und das Erleben von Werten unterstützen. Das hybride Büro muss sozusagen als «Tankstelle» der Unternehmenskultur funktionieren, die ja erst durch Interaktionen erlebbar wird. Darin muss investiert werden, um den Unternehmenserfolg auch in Zukunft zu sichern!

Remote Work prägt zunehmend unseren Arbeitsalltag. Den Menschen wird der Eindruck vermittelt, das Büro habe ausgedient. Stimmen Sie dem zu?
Ganz klar NEIN. Die Mitarbeiter kommen grundsätzlich wieder gerne ins Büro. Aber die Art und Weise, wie das Büro bisher genutzt wurde, hat sich verändert. Wir müssen neu definieren, welche Funktion es künftig haben soll, es muss mit neuen Inhalten gefüllt werden. Die Zukunft unserer Zusammenarbeit ist dort, wo Mitarbeiter den bestmöglichen Output leisten können. Dafür muss man offen für neue Lösungen sein. Das kann eine Umgebung sein, die flexibel für verschiedene Anforderungen innerhalb der Organisation einsetzbar ist. Es gilt jetzt, eine Balance zu finden und flexible Modelle richtig zu nutzen. Denn ein Arbeitgeber muss schliesslich auch sein Leistungsversprechen einlösen, damit das Unternehmen weiterhin existieren kann und Erfolg hat. Und die Mitarbeiter müssen ihre Produktivität und Leistungsbereitschaft trotz gewissen Freiheiten garantieren und gewisse Regeln und Prinzipien einhalten.

Welche Auswirkungen hat die sogenannte «neue Normalität» auf die Arbeitskultur?
Es gibt, auch heute noch, Mitarbeiter mit einem klar geregelten Arbeitstag im Büro oder in der Produktion, da bestehen keine Alternativen. Viele andere können keine eindeutige Antwort mehr darauf geben, wo ihr Arbeitsplatz ist. Sie arbeiten Remote und sind immer und überall online und erreichbar – und können nicht abschalten. Ich sehe darin eine unserer wichtigsten Aufgaben, die Leute zu befähigen, ein Gleichgewicht zwischen Arbeiten und Privatem zu finden. Man wird nicht effizienter, wenn man nicht mehr richtig abschalten kann.

Wie kann man Mitarbeitende angesichts der Pandemie-Entwicklungen für kommende Krisen widerstandsfähiger machen, besser trainiert?
Als Arbeitgeber hat man eine strategische und eine soziale Verantwortung, vorzusorgen, den Mitarbeitenden Kompetenzen zu geben, die sie stark machen für die Zukunft. Mitarbeiter erwarten für ihre Leistung eine Wertschätzung und wollen mit Sinnstiftung und Chanceneröffnungen gefördert werden. Zahlreiche Studien belegen, dass Engagement, Leistung und Wohlbefinden der Mitarbeitenden eng miteinander verbunden sind. So können sie Resilienz aufbauen und brechen bei der nächsten Krise nicht gleich zusammen.

Welche Schritte muss ein Unternehmen umsetzen, um bei hybrider Arbeitsweise die Leistungsfähigkeit und Produktivität der Mitarbeitenden sicherzustellen – und damit den Unternehmenserfolg, die Zukunftsfähigkeit?
Mit der Kontrolle von oben nach unten lässt sich die digitale Transformation nicht bewältigen. Das hat Konsequenzen für die Führungskräfte. Führen bedeutet heute vielmehr, ein Team zu orchestrieren. Wie ein Dirigent. Wer Teams zusammenhalten, Effizienz, Leistungsfähigkeit und Innovationstärke erreichen will, muss die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden erhöhen. Das beginnt schon bei der Art und Weise, wie man in einer Organisation Ziele kommuniziert, die Leute involviert und sie umsetzt. Es braucht explizite Spielregeln, die alle kennen und gleich gut verstehen. Als Unternehmen muss man seine Mitarbeiter aber auch fördern und ihnen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geben. Das ist nichts anderes als das gute, alte Empowerment, die Rahmenbedingungen so zu schaffen und die Zielvorgaben so zu legen, dass Mitarbeiter auf jeder Stufe Verantwortung übernehmen können – und so am Unternehmenserfolg mitarbeiten.

Die Forderungen nach flexibleren Arbeitsmodellen werden immer lauter bis hin zur Forderung nach einer Vier-Tage-Woche. Riskieren wir hier blauäugig unsere ökonomische Stabilität?
Ich sehe nicht, dass wir damit die ökonomische Stabilität riskieren. In verschiedenen Bereichen, wie etwa der Gastronomie, wird die Vier-Tage-Woche inzwischen umgesetzt, und es scheint zu funktionieren. Ich bin davon überzeugt, dass sich der Output nicht verringert. Vielleicht wird er sogar noch besser. Ich finde, Firmen könnten es mit Pilotprojekten testen. So könnte in einem Team der eine Teil von Montag bis Donnerstag und der andere von Dienstag bis Freitag arbeiten. Hinterher weiss man als Unternehmen, in welchen Bereichen dies funktionieren kann und in welchen es sich nicht eignet.

Welche positiven Konsequenzen hat die hybride Zusammenarbeit für die Unternehmenskultur? Anders gefragt, wie sollte eine gute Arbeitsplatzkultur künftig aussehen?
Grundsätzlich gehört zu einer guten digitalen Arbeitskultur, das Engagement der Mitarbeiter zu fördern und sie zu ihrem persönlichen Erfolg zu führen. Ich sage, zu führen. Es wäre naiv, zu glauben, dass sich Mitarbeitende allein auf diesen Pfad begeben. Digital heisst immer mehr auch Tage mit physischer Anwesenheit zur Pflicht machen, anwesend sein, präsent, solidarisch mit der Gruppe, dem Team. Die Basis ist Vertrauen. Und Transparenz, damit die Mitarbeiter informiert und involviert sind. Entscheidend hier sind die Haltung und das Versprechen, die du als Arbeitgeber gibst, und die deine Führungskräfte vorleben. Das lässt sich allerdings nicht mit einer Einweg-Spritze lösen. Man muss das immer wieder thematisieren und trainieren, damit die Unternehmenskultur von oben herab gelebt wird. Das Problem ist leider, dass keiner das Thema so richtig anpacken will, weil es nicht um harte Fakten, sondern um weiche Faktoren geht. Hinzu kommt die gerade nicht förderliche aktuelle Situation. Viele Unternehmen sind jetzt mit existenziellen Problemen wie Lieferproblemen oder Serviceketten, die nicht mehr richtig funktionieren, beschäftigt und nehmen sich zu wenig Zeit, sich um die Belange der Mitarbeiter zu kümmern. Aber das wird sich bald schon auf die Produktivität auswirken.

Ihre Vision einer zukunftsfähigen Team-Organisation, die international mit der Produktivität der besten in China und USA mithalten kann?
Als Arbeitgeber sollte man alle Mitarbeiter befähigen, dem Wettbewerb standhalten zu können, indem man ihnen neue Entwicklungs- oder Karrieremodelle anbietet. Das verstehe ich unter Management der Fähigkeiten. Dafür braucht es klare Anforderungsprofile, Strategien und es braucht sehr präzis definierte Ziele. Wenn es gelingt, Stärken, Kompetenzen und Potenziale des einzelnen gezielt zu fördern, machen wir uns fit für die Herausforderungen und Aufgaben von morgen. So bleiben Unternehmen auch in der Zukunft markt- und konkurrenzfähig! Aber nur, wenn wir uns nicht zu schade sind, auch digital erbrachte Leistungen hart zu kontrollieren und zu bewerten. Das sind wir dem Unternehmen schuldig, dessen Absender auf unserem Lohnausweis steht. ★

Foto: ©Keren Bisaz

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Tatjana Haenni – «das einzige Mädchen unter Jungs»

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Es gibt wohl keine grössere Leidenschaft im Leben von Tatjana Haenni als der Fussball. Seit sie denken kann, spielt sie Fussball. Damals war sie das einzige Mädchen auf dem Platz. Heute ist Tatjana Haenni als Direktorin des Schweizer Frauenfussballs die erste und einzige Frau in der Geschäftsleitung des Schweizerischen Fussballverbands.

Tatjana Haenni ist in der Stadt Bern geboren und spielte Fussball, seit sie etwa drei Jahre alt war. Woher das genau gekommen sei, wisse sie nicht. «Ich kann mich an nichts anderes erinnern, als dass ich von klein auf dem Ball hinterhergerannt bin und das einzige Mädchen unter Jungs gewesen bin», weiss Tatjana Haenni. «Für die Jungs hat das gepasst, weil ich besser war als die meisten von ihnen», erinnert sie sich. Vereinsfussball für Frauen war zu dieser Zeit noch kein Thema. «Frauenfussball ist zeitlich mit der Frauenbewegung aufgekommen. Es gab Frauen, die wollten kicken. Diese Frauen haben sich zusammengetan und kleine Matchs organisiert, obwohl man ihnen gesagt hatte, sie dürfen das nicht. 1970 hat es dann die erste Schweizer Damenfussballliga gegeben, die die erste Frauenfussball-Meisterschaft organisiert hat. Da gab es nur eine Liga mit 18 Teams aus der ganzen Schweiz, die gegeneinander gespielt haben», erklärt Tatjana Haenni die Anfänge des Frauenfussballs.

Frauenfussball war Amateurfussball
Im Jahr 1979 startete Tatjana Haenni mit 13 Jahren ihre Karriere beim DFC Bern. Ab 1984 spielte sie für die Nationalmannschaft in 23 Länderspielen mit. Frauenfussball war damals Amateurfussball. Als Nationalspielerin trainierte sie dreimal wöchentlich und arbeitete zu 100 Prozent als IT-Programmiererin. Für Länderspiele musste sie Ferien nehmen, die anfallenden Spesen selber bezahlen. Ihre Karriere als Spielerin beendete sie 1996 international und 1998 national. Nebenbei trainierte sie den SV Seebach bis 2004. «Trainerin war nicht so mein Ding, meine Qualitäten liegen eher in der Organisation und im Umfeld der Frauenfussballmannschaft», beurteilt Tatjana Haenni ihre Fähigkeiten. 2005 wurde sie Präsidentin des FFC Zürich-Seebach, dem späteren FC Zürich Frauen, dem sie bis 2018 als Präsidentin vorstand.

Männerdominierte Welt
Im Jahr 1994 wechselte Tatjana Haenni beruflich zum Frauenfussball und stieg bei der UEFA als Administratorin ein, wo sie sich um die Wettbewerbe der Frauen kümmerte. Nach mehr als vier Jahren kündigte sie: «Ich war damals rebellischer und habe noch nicht so verstanden, wie der Laden läuft», gesteht sie und erklärt ihre damalige Sicht der Dinge folgendermassen: «Mich störte die männerdominierte Welt, ich hatte nichts zu entscheiden und leistete doch die ganze Arbeit. Und diejenigen, die Entscheidungen fällen konnten, hatten kein Interesse am Frauenfussball.» Eine ihrer nächsten Stationen war die FIFA. Da seien die Verhältnisse nicht anders gewesen, bemerkt sie lachend, «aber ich war schon etwas älter, hatte einiges gelernt und wusste, worauf ich mich einlasse.» Bei der FIFA blieb Tatjana Haenni 18 Jahre und leistete in verschiedenen Positionen viel Entwicklungsarbeit für den internationalen Frauenfussball. Als Direktorin der Wettbewerbsdivision setzte sie sich intensiv für eine eigene Frauenfussballdivision ein. Sie wollte Strukturen, die auf den Frauenfussball zugeschnitten sind und eigene Frauenfussball-Experten. «Mit dem Präsidentenwechsel der FIFA 2016 wurde der ganze Laden auf den Kopf gestellt. Die Frauenfussballdivision wurde zwar eingeführt und ich war sehr glücklich darüber, wenige Monate später wurde ich jedoch gekündigt», erzählt Tatjana Haenni, «ich war offenbar nicht mehr die Richtige für den Job.» Nach einem Abstecher in eine Sport-Consulting Firma in England, wo sie die geschäftliche Seite des Frauenfussballs kennenlernte, begann Tatjana Haenni 2019 für den Schweizerischen Fussballverband zu arbeiten und wurde 2020 zur Direktorin des Schweizer Frauenfussballs ernannt. Dazu meint Tatjana Haenni trocken: «Nach 50 Jahren organisiertem Frauenfussball war die Beförderung einer Frau in die Geschäftsleitung des Fussballverbandes zeitgemäss.»

Neupositionierung des Frauenfussballs
Tatjana Haenni ist auch heute alleine auf weiter Flur. Im Zentralvorstand, dem höchsten Gremium im Schweizer Fussball, hat sie eine themenbezogene, beratende Funktion. Sonst ist der Frauenfussball per se nicht vertreten. Eines ihrer erklärten Ziele ist die Bekämpfung der strukturellen Diskriminierung im Frauenfussball: «Frauenfussball muss in den Entscheidungsgremien vertreten sein. Deshalb setze ich mich für eine gerechte Frauenfussballvertretung im Zentralvorstand ein. Es fehlt an Frauen mit Fussball-Expertise, obwohl es qualifizierte Frauen dafür gibt.» Ein weiteres Ziel von Tatjana Haenni ist die Neupositionierung des Frauenfussballs und eine entsprechende Förderung. «Viele sprechen heute noch von der Entwicklung des Frauenfussballs. Das ist obsolet. Wir müssen den Frauenfussball nicht mehr entwickeln, den gibt es. Frauenfussball kann vom Männerfussball lernen, er muss jedoch getrennt vom Männerfussball betrachtet und gefördert werden und braucht eigene Strukturen. Mädchen entwickeln sich anders als Jungs, deshalb muss das Training für Frauen ein anderes sein. Dazu kommt, dass nur die besten Nationalspielerinnen, die im Ausland unter Vertrag stehen, vom Fussball leben können. Deshalb müssen die Frauen ihre dualen Karrieren vorantreiben. Diese Doppelbelastung muss berücksichtigt werden», erklärt Tatjana Haenni und fügt bestimmt an: «Das möchte ich erreichen.»

Partnerschaft mit Carl F. Bucherer
Der Fussballverband finanziert sich zu 90 Prozent durch die Männerfussballnationalmannschaft. Wenn sie erfolgreich ist. Dafür, dass sich die Schweizer Männer für die WM in Katar qualifiziert hat, erhielt der Verband einen zweistelligen Millionenbetrag von der FIFA. «Wir leben vom Erfolg der Männer. Das Geld fliesst deshalb vor allem in den Männerfussball, damit diese sich wieder qualifizieren. Der Frauenfussball partizipiert davon, bräuchte aber höhere finanzielle Investments. Mit der AXA und der Credit Suisse haben wir Partner, die explizit in den Frauenfussball investieren. Auf solche Partner sind wir angewiesen. Es reicht jedoch noch nicht. Deshalb kämpfe ich um Geld, damit auch der Frauenfussball bessere Spielerinnen ausbilden kann, um den Frauenfussball attraktiver zu machen und damit mehr Einnahmen zu generieren», erläutert Tatjana Haenni die Zusammenhänge. «Ein Highlight ist die kürzliche Einführung von ‹equal primes› für die Nationalteams der Männer und Frauen bei den WM- und EM-Endrunden-Qualifikationsprämien durch die Credit Suisse, Partner beider Nationalteams. Auch unser Partner Carl F. Bucherer geht mit gutem Beispiel voran. Immer wenn wir uns für ein Endturnier qualifizieren wie jetzt in England, organisiert er einen Anlass, die Spielerinnen haben eine schöne Uhr erhalten und sie werden gleich behandelt wie die Männer. «Carl F. Bucherer sind die Frauen als Spielerinnen und Kundinnen wichtig», freut sich Tatjana Haenni über die Zusammenarbeit. Von Seiten Carl. F. Bucherer erläutert Uwe Liebminger, CMO Carl F. Bucherer, die Hintergründe der Partnerschaft folgendermassen: «Seit 2014 unterstützen wir den Schweizer Fussballverband. Es war uns immer ein Anliegen, dass der Fokus nicht ausschliesslich auf den Männern liegt, sondern dass der ganze Verband und damit sämtliche Männer- und Frauennationalteams berücksichtigt werden. Seit den Anfängen von CFB sind Frauen genauso wie Männer für den internationalen Erfolg der Marke mitentscheidend und verantwortlich. Diese Tradition wollen wir in unseren Partnerschaften weiterführen. Bei der Frauennationalmannschaft sehen wir Parallelen zu Carl F. Bucherer: Sie sind international ausgerichtet und stehen für Präzision und Technik auf höchstem Niveau. Ausserdem repräsentieren Frauen das Thema Swissness ebenso wie die Männer auf exzellente Art und Weise in ihren Clubs rund um den Globus.»

Unvoreingenommene Medienberichterstattung
Der Frauenfussball ist seit einiger Zeit in der Gesellschaft angekommen. Dies dank Persönlichkeiten wie Megan Rapinoe und Alisha Lehmann, die einen hohen Bekanntheitsgrad geniessen. Und dank einer jungen Generation von Journalisten und Journalistinnen, die unvoreingenommen von den Wettkämpfen der Frauen berichten. «Die altmodischen Journalisten haben ausgedient, die nur darüber berichtet haben, wer lesbisch oder dick ist und den Frauenfussball als kleine Schwester des Männerfussballs behandelt haben. Der Frauenfussball hat heute als attraktive Sportart in den Medien Akzeptanz erreicht», bestätigt Tatjana Haenni den Wandel. Im letzten Jahr verzeichnete der Schweizer Frauenfussball so viele Zuschauer wie noch nie. Drei Zuschauerrekorde mit 6’000 bis 12’000 Zuschauern wurden erreicht. Die Öffentlichkeit, die Fans, die Medien und Unternehmen erkennen allmählich das Potential, das im Frauenfussball vorhanden ist.

Koryphäe und Pionierin
Man nennt Tatjana Haenni eine Koryphäe des Frauenfussballs, sie bevorzugt jedoch Expertin. «Ich bin durch all die Jobs, die ich gemacht habe, zu einer Frauenfussball-Expertin geworden, die das Gesamtbild des Frauenfussballs auf allen Ebenen komplett abdeckt. Ich bin nicht die beste Trainerin und nicht die beste Verkäuferin für einen neuen Partnerschaftsvertrag, aber ich weiss, wo es hingehen soll und was der Frauenfussball braucht, um weiter zu wachsen», so Haenni. Die Ehre, eine Pionierin des Frauenfussballs zu sein, möchte sie nicht alleine für sich in Anspruch nehmen: «Vor mir hat es schon Pionierinnen gegeben, nur kennt man sie nicht. Ich führe fort, was Frauen vor mir geleistet haben, und nach mir gibt es ebenfalls noch einiges weiterzuführen.»

Tatjana Haenni
1966 geboren in Biel, aufgewachsen in der Stadt Bern.
Ausbildung KV, IT-Programmiererin.

Spielerkarriere:
1979 Karrierestart beim DFC Bern
1984 Schweizer Nationalmannschaft
1996/1998 Ende der internationalen/nationalen Spieler-Karriere

Berufliche Karriere:
1994–1999 UEFA Administratorin Wettbewerbe Frauenfussball
1999–2017 FIFA u.a. Direktorin Wettbewerbsdivision
2019 Schweizerischer Fussballverband SFV
2020 Direktorin Frauenfussball im SFV

Foto: Remo Naegeli

 

«Selfcare gehört fix eingeplant»

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Am She’s Mercedes-Event vom 15. September 2022 berichten die beiden Zürcher Yoga-Lehrerinnen Aylin Karadayi und Mirjam Haymann von ihrem Weg zu ihrem Selbstverständnis von Selfcare.

Sie wissen viel und verkörpern, wofür sie sich stark machen: Aylin Karadayi und Mirjam Haymann haben auf unterschiedlichen Wegen und aus unterschiedlichen Gründen zu Yoga gefunden. Daraus entstanden ist die Überzeugung, dass es nicht Luxus ist, sich um sich selbst zu kümmern wie um jeden anderen Menschen, der einem wichtig ist, sondern Teil der Eigenverantwortung. Damit wird Selbstfürsorge zu einem Task wie Sitzungen oder Zähneputzen. Zusammen haben die beiden Frauen «Everyday Hero Yoga» entwickelt. Es ist, was es heisst: ein Programm für Alltagsheldinnen wie Sie.

WOMEN IN BUSINESS: Gebe ich bei Google das Schlagwort Selfcare ein, erhalte ich 491 Millionen Ergebnisse in 0,73 Sekunden. Ihr Kommentar?
Aylin
: Ein Trend in unserer Selbstoptimierer-Gesellschaft, der erzählt, alles sei möglich. Selfcare wird somit zum Imperativ erklärt.
Mirjam: Andererseits ist Selfcare ja effektiv unerlässlich – wenn wir gesund bleiben wollen. Das Angebot ist erschlagend, die Realität hat mit den Hochglanzbroschüren oft nichts zu tun. Das Suggerieren von Selfcare als Hobby, gar Luxus, führt häufig zu Be- anstatt Entlastung.

Was heisst Selfcare für Sie?
Mirjam
: So zu leben, dass ich gut atmen kann, mein Körper Beachtung bekommt und mein Geist Freude erlebt.
Aylin: Für mich einzustehen. Kompromisse eingehen. Platz schaffen.

Was sind die grössten Herausforderungen dabei?
Aylin
: Die Disziplin, die Eigenverantwortung, Zeit, vielleicht sogar das Überangebot.
Mirjam: Selfcare ist nichts für «obendrauf», quasi als Sahnehäubchen, sondern gehört fix eingeplant. Dafür müssen wir Strukturen ändern, Platz machen – was Disziplin und Mut braucht, nicht zuletzt wegen den Anforderungen der Gesellschaft. Konkretes Beispiel: Ich als Mutter soll alles lieben und von Herzen machen – und da kann es ja nicht sein, dass ich Pausen brauche oder andere Interessen habe, als Znüniboxen vorzubereiten.

Welches ist Ihr effektivstes Selfcare-Tool?
Aylin
: Meditation.
Mirjam: Yoga-Asana.

Welches das schönste?
Aylin
: Musik.
Mirjam: Singen.

Wie finde ich das Passende für mich?
Aylin
: Versuch und Irrtum. Probieren geht über studieren.
Mirjam: Genau das ist es, einfach mal machen und dann aussortieren, ändern, anpassen.

Ihr gemeinsames Ding ist Yoga. Wie haben Sie dazu gefunden?
Aylin: Auf ziemlich tragische Weise: Ich hatte vor zehn Jahren Brustkrebs. Und Yoga, das davor kein Thema war für mich, hat mir erst auf physischer und dann auch geistiger Ebene geholfen.
Mirjam: Ich habe als junge Frau über eine Angststörung zu Yoga gefunden: Für mich war es damals sehr beruhigend, auf dem Boden zu sitzen, liegen oder gar zu essen. Mein Therapeut riet mir zu einer Bewegungsform am Boden. Et voilà.

Wie sieht für Sie ein perfekter Morgen/Tag aus?
Aylin
: Mein Freund oder mein Hund wecken mich, dann trinke ich einen Kaffee und gehe danach entweder mit dem Hund spazieren oder meditiere.
Mirjam: Bei mir ist es laut, die Stunde zwischen 7 und 8 Uhr am Morgen ist die anstrengendste des Tages. Danach kehrt Ruhe ein, weil die Mädchen in der Schule sind und das Au-pair übernimmt. Wenn ich dann ein bisschen Zeit für mich habe, gibt mir das sehr viel.

Sie sind die Macherinnen von «Everyday Hero Yoga» – ein Online-Programm – und Kind von Corona?
Aylin
: Ja, und es läuft, immer wieder, in Wellen.
Mirjam: Die ganze Yogabranche hat sehr unter Covid gelitten. Die Situation ist spannend und interessant, aber auch herausfordernd. Wo der Normalzustand endet, fängt etwas Neues an, Studios schliessen, Lehrer unterrichten online.

Was braucht es zum Everyday Hero?
Mirjam
: Nichts Besonderes, das sind wir alle bereits. Denn was anderes ist das Leben als eine Heldenreise, eine emotionale, spirituelle und mitunter auch höchst weltliche Odyssee. Deshalb haben wir uns bei unserem Programm auch für den Archetypen «Hero» entschieden…
Aylin: … und schlagen die Brücke zwischen den Welten, damit etwas Neues entsteht.

Ihre Philosophie?
Aylin
: Wir machen uns dafür stark, dass es für jede und jeden möglich ist, eine bessere Beziehung zum eigenen Körper und somit zu sich selbst zu haben …
Mirjam: … und da geht es uns nicht einfach darum, seine Beine, Brust und Bauch zu mögen, sondern uns aufs Ganze einzulassen und gesamthafter danach zu forschen, wie es uns geht und uns so kennenzulernen: In welcher Beziehung stehen wir zu unserem Hüftgelenk, Atem, Magen und so weiter.

Und das kann Yoga?
Aylin
: Zu Yoga geistert so viel durch Medien, Internet und Soziale Medien, dass der Eindruck entsteht, es handle sich um etwas Religiöses, fast Klösterliches, das nur etwas ist für ganz bestimmte Menschen, zum Beispiel selbstversorgende Vegetarier in Hippiehosen.
Mirjam: Das sind alles Klischees und wir die wandelnden Beispiele dafür. Wir selbst leben in chaotischen, lustigen und überaus weltlichen Umständen. Zugleich schöpfen wir immer wieder viel aus dem Kosmos des uralten Systems, das uns Yoga zu bieten hat.

Braucht halt Zeit.
Mirjam
: Yoga ist kein Quickfix, sondern eine Praxis, die von Regelmässigkeit lebt. Sicher. Ich höre immer wieder, ich würde schon mehr machen, aber ich habe keine Zeit. Meine Antwort: Du hast keine Zeit? Dann nimm dir Zeit.

Und die Reaktion, die folgt, ist «das ist einfacher gesagt als getan». Right?
Mirjam
: Ja. Aber man beginnt darüber nachzudenken. Ein Tag hat 24 Stunden für jede und jeden. Zeit kann man nicht besitzen, nur nutzen und die Art und Weise, wie wir sie nutzen, ist eine Frage der Prioritäten. Und da tun sich mitunter innere Gräben auf: Ich habe drei kleinere Kinder, um Zeit für mich zu haben, mache ich manchmal Abstriche bei meinen Erwartungen an mich als gute Mutter – und setze sie für ein Weilchen vor den TV.

Und das schlechte Gewissen praktizieren Sie auf der Matte weg?
Mirjam
: Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht, im Gegenteil, ich schätze es, dass ich mir diese Zeit-Räume nehme trotz dem Vielen, das ich und andere von mir erwarten. Unser Credo: Jeden Tag ein bisschen Yoga hält die inneren Dämonen im Zaum und gibt uns mehr Raum zum Durchatmen.
Aylin: Chop wood, carry water. Ob es einem gut geht oder nicht, die Praxen sollten dieselben sein, das führt zu weniger Gefühlschaos im Sinne von: hab ich Lust oder nicht. Denn Selfcare bedingt Scheduling: Wenn ich einen Zahnarzttermin habe, frage ich mich dann auch nicht, ob ich Lust hab oder nicht, ich gehe einfach, zum Wohle meiner Zähne.

Wie ist Ihr Selbstverständnis als Selfcare-Spezialistinnen und Yogalehrerinnen?
Aylin
: Wir verstehen uns als Mediatoren zwischen Leben und Matte. Und selbst beziehen wir in unsere Praxis auch Aspekte aus anderen Lehren ein, zum Beispiel aus dem Daoismus mit seinem Wissen um die fünf Elemente. Wir arbeiten zudem mit Bildern, sprechen vom Körper als «das Haus», in welchem wir leben. Und dieses gilt es sauber zu halten, zu pflegen und hin und wieder zu entrümpeln.
Mirjam: Wir vermitteln Yoga für Alltagsmenschen und folgen dabei nicht Mann/Frau, dick/dünn, jung/alt sondern zum Beispiel Hitze/Kälte, Leichtigkeit/Schwere und Feuchtigkeit/ Trockenheit – alles Aspekte mit einem engen Bezug zu unseren Organen. Es gibt dafür sehr simple und praktikable Übungen, die man am Schreibtisch, auf dem Bett oder in der Küche anwenden kann.

Klingt easy.
Aylin
: Und das ist gewollt, aber hart erarbeitet und hat sehr viel Disziplin gebraucht. Was wir vermitteln, ist weder ein Geschenk des Zufalls noch des Glücks.
Mirjam: Die Wörter Disziplin und harte Arbeit sind natürlich nicht Selbstzweck, sondern einfach wichtig, um Veränderungen herbeizuführen. Am Schluss, das garantieren wir, wirken diese Tools befreiend.

Und erleuchtend?
Mirjam
: Yoga macht nicht selig, im Gegenteil: Yoga legt Schwächen und Gebrechlichkeiten offen, bringt das Schwierige an die Oberfläche. Dann liegt es an jedem einzelnen zu entscheiden, wie damit umgehen – eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Eine gute Übung geht für mich nicht runter wie Honig, sondern fordert mich heraus, den Honig im Innern zu finden.
Aylin: Man lernt sich kennen, begegnet sich selbst, realisiert, woraus man seine Kraft schöpft. Ich habe selbst erfahren, dass Yoga insbesondere in schwierigen Zeiten ein guter Helfer sein kann.


 

Event-Empfehlung der Redaktion
Seien Sie beim nächsten She’s Mercedes Event dabei und lernen Sie Aylin und Mirjam persönlich kennen.

«The Essence of Self-Care»

Eine Veranstaltung der She’s Mercedes Initiative.
Datum und Uhrzeit: Donnerstag, 15. September, 17.30–22.00 Uhr
Ort: The Dolder Grand, Zürich
Ticketpreis: CHF 49.–
Der Event findet auf Englisch statt.

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 Die Initiative She’s Mercedes steht für die Idee, dass Inspiration Aussergewöhnliches bewirken kann. Mehr zur Initiative und zu den Events von She’s Mercedes in der Schweiz finden Sie im Newsletter mercedes-benz.ch/shesnewsletter-de sowie unter mercedes-benz.ch/shes


Fotos: Lauretta Suter

 

Frauen, plant mit!

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Ob Ausstieg aus dem Berufsleben oder Teilzeitpensum – in vielen Fällen haben Frauen bei der Familiengründung mit einer Karrierebremse zu rechnen und damit auch mit finanziellen Einbussen im Rentenalter. Wie sich das ändern lässt? Mit einem niederschwelligen Zugang zum Thema Geld und Anlage und mit guter Planung.

«Ich bin kein Zahlenmensch!» Kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor? Eine Selbsteinschätzung, die viele Frauen teilen. Das führt innerhalb von Familien häufig zu einer äusserst konservativen Rollenverteilung bei der Finanzplanung. Der Mann verhandelt Hypotheken, tätigt strategische Investments und regelt die finanzielle Absicherung im Alter. Die Frau mischt sich kaum ein. Dabei ist es häufig sie, die ihr Pensum zugunsten der Kinder reduziert oder ihre Karriere jedenfalls temporär auf Eis legt; die, die finanziellen Einbussen und Vorsorgelücken in Kauf nimmt. Eine Absicherung im Falle einer Scheidung? Fehlanzeige.

Frauen sparen weniger
Vorgelebt wurde dieses Modell bereits von den Eltern und Grosseltern. Der Vater bringt das Geld nach Hause, die Mutter schmeisst den Haushalt. Ein solch traditionelles Rollenverständnis prägt – selbst dann, wenn man es selbst einmal ganz anders machen wollte und sich als emanzipiert und unabhängig beschreibt. Wenn es ums Geld geht, trauen sich Frauen trotz hervorragender Ausbildung und erfolgreicher beruflicher Laufbahn noch immer zu wenig zu – zu beobachten sowohl in Jobinterviews und Lohnverhandlungen als auch bei Kreditanträgen und in den heimischen vier Wänden. Letzteres funktioniert, solange man das Glück hat, mit dem Partner gemeinsam alt zu werden. Doch bei einer Trennung sind es vor allem die Frauen, die finanziell das Nachsehen haben, wenn vorgängig nicht für beide Partner ordentlich vorgesorgt wurde. Frauen sparen rund 37 Prozent weniger als Männer. Verständlich, wenn plötzlich weniger oder gar nichts mehr in der eigenen Kasse ist und man unentgeltlich die Familie managed.

Tabu- und Streitthema
Wenn aus einem Paar eine Familie wird und Kinder kommen, sind eine finanzielle Standortbestimmung und ein gemeinsam erstellter Finanzplan unabdingbar. Prioritäten müssen neu gesetzt werden. Aus zwei unabhängigen Budgets wird ein neues Modell geformt. Gemeinsames Konto oder Haushaltskasse? Brauchen wir eine Todesfallversicherung? Wie sparen wir gemeinsam? Sind unsere Kinder gut abgesichert? Was passiert finanziell bei einer Trennung? All diese Fragen gilt es zu klären und dabei müssen wir vor allem eines lernen: dass wir über das Thema Geld sprechen wie über den nächsten Wocheneinkauf. Noch immer ist dies selbst im geschützten Raum der Partnerschaft ein Tabu- oder Streitthema. Dabei ist ein natürlicher, unverkrampfter Umgang mit den eigenen Finanzen respektive denen der Familie die Grundlage für ein individuelles und kollektives Sicherheitsgefühl. Und das beginnt nicht erst in der Paarbeziehung, sondern bereits in der eigenen Kindheit und Jugend. Wie lege ich mein Taschengeld an? Was passiert mit meinem ersten Lohn? Da sind Eltern, aber auch Schulen gefragt, Kindern möglichst praxisnah zu verdeutlichen, was es für eine gute Finanzplanung braucht, weshalb sie nötig ist und wie sie sogar Spass machen kann.

Verantwortung übernehmen
Wer von klein auf lernt, dass Geld uns alle etwas angeht und wir früh dafür sorgen müssen, dass wir möglichst lange etwas davon haben, profitiert langfristig und übernimmt Verantwortung für sich selbst. Dass das nötig ist, zeigen die Zahlen: Rund 60 Prozent der Altersvorsorge stammen aus der 1. und 2. Säule. Die übrigen 40 Prozent resultieren aus der privaten Vorsorge, der 3. Säule. Ein System also, das nach einer gewissen Balance und Stabilität verlangt. Selbstverständlich ist nicht jeder in der Lage, die dritte Säule maximal zu befüllen. Die gute Nachricht: Eine professionelle Vorsorgeberatung unterstützt dabei, das Modell zu finden, das in die eigene finanzielle Situation hineinpasst. ★


 

«Die Frauen müssen mit am Tisch sitzen»

Die private Vorsorge ist ein wichtiger Faktor, um im Pensionsalter nicht nur viel Zeit, sondern auch genügend Geld zu haben. Was es dabei zu beachten gilt – besonders für Frauen, und ob es irgendwann zu spät ist, um mit der Finanzplanung zu beginnen, verrät Diana Stocker, Leiterin Direktvertrieb Pax.

WOMEN IN BUSINESS: Diana Stocker, Frauen haben ein höheres Risiko, später in die Altersarmut abzurutschen. Was können wir dagegen tun?
Diana Stocker: Wir müssen ein Bewusstsein schaffen für die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen. Gerade bei Frauen, die Kinder bekommen, müssen Teilzeitpensum, Betreuungslösung und Altersvorsorge gemeinsam mit dem Partner eingehend diskutiert werden. Ich hatte selbst das Glück, auf meine Familie zurückgreifen zu können, als unsere Kinder zur Welt kamen. So war ich in der Lage, voll weiterzuarbeiten. Ich erlebe leider immer wieder, dass Frauen sich aus der Diskussion um finanzielle Belange zurückziehen und alle Entscheidungen dem Mann überlassen. Bei meinen Beratungen bestehe ich deshalb darauf, dass beide Partner am Tisch sitzen. Beratung ist nicht gleich Beratung. Ich möchte Frauen abholen und ihnen Unverständliches verständlich machen, ihnen Sicherheit geben und signalisieren: Es ist nie zu spät für einen Finanzplan und eine private Vorsorge.

Muss man mit dem Sparen nicht möglichst früh beginnen?
Selbstverständlich lassen sich grosse Lücken später nur schwer wieder schliessen, doch Sparen fürs Alter ist immer wichtig. Je nach Lebensabschnitt gibt es andere Lösungen – nach einer Scheidung beispielsweise wird geprüft, ob ein Teil des Vermögens sinnvoll angelegt werden kann. Häufig ist dann wichtig, Prioritäten neu zu setzen und die eigenen Möglichkeiten zu evaluieren. Selbst 100 Franken im Monat machen einen Unterschied.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Vorsorgeanalyse?
Ich rate dazu, wenn sich im Leben etwas verändert, das einen Einfluss auf die finanzielle Situation haben wird. Bei meiner ersten Vorsorgeanalyse war ich 21 Jahre alt. Doch auch vor einer Hochzeit, bei einem Jobwechsel, wenn die Familie wächst oder die Pensionierung ansteht, ist es wichtig, die eigene Situation zu überprüfen und eine Vorsorgeplanung vorzunehmen. So kann der Wechsel in den neuen Lebensabschnitt für alle Beteiligten finanziell gut abgesichert und vermieden werden, dass Nachteile entstehen. Im Gegensatz zu früher sind die Vorsorgemodelle heute sehr flexibel, können auch bei bestehenden Verträgen immer wieder angepasst und auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden.

Wie laufen Vorsorgeanalyse und Beratung ab?
Grundsätzlich ist die Vorbereitung für eine Beratung sehr zahlenlastig. Wir prüfen beispielsweise den Vorsorgenachweis der 2. Säule und die Vermögenswerte und geben die gesammelten Informationen in ein Vorsorgeanalysetool. Die Kunden erhalten dann eine Präsentation der Ergebnisse. Lücken werden aufgezeigt – solche, die es bereits gibt und solche, die noch folgen können. Dann geht es um die Klärung der Bedürfnisse: Möchten sich Kunden gegenseitig absichern, eine Hypothek abbezahlen, die Kinder versorgt wissen, die Pensionierung planen oder ein anderes Szenario abdecken? Entsprechend dem Kundenbudget suchen wir dann nach passenden Lösungen. Es gibt keine Standard-Variante, die für alle passt. Vor 20 Jahren hat man vor allem klassische Lebensversicherungen und Vorsorgepläne gemacht. Heute haben wir attraktive Fond-Lösungen, können auf die Risikobereitschaft der Kunden eingehen und haben ein breites Angebot an Lösungen auf dem Markt. ★

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Diana Stocker
Diana Stocker bringt 20 Jahre Berufserfahrung im Versicherungssektor mit. Die Mutter zweier Töchter (10 und 15 Jahre) ist seit sechs Jahren für Pax tätig und Expertin, wenn es um das Thema Private Vorsorge geht. Diana Stocker leitet den Direktvertrieb.

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«Grosse Umwälzungen brauchen Zeit»

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Der Begriff Metaverse ist in aller Munde. Nur ein Hype oder doch ein bevorstehender, einschneidender Wandel? Wir haben bei Patrick Comboeuf, digitaler Vordenker und Studiengangsleiter an der HWZ, nachgefragt, was hinter dem Begriff steckt, wo und wie man sich bereits im Metaverse bewegen kann und was es mit der «Risk of Ignorance» auf sich hat.

WOMEN IN BUSINESS: Alle reden vom Metaverse. Was können wir uns darunter vorstellen?
Patrick Comboeuf: Seit Facebook seinen Namen in «Meta Platform Inc.» geändert hat, findet das Metaverse immer mehr Eingang ins allgemeine Bewusstsein. Dabei ist Metaverse kein neuer Begriff. Bereits Ende der 90er-Jahre erschien ein Science-Fiction-Roman, der sich mit einer virtuellen Parallelwelt auseinandersetzte. Dass der Begriff aber gerade jetzt boomt – sei dies bei den Big-Tech-Firmen wie auch in der breiten (Medien)-Öffentlichkeit – kommt nicht von Ungefähr. Es ist das Resultat verschiedener Faktoren, die aufeinander einzahlen. Darunter fällt zum einen der technologische Fortschritt, der die Verschmelzung verschiedener digitaler Ökosysteme, wie beispielsweise E-Commerce, Kryptowährungen und Virtual Reality, mit der realen Welt ermöglicht. Im Weiteren funktionieren durch die Pandemie hervorgerufene gesellschaftliche Umwälzungen und damit der digitale Lifestyle nicht schlechter als der analoge Pre-Covid-Status Quo. Das hat viele überrascht, am allermeisten wohl die Menschen an den Schalthebeln der unternehmerischen Macht. Zudem haben digitale Zahlungssysteme wie Twint über Nacht einen neuen Standard gesetzt. Und zu guter Letzt sind die Giganten aus dem Silicon Valley stets auf der Jagd nach dem «Next Big Thing». Ausgestattet mit reichlich (Risiko-)Kapital braut sich so wirkungsvoll ein Hype zusammen, der gerade am Anfang dazu neigt, etwas zu überborden, auch geschürt durch die Gier der Medien nach schmissigen Stories.

Wie unterscheidet sich das Metaverse vom Internet? Welchen Mehrwert bietet es?
Wenn wir das Internet als Universum betrachten, schafft das Metaverse eine übergeordnete Meta-Umgebung, in welcher viele dieser Universen miteinander interagieren. Das ist heute nicht der Fall. E-Commerce ist beispielsweise eine Plattformwelt, die von Alibaba oder Amazon dominiert wird, Gaming ist auf Xbox und Co. parallelisiert. Das Metaverse erlaubt es technologisch, diese teilweise organisch gewachsenen, teilweise bewusst als Geschäftsmodell hochgezogenen Grenzen zu durchstossen. Und das ist keinesfalls eine Utopie. In der analogen Welt geht das heute schon. Mein 7-jähriger Sohn hat keine Skrupel, mit seinem Lego-Technics Auto in sein Playmobil-Ritterschloss zu fahren. Und er wird dabei auch nicht aufgehalten von einem vermeintlichen Plattform-Giganten wie Playmobil, denn er bzw. ich haben ja für die Produkte und deren freie Verwendung bezahlt.

Kann man das Metaverse bzw. seine Entwicklung bereits irgendwo beobachten?
Es gibt bereits unzählige Plattformen, auf welchen man Metaverse-Erfahrungen machen kann – und zwar nicht nur mit klobigen VR Brillen oder anderen Gadgets. Sandbox ist ein dezentralisiertes Gaming-Metaverse, welches es technisch versierten Spieler:innen erlaubt, virtuelle Werte, sogenannte NFTs zu kreieren, zu handeln und zu monetarisieren. Decentraland ist eine weitere Plattform, welche eine virtuelle Welt abbildet. Man kann Land kaufen, bauen aber eben auch einfach umherwandern und sich inspirieren lassen, was andere Teilnehmende dort so machen. Und dann gibt es noch Axie Infinity, ein Spieluniversum, welches vor allem in Südostasien viele junge Nutzer:innen anzieht, weil sie damit in einem «Play-to-earn»-Modell tatsächlich Teile ihres Lebensunterhalts bestreiten können.

Für wen ist das Metaverse gedacht? Wie wahrscheinlich ist es, dass wir bald alle im Metaverse unterwegs sein werden?
Mein damaliger Arbeitgeber hat mir Anfang der 90er-Jahre ein Mobiltelefon zur Verfügung gestellt. In meinem Umfeld hatte fast niemand Verständnis dafür, dass ich dieses Gerät (auf Geheiss meines Chefs), mit mir rumgetragen habe. “Wer will denn immer erreichbar sein? Das ist doch unnötig.”, waren die harmloseren Kommentare. Auch meine Vision 2006 als damaliger Digitalchef bei der SBB, das Kursbuch und den Billettautomaten auf das Mobiltelefon zu bringen, wurde innerhalb des Unternehmens kritisch aufgenommen. Grosse Umwälzungen brauchen Zeit, in der Regel mehr, als ich und viele meiner Mitstreiter:innen der digitalen Avantgarde uns erhoffen würden. Aber wohl auch weniger lang, als sich Bedenkenträger, Status-Quo-Bewahrer und Verschwörungstheoretiker wünschen würden. Das Metaverse lädt, wie alle technologischen Entwicklungen, vor allem diejenigen Menschen zum Experimentieren und Lernen ein, die an einer Zukunft bauen wollen, welche noch viele Überraschungen bereithält.

Welche Chancen bietet das Metaverse? Sind auch potenzielle Gefahren damit verbunden?
Bei jedem technologischen Phänomen treten am Anfang viel Unwägbarkeiten auf. Dinge, die noch nicht klar sind. Doch gerade für eine kleine Volkswirtschaft wie die Schweiz, mit überschaubaren natürlichen Ressourcen, dafür mit einem berechenbaren Justiz- und Politsystem, einer gut ausgebildeten Bevölkerung und gut alimentierten öffentlichen Kassen, sehe ich in den Entwicklungen rund um das Metaverse eine Möglichkeit, den Abstand zu den Big Tech-Zentren nicht nur zu verringern, sondern da und dort sogar in den Lead zu gehen. Die wachsende Auswahl an Anwendungsfällen aus der Bauindustrie und dem Kunstmarkt zeigen, dass es sich lohnt, sich bereits jetzt aktiv mit den Auswirkungen von Metaverse und Co. auseinanderzusetzen. Gerade dann, wenn man RoI nicht per se als «Return on Investment», sondern smarter, als «Risk of Ignorance» versteht.

Über Patrick Comboeuf
Patrick Comboeuf ist einer der profiliertesten digitalen Vordenker der Schweiz. Mehrere Wochen im Jahr verbringt er im Silicon Valley und anderen Hotspots der digitalen Welt. Seit 2013 arbeitet er freiberuflich für das Institute for Digital Business & das Center for Financial Studies an der HWZ, u. a. als Studiengangsleiter den CAS Fintech & Blockchain Economy. Hauptberuflich unterstützt er als Interim Leader etablierte Unternehmen sowie aufstrebende Startups dabei, ihre Geschäftstätigkeit friktionsfrei in digitalen Ecosystemen zu verankern. Als langjähriger Digitalverantwortlicher bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) oder Swiss Life war er federführend für eine Vielzahl von Initiativen verantwortlich.

Trauen Sie sich, offen zu sein

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Waren Sie auch schon in einem Meeting und haben Ihre Gedanken und Ideen nicht geteilt, weil Sie befürchteten, jemand könnte Ihre Vorschläge schlecht finden und Sie blossstellen? Oft sind wir – vielleicht unbewusst – so beschäftigt, darauf zu achten, wie wir wirken und was andere von uns denken, dass wir uns nicht in Diskussionen einbringen. Dabei wäre der Beitrag von uns allen wichtig.

Wir brauchen Kooperation und neuartige Lösungen, um die komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Damit wir kreativ und erfolgreich zusammenarbeiten können, bedarf es einer Arbeitsatmosphäre, in welcher wir keine Angst haben müssen, offen unsere Meinung zu äussern, Fehler zuzugeben oder den Status Quo kritisch zu hinterfragen. Eine Kultur, die einen respektvollen und empathischen Umgang fördert, wo aus Fehlern gelernt werden darf und individuelle Stärken, Talente und Fähigkeiten geschätzt und gefördert werden.

Harvard Professor Amy Edmondson nennt dies Psychologische Sicherheit. In einer grossangelegten Studie fand Google 2012 heraus, dass diese mit Abstand der wichtigste Erfolgsfaktor für effektive Teams ist. Wie kann es also sein, dass bis heute – zehn Jahre später – in vielen Unternehmen immer noch eine ganz andere Kultur herrscht? Und «herrschen» ist in diesem Zusammenhang tatsächlich der richtige Begriff, weil Manager nach wie vor oftmals herrschen, anstatt zu führen.

Es ist höchste Zeit für einen Kulturwandel. Diesen zu initiieren ist vor allem die Aufgabe von Führungskräften. Doch wir alle können uns bemühen, unseren Kolleginnen und Kollegen das Gefühl von Wertschätzung, Empathie und Sicherheit zu vermitteln und so einen Beitrag zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre zu leisten.

Was können Sie konkret tun?
Seien Sie mutig, gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Jedes Mal, wenn Sie sich trauen, offen und ehrlich eine kontroverse Meinung zu vertreten, Fehler zuzugeben und sich verletzlich zu zeigen, inspirieren Sie andere, dasselbe zu tun. Bestärken Sie andere, wenn diese mutig vorangehen. Selbst wenn Sie nicht derselben Meinung sind, können Sie wertschätzend und anerkennend reagieren und so zu einer konstruktiven Diskussion beitragen. Wie Mahatma Gandhi schon sagte, seien Sie selbst die Veränderung, die Sie sich für diese Welt wünschen.

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Wir sind Caroline und Chantal Rampone. Coaching ist unsere Leidenschaft. Das Wohlergehen von Menschen in der Arbeitswelt zu fördern, ist unsere Mission. Strukturiert und zielorientiert, mit viel Feingefühl und Leichtigkeit, kreieren wir einen vertrauensvollen Raum für neue Perspektiven, Erkenntnisse und Handlungsoptionen. Wir stärken Ihre Selbstwirksamkeit, fördern Ihre persönliche Entwicklung und Entfaltung – für mehr Lebensqualität.

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«Tu es einfach!»

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Künstliche Intelligenz (KI) kann immer mehr. Eine, die sich auf dem Gebiet auskennt, ist Paulina Grnarova. Die CEO und Mitgründerin von DeepJudge, einem Start-up im KI-Bereich, will mit der Technologie den juristischen Suchprozess revolutionieren. Wir haben mit ihr über das Vorhaben, ihre Rolle als CEO und die Gunst der Stunde gesprochen.

WOMEN IN BUSINESS: Was genau bietet das Start-up DeepJudge an?
Paulina Grnarova: Wir haben eine Software entwickelt, welche die Effizienz von Anwälten steigert, indem Routinetätigkeiten automatisiert werden. Juristen müssen täglich unzählige Dokumente nach relevanten Informationen durchforsten. Diese Tätigkeit nimmt viel Zeit in Anspruch, die anderweitig genutzt werden könnte. Hier setzt DeepJudge an. Die Software filtert im Nu relevante Informationen aus Dokumenten. Das bringt den juristischen Suchprozess auf ein neues Level.

Wie vermag die Software, Informationen zu filtern?
Sie nutzt Künstliche Intelligenz (KI). Diese ermöglicht es, natürliche Sprache sowie rechtliche Konzepte semantisch zu verstehen. Das heisst, die Software versteht die Bedeutung und den Kontext von Wörtern und Sätzen. Konnte man mit bisherigen Programmen nur nach spezifischen Schlüsselwörtern suchen, erfasst DeepJudge die weiter gefasste Bedeutung eines Suchbegriffs. Es handelt sich damit nicht mehr nur um eine Stichwortsuche. DeepJudge kann komplexe Fragestellungen und den Kontext eines Textes erfassen.

Sie haben ursprünglich Computer Science studiert. Wie kamen Sie von dieser Thematik hin zur Gründung von DeepJudge – einem Start-up, das Dienstleistungen im Rechtsbereich erbringt?
Das hat verschiedene Gründe. Als Doktoranden an der ETH Zürich haben wir uns auf das Verständnis von Texten mit Hilfe von KI spezialisiert. In der Tat gibt es aber zahlreiche Branchen, in denen Text in grossen Mengen verarbeitet werden muss. Der juristische Bereich interessierte uns besonders, weil verschiedene Dokumente, die zusammenhängen, analysiert werden müssen. Hinzu kommt, dass die Sprache in den Rechtswissenschaften sehr nuanciert ist. Die Veränderung eines Wortes kann die Bedeutung eines ganzen Abschnittes verändern. Das Bedürfnis nach Unterstützung und Automatisierung war in diesem gesamten Prozess gross. Hinzu kam, dass die Technologie während unserer Promotion grosse Fortschritte erzielen konnte. Es wurde dank KI ein Verständnis von Text möglich, das zuvor unmöglich schien. Diese Gunst der Stunde haben wir genutzt.

Wie haben Sie den Prozess der Gründung wahrgenommen?
Es ist sehr aufregend, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Man hat das Gefühl, etwas Grosses zu bewirken. Es beeindruckt mich, dass eine kleine Gruppe von Menschen einen Arbeitsablauf verändern kann. Und es war eine grosse Befriedigung, endlich alles, was wir während der Promotion gelernt hatten, auf ein praktisches Problem anzuwenden zu können.

Wie haben Sie den Wandel von Ihrer eigentlichen Tätigkeit – dem Codieren – hin zur CEO wahrgenommen?
Ich programmiere zwar nicht mehr direkt, bin aber immer noch an der übergeordneten Weiterentwicklung der Software beteiligt. Ich schätze es, beide Tätigkeiten, das Programmieren und die Rolle der CEO, kombinieren zu können. Ich sehe gerade hier einen grossen Vorteil. Zu meinen Aufgaben als CEO zählen unter anderem die Führung von Gesprächen mit Kunden und potenziellen Investoren. Mein technischer Hintergrund hilft mir dabei sehr. Zum einen erscheine ich glaubwürdig, weil ich das Produkt mitentwickelt habe und weiss, wovon ich spreche. Zum anderen kann ich direkt und individuell Empfehlungen abgeben.

Welchen Rat würden Sie anderen (potenziellen) Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Ich würde ihnen sagen «Tu es einfach!». Denn sobald man den Sprung gewagt hat, ergibt sich der Rest. Es ist ein Fehler, abzuwarten, bis man perfekt vorbereitet ist, denn das wird nie der Fall sein. Es geht vielmehr darum, die Ungewissheit von allem, was kommen wird, anzunehmen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Gründungsteam, all jene Menschen, mit denen man sich umgibt. Man muss Leute finden, welche dieselben Werte teilen und an die Geschäftsidee glauben. Denn gemeinsam geht alles einfacher.


 

Über Dr. Paulina Grnarova Paulina Grnarova ist Co-Founderin und CEO von DeepJudge, einem Spin-off der ETH Zürich. Die Nordmazedonierin promovierte an der ETH in Künstlicher Intelligenz und arbeitete mehrere Jahre als Forschungsberaterin bei Google AI Language und Google Brain, wo sie sich auf das Verständnis natürlicher Sprache spezialisierte. Für ihre Leistungen wurde Paulina unter anderem in die prestigeträchtige «Forbes 30 under 30»-Liste aufgenommen.

Über DeepJudge Das Start-up wurde von vier Doktoranden der ETH Zürich gegründet. Bei der Software handelt es sich um eine KI-gestützte Plattform, welche die Verarbeitung juristischer Dokumente unterstützt. Die Software ist bereits auf dem Markt und befindet sich in der Pilotphase. Mehrere grosse Anwaltskanzleien helfen bei der Entwicklung mit.

Die Dringlichkeit zum Handeln scheint noch nicht überall erkannt worden zu sein

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Schon seit ihrer Jugendzeit beschäftigt sich Antje Kanngiesser mit den Themen Energie und Umwelt. Heute setzt sie sich als CEO des Schweizer Energiekonzerns Alpiq für die Förderung von Wasser-, Wind- und Solarkraft ein. Ein Gespräch über den Ausbau erneuerbarer Energien und die sichere Versorgung mit Strom.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Kanngiesser, Sie stehen heute an der Spitze von einem der beiden grossen Energieunternehmen der Schweiz. Hat Sie diese Branche schon früh interessiert?
Antje Kanngiesser: Gewissermassen schon. Ich bin in Nordhessen in Deutschland aufgewachsen. In den 1980er Jahren habe ich als Teenager die Diskussionen um Fisch- und Waldsterben, saurer Regen, Ozonloch sowie um die Auswirkungen der Atom-Katastrophe in Tschernobyl mitbekommen. Schon damals hat es mich umgetrieben, was man dagegen tun kann. Deshalb habe ich als Jugendliche zusammen mit Freunden eine Umweltgruppe gegründet und später Jurisprudenz mit Schwerpunkt Öffentliches Recht studiert, weil Rechtskenntnisse grundsätzlich von Vorteil sind, um zu verstehen, was passiert. Meine Doktorarbeit habe ich dann über die Mediation in Genehmigungsverfahren für Grossprojekte wie Flughäfen, Kraftwerke oder Deponien geschrieben, ehe ich in verschiedenen Anwaltskanzleien mit Schwerpunkt Umwelt- und Abfallrecht gearbeitet habe.

Wie sind Sie in die Energiebranche gekommen, die für Frauen ja nicht gerade ein typisches Berufsfeld ist?
Durch meine anwaltliche Arbeit bin ich über das Abfallrecht zur Energiegewinnung aus Abfällen mit Biogas und von dort mit weiteren erneuerbaren Energien in Kontakt gekommen wie Photovoltaik, On- und Offshore-Windparks. Rückblickend ist es also kein Zufall, dass ich mich heute in meiner Funktion als CEO der Alpiq mit all diesen Themen beschäftige. Ob ich eine Frau bin oder nicht, spielt keine Rolle. Es geht darum, Leistung zu bringen, sich sozial einzubringen, eigenverantwortlich zu handeln und sich mit Freude für eine Sache zu engagieren.

Was fasziniert Sie an Ihrem Job als CEO der Alpiq?
Schon von klein auf habe ich Verantwortung übernehmen müssen. Das hat mich sehr geprägt. Mir wurde später wichtig, dass ich im Beruf eine verantwortungsvolle Rolle mit viel Gestaltungsspielraum übernehmen kann. Als CEO habe ich die Möglichkeit, zu gestalten, mich für etwas einzusetzen und etwas zu ändern. Das gefällt mir. Die Komplexität der Materie sowie die gesellschaftliche, systemische und wirtschaftliche Relevanz der Energiewirtschaft begeistern mich. Das Geschäft in der Energiebranche ist enorm spannend, weil es nie eine einfache und schnelle Lösung gibt.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Zuallererst mag ich Menschen sehr gern. Das scheint mir eine Grundvoraussetzung für gute Führung zu sein. Ich führe situativ sowie partizipativ und fördere kollaborative Entscheide. Wichtig sind mir zudem Werte wie Vertrauen und Respekt, aber auch Transparenz und Humor. In Krisensituationen hilft die klassische, militärische Führung, die ich im Rahmen einer Weiterbildung am International Institute for Management Development (IMD) während einer viertägigen Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee kennengelernt habe. Führen in normalen Situationen und in Krisenfällen ist nicht dasselbe. Ich versuche, immer den richtigen Stil für die jeweilige Situation zu finden.

Wie werden bei Alpiq Frauen gefördert?
Diversität und Inklusion sind wichtige Themen bei uns. Wir möchten die Vielfalt fördern und andere Meinungen zulassen – unabhängig vom Geschlecht – auch wenn das manchmal anstrengend ist. In der Geschäftsleitung haben wir gegenwärtig einen Frauenanteil von einem Drittel, im oberen Kader beträgt er allerdings erst sieben Prozent. Hier haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 rund 35 Prozent zu erreichen. Generell geht es mir nicht allein um Frauenförderung, sondern um die Vielfältigkeit. Alpiq ist in 20 Ländern aktiv, weshalb wir mit entsprechend unterschiedlichen Kulturen umgehen müssen.

Was können Frauen besser als Männer?
Dieses Thema lässt sich nicht einfach generalisieren. Die besten Resultate gibt es meiner Erfahrung nach mit gemischten Teams, in denen jede und jeder seine individuellen Stärken einbringen kann. Für entscheidender halte ich sowieso die kulturellen und nicht die geschlechtsspezifischen Unterschiede.

Wie stehen Sie zum Umwelt- und Klimaschutz? Was tragen Sie persönlich dazu bei?
Wie ich eingangs erwähnt habe, liegen mir die Umwelt und der Klimaschutz seit meiner Kindheit sehr am Herzen. Diese Einstellung gebe ich auch meinen beiden Töchtern weiter. Meinen Arbeitsweg vom Freiburger Seebezirk ins Büro nach Lausanne oder Olten lege ich im Normalfall mit dem Zug zurück. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, dann fahre ich ein Elektroauto. Lokal bewege ich mich viel zu Fuss oder mit dem Velo. Auf Flugreisen habe ich privat kaum noch Lust, beruflich nehme ich aber das Flugzeug schon noch hin und wieder. Gerne möchten wir unser Wohnmobil durch ein elektrisches Modell ersetzen, sobald es möglich ist. Ausserdem backen wir Brot selbst, kaufen saisonal direkt beim Bauern, der Laiterie und dem Winzer ein und versuchen, Foodwaste zu vermeiden.

Was kann Alpiq dazu beitragen?
Wir achten als Unternehmen stark auf die Umwelt und fördern die erneuerbaren Energien. Aber wir haben auch Gaskraftwerke, die zur Stabilisierung der Energieversorgung noch eine ganze Zeitlang gebraucht werden, um die Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen. Denn Wind und Sonne sind sehr volatil. Am flexibelsten ist man mit Wasserkraftwerken, aber die gibt es schon allein bedingt durch deren Topografie nicht in allen Ländern, weshalb dort Gaskraftwerke zum Einsatz kommen. Ziel muss es sein, mittel- bis langfristig auch diese Werke zu ersetzen bzw. diese auf Biogas oder grünen Wasserstoff umzurüsten. Diese beiden Energieträger werden in den nächsten 20 Jahren eine wichtige Rolle spielen. Die Alpiq will sich in der Umwelt- und Klimafrage verbindliche und messbare Ziele setzen. Wir analysieren die gesamten Prozesse, um noch effizienter zu werden. Da ist viel Detailarbeit gefragt, aber diese Analyse ist ein Gebot der Stunde.

Alpiq ist in der Schweiz an Kernkraftwerken (KKW) sowie in Italien, Spanien und Ungarn an Gaskombikraftwerken beteiligt. Wie beurteilen Sie das geplante Ausstiegsszenario?
Momentan sind zwei parallele Bewegungen zu beobachten: Der Stromverbrauch steigt, während weniger Strom produziert wird. Die Schweizerinnen und Schweizer haben an der Urne entschieden, dass die Schweiz aus der Kernenergie aussteigen soll. Bestehende Kernkraftwerke sollen am Ende ihrer Betriebszeit stillgelegt, zurückgebaut und nicht ersetzt werden. Allerdings können sie so lange weiter betrieben werden, wie es ihre Sicherheit zulässt und die Wirtschaftlichkeit gegeben ist. Die Schweiz hat keine festen Laufzeiten bestimmt. Ob die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt sind, entscheidet das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI). Allerdings sind wir der Auffassung, dass wir gut daran tun, die Kernkraftwerke – solange sie sicher und wirtschaftlich betrieben werden können – am Netz bleiben sollten, bis wir den Ausbau der erneuerbaren Energien genügend vorangetrieben haben. Wir müssen auch so schnell und vor allem massiv ausbauen, um den künftigen Bedarf decken zu können.

Hat der Krieg in der Ukraine daran etwas geändert?
Nicht grundsätzlich. Der Krieg hat das Bild noch einmal verschärft und aufgezeigt, dass wir in Europa insbesondere im Bereich Erdgas eine sehr starke Abhängigkeit von Russland haben. Die Schweiz hat sich die Dekarbonisierung zum Ziel gesetzt. Aber man muss sich im Klaren sein, dass die Dekarbonisierung nur über die Elektrifizierung des Verkehrs und der Industrie unktioniert. Deshalb wird der Strombedarf stark zunehmen. Heute verbraucht die Schweiz 58,6 Terrawattstunden Strom pro Jahr. Gemäss Hochrechnungen wird dieser Wert bis ins Jahr 2050 auf rund 85 Terrawattstunden ansteigen. Diese Prognose scheint mir nicht übertrieben zu sein. Hauptreiber werden dabei die Mobilität, die Liegenschaften und die Industrie sein. Auch die Bevölkerungszunahme ist nicht zu vernachlässigen. Die Dringlichkeit zum Handeln scheint allerdings noch nicht überall wirklich erkannt worden zu sein. Der Konflikt in der Ukraine erzeugt nun Druck, damit die Forschung schneller arbeiten und Innovationen entwickeln kann. Vielleicht noch nicht heute und morgen, aber ich bin sicher, dass es vorwärts geht und heute noch embryonale Ideen bei der entsprechenden Aufmerksamkeit ihre Wirkung entfalten können.

Welches Potenzial haben wir im Bereich der Energieeffizienz?
Diese müssen wir verstärkt vorantreiben. Da liegen in der Schweiz beim Stromverbrauch vielleicht drei Terrawattstunden in Bezug auf den jährlichen Verbrauch drin. Das entspricht ca. fünf Prozent gerechnet auf den heutigen Verbrauch. Der Strombedarf durch die Dekarbonisierung steigt aber deutlich stärker. Deshalb müssen wir die erneuerbaren Energien rasch ausbauen.

Wie kann eine sichere Stromversorgung in der Schweiz langfristig garantiert werden?
Wir müssen aufhören, die verschiedenen Technologien gegeneinander auszuspielen und Gründe zu suchen, warum etwas nicht geht. Wichtig sind der Ausbau der Wasserkraft und die Photovoltaikanlagen sind im Alpenraum besonders im Winter sehr wirkungsvoll. Alpiq ist am Projekt für die grösste Photovoltaikanlage der Schweiz in Gondo beteiligt. Im Bild die Photovoltaikanlage und der Windpark von Alpiq auf dem Monte Mele in Sizilien. damit verbundenen Erhöhungen der Mauern von Stauseen, aber auch die Photovoltaik und der grüne Wasserstoff. Bei dieser Technologie müssen wir auch an die Speicherung der Energie denken, vor allem an die saisonale Speicherung, denn wir haben vor allem im Winter zu wenig Strom. In diesem Spannungsfeld gilt es einen Kompromiss zu finden zwischen der Energieversorgung und den Interessen des Umweltschutzes. Man darf nie vergessen, dass in der Energiebranche Planungs- und Genehmigungszeiten von bis zu 30 Jahren nicht aussergewöhnlich sind. Deshalb sollte auch darüber nachgedacht werden, die Genehmigungs- und Gerichtsverfahren zu beschleunigen. In anderen Ländern besteht diese Möglichkeit, weil das öffentliche Interesse an der sicheren Energieversorgung so gross ist. Energiepolitik ist immer auch Sicherheitspolitik.

Reicht dafür der Ausbau der erneuerbaren Energien? Oder ist das eine Träumerei?
Es ist grundsätzliche denkbar, dass wir irgendwann den ganzen Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken können. Doch die Schweiz wird nie ganz autonom sein, sie ist keine Insel, und es wäre viel zu teuer. Allfällige Lücken wird sie auch künftig mit Strom aus dem Ausland schliessen, idealerweise auch aus erneuerbaren Energien. Denn die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist aus Umweltschutzsicht und in Bezug auf den Klimawandel eine Pflicht. Deshalb muss ein weiteres Ziel sein, die ganze Infrastruktur umzubauen und jedes Gebäude in ein kleines Kraftwerk zu verwandeln. Der technische Fortschritt wird viel dazu beitragen, dies zu ermöglichen.

Drohen der Schweiz Strommangellagen und Stromlücken?
Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) zeigte an ihrer Jahresmedienkonferenz im Juni auf, dass für den kommenden Winter Importe aus Frankreich sehr begrenzt möglich sein werden. Aktuell steht die Hälfte der 56 Reaktoren Frankreichs still. Die Exportfähigkeit der anderen Nachbarländer hängt stark von der Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe ab, wo wir aktuell mehr als grosse Fragezeichen haben. Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck hat im Juni die zweite Eskalationsstufe im Notfallplan Gas ausgerufen und zum Sparen aufgerufen, da Russland die Gaslieferungen stark gedrosselt hat. Das Risiko ist sehr real. Eine sichere Stromversorgung ist das Rückgrat einer gesunden Wirtschaft. Wir müssen die Wirtschaft schützen, sonst gehen die Arbeitsplätze verloren. Deshalb müssen wir beim Ausbau unserer Infrastruktur wirklich Tempo aufnehmen und Projekte priorisieren.

Welche Strategie verfolgen Sie mit Alpiq?
Wie in den letzten fünf Jahren, wo Alpiq eine halbe Milliarde Franken in die Schweizer Wasserkraft investiert hat, liegt unser Hauptfokus auch in der Zukunft auf dem Ausbau der Wasserkraft, die sehr flexibel ist. Wir sind an vier Projekten beteiligt und würden gerne morgen loslegen. Um der drohenden Stromknappheit zu begegnen, planen wir mit Partnern zum Beispiel eine neue Staumauer oberhalb von Zermatt im Wallis, um die Gletscherschmelze aufzufangen. Die Energie könnte über das bestehende Kraftwerk Grande Dixence verarbeitet werden. Dieses Projekt wäre in rund drei Jahren realisiert und könnte 650 Gigawattstunden Strom für die Wintermonate liefern, was enorm viel ist. Und für die Gemeinde Zermatt wäre mit diesem Projekt auch viel für den Hochwasserschutz getan.

Wie sieht es mit dem Ausbau der Photovoltaik aus?
Von Photovoltaikanlagen halte ich sehr viel. Besonders im Alpenraum sind sie sehr wirkungsvoll, weil dort das Sonnenlicht durch den Schnee reflektiert und verstärkt wird. Oberhalb der Walliser Ortschaft Gondo ist Gondosolar, die grösste Photovoltaikanlage der Schweiz, mit unserer Beteiligung in Planung. Auf einer Höhe von über 2000 Metern über Meer und dank der besonders günstigen Sonneneinstrahlung lassen sich dort rund 23,3 Millionen Kilowattstunden pro Jahr produzieren. Die höchste Wirkkraft hat Gondosolar im Winterhalbjahr.

Gleichzeitig steigt auch der Strombedarf, u.a. durch die steigende Verbreitung von Elektroautos. Wird sich diese Entwicklung auf die Strompreise auswirken?
Die Strompreise sind in den letzten 12 Monaten stark gestiegen und angesichts der geopolitischen Situation und dem andauernden Krieg sind Prognosen unsicherer denn je. Aber es gibt keine Anzeichen, dass die Preise in den nächsten Jahren wieder stark sinken werden. Andererseits war der Preis lange Zeit zu tief. Als Folge davon gab es einen Investitionsstau bei den Photovoltaikanlagen. Eine Megawattstunde kostete im Grosshandel weniger als 30 Euro, dabei liegen die Vollkosten bei Photovoltaikanlagen bei ungefähr 70 bis 100 Euro für eine Megawattstunde. Nun folgt die Korrektur dieser Preispolitik, und wir müssen massiv in den Ausbau der Produktionskapazitäten investieren. Nur so können wir – wie bereits erwähnt – künftig die Stromversorgung der Schweiz gewährleisten.


 

Antje Kanngiesser
Antje Kanngiesser steht seit März 2021 als Vorsitzende der Geschäftsleitung an der Spitze der Alpiq Gruppe. Die promovierte Juristin mit einem EMBA-Abschluss des IMD Lausanne arbeitete davor ab 2014 in verschiedenen Funktionen für die BKW Gruppe – zuletzt war sie für den Geschäftsbereich Group Markets & Services verantwortlich und gehörte der Konzernleitung an. Zuvor war sie während sieben Jahren in unterschiedlichen Führungspositionen bei der Alpiq Gruppe beziehungsweise der Energie Ouest Suisse (EOS) tätig. Zwischen 2001 und 2007 war Antje Kanngiesser Rechtsanwältin in Berlin mit Schwerpunkt Energie-, Infrastruktur- und Wirtschaftsrecht. Sie ist deutsch-schweizerische Doppelbürgerin und lebt mit ihrer Familie in Murten.

Alpiq
Die Alpiq Holding AG mit Hauptsitz in Lausanne ist einer der beiden grossen international tätigen Schweizer Energiekonzerne. In der Schweiz unterhält das systemrelevante Unternehmen noch in Olten und Sion operative Sitze, im Ausland in Prag, Paris, Mailand, Madrid, Helsinki und Berlin. Alpiq entstand aus dem Zusammenschluss der Atel Holding AG (Aare-Tessin AG für Elektrizität) sowie der EOS S.A. (Energie Ouest Suisse) und ist seit dem Jahr 2009 operativ tätig. In der Schweiz und in ausgewählten Ländern Europas ist Alpiq im Bereich Stromerzeugung, -vertrieb und -handel sowie Energiedienstleistungen tätig. Der Energiekonzern beschäftigt insgesamt mehr als 1200 Mitarbeitende.

Bilder: Alpiq / Andreas Mader; Yoshiko Kusano

Mehr Freiraum beim Vererben

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Verwaltungsrätinnen auf dem Vormarsch

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Immer mehr Frauen peilen ein Mandat in einem Verwaltungsrat an, doch gilt es trotz Quotenzeitalter einige Hürden zu beachten. Wir haben uns mit den Verwaltungsrätinnen Carolina Müller-Möhl und Eunice Zehnder-Lai sowie dem Headhunter Guido Schilling über die notwendigen Voraussetzungen und Herausforderungen unterhalten.

«Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum» lautet das persönliche Motto des Headhunters Guido Schilling, ein Leitspruch, der durchaus auch als Ermutigung für ambitionierte Verwaltungsratskandidatinnen zu verstehen ist. Der Gründer der Schilling Partners AG, einer bekannten Adresse für Executive Search mit Sitz in Zürich, besetzt seit 1987 ausgesuchte Spitzenpositionen in den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen von führenden Schweizer Firmen mit qualifizierten Kandidatinnen und Kandidaten. Er sagt: «Wer ein Verwaltungsratsmandat im Visier hat, muss nicht nur überzeugend auftreten, sondern sich auch geschickt ins Gespräch bringen.»

WOMEN IN BUSINESS: Guido Schilling, wie erleben Sie die Entwicklung der weiblichen Erwerbstätigkeit im oberen Kader?
Guido Schilling: In den 80er Jahren übernahmen Frauen in internationalen Industrieunternehmen kaum eine führende Rolle. Zwar waren Sätze wie «Taten statt Worte» bereits in den Köpfen verankert, doch nennenswerte Fortschritte, was die Durchmischung in Führungsteams betrifft, waren noch nicht zu verzeichnen. Ich war allerdings in einem Dienstleistungsunternehmen tätig, in welchen Frauen und Männer auf Augenhöhe kommunizierten. Die Firma wurde von einer Frau geführt, und der Geschlechterunterschied im Bereich Führungspositionen nahm keinen wichtigen Platz ein.

Das Thema Diversity wird inzwischen grossgeschrieben.
In der zweiten Hälfte der 90er Jahre hat sich die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt erst richtig durchgesetzt, doch so manche Frau dachte nicht daran, ihre sichere Position zugunsten eines Karriereaufstiegs aufzugeben. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Frauen Stabilität höher gewichten als eine kurzfristige berufliche Optimierung, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie auch familiäre Verpflichtungen übernehmen und sich nicht lediglich dem Beruf verschreiben möchten. Das soziale Umfeld spielt demnach ebenso eine Rolle wie die Familie und der geeignete Arbeitsweg im Sinne einer Balance.

Agieren Frauen demnach zu zaghaft?
Früher waren diese in Topmanagement-Positionen klar untervertreten auch aufgrund mangelnder weiblicher Vorbilder. Auch deren Mütter hatten in der Jahrtausendwende alten höhere Positionen angestrebt, doch zwanzig Jahre später hat sich das Rad gedreht, und die Ansprüche sind gestiegen. Die jungen Frauen treten heutzutage selbstbewusst auf, haben viel Zeit in ihre Ausbildung investiert und hegen den Anspruch, ihr Wissen nachhaltig umzusetzen. Das führt auch dazu, dass Männer anders eingebunden sind und das traditionelle Rollenmodell ausgedient hat. Die Firmen haben es sich zudem zum Ziel gesetzt, Frauen miteinzubeziehen, da sie deren Mehrwert erkannt haben. Zahlreiche Unternehmen haben erkannt, dass weibliche Anwärterinnen andere Anstellungsbedingungen benötigen, damit sie erfolgreich bleiben.

Wie sieht die Situation in den Verwaltungsräten aus?
Inzwischen sind viele qualifizierte Frauen in Verwaltungsräten tätig, und nicht alle müssen über eine Managementlaufbahn verfügen. Man kann beispielsweise auch im Bereich der Buchführung Erfahrungen gesammelt oder in einem Treuhandbüro gearbeitet haben, um sich zu qualifizieren. Da Verwaltungsratsmandate mit einem Pensum von 5 bis 10 Prozent verbunden sind, können auch Mütter eine solche Aufgabe übernehmen.

Welche weiteren Voraussetzungen sind notwendig, um in einem Verwaltungsrat bestehen zu können?
Beide Geschlechter müssen in fachlicher Hinsicht in die jeweilige Unternehmensführung passen und wissen, wie eine Firma geführt wird und eine Branchenkenntnis vorweisen können. Es kann sich auch um einen Kandidaten oder eine Kandidatin handeln, die das jeweilige Unternehmen zuvor extern beraten hat. Ein Verwaltungsratsmandat erhält man nicht primär via Stellenausschreibung, sondern insbesondere durch Anfragen aufgrund der eigenen Qualifikation.

Was unterscheidet Frauen von Männern im Bereich Führungspositionen?
Das «schwache Geschlecht» ist oft selbstkritischer als der männliche Bewerber, der entschiedener auftritt bezüglich Kompetenzen. Frauen hinterfragen auch ihre eigenen Leistungen und überlegen, weshalb ihnen eine Position zugetraut wird. Sie erkennen öfter die Risiken als die Chancen und orientieren sich stark an ihren persönlichen Erfahrungen. Sie überzeugen allerdings auch deshalb, weil sie teamorientiert sind, Gesellschaftsverantwortung übernehmen und auf empathische Art und Weise an Fragestellungen herangehen. Solche Eigenschaften sind auch künftig sehr gefragt. Nach wie vor gilt: Frauen wollen entdeckt werden. Sie drängen sich vor, was auch als Qualität gewertet werden kann, doch können sie dadurch auch übersehen werden. Sie dürften sich also ruhig mehr zutrauen.

Wie lassen sich potenzielle Verwaltungsrätinnen ermuntern?
Die Firmen sind sich zunehmend bewusst, dass es auf beide Geschlechter gleichermassen Rücksicht genommen werden muss. Früher hiess es oft, dass lediglich die Männer die Regeln bestimmen würden, doch haben diese allmählich gelernt, dass differenzierte Betrachtungsweisen zahlreiche Vorteile mit sich bringen im Hinblick auf geschäftliche Zielsetzungen. Künftig wird es immer mehr Unternehmen geben, die eine hohe Gender-Diversity in den Mittelpunkt stellen.

Sie publizieren jährlich den Schillingreport, in welchem über die Zusammensetzung der strategischen sowie operativen Leistungsgremien der Schweizer Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung Auskunft gegeben wird. Welches ist Ihre wichtigste Erkenntnis?
Bereits zum 17. Mal wird der Schillingreport publiziert. Mit 19 Prozent der weiblichen Geschäftsleitungsmitglieder und 30 Prozent Verwaltungsrätinnen zementiert der SMI seine Vorreiterrolle in Sachen Gender Diversity. In den Verwaltungsräten arbeiten die SMI-Unternehmen bereits auf einem Zielkorridor von 40 bis 60 Prozent Frauen hin. Bald jede zweite Position wurde im letzten Jahr mit Frauen besetzt. Man hat erkannt, dass es sich lohnt, diese zu fördern. In ein paar Jahren kann man diesbezüglich von einer breiten Akzeptanz sprechen.

Frauen müssen sich nicht nur geschickt ins Gespräch bringen, sondern auch gegen andere Interessentinnen konkurrieren können. Was bedeutet das im Zeitalter von Social Media?
Weibliche Führungskräfte im mittleren Management sind nahezu immer in sozialen Netzwerken erfasst. Allerdings nutzen sie berufliche Perspektiven oft weniger als die Männer, die sich im Gegenzug öfter für Projekte zur Verfügung stellen und dadurch entsprechend auffallen. Sie sind besser vernetzt, was zum beruflichen Erfolg beiträgt und von der Konkurrenz auch wahrgenommen wird. Nicht lediglich der blosse Eintrag bei Linkedin, dem sozialen Netzwerk zur Pflege bestehender Geschäftskontakte steht im Fokus, sondern vor allem die Bereitschaft, eine Extrameile zu gehen ausserhalb des beruflichen Umfelds.

Gelingt auch ein Einstieg in den Verwaltungsrat ohne beachtliche Karriere?
Man muss in erster Linie mitreden können und sich in einem Fachgebiet besonders gut auskennen, aber es kommt auch auf die jeweilige Funktion an. Wenn in erster Linie das Aktionariat vertreten wird, spielt das Fachgebiet keine zentrale Rolle und das Ziel besteht schliesslich darin, darauf zu achten, ob der Verwaltungsrat die Firma in die gewünschte Richtung bringt. Über wichtige Fragestellungen muss man jedoch kompetent mitdiskutieren können.

Zeigt sich die Männerwelt vermehrt verunsichert, wenn sich immer mehr weibliche Anwärterinnen durchsetzen?
Tatsache ist, dass die Männer nicht mehr automatisch berufen werden. Während diese früher in den Gremien übervertreten waren, spricht man heute von durchmischten Führungsteams. Es wird noch ein wenig dauern, bis sich die Gleichberechtigung in der Berufswelt langfristig etabliert hat. Der nachhaltige Erfolg eines Unternehmens, der wiederum Themen wie «Umwelt oder soziale Verantwortung» mit sich bringt, dürfte an Bedeutung gewinnen, und meist beschäftigen sich die Frauen besonders mit solchen Fragestellungen.

Guido Schilling
1987 trat der Betriebsökonom Guido Schilling als Partner in das 1980 gegründete Executive-Search-Unternehmen ein, welches heute unter dem Namen Guido Schilling AG firmiert. 2010 gründete er die Schilling Partners AG. Er ist spezialisiert auf die Besetzung von Positionen auf höchster Managementstufe und Verwaltungsratsmandaten. Zuvor war Guido Schilling in diversen Führungspositionen in internationalen Unternehmungen tätig. Einen Beitrag zur Transparenz in der Schweizer Wirtschaft leistet er seit 2006 jährlich mit dem «schillingreport» über die Zusammensetzung des Topmanagements der 100 grössten Schweizer Firmen.


 

Carolina Müller-Möhl gehört zu den engagiertesten und bekanntesten Unternehmerinnen und Verwaltungsrätinnen der Schweiz. Mit ihrer eigenen Foundation engagiert sie sich nicht nur im Bereich Bildung, sondern setzt sich auch aktiv für die Frauenförderung ein. Ihr liegt viel daran, gleichstellungsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Brücken zwischen den unterschiedlichsten Akteuren zu schaffen.

WOMEN IN BUSINESS: Seit 22 Jahren leiten und präsidieren Sie die von Ihnen gegründete Müller-Möhl Group, deren Kernkompetenz im Investment Management liegt.  Zudem waren Sie unter anderem Verwaltungsrätin der Nestlé SA und der Kühne Holding. Wie fanden Sie den Weg in den Verwaltungsrat?
Carolina Müller-Möhl: Meine berufliche Karriere kann als unkonventionell bezeichnet werden gespickt mit grossen Herausforderungen und zahlreichen Opportunitäten. Der Sprung in den Verwaltungsrat gelang mir bereits im Alter von 32 Jahren. In sämtlichen Mandaten war ich das jüngste und einzige weibliche Mitglied. Ich wurde stets angefragt und weil ich es stets als Chance wahrnahm, einerseits einen Beitrag zu leisten und andererseits dazuzulernen, bin ich heute in über 30 Mandaten engagiert. Es ist für mich nun aber an der Zeit, einige Mandate an geeignete Nachfolgerinnen zu übergeben.

Wo lagen die grössten Stolpersteine in Ihrer Verwaltungsratskarriere?
Die Diversität voranzutreiben und Kolleginnen anzuspornen, stellte eine grosse Hürde dar. Mit viel überzeugungskraft musste ich mich dafür einsetzen, Frauen zu befördern, konnte aber in den letzten zwanzig Jahren in allen Gremien Frauen einsetzen und beraten, ihnen beim Einstieg helfen, sie sichtbar machen, für Verwaltungsratspositionen oder andere Institutionen empfehlen und in Netzwerke hieven. Inzwischen bin ich in keinem Gremium mehr als einzige Frau vertreten. Die Unternehmen haben eingesehen, dass durchmischte Teams erfolgreicher arbeiten.

Müssen Frauen ein besonders Selbstbewusstsein ausstrahlen?
Sicherlich muss man sich ein höheres Amt zumuten und wichtig ist, eine Unabhängigkeit anzustreben und daran festzuhalten. Es sind Persönlichkeiten gefragt, die ihre Meinung im Gremium klar darlegen können. Man muss die Kraft aufbringen, zu hinterfragen und neue Ansätze zu präsentieren. Zudem: Die Interessen aller Stakeholder sollten immer gleich gewichtet sein, und die Konkurrenz ist auf keinen Fall nur weiblich. Viele Männer möchten nach der operativen Karriere ihre Erfahrungen in Verwaltungsräten einbringen. Wer erfolgreich sein will, benötigt eine Kombination aus Karriereausweis, Sichtbarkeit und Netzwerk gepaart mit einer Portion Glück.

Welche Voraussetzungen muss eine Verwaltungsrätin ausserdem mitbringen?
Sie sollte sich für das Geschäftsfeld des Unternehmens interessieren, ein Verständnis für die Rolle des Verwaltungsrates aufbringen. Das heisst, nicht um die operative Tätigkeit steht zur Diskussion, sondern auch Check und Balance im System und eine gut funktionierende Governance. Zudem sind ein strategisches und kritisches Denkvermögen, Verantwortungsbewusstsein, Mut und eine Prise Common Sense gefragt.

Und wie gelingt der überzeugende Auftritt?
Indem man authentisch bleibt. Wir wissen aus zahlreichen Untersuchungen, dass oft unbewusste Vorurteile mitspielen, wenn es um die Nominierung von Frauen geht. Das gilt auch für Personen aus Rekrutierungsfirmen und in Nominationskomitees. Ich empfehle deshalb das Buch «What works» von Iris Bohnet, Professorin für Verhaltensökonomie an der Harvard Universität. Darüber hinaus müssen wir uns alle in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Medien kontinuierlich an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie auch der Gleichstellung einsetzen.

Carolina Müller-Möhl
Nach dem Abitur am internationalen Internat Schloss Salem (D) studierte die 1968 geborene Carolina Müller-Möhl Politische Wissenschaften, Geschichte und Recht an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, der London School of Economics und am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Seit 2000 präsidiert sie die von ihr gegründete Müller-Möhl Group, ein Single Family Office, das als aktiver Investor die Assets der Familie managt. Von 2004 bis 2012 war sie Verwaltungsrätin der Nestlé S.A. und ist heute als Verwaltungsrätin bei der Orascom Development Holding AG, der AG für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und als Aufsichtsrätin der Fielmann AG mit Sitz in Deutschland tätig. 2012 gründete sie die Müller-Möhl Foundation und engagiert sich in den Bereichen Bildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie für die Förderung des Wirtschaftsstandortes Schweiz.


 

Eunice Zehnder-Lai kann als Schweizerin und Hongkong-Chinesin auf eine langjährige Berufserfahrung zurückblicken. Sie gehört zu den internationalen weiblichen Verwaltungsratsmitgliedern und stellt dabei fest, dass es von grossem Vorteil ist, mehrere Nationaltäten zu besitzen, da diese dazu beitragen, zahlreiche Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

WOMEN IN BUSINESS: Welches sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in einem Verwaltungsrat?
Eunice Zehnder-Lai: Jedes Gremium achtet auf unterschiedliche Qualifikationen. Verwaltungsräte suchen jedoch immer nach Kandidatinnen und Kandidaten, die ein Unternehmen voranbringen und die Interessen der Aktionäre bestmöglichst vertreten können.

Worin besteht Ihre Aufgabe als Verwaltungsrätin?
Es gilt sicherzustellen, dass das Unternehmen die richtige Strategie verfolgt, sich auf die richtigen Prioritäten konzentriert, das Führungsteam für die Chancen und Herausforderungen des Unternehmens geeignet ist und die Risiken gut gemanagt werden. Zudem versuche ich, ein gutes Urteilsvermögen, Einblicke und Perspektiven hineinzubringen. Die strategische Weiterentwicklung von Firmen, fasziniert mich besonders.

Sie verfügen über einen Master of Business Administration und einen Bachelor of Arts. Reüssieren Ihrer Meinung nach lediglich Frauen mit einer guten Ausbildung in einem Verwaltungsrat?
Zahlreiche Aspekte müssen berücksichtigt werden, wenn es darum geht, neue Mitglieder aufzunehmen. Einige Verwaltungsräte setzen explizit auf spezifisches Fachwissen, während andere auf Dynamik Wert legen. Eine gute Ausbildung gehört sicherlich zu den wichtigen Faktoren. Manch Firmen rekrutieren Kandidatinnen und Kandidaten im eigenen Netzwerk, aber bei grösseren, börsenkotierten Unternehmen kommt dies nicht mehr vor.

Wie sieht der Verwaltungsrat von morgen aus?
Er wird in verschiedener Hinsicht vielfältiger. Aber wir müssen unbedingt darauf achten, dass die Zusammensetzung nicht zu einer Check-the-Box-übung verkommt.

Eunice Zehnder-Lai
Die 1967 geborene Eunice Zehnder-Lai besitzt einen Master of Business Administration der Harvard Business School und einen Bachelor of Arts der Harvard University (USA). Sie arbeitete während 20 Jahren in der Finanzindustrie für LGT Capital Partners, Goldman Sachs und Merrill Lynch in New York, London, Hongkong und der Schweiz. Die Schweizerische und chinesische Staatsangehörige (Sonderverwaltungszone Hongkong) war in den Bereichen Asset, Management, Private Wealth Management und Corporate Finance tätig. 2017 wurde sie Mitglied des Verwaltungsrates der Geberit Gruppe in Rapperswil-Jona SA, und seit 2019 amtet sie als Verwaltungsratsmitglied bei der Julius Bär Gruppe AG und Bank Julius Bär & Co. AG.

WOMAN OF THE YEAR 2021 – Maike Kiessling

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WOMAN OF THE YEAR – Brigitte Breisacher

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Das Fünfsterne-Resort Sonnenalp im Allgäu

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In der prächtigen Kulisse von Ofterschwang im deutschen Allgäu ist seit über 100 Jahren die Sonnenalp beheimatet. Das 5-Sterne-Resort inmitten einer prächtigen Kulisse aus blühenden Wiesen, mystischem Moorgebiet und imposantem Bergpanorama wird in vierter Generation familiengeführt. Das Luxus-Resort punktet in Sachen Golf, Spa, Freizeitangebot und Infrastruktur.

Dazu zählen 218 Zimmer und vier Alpenchalets, ein Sternerestaurant, ein eigener Reiterhof, insgesamt 20’000 Quadratmeter Indoor- und Outdoor-Wellnesswelt sowie 42-Loch-Weltklassegolf. In den letzten Jahren hat sich die Sonnenalp zudem vermehrt auf Anwendungen im Bereich der apparativen Kosmetik spezialisiert.

Eine Branche im Wandel
Die Kosmetikbranche hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Immer wichtiger wird dabei die apparative Kosmetik. Vor allem der Fortschritt im wissenschaftlich-technischen Bereich mache heute vieles möglich. Anna-Maria Fässler, Hoteldirektorin der Sonnenalp, erläutert: «Die Ansprüche der Gäste haben sich verändert. Neben dem Wunsch nach Streicheleinheiten mit dem Ziel, sich rundum verwöhnen zu lassen, werden heute sofort sichtbare Ergebnisse erwartet. Wer sich im Bereich Anti-Aging auf dem Markt positionieren will, kommt nicht um eine Kombination mit apparativer Kosmetik herum.» Die Zeiten, in denen die Gäste noch Tausende von Franken für eine Kur ausgegeben haben, seien vorbei. «Heute geht der Trend ganz klar dahin, dass apparative Kosmetik als fester Bestandteil in monatliche Gesichts- und Körpertreatments eingebaut wird», so Anna-Maria Fässler weiter.

Anti-Aging im Fortschritt
Das mehrfach ausgezeichnete Spa des Hauses bietet auf insgesamt 20’000 Quadratmetern eine Wellness-, Medical- und Badelandschaft, welche ihresgleichen sucht. Neben klassischen und internationalen Massageangeboten (z.B. Lomi Lomi und Ayurvedische Massagen) werden auch medizinische Behandlungen der Osteopathie angeboten. Im Fokus steht ebenfalls das Kosmetikangebot mit Wirkungsversprechen: Ob Jet-Peel, Intensivpeelings auf Säurebasis, Microneedling, Microdermabrasion oder das „Age element Minilift“ – die Auswahl an Anti-Aging-Behandlungen ist gross. Das kompetente Team um Petra Rathmann berät umfassend und schnürt individuelle Behandlungspackages für anspruchsvolle Gäste.

Hier finden Sie die einzelnen Angebote im Detail

«Das ist nur die Spitze des Eisbergs»

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Die Engländerin Sophie Bostock über ihren Weg der Erkenntnis und über den, der gesund hält und den, der krank macht und über ihre Mission im Namen des Schlafs.

Ich erinnere mich gut an Zeiten, da Topmanager damit angaben, mit drei, vier Stunden Schlaf pro Nacht auszukommen. Sie wollten es als Zeichen für überlegene Leistungsfähigkeit gedeutet haben – und als Abstandsmesser zu Normalos, die schwächeln, wenn sie nicht auf ihre acht Stunden Nachtruhe kommen. Nun, die Verhältnisse haben sich geändert, der Wissenschaft sei Dank: Genug Schlaf ist das A und O für die mentale, physische und psychische Verfassung einer CEO genauso wie für einen Schüler. Die Engländerin und Naturwissenschafterin Sophie Bostock bezeichnet sich als «Sleep Evangelist». Ihre Mission hat mit Glauben allerdings nichts zu tun, sondern beruht auf Facts & Figures aus der Wissenschaft und Forschung: Die Referentin von She’s Mercedes teilt, was sie weiss, in Webinaren, als Coach und als hellwache Interviewpartnerin.

WOMEN IN BUSINESS: Sophie, wie sind Sie zur Schlafexpertin geworden?
Sophie Bostock: Per Zufall, wie sehr viele andere, die sich mit dem Thema Schlaf befassen, übrigens auch. Ich habe eine Doktorarbeit im Fach Psychobiologie geschrieben und bin der Frage nachgegangen, warum glückliche Menschen länger leben und seltener herzkrank werden.

Das ist bewiesen?
Ja. Deshalb habe ich nach Strategien gesucht, die das Lebensgefühl der Menschen positiv beeinflussen. Das war vor zehn Jahren, Themen wie Mindfulness und Meditation waren gerade am Aufkommen. Ich habe bei einem hochgestressten Team mit der damals neu gegründeten Meditations-App Headspace gearbeitet. Und wissen Sie, was die Rückmeldungen waren? Wer regelmässig meditiert hat, konnte besser schlafen. Seither lässt mich der Schlaf und seine Wirkung auf Körper und Geist nicht mehr los.

Ihr Weg?
Ich habe nach meiner Dissertation bei einer Firma angefangen, die Schlafverbesserungsprogramme entwickelte und habe dort zum Thema geforscht, referiert, gearbeitet – und viel zu wenig geschlafen.

Der Schuhmacher, der kaputte Schuhe trägt…
… genau. Dann hatte ich einen Unfall beim Sportklettern. Ich bin abgestürzt, Fussgelenk kaputt, sechs Monate Rekonvaleszenz.

Der Unfall geschah wegen zu wenig Schlaf?
Ja. Schlafmangel bewirkt etwa, dass wir unser Verhalten nicht neu justieren können, wenn neue Informationen dazu kommen. Das war bei mir ganz klar der Fall: Ich war an diesem Tag nicht fit genug und hätte absagen müssen. Wegen Jetlag und Schlafmangel hatte ich aber nur eines im Kopf: Abgemacht ist abgemacht. Ich habe auf die harte Tour etwas gelernt – und daraus auch meine Schlüsse gezogen. Ich habe meinen Job gekündigt und mein eigenes Business gegründet, mit dem Ziel, Leuten zu helfen, die Schlafprobleme haben.

Wie machen Sie das?
Indem ich die Erkenntnisse der Schlafforschung unter die Leute bringe. Sie wissen ja in der Regel schon einiges, klicken sich durch alle möglichen Aspekte zum Thema, von Blaulicht bis Kaffee. Es braucht dazu aber eine Verhaltensänderung – und Vorbilder: Vorgesetzte mit Schlafmangel haben Teams mit Schlafmangel. Schlafmangel macht grantig und Grantigkeit steckt an, wird zum Modus Operandi in der Organisation.

Ihre Tools?
Wearables, die nachzeichnen, wie viel Zeit man im fight-or-flight-Modus verbringt und wie viel Erholung man dem Körper gönnt, können hilfreich sein. Aber nur für Leute, die damit umgehen können. Denn wissen Sie, was einer der häufigsten Gründe für Schlafprobleme ist? Die Angst, nicht gut zu schlafen.

Was raten Sie jemandem, der seine Smartwatch hasst, weil sie ihm ständig vorhält, es nicht richtig zu machen?
Ab in die Schublade damit! Die Tools sind eher gedacht, die Performance von 80 auf 90 Prozent zu steigern als von 30 auf 40 Prozent. Ich frage diese Leute, wonach sie streben. Die einen haben Karriereziele oder wollen im Sport vorwärts kommen, andere wollen ausgeglichenere Väter sein oder Gewicht verlieren. Ihnen allen zeige ich erst einmal die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse, wie Schlaf hilft, ihre Ziele zu erreichen.

Ein Beispiel?
Gewichtsverlust. Nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf konsumiert man am Tag darauf 300 Kalorien mehr. Schlafmangel ist für das Gehirn ein Zeichen, dass man in Troubles steckt. Es produziert Hormone, die einen hungrig machen und verlangt nach zusätzlicher Energie.

Das leuchtet ein, nehme ich an. Ändert es auch etwas?
Die Krux ist für gewöhnlich der Zeitplan – alle sind sehr busy, Schlafen hat in Anbetracht der To-do-Liste keine Priorität. Sie gehen zu spät ins Bett, das führt zu Schlafmanko und zu Produktivitätsverlust, und das wiederum führt dazu, dass man noch weniger schläft, um sein Pensum hinzubekommen – und das dreht dann so weiter. Das andere verbreitete Schlafproblem heisst Insomnia, Leute können nicht ein- oder durchschlafen.

Wie gehen Sie die beiden an?
Jenen, die Schlaf opfern, helfen oft bereits die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, wie wichtig Schlaf ist, um ihr Verhalten zu ändern. Genau umgekehrt gehe ich mit jenen um, die an Insomnie leiden. Ihnen erkläre ich, dass es nicht das Ende der Welt ist, wenn man nicht schlafen kann oder schlecht schläft. Heisst, den einen helfe ich, indem ich ihnen sage, sie sollen den Schlaf ernst nehmen, den andern, indem ich ihnen sage, sie sollen sich nicht so auf den Schlaf versteifen.

Wie viel Schlaf ist denn genug?
Wie viel genau, muss jeder für sich selber herausfinden. Ideal sind sieben bis neun Stunden.

Kann ich Schlafmangel während der Woche mit viel Schlafen am Wochenende wieder gut machen?
Appetit, Metabolismus, Verdauung, Immunsystem – alles ist programmiert auf einen 24-Stunden-Zyklus. Wenn man nicht genug schläft während der Woche, aber am Wochenende nachholt, ist es besser als nichts, aber nur ein Kompromiss.

Indizien, dass ich nicht ausgeschlafen bin?
Brauchen Sie den Wecker, um aufzuwachen, Koffein und Zucker, um durch den Tag zu kommen, brausen Sie auf wegen nichts und brauchen Sie Ihr Wochenende zum Nachholen? Ist die Antwort ja, dann lohnt es sich, es mit mehr Schlafen zu probieren. Wussten Sie übrigens, dass man nach vier Nächten mit weniger als fünf Stunden Schlaf Auto fährt, mit der Reaktionsfähigkeit eines Betrunkenen?

Verrückt. Irgendwann steht einem die Müdigkeit ja dann auch ins Gesicht geschrieben.
Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Blutzuckerspiegel gerät aus der Balance, der Blutdruck steigt, man hat mehr Hunger und das Risiko für Infektionen ist grösser. Schlafmangel hat viele Folgen, die meisten sieht man nicht.

Haben Sie Daten?
Massenweise. Beispielsweise zu Demenz: Erwachsene zwischen 50 und 60, die weniger als 6 Stunden pro Nacht schlafen, haben ein 30 Prozent höheres Risiko in den nächsten 25 Jahren an Demenz zu erkranken als die, die sieben oder mehr Stunden schlafen. Bewiesen ist auch, dass Leute mit Schlaf-, Einschlaf- oder Durchschlafproblemen viel anfälliger sind für Depressionen und Angststörungen. Und das Schlafen hilft.

Helfen Schlaftabletten?
Das ist Symptombekämpfung, das zugrunde liegende Problem wird nicht gelöst. Sie sedieren einen, sind eine temporäre Entlastung vor der Angst, nicht schlafen zu können. Aber Schlafen im eigentlichen Sinn ist das nicht. Zudem: Zwei Drittel der Wirkung von Schlaftabletten sind Placebo-Effekte. Man nimmt etwas, um besser zu schlafen, und schläft dann besser, nur weil man das weiss, und es auch glaubt. Andere schwören auf ein Glas Milch. Es hilft. Allerdings ohne wissenschaftliche Evidenz.

Was ist Ihr bestes Rezept?
Die grössten Effekte erzielt man mit der sogenannten Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia, kurz CBT-I. Damit arbeite ich. Im Grunde geht es darum, sein gelerntes Verhalten umzutrainieren und den Nutzen nach und nach selbst zu erleben. Wenn man das mit dem Schlaf in den Griff bekommt, werden andere Ziele – von Abnehmen bis fitter werden – einfacher zu erreichen, da man mehr Energie hat und mehr Fokus.

Welches ist der grösste Irrtum in Sachen Schlafen?
Dass man sich an wenig Schlaf gewöhnen kann. Wenn mir jemand sagt, ich schlafe pro Nacht fünf, sechs Stunden, frage ich, und Sie haben keine Effekte vom zu wenig Schlafen? Und die Antwort lautet meistens, am Anfang ja, aber inzwischen nicht mehr. Fakt ist, der Körper gewöhnt sich nicht daran, sondern es stabilisiert sich nur die subjektive Wahrnehmung wie müde man ist. Und kann mitunter gefährlich werden, habe ich selbst erlebt.


 

Event-Empfehlung der Redaktion
Seien Sie beim nächsten She’s Mercedes Event dabei und lernen Sie Sophie persönlich kennen.
«The essence of self care»
Eine Veranstaltung der She’s Mercedes Initiative.

Datum und Uhrzeit: Donnerstag, 15. September, 17.30 Uhr
Ort: The Dolder Grand, Zürich,
Ticketpreis: CHF 49.–

Voranmeldungen unter: events_ch@mercedes-benz.com

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 Die Initiative She’s Mercedes steht für die Idee, dass Inspiration Aussergewöhnliches bewirken kann. Mehr zur Initiative und zu den Events von She’s Mercedes in der Schweiz finden Sie im Newsletter mercedes-benz.ch/shesnewsletter-de sowie unter mercedes-benz.ch/shes

Der Mensch steht im Mittelpunkt

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Business transformation – Jede Diskussion ist einzigartig, keine Interaktion mit Führungskräften oder Mitarbeitenden ist wie die andere. Es gilt, dazuzulernen, sich anzupassen und zu wachsen, um Unternehmen erfolgreich durch Transformationsphasen zu begleiten.

Ich bin Isabelle Staiger, Director bei People Advisory Services (PAS) von EY in der Schweiz. Seit zwei Jahren helfe ich unseren Kunden, ihre Unternehmen erfolgreich durch die verschiedensten Transformationsprozesse zu führen, ohne den Fokus auf die Mitarbeitenden zu verlieren.

Welche Transformation unsere Kunden auch anstreben – ob im Bereich IT, bei der Implementierung neuer Plattformen-, dem Aufbau eines neuen Managements oder ähnlichem – wir von EY bringen den menschlichen Aspekt ein. Mein Fokus liegt vor allem auf Diversität und Inklusion. Hierfür braucht man diverse Fähigkeiten. Einerseits Menschenkenntnisse – man muss zuhören, interpretieren und richtig verstehen können, und so im Verhalten der Kunden erkennen, was diese und ihre Teams wirklich möchten und benötigen. Andererseits dreht sich vieles um Daten – es gilt, zu analysieren, zu verstehen und greifbar zu machen.

Ich liebe meinen Job, weil ich mich auf die Menschen konzentriere, keine Interaktion ist wie die andere. Man muss sich stets weiterentwickeln, anpassen und lernen – da ist ein regelmässiger Ausgleich wichtig: Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie – sie hilft mir, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Zudem liebe ich alles, was mit frischer Luft und Geschwindigkeit zu tun hat, es gibt mir Energie für den nächsten Tag. Den Winter verbringe ich daher auf Skiern, den Sommer auf dem Kiteboard.

Mein Ratschlag: Hab keine Angst vor Veränderung! Sie gehört zum Leben dazu. Für mich war es der Wechsel vom Banking ins Consulting und dann zum Muttersein. Das war eine riesige Veränderung, aber wenn man es zu geniessen weiss, wird man es lieben lernen und das führt zum Erfolg.

Suchst Du eine neue Herausforderung? Möchtest Du Firmenkultur gestalten? Mehr Informationen auf: https://www.ey.com/en_ch/careers oder Schreibe uns direkt an: recruitment.switzerland@ey.com

Kooperation powered by Ernst & Young AG  

Simona de Silvestro im Gespräch

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Wie und warum sind Sie zum Rennsport gekommen?
Das Interesse am Rennsport wurde durch meinen Vater geweckt. Seine Leidenschaft für die Formel 1, seine Tätigkeit als Instruktor sowie sein eigenes Autohaus brachten mich schon früh mit schnellen Fahrzeugen in Berührung. So richtig entfacht wurde das Feuer, als ich vier Jahre alt war. Mein Vater organisierte eine Go-Kart-Veranstaltung für sein Autohaus. Ich wollte unbedingt mitfahren, war jedoch zu klein für die Go-Karts. Auf dem Schoss meines Vaters durfte ich einige Runden drehen. Es nervte mich jedoch, dass ich nicht allein fahren durfte. Um mich zu besänftigen, sagte mein Vater damals, dass er mir einen Go-Kart schenken werde, sobald ich gross genug sei. Von da an erinnerte ich ihn jeden Monat aufs Neue, dass ich wieder ein bisschen gewachsen bin. Mit sechs Jahren war es dann soweit: Ich erhielt meinen ersten Go-Kart.

Was fasziniert Sie an diesem Sport?
Ganz besonders fasziniert mich, dass man als Mensch eine Maschine am maximalen Limit über eine Rennstrecke bewegen kann. Das Fahren im Grenzbereich gibt mir ein einzigartiges Gefühl, welches mich schon mein Leben lang fasziniert hat. Aber auch der Wettbewerb gibt mir etwas, schon als Kind wollte ich immer gewinnen.

Wie ist es als Frau, in einer männerdominierten Szene zu konkurrieren?
Ich persönlich habe in dieser Hinsicht noch nie etwas Schlechtes erlebt. Ich kann aber nur für mich sprechen. Grundsätzlich glaube ich schon, dass man sich als Frau in einer männerdominierten Szene mehr beweisen muss und stärker mit Vorurteilen behaftet ist. In den ersten Rennen werden aber alle, unabhängig vom Geschlecht, genau beobachtet und müssen sich behaupten. Sobald aber schnelle Rundenzeiten auf der Anzeigetafel stehen, wird man rasch akzeptiert.

Im Rennsport kommt es regelmässig zu heftigen Crashs. Wie gehen Sie mit den Risiken um?
Ich denke kaum an solche Gefahren, sonst wäre ich im falschen Sport. Wir alle sind uns der Risiken bewusst, wenn wir festgezurrt in unseren Rennwagen sitzen und mit hohen Geschwindigkeiten zwischen Mauern und anderen Rennautos um den Sieg kämpfen. In diesem Moment fokussiere ich mich auf das Hier und Jetzt und will gewinnen. Konzentration und Fokus sind unabdingbar. Zeit, über Unfälle nachzudenken, hat man keine. Auch ich hatte schon heftige Unfälle und Rückschläge, die ich aber gut verarbeiten konnte. Das alles gehört zum Sport dazu.

 

Über Simona de Silvestro Die Schweizerin war noch nicht ganz 18, als es sie nach ersten Formel-Erfolgen in Europa in die USA zog. Beim legendären Indy 500 wurde sie 2010 als „Rookie of the Year“ ausgezeichnet. Weitere Anerkennung holte sie sich ein Jahr später, als sie sich in Indianapolis einen Tag nach einem schweren Trainingsunfall trotz Verbrennungen an beiden Händen ins Auto setzte und die Qualifikation schaffte. 2014 holte Sauber die ambitionierte Fahrerin in sein Formel-1-Kader, in der Saison 2015/2016 fuhr sie für Andretti in der Formel E und startete später in der australischen Supercars-Serie. 2019 wurde sie Porsche-Werksfahrerin.

Mehr über Simona de Silvestro lesen Sie im ausführlichen Interview in der August Ausgabe des WOMEN IN BUSINESS Magazins – eine Marke der WOMEN IN BUSINESS-Community.

Luna Wedler im Gespräch

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© Nils Schwarz

Luna, wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
Ich habe schon immer gerne Filme geschaut, aber ich hatte nie einen besonderen Bezug zur Schauspielerei. Als ich 14 Jahre alt war, stiess ich per Zufall auf ein ausgeschriebenes Casting für den Film «Amateur Teens». Ich ging hin – ohne Erwartungen oder Ambitionen – ich wollte einfach etwas anderes ausprobieren. Ganz überraschend erhielt ich die Rolle. Und von da an war es geschehen. Ich wusste, Film ist mein Ding, meine Leidenschaft und gleichzeitig eine Art Rettung; ich hatte meine Bestimmung und einen Antrieb gefunden – das mit so jungen Jahren. Ein grosses Glück.

Wie ging es dann weiter?
Nach meinem ersten Film ging ich an die European Film Actor School. Ich bin allerdings immer ein wenig im Zwiespalt mit Schauspielschulen. Natürlich ist es wichtig, die Techniken zu lernen. Gleichzeitig sollte man aber sein natürliches Spiel nicht verlieren. Denn Schauspiel bedeutet, loszulassen und sich vollkommen einer Rolle hinzugeben.

Wie schaffst du das immer wieder aufs Neue?
In neue Rollen zu schlüpfen, ist mein Beruf. Und dafür liebe ich ihn. Es ist jedes Mal eine Herausforderung, sich in eine neue Rolle einzufühlen. Egal wen ich spiele, ob ein Mädchen mit gebrochenem Herzen oder eine Psychopathin, ich liebe diese Person, ich liebe die Rolle und sehe sie als mein Gegenüber mit einer prägenden Vorgeschichte. Dabei entdecke ich immer wieder Neues an mir, neue Gefühlswelten, die ich vorher nicht kannte. Zudem glaube ich, dass dieses Auseinandersetzen mit Rollen auch stark die Empathie und das Verständnis fördert, welche man im Alltag anderen gegenüber mitbringt.

Man merkt, du liebst deinen Beruf. Gibt es auch Kehrseiten?
Natürlich. Für mich gewichtet am stärksten, dass man ständig unterwegs ist, sein Zuhause, Familie und Freunde selten sieht. Am Ende des Tages kann es ein einsamer Beruf sein. Zudem ist es noch heute so, dass man als Schauspieler – oder allgemein als Künstler – oftmals belächelt oder nicht ernst genommen wird. Und das, obschon Film und Kunst im Allgemeinen wichtige Botschaften tragen und vermitteln können.

 

Über Luna Wedler Die 22-Jährige debütierte 2015 in Niklaus Hilbers Film «Amateur Teens». Seither hat Wedler in verschiedenen Kino- und Fernsehproduktionen mitgespielt. Eine erste Hauptrolle besetzte sie 2017 im Film «Blue My Mind» von Lisa Brühlmann. Ab August 2020 spielte Wedler in der Netflix-Serie «Biohackers» mit und wurde ein Jahr später für die weibliche Hauptrolle im Spielfilm «Je suis Karl» für den Deutschen Filmpreis nominiert. Am 14. April 2022 lief ihr neustes Werk im Kino an: «Soul of a Beast» – ein Drama von Lorenz Merz.

 

Die Grossmeisterin des Spa-Designs im Gespräch

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SYLVIA SEPIELLI ist die Grossmeisterin des Spa-Designs: Für zahlreiche Resorts auf der ganzen Welt hat die US-Amerikanerin mit sizilianischen Wurzeln bereits Konzepte erarbeitet und umgesetzt – so auch 2004 fürs Dolder Grand. Orte der Ruhe, Erholung und des körperlichen Wohlbefindens sind gerade in der aktuellen Zeit gefragter denn je. Eine gute Gelegenheit also, um gemeinsam mit der Expertin ihr erstes europäisches Projekt nochmals Revue passieren zu lassen. 

  Sylvia Sepielli

THE DOLDER GRAND: Sie gelten als weltweit bekannte SPA-Expertin. Wie sind Sie dazu gekommen, wie hat sich Ihre persönliche Karriere in diesem Bereich entwickelt?

SS: Wie so oft, finden wir uns oft an einem Ort wieder, den wir nicht gesucht haben. In meinen 20er Jahren lebte ich in Japan und studierte orientalische Heilmethoden – chinesische Medizin, japanische Akupunktur, Amma und Sotai, japanische Entspannungstechniken. Als ich in die USA zurückkehrte, war die Fitnessbranche – Krafttraining, Aerobic und Laufen – gerade erst im Kommen. Ich stürzte mich mit ganzem Herzen in diese Branche. Mein Mann und ich eröffneten ein Fitnesscenter und einen Vitaminladen. Damals dachte ich, ich hätte fünf Jahre Studium vergeudet. Aber einige Jahre später war die Wellness-Branche, wie wir sie kennen, gerade im Entstehen. Und ich verfügte zufällig über zwei tiefe Wissensschätze, die geschätzt und gebraucht wurden. Ich war mehrere Jahre lang im operativen Geschäft tätig, bevor ich in die Beratung ging. Als ich dann in die Beratung ging, gehörte ich zufällig zu einer sehr kleinen Gruppe von Leuten, die das taten. Meine internationale Erfahrung begann 1997 mit dem Spa Village Pangkor Laut, das immer noch das Aushängeschild der Marke ist.

Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, seit Sie das Dolder SPA entworfen haben. Wie hat sich das Thema SPA und Wellness aus Ihrer Sicht verändert? Was sind die neuen Errungenschaften in diesem Bereich?

In den USA gehörte der Begriff «Wellness» schon immer zu den Grundsätzen von Spa, d. h. Ernährung, Bewegung und in gewissem Maße auch spirituelle und mentale Aspekte. In den letzten zehn Jahren hat sich Wellness weltweit ausgeweitet und umfasst nun mehr Wellness-Programme. Die Einhaltung war bestenfalls sporadisch. Das Dolder Spa hat sich jedoch mit diesem breit angelegten Ansatz auf sinnvolle Weise geöffnet.

Das Dolder SPA ist ein besonderer Ort und unterscheidet sich in vielen Aspekten von klassischen SPAs. Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere am Dolder SPA?

Abgesehen von der Lage, dem Design und der Konstruktion, die für hundert Jahre gebaut wurde, habe ich noch nie mit einem Spa zu tun gehabt, das wirklich danach strebt, sich in allen Aspekten des Gästeerlebnisses und der in allen Aspekten der Gästeerfahrung und des Betriebs zu verbessern. Das verdanke ich vor allem der Spa-Direktorin Therese Martirena, die seit der Eröffnung im Dolder Spa tätig ist. Es ist auch ein entscheidender Teil des Dolder Grand Zeitgeistes in jedem Aspekt sowohl vor als auch hinter dem Haus.

In den letzten zwei Jahren ist die Welt ein wenig auf den Kopf gestellt worden. Vielerorts wurden Hotels und SPAs vorübergehend geschlossen. Viele Menschen reisten weniger und verbrachten mehr Zeit zu Hause. Gibt es irgendwelche SPA-Rituale, die Sie für zu Hause empfehlen können?

In den ersten anderthalb Jahren habe ich mit Spas und Beratungsstellen zusammengearbeitet, um genau das anzubieten. Alles, was man zu Hause tun kann, ist trainieren, meditieren, lernen und unterhaltsame und kreative Aktivitäten durchführen, um den Geist aktiv zu halten. Die Leute waren gezwungen, Gesichtsbehandlungen zu Hause durchzuführen und all die Dinge zu tun, die sie normalerweise in Spas machen. Obwohl die Online-Käufe von Haut- und Körperpflegeprodukten gesund waren, hatten sie nicht viel Freude an diesen Ritualen. Die oben genannten Aktivitäten wurden viel mehr geschätzt und waren effektiver. Als die Spas auf der ganzen Welt zu öffnen begannen, waren alle Kategorien – Day Spas, Hotel Spas, Destination Spas und Resort Spas – sehr beschäftigt. Nach anfänglichem Zögern bei der Inanspruchnahme von Behandlungen waren die meisten Spas stärker denn je ausgelastet. Und Wellness-Programme und -Aktivitäten finden immer mehr Beachtung.

Wenn man Ihre Artikel und Interviews liest, merkt man schnell, dass Sie ein Mensch sind, der sich um die Spiritualität eines Ortes kümmert. Wie würden Sie die Energie des Dolder Grand beschreiben? Was empfinden Sie an diesem Ort?

Da haben Sie völlig recht. Schon als ich Ihre Frage las, konnte ich die Essenz des Dolder Grand spüren. Da ist eine Kraft, die aus der Tradition erwächst, die auf Traditionen beruht und von der Großartigkeit der Erde getragen wird. Das gibt Ruhe und Zuversicht, um voranzukommen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Welt immer schneller wird und uns gleichzeitig immer mehr Möglichkeiten bietet. Gibt es Ihrer Meinung nach ein Rezept für Glück? Was kann jeder tun, um Körper und Geist trotz aller Herausforderungen im Gleichgewicht zu halten?

Vor vielen Jahren habe ich ein Buch über Glück gelesen. Darin ging es um drei Dinge: das tun, was man will, wo man will und mit den Menschen, die man will. Diesem Mantra bin ich treu geblieben. Alles andere, ungeachtet der Probleme, wird sich von selbst ergeben, wenn man danach lebt.

Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz im Dolder SPA und warum?

Das ist zweifellos der Meditationsraum. Ich habe mich von den Felsspalten zwischen den majestätischen Bergen der Schweiz inspirieren lassen. Die Orte, an denen die Ursprünge des Wassers zu finden und zu verteilen sind. Der Meditationsraum drückt die Entstehung dieses Wassers aus und fließt symbolisch von einem engen Kern, der am Pool mit Blick auf Zürich endet. Die langsame, achtsame Reise in den Raum hilft, den Körper und den Geist zur Ruhe zu bringen. Die Tausenden von winzigen Spiegelelementen stehen sowohl für das Wasser als auch für die Reflexion des Selbst. Eine Randbemerkung, die Sie vielleicht schon kennen – 500 Kilo Spiegel wurden zerbrochen, um 9600 Teile für die Kuppel zu erhalten. Die Künstlerin ist Monika Leithner.

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Anne Marion-Bouchacourt im Gespräch

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Welche Ihrer Eigenschaften sehen Sie rückblickend als entscheidend für Ihren Werdegang?
Es ist eine Kombination aus verschiedenen Eigenschaften. Zum einen braucht es jede Menge Energie, um die Komplexität des Alltags zu bewältigen, aber auch, um viel und lange zu arbeiten. Resilienz ist ebenso zentral; damit man sich von Problemen nicht überwältigen lässt und den Überblick bewahrt. Im Weiteren braucht es Mut. Mut, sich komplexen Fragen zu stellen, seine Meinung zu äussern und sich Herausforderungen zu stellen. Und zu guter Letzt muss man hartnäckig bleiben. Denn wer sich von Niederlagen nicht einschüchtern lässt, wird früher oder später belohnt.

In welchem Bereich sollten sich Frauen verbessern?
Im Allgemeinen sind Frauen im Networking weniger begabt als ihre männlichen Kollegen, was oft auf Zeitmangel zurückzuführen ist. Frauen machen lieber einen guten Job und werden dafür anerkannt. Es ist aber entscheidend, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und ich spreche hier nicht von Seilschaften zum Schutz von Interessen, sondern von solchen, die das Unternehmen voranbringen.

Welchen Antrieb beobachten Sie bei Frauen, die den Weg an die Spitze gehen?
Aus meiner Erfahrung haben Frauen nicht das gleiche Interesse an Macht und Geld wie Männer. Wir sind stärker daran interessiert, etwas zu leisten, das die Welt verbessert. Natürlich gilt das auch für einige Männer. Nichtsdestotrotz will eine Frau für ihre Leistung bezahlt werden – und zwar ebenbürtig wie ein Kollege in derselben Position.

Familie und Top-Position – geht das ohne Abstriche? Was raten Sie Frauen diesbezüglich?
Ich selbst habe vier Töchter. Deshalb bin ich überzeugt, dass es möglich ist, auch wenn es Energie braucht, um die Doppelbelastung zu bewältigen. Eine gute Organisation ist essenziell. Man führt zwei Unternehmen – eines zuhause und eines auf der Arbeit. Dabei ist ein unterstützender Partner ebenso wichtig wie all jene Leute, die im Alltag mithelfen. Aber selbst dann gilt: Frau muss klare Prioritäten setzen und Abstriche in Kauf nehmen. Dennoch ermutige ich alle jene Frauen, die arbeiten wollen, es auch zu tun. Denn so vielfältig die Welt ist, so divers sollten auch Top-Positionen besetzt sein – und dafür braucht es mehr Frauen.

Haben Sie Unterschiede zwischen Frankreich und der Schweiz festgestellt, in Sachen Frauen in Top-Positionen?
In Bezug auf die Betreuung der Kinder hat man es in Frankreich sicher einfacher. Die Fremdbetreuung ist günstiger und verbreiteter; zum einen, was das Ansehen in der Gesellschaft betrifft und zum anderen, was das Angebot angeht. Abgesehen davon glaube ich, dass es überall auf dieser Welt vergleichbar hart ist, eine Top-Position anzustreben und einzunehmen. Denn diese sind rar, und die Anwärterinnen und Anwärter kämpfen entschlossen darum.

Über Anne Marion-Bouchacourt Die gebürtige Französin begann ihre Karriere als Wirtschaftsprüferin und später als Beraterin bei PwC. Im Jahr 2004 stiess sie zu Société Générale, zuerst als Leiterin der Personalabteilung des Bereichs Corporate & Investment Banking, dann für die gesamte Gruppe, und ab 2012 als Group Chief Country Officer für China. Seit Oktober 2018 ist sie Group Chief Country Officer für die Schweiz sowie die CEO von SG Zürich.

Fortsetzung des Interviews mit Simone Stebler

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Welche Eigenschaften waren für Sie auf Ihrem Werdegang essenziell – und warum?
Ganz klar Authentizität. Es war aber auch für mich ein langer und intensiver Weg, wieder mich selbst zu sein. Ich habe mich während der ersten beruflichen Dekade nach dem Studium stark dem männlich geprägten Umfeld angepasst; habe versucht, mit betont lauter Stimme zu sprechen, habe mich unnahbarer, direktiver und ernster gegeben, als ich es bin. Mit Hilfe von Selbstreflektion und Coaching habe ich zu mir gefunden und sehe heute meine früheren – im männlichen Umfeld als Schwächen identifizierten Eigenschaften – als Stärken.

Welche Momente oder Phasen sehen Sie rückblickend als entscheidend für Ihre Karriere an und wie sind Sie mit diesen umgegangen?
Für mich gibt es nicht den einen entscheidenden Moment. Ich hatte stets eine hohe Motivation, mich weiterzuentwickeln. Ich habe diese Weiterentwicklung während vieler Jahre jedoch ausschliesslich ausserhalb meiner Komfortzone gesucht. Das hat mich weitergebracht, es war aber auch sehr fordernd. Inzwischen habe ich wieder zu mehr Leichtigkeit und damit zu mir selbst zurückgefunden. Ich nehme bewusst vermehrt Projekte an, bei denen ich intuitiv spüre, dass ich dort auch Freude und nicht nur Herausforderung finden werde.

Die Veränderung des Status Quo

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Chefinnensache

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Die Mühlen der Schweizer Wirtschaft mahlen langsam, wenn es um den Gender Gap geht. In den Führungsgremien hiesiger Unternehmen sitzen noch immer auffällig wenig Frauen. Die Executive-Search-Spezialistinnen Fabienne Meier und Simone Stebler widmen sich mit grossem Engagement dem Thema Diversität und unterstützen Firmen dabei, die Weichen neu zu stellen.

Weniger als fünf Prozent der CEO-Positionen in der Schweiz werden von Frauen besetzt. Eine ernüchternde Zahl. Dr. Fabienne E. Meier, Partnerin beim Beratungsunternehmen Knight Gianella und Spezialistin für die Suche und Beurteilung oberster Führungskräfte, CEOs und Verwaltungsräte, tut einiges dafür, damit sich dieser Anteil erhöht. Die Mutter zweier schulpflichtiger Kinder weiss, wie schwierig der Weg nach oben sein kann, wenn Familie und Karriere miteinander vereint werden wollen. Die Betreuungssituation, ein wirtschaftsunfreundliches Schulsystem und fehlende Teilzeitstellen auf hohem Niveau verunmöglichen vielen jungen Frauen mit Familie berufliches Wachstum.

Diejenigen, die es schaffen, haben sich ein komplexes Betreuungsnetz gewoben, das nicht nur den Alltag zusammenhält, sondern auch Unvorhergesehenes abfängt. Denn wenn die Mama CEO ist, dann finden Kindergeburtstag, Schulaufführung und Klavierkonzert häufig ohne sie statt. Eine Geschäftsleitungsposition erfordert neben einem hohen Pensum auch internationale Mobilität und Reisebereitschaft – ein Umstand, der vielen Frauen mit kleinen Kindern Mühe bereitet. In der aktuellen Studie «VR-Umfrage 2020/21» von Knight Gianella, in Zusammenarbeit mit der Lausanner Wirtschaftshochschule IMD, gab die Mehrheit der Befragten an, dass der fehlende Wille der Frauen, den Preis der Karriere zu zahlen, ein hoher Hemmfaktor für mehr weibliche Führung sei.

Neue Karrieremodelle nötig

«In der Schweiz haben wir viele gut ausgebildete Frauen, doch wir verlieren sie. Das Problem liegt bei der Unternehmenskultur auf oberster Ebene: Man muss dem Job alles unterordnen. Wir müssen unsere bisherigen Karrieremodelle anpassen und als Gesellschaft ein modernes Wertesystem verinnerlichen, das bereits bei der Erziehung unserer Kinder und der Vermittlung des eigenen Selbstbildes beginnt», so Meier. «Als meine beiden Kinder noch klein waren, habe ich selbst mit dem Gedanken gespielt, aus dem Berufsleben auszusteigen. Denn Kinder und Karriere miteinander zu vereinbaren, ist streng und lässt Frauen zweifeln, ob sich der ganze Stress lohnt. Ich habe es nicht getan und bin froh darüber. Meine Kinder sind mit einer berufstätigen Mutter aufgewachsen. Sie sind stolz auf mich.

Bis zu 70 Prozent der gut ausgebildeten Frauen in der Schweiz haben Kinder und meistern diesen Spagat – inklusive finanzieller Einbussen und gelegentlicher Selbstzweifel. Die Expertin rät Frauen, wenn möglich auf ein Teilzeitpensum herunterzuschrauben, solange die Kinder noch klein sind, und wieder Vollzeit zu arbeiten, sobald dies möglich ist. Wichtig ist dabei vor allem der partnerschaftliche Vertrag zu Hause. Kommt Druck auf oder werden Entscheidungen vom Partner stark in Frage gestellt, geben Frauen ihre Stelle rascher auf.

Frauen können zu viel

Doch wer auf Fabienne Meiers Ledercouch in Zollikon Platz nimmt, der hat sich entschieden und bereits ein funktionierendes Betreuungssystem etabliert. Die Frauen, die hier für eine Spitzenposition zum Gespräch gebeten werden, sind meist 45 plus, bringen fundierte Erfahrung mit und wissen, was sie wollen. Ein Problem gibt es dennoch: «Sie können einfach oft zu viel. Hat man einen Finanzexperten vor sich, weiss man genau, wo man ihn platzieren kann. Eine Allrounderin mit Know-how im Marketing, Vertrieb und mit betriebswirtschaftlicher Expertise in verschiedenen Branchen kann schlechter verortet werden. Deshalb gebe ich den Frauen die Aufgabe, einen Fokus zu setzen, das Profil zu schärfen und sich klar zu positionieren», sagt Meier. Ein Tipp, der nicht nur beim Rekrutierungsprozess nützlich ist, sondern auch später beim Ausführen der neuen Rolle

Ob persönliche Positionierung oder Dos & Don’ts auf Geschäftsleitungsebene – ein Sparring ist auf C-Level und Verwaltungsratsmandatsebene ein wirkungsvoller Faktor, um neue Führungskräfte erfolgreich einzuführen, zu integrieren und zu halten. Knight Gianella bietet deshalb einen ganz besonderen Service: Die rekrutierten Kandidatinnen und Kandidaten werden auf Kundenwunsch in den ersten 100 Tagen in der neuen Rolle durch das etablierte Beratungsunternehmen mindyourstep begleitet. Ein Angebot, das sehr gut ankommt und rege genutzt wird, denn Unternehmen wissen um ihre Verantwortung. Bei Knight Gianella sei man auf der Suche nach den Besten der Besten, egal ob Mann oder Frau, betont Meier. Kompetenz sei der ausschlaggebende Faktor, nicht das Geschlecht. Doch viele Firmen sprechen sich dennoch vermehrt für mehr Diversität auf C-Level und bei Verwaltungsratsmandaten aus. Da heisst es dann: «Gibt es zwei Kandidaten mit derselben Kompetenz, bevorzugen wir die Frau.

VR: Über 25 Prozent Frauen

Dass gesellschaftlich und wirtschaftlich ein Umdenken stattfindet, bemerkt auch Simone Stebler bei Egon Zehnder. Die Juristin hat sich beim international tätigen Beratungsunternehmen nicht nur der Suche nach Top-Kandidaten und -Kandidatinnen verschrieben, sondern auch den Themen Diversität und Inklusion. In den vergangenen sechs Jahren konnten sie und das Team in der Schweiz diesbezüglich viel bewegen. Und das nicht nur auf Kundenseite, sondern auch intern.

Für Steblers Kunden heisst mehr Diversität auch, sich der Forderung einer neuen Generation zu beugen. «Es hat sich viel getan in der Wirtschaft. Besonders in den Verwaltungsräten sitzen mit knapp über 25 Prozent mittlerweile immer mehr Frauen. Doch in Geschäftsleitungspositionen gibt es noch einiges zu tun. Die gläserne Decke ist hart. Es braucht Zeit, diese zu durchbrechen. Zu lange wurde Frauen mit Kindern der Karriereweg erschwert. Ein Grund dafür sind strukturelle Probleme wie die Kinderbetreuung, das Schulsystem und die fehlenden Anreize für Doppelverdiener», sagt die Expertin. Um weiterzukommen, müsse sich aber nicht nur die Basis verändern. Jede Etappe auf dem Weg nach oben stehe auf dem Prüfstand – so auch die Suche nach dem perfekten Match.

Laut Stebler unterscheiden sich Männer und Frauen stark, wenn es um die Rekrutierung geht. Während ein Mann eine Position häufig gerade deshalb spannend findet, weil sie Aufgaben enthält, die neu und herausfordernd sind, verunsichert dieser Umstand viele Kandidatinnen. «Sich solche Unterschiede bewusst zu machen und sie in den Rekrutierungsprozess einzubeziehen, liegt in unserer Verantwortung. Das heisst, ich passe mein Rekrutierungsverhalten an, rufe eine Frau vielleicht zwei- oder dreimal an, um sie für eine spannende Position anzufragen.» Sie rät Frauen, mutiger zu sein, sich zu vernetzen und das nicht nur in den eigenen Reihen. «Man muss sich mit jedem Geschlecht vernetzen und sich Meinungen anhören, die völlig anders sind als die eigene. Gerade in einer Zeit, in der wir nur noch Informationen erhalten, die uns entsprechen, ist das wichtiger denn je.»

Eine Chance sieht Stebler im Wandel des CEO-Profils. War es früher der allwissende Superheld, sucht man heute vielerorts einen Dirigenten respektive eine Dirigentin mit Weitblick, Empathie und dem Gespür für die richtigen Fragen. Die Juristin war lange gegen eine Frauenquote. Heute sagt sie: «Es kommt auf den Kontext an, doch in der Schweiz spreche ich mich klar für eine Quote aus. In einem Land, in dem das Frauenstimmrecht erst vor rund 50 Jahren eingeführt wurde, hat die Gesellschaft noch nicht bewiesen, dass es ohne Auflage geht.» Auch Fabienne Meier empfindet die Frauenquote als einen Hebel, um die Transformation vorzunehmen – eine effiziente Möglichkeit, um Frauen schnell in die Unternehmen hineinzubringen. Doch viel wichtiger ist für Meier, ob es den Firmen gelingt, diese Frauen auch zu halten. Dazu bedarf es einer neuen Ausrichtung: eine wertebasierte Führung, eine sinnstiftende Aufgabe, eine konfliktfreie Zusammenarbeit hinsichtlich der internen Struktur und eine vorurteilsfreie Kommunikation. Nur wenn Unternehmen bereit sind, die eigene Kultur und Haltung weiterzuentwickeln, sind sie attraktiv für Kompetenz, Persönlichkeit und weibliche Perspektive – ein Gewinn für Gesellschaft und Wirtschaft.

 

Über Fabienne Meier
Dr. Fabienne E. Meier arbeitet seit rund 1,5 Jahren für das Beratungsunternehmen Knight Gianella & Partner AG. Seit 2020 ist sie Executive Search & Boardroom Consultant und Partnerin. Die studierte Betriebswirtin spricht vier Sprachen und hat bereits in verschiedenen renommierten Unternehmen gearbeitet – darunter Unilever und Hilti. Bei Knight Gianella setzt sie sich besonders für die Rekrutierung von Frauen in Spitzenpositionen ein. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Gender Diversity zu etablieren und Frauen nach einer Neubesetzung zu halten und zu fördern. Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter und eines Sohnes.

Über Simone Stebler
Die Juristin Simone Stebler ist in Zürich für das internationale Beratungsunternehmen Egon Zehnder tätig. Dabei liegt ihr Fokus auf Executive Search, Board Consulting, Talent Assessment & Development in der nationalen und internationalen Finanzdienstleistungsbranche. Ausserdem ist sie auch im Bereich Legal, Regulatory & Compliance Professionals tätig. Das Vorantreiben von mehr Diversität und Inklusion auf beruflicher Ebene ist ihr ein grosses Anliegen. Zuvor war Simone Stebler Senior Associate bei der Anwaltskanzlei Bär & Karrer AG und für die Kanzlei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG tätig.


«Frauen und Männer sprechen beruflich eine andere Sprache»

Im Prozess der «Ersten 100 Tage» begleitet Dr. Daniela Haze Stöckli, Partnerin bei der Beratungsfirma mindyourstep, ihre Klientinnen und Klienten in einer neuen Führungsrolle oder als Mitglied der beiden obersten Führungsgremien. 100 Tage, in denen gemeinsam eine Strategie erarbeitet und an der eigenen Positionierung gefeilt wird. Eine Dienstleistung, in die immer mehr Firmen gern investieren. Daniela Haze Stöckli arbeitet eng mit Fabienne Meier von Knight Gianella zusammen. Gemeinsam wurde ein spezifisches Positionierungsprogramm für Frauen entwickelt.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Haze Stöckli, wie viele weibliche Führungskräfte haben Sie und Ihre Partner bei mindyourstep bereits begleitet?
Haze Stöckli: Bisher konnten wir mit dieser neuen Dienstleistung insgesamt sieben weibliche CEOs börsenkotierter Unternehmen und 13 angehende Verwaltungsrätinnen erfolgreich als Sparring-Partner begleiten. Wir machen keine Werbung, sondern gelangen ausschliesslich auf Empfehlung zu unseren Kunden – das können sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen sein. Das Executive Career Sparring in den «Ersten 100 Tagen» wird jedoch meist von Firmen angestossen, um den Führungskräften die nötige Unterstützung zu bieten und eine rasche Integration zu ermöglichen.

Wie werden die neuen Führungskräfte unterstützt?
Bereits vor dem ersten Arbeitstag erarbeite ich mit der jeweiligen Person eine Strategie. Wie möchte sie in der Firma künftig wahrgenommen werden? Wie kann sie sich positionieren? Auf welche Erwartungen wird sie innerhalb der Firma treffen? Dies sind wichtige Fragen, die es zu klären gilt. Das Bewusstsein für das eigene Auftreten muss geschärft werden. Wir raten dazu, in den ersten 100 Tagen in der neuen Funktion vor allem zuzuhören und sich ein Bild zu machen. Das Ziel ist es, mit Abschluss dieser Phase die ersten Schwerpunkte zu setzen.

Welchen Unterschied gibt es zum klassischen Mentoring?
Mentoren befinden sich häufig innerhalb der Firma oder im nahen geschäftlichen Umfeld. Diesen kann man auf dem Weg nach oben wieder begegnen. Wir sind unabhängig und ermöglichen damit vollkommene Offenheit. Das interne Mentoring ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu unserer Aufgabe.

Welche Anliegen hören Sie immer wieder?
Frauen und Männer sprechen beruflich eine andere Sprache. Zwar sind beide Geschlechter offen für unser Angebot und schätzen dieses, doch merke ich, dass sich vor allem Frauen schneller öffnen. Ihnen fehlt es häufig an einem Plan und taktischem Geschick, wenn sie eine neue, verantwortungsvolle Position bekleiden. Ich unterstütze vor wichtigen Präsentationen, gebe Sicherheit und schärfe gemeinsam mit ihnen den Fokus.

Haben es Frauen schwerer in einer neuen Führungsrolle?
Was die Leistung betrifft, gibt es keinen Unterschied. Beide Geschlechter müssen Leistung abliefern. Doch Frauen werden deutlicher wahrgenommen und stehen damit stärker im Fokus, weil sie in der Minderheit sind. Lange waren die Rahmenbedingungen nicht gegeben, dass Frauen mit Familie Karriere in der Geschäftsleitung machen konnten. Das musste erst wachsen. Nun rutschen Frauen nach. Damit sie für das C-Level in Frage kommen, müssen innerhalb der Unternehmen die Bedingungen stimmen, das heisst beispielsweise das Durchbrechen von Seilschaften oder die Etablierung von genderneutraler Sprache.

Welche Tipps geben Sie Ihren Klientinnen mit auf den Weg?
Frauen sollten viel mutiger sein, den ersten Schritt zu machen. Sie sind in ihrer Auftrittskompetenz häufig noch nicht so souverän wie die Männer, die darin wesentlich mehr Erfahrung haben. Ich möchte Frauen nicht nur bestärken, sondern ihnen auch die politischen Spiele näherbringen, die im Hintergrund ablaufen, sodass sie mitspielen können. Frauen sind grundsätzlich eher problemorientiert. Sie haben vor Augen, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Wir arbeiten zusammen an einer Strategie. Das baut Unsicherheit ab.

 

Über Daniela Haze Stöckli
Seit Mitte 2021 ist Dr. Daniela Haze Stöckli Partnerin bei mindyourstep GmbH, einem Beratungsunternehmen mit Fokus auf Begleitung der obersten Führungsgremien zum «High Performing Team», Executive Career Sparring & Positioning, Career Transition, Assessment-Vorbereitung und Talent Management, auch unter dem Aspekt eines holistischen Diversity-Ansatzes. Zuvor war sie in der Geschäftsleitung des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV tätig. Daniela Haze Stöckli ist Mutter von drei Söhnen im Teenageralter und kennt die Herausforderungen Karriere und Familie gut.

 

«Ratschläge erteile ich keine mehr»

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Die Zeit-Expertin Anna Jelen über das Leben in Warteschlaufen, zu kurze Tage und ihren steinigen Weg zur Erkenntnis.

Inspiration kann Aussergewöhnliches bewirken, ohne selbst aussergewöhnlich zu sein – ein Gedanke, ein Moment, eine Geschichte. Inspiration ist ein Funke, und oft ist ein Funke ein Mensch. Anna Jelen, «The Time Expert», ist eine regelrechte Funkenversprüherin. Da der Begriff nicht existiert, haben wir ihn im Nachgang des She’s Mercedes-Events «Power of the mind» vom letzten August, anlässlich dessen wir Anna Jelen kennenlernen durften, erfunden. Die 44-Jährige aus Arosa über ihren Umgang mit Zeit und ihren Wandel mit der Zeit.

WOMEN IN BUSINESS: Frau Jelen, wie wurden Sie Zeit-Expertin?
Anna Jelen: Mit der Zeit (lacht). Ich war auf dem Karrierepfad in einem internationalen Konzern, habe dort neben meinem eigentlichen Job noch Workshops in Sachen Auftrittskompetenz und Zeitmanagement gegeben. Ich kam schliesslich an den Punkt, wo ich eingestehen musste, dass ich innerhalb dieser Organisation meine Ideen nicht mehr weiter entwickeln konnte. Also habe ich gekündigt und mich selbstständig gemacht. Das war zuerst einmal ernüchternd.

Warum?
Es war naheliegend, dass ich klassisches Zeitmanagement unterrichte, allein das Schlagwort verkauft sich gut. Ich habe Konzepte vermittelt, wie durchgetaktete Menschen bessere To-do-Listen machen. Und ich hatte Leute in meinen Kursen, die von mir wissen wollten, wie sie mehr Zeit haben respektive mehr aus ihrer Zeit machen können, die Werkzeuge wollten. Das hat jeweils gut funktioniert, war aber nicht nachhaltig. Man hat sich das eine und andere aus dem Workshop zu Herzen genommen, ist dann aber in der Regel nach kurzer Zeit wieder in die alten Muster zurückgefallen. Kam dazu, dass mich das irgendwann alles gelangweilt hat und mein Enthusiasmus versiegte. Es kam, wie es kommen musste: Es lief irgendwann nicht mehr.

Und dann?
Mein Treuhänder sagte, du musst Konkurs anmelden. Ich forderte noch zwei weitere Monate. Im Wissen, dass ich nichts zu verlieren habe, entschied ich, ab jetzt behandle ich das Thema Zeit à la Anna. Ich fing nochmals von vorn an.

Nach welchem Vorbild?
Mein erster Workshop hiess, «Lebe nicht, als hättest du 1000 Jahre zu leben». Der Satz stammt von Seneca, den ich schon als junges Mädchen grossartig fand. Ideale habe ich keine mehr und Vorbilder auch nicht. Bewunderung empfinde ich für meinen Vater. Er ist krank und sagt, er hat kein Bedauern.

Was bewundern Sie daran?
Jemand, der in so einer Situation so etwas sagen kann, hat das Leben geliebt und wurde dafür vom Leben zurück geliebt.

Was ist heute Ihr zentrales Anliegen zum Thema Zeit?
Es geht nicht um Werkzeuge, sondern um Fähigkeiten, um eine Einstellung.

Bewusstsein statt Know-how?
Genau. Und da habe ich mich gefragt, wie gehe ich das an.

Und?
Gegenfrage: An was erinnern Sie sich spontan aus der vergangenen Woche?

Am Mittwoch blieb der Zug auf der Strecke stehen, ich verpasste eine Sitzung. Damit sind wir beim Kern der Sache: Sie würden sich weder an die Zugfahrt und höchstwahrscheinlich auch nicht an die Sitzung erinnern, wenn es so gelaufen wäre, wie Sie es geplant hatten. Was haften bleibt, ist, was nicht war, wie erwartet oder geplant.

Im Sinn: Raus aus der Routine, sonst verpasst man das Leben?
Es geht darum, mehr Kontrolle zu übernehmen über seine Lebenszeit. Sie ist ja nichts anderes als eine Anreihung von Momenten. Ich ermuntere dazu, nicht einfach darauf zu warten, dass etwas geschieht, sondern dafür zu sorgen. «Create moments», das ist mein Zeitmanagement.

Klingt recht abstrakt. Wie bringen Sie das Ihren Zuhörern rüber?
Ich erzähle Geschichten. Das rüttelt viele auf, insbesondere solche, die in einem hohen Tempo unterwegs sind.

Was sind das für Geschichten?
Ich habe Vorträge gehalten in Altersheimen und die Leute gebeten, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erzählen. Ich bekam unzählige unglaublich emotionale Geschichten aus der Vergangenheit zu hören. Bei der Frage nach der Gegenwart erlosch das Feuer, die Antwort lautete, naja, da gibt es nicht viel zu erzählen. Als ich sagte, dann reden wir doch über die Zukunft, lachten sie, «aber Anna, wir haben doch keine Zukunft». Das Fazit: Irgendwann wird das Thema Vergangenheit riesig.

Dann geht es darum, heute für die alten Tage Erinnerungen zu scheffeln?
Nein. Es geht darum, sich bewusst darüber zu werden, zu leben, nicht nur zu funktionieren. Wer im Hamsterrad steckt, ist immer am Warten – auf den Feierabend, aufs Wochenende, auf die Ferien. Kürzlich habe ich einen Manager nach seinen schönen Erinnerungen vom letzten Jahr gefragt. Er hatte genau drei Highlights präsent und wissen Sie was, die hatten alle in der einen Woche Ferien auf Mallorca stattgefunden. Ist doch schade um 51 anderen Wochen, nicht wahr?

Die grösste Malaise?
Wir packen zu viel in unsere Tage. Ich habe einmal mit einer Freundin, die mir erzählt hat, dass sie abends immer frustriert ist, weil sie nie alles erledigen konnte, was sie sich vorgenommen hatte, eine Liste erstellt mit allem, was sie an einem Tag erledigt haben will, damit es für sie ein guter Tag war. Und dann den jeweils nötigen Zeitbedarf dazugestellt und zusammengezählt. Ein guter Tag müsste für sie 31 Stunden haben.

Ihr Ratschlag an Ihre Freundin?
Ratschläge erteile ich keine mehr. Ich habe eine Geschichte erzählt, nämlich die, wie ich zu meinem Umgang mit der Zeit gekommen bin.

Erzählen Sie!
Ich war vor einiger Zeit in ein Unternehmen in Taipeh eingeladen als Workshopleiterin zum Thema Zeit. Dort fiel mir sogleich auf, dass alle vollkommen entspannt waren. Ich habe die Teilnehmenden einzeln gefragt, was in einen Tag rein muss, damit sie am Abend zufrieden ins Bett gehen können. Erste Antwort: Arbeit, Familie, Freunde. Zweite Antwort: Arbeit, Familie, Freunde. Dritte Antwort, Sie ahnen es: Arbeit, Familie, Freunde. Da habe ich mir überlegt, welche drei Säulen sind es bei mir?

Und?
Ganz einfach: Körper, Geist und Seele. Ich achte darauf, dass alle drei jeden Tag von meiner Zeit etwas abbekommen. Bewegung für den Körper, Arbeit für den Geist, Liebe für die Seele.

Corona hat viele aus der Routine gerissen. Wie haben Sie es erlebt?
Als Aufwachen. Ich dachte immer, der Applaus ist nicht wichtig für mich, heute weiss ich, dass es das Futter für meine Seele war.

Bestätigung fiel weg und Sie in ein Loch?
Genau so war es. Als die Pandemie begann, habe ich mich frohen Mutes als Referentin abgemeldet, um ein Buch zu schreiben. Ich habe mich schön eingerichtet und installiert, sass dann eines Morgens am Computer und schrieb: I should be happy now, ich sollte jetzt glücklich sein. War ich aber nicht. Im Gegenteil. Es quälten mich Zweifel an meinen Fähigkeiten, Entscheiden, an mir selbst – und ich musste einsehen, dass, wenn ich keine Bestätigung von aussen bekomme, da nichts ist. Das ist mir richtig eingefahren. Ich war gefordert, mich mit mir, meinen Bedürfnissen und Befindlichkeiten auseinanderzusetzen, diese anzunehmen und mich auch darum zu kümmern. Heute kann ich sagen, ich bin meine ziemlich beste Freundin, und dieses Gefühl ist grossartig.

Und was ist mit dem Buch?
Ich habe es in Arbeit, und es hat dieses Jahr für mich beruflich Priorität. Vorträge halte ich derzeit fast keine und wenn, dann anders als früher. Der Vortrag, den ich für She’s Mercedes gehalten habe, war mein erster Auftritt seit zwei Jahren. Und ich war zum ersten Mal nur freudig, nicht auch noch nervös. Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren definitiv verändert. Ich will auch nicht mehr lehren, sondern inspirieren.

An wen richten Sie es?
Ich habe heute viel mit Leuten zu tun, die sich für Philosophie interessieren und offen sind, sich selbst und auch ihr Tun zu hinterfragen, im Sinne von: Für wen mache ich eigentlich, was ich mache?

Und wem werden Sie Ihr Buch widmen?
Ich widme es den Menschen, die nicht so leben möchten, als hätten sie noch 1000 Jahre – die Erkenntnis ist die «essence of selfcare».


 

Event-Empfehlung der Redaktion
«The essence of self care»
Eine Veranstaltung der She’s Mercedes Initiative.

Datum und Uhrzeit: Mittwoch, 27. April, 18 Uhr
Ort: Grand Hotel Les Trois Rois, Basel
Ticketpreis: CHF 49.-

Anmeldung und weitere Informationen zum Event unter: www.mercedes-benz.ch

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 Die Initiative She’s Mercedes steht für die Idee, dass Inspiration Aussergewöhnliches bewirken kann. Mehr zur Initiative und zu den Events von She’s Mercedes in der Schweiz finden Sie im Newsletter mercedes-benz.ch/shesnewsletter-de sowie unter mercedes-benz.ch/shes

 

Sensibilisierung für eine magische Art

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Wein-Komponistinnen mit Temperament

Posted by corinne.broennimann

Maike Kiessling

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Kunst in der Alphütte

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Beatrice Trussardi engagiert sich für eine breite Zugänglichkeit zur zeitgenössischen Kunst. Nach zehn Jahren als CEO und VR Präsidentin der Trussardi-Gruppe widmet sich die Philanthropin heute ihrer Kunstmission und ihrer Familie.

Beatrice Trussardi trägt einen illustren Namen. Die 50-jährige Italienerin ist die älteste Tochter des 1999 verstorbenen Modeindustriellen Nicola Trussardi und damit Abkömmling einer Familiendynastie, die eines der bekanntesten Modelabel begründete. Sie selbst leitet eine Kunststiftung, die in der Kunstwelt in den letzten Jahren wegen Kunstaktionen an ungewöhnlichen Orten von sich reden machte. Doch im Gespräch wird rasch klar, dass sie ihre Rollen klar aufteilt. Wenn man sie zu ihrem Herzensthema befragt – der breiten Zugänglichkeit zur zeitgenössischen Kunst – ist sie voller Enthusiasmus, spricht fokussiert und gibt geduldig wohlüberlegte Antworten. Alles andere – Fragen zur Trussardi-Gruppe, deren CEO und Verwaltungspräsidentin sie für über zehn Jahre war – gehören für sie ins Reich der Vergangenheit und müssen somit ausgeklammert werden. Beatrice Trussardi agiert heute vor allem als Philanthropin, die den Grossteil ihrer Zeit ihrer Kunstmission, ihren zwei Kunststiftungen und ihrer Familie widmet.

WOMEN IN BUSINESS: Wie kamen Sie eigentlich zur Kunst?
Beatrice Trussardi: Ich war von Kindesbeinen an mit Kunst umgeben. Zu unseren Familientreffen kamen immer auch Freunde meiner Eltern, und das waren Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Intellektuelle. Mich mit Kunst zu umgeben, war für mich deshalb nichts Fremdes, sondern die natürlichste Sache der Welt. Ich nahm auch privaten Unterricht in Kunst, ging in Museen und Galerien. Das hat sicherlich meinen Instinkt geformt. Später, als ich in New York studierte, entwickelte ich meinen eigenen Zugang zur Kunst.

Wie das?
Ich arbeitete für verschiedene Museen, war etwa bei der Eröffnung des Guggenheim Museums in Bilbao mit dabei. Ich erhielt viel Einsicht in die Arbeit von Künstlern und dabei habe ich eine Menge eigener Erfahrungen mit Künstlern und dem Kreationsprozess gemacht.

Sie leiten die Kunststiftung Nicola Trussardi, und jetzt haben Sie auch noch eine eigene Stiftung gegründet, die auf Ihren Namen lautet. Was gab den Ausschlag?
Es geht nicht um mich, meine persönlichen Interessen oder meinen Geschmack. Es geht mir darum, mich durch diese Stiftung in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, und zwar auch international. Ich möchte zeitgenössische Kunst direkt unter die Leute bringen. Das war bereits der Urgedanke der Nicola Trussardi Stiftung, die ich über viele Jahre formte und prägte.

Nachdem ihr Vater 1999 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, kehrte Beatrice aus New York zurück und übernahm die Leitung der Nicola Trussardi Stiftung. Zuvor hatte sie an der New York University Art Business & Administration studiert und für Museen wie das Metropolitan Museum und das Guggenheim gearbeitet. Die Stiftung war von Beginn an keine still tätige Stiftung hinter den Kulissen. Ursprünglich am Hauptsitz von Trussardi gelegen, gleich neben der Scala, dem Mailänder Opernhaus, verband Trussardi ein Modehaus mit Kunstausstellungen, einer Buchhandlung, einem Café und einem Restaurant. Doch Beatrice Trussardi drückte der Stiftung nun ihren eigenen Stempel auf. Ihr war aufgefallen, dass Italien, obwohl ein Land, das an jeder Strassenecke Kultur atmet, wenig Verständnis für zeitgenössische Kunst hatte. Unter ihrer Leitung zog die Stiftung 2003 aus ihren Ausstellungsräumen im Palazzo Trussardi alla Scala aus. Stattdessen brachte sie zeitgenössische Kunst direkt in die Stadt. Die Stiftung wurde in ein nomadisches Museum umgewandelt, der damals noch junge Kurator Massimiliano Gioni mit an Bord geholt – er ist heute künstlerischer Direktor des New Museum in New York. Die zwei brachen mit allen Konventionen, wie eine Kunststiftung fungierte, und brachten Künstler an ungewohnte Orte. Im Palazzo Litta etwa, der über 50 Jahre lang der Sitz der staatlichen Eisenbahnen war, zeigten sie (in Zusammenarbeit mit der Tate Modern und dem Kunsthaus Zürich) die grosse Retrospektive von Peter Fischli und David Weiss. Oder sie präsentierten die britische Künstlerin Sarah Lucas in einem unterirdischen Bad neben einer U-Bahn-Station. Die Nicola Trussardi Stiftung belebte die Stadt, und sie setzte die Kunst frei. Beatrice Trussardi hat Erfahrung darin, mit Brüchen und Umbrüchen umzugehen. Sie nutzt Chancen, die aus Krisen erwachsen. Mitten in der Pandemie hat sie ihren Lebensmittelpunkt ins Engadin verlegt und dort die Beatrice Trussardi Stiftung begründet.

Was zeitgenössische Kunst ausserhalb der Museums und Galeriemauern anbetrifft, haben Sie in Italien quasi Pionierarbeit geleistet. Trotzdem wird Kunst oft immer noch als etwas Abgehobenes, Elitäres betrachtet. Wie erklären Sie sich das?
Ich denke, das Problem liegt darin, dass Kunst noch immer allzu oft in Zusammenhang mit dem kommerziellen Aspekt gesehen wird. Was in die Breite kommuniziert wird, sind der Markt, die Kunstmessen, die astronomischen Auktionspreise. Ich aber betreibe die Kunststiftung als Nonprofit-Organisation. Es geht mir darum, Kunst zu den Leuten zu bringen, und nicht umgekehrt, die Leute zur Kunst. Darin liegt auch der grosse Unterschied zu den vielen anderen Kunststiftungen, die in den letzten Jahren entstanden sind.

Kunst-Mäzenatentum ist en vogue, und es findet Anklang beim Publikum. Der Besuch der Fondazione Prada in Mailand oder der kürzlich eröffneten Pinault Collection in Paris oder der Fondation Louis Vuitton stellen Fixpunkte in jeder Kultur (und Social-)Agenda dar für Leute, die mitreden wollen. Doch mit dem Kunstengagement von Beatrice Trussardi verhält es sich subtiler. Bewusst entzieht sie sich dem lauten Spektakel, der grossen Werbetrommel und der leichten Konsumierbarkeit. Stattdessen will sie, dass sich die Projekte mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzen; mit unserem Verhältnis zur Natur, zur Spiritualität, mit Gesellschaftsutopien zum Beispiel. Im Jahr 2020, als die meisten Einrichtungen und Museen schliessen mussten, entwickelte sie zwei Projekte, die direkte Reaktionen auf die Pandemie waren. Das Online-Projekt «Viaggi da camera» (Zimmerreisen) thematisierte die Kraft der Imagination in Zeiten des Lockdown. Inspiriert vom berühmten Roman von Xavier De Maistre aus dem 18. Jahrhundert «Reise um mein Zimmer» – geschrieben während einer 42- tägigen Zwangseinweisung in einem Zimmer in Turin – lud das Projekt Künstler ein, die Türen zu ihren eigenen realen und imaginären Zimmern zu öffnen.

Das zweite Projekt war so erfolgreich und berührend, dass es sogar in der «New York Times» gepriesen wurde: Die Stiftung hatte den isländischen Künstler Ragnar Kjartanssons eingeladen, in Mailand ein Werk zu realisieren. Als Ort wurde die Kirche San Carlo al Lazzaretto auserkoren, die im 16. Jahrhundert in Gedenken an die Opfer der Pest gebaut worden war. Begleitet von der Kirchenorgel sangen professionelle Sänger das Stück «Il cielo in una stanza», das berühmte Lied von Gino Paoli aus dem Jahr 1960, jeden Tag sechs Stunden lang und ununterbrochen. Das Lied ist Mitgliedern der älteren Generation besonders kostbar: Es handelt davon, wie in der Fantasie Wände gesprengt werden, wenn man liebt. Mit den Folgen der Pandemie, vor allem mit unserem Umgang mit der Natur, hat das erste Projekt der Beatrice Trussardi Stiftung zu tun, zudem sie den polnischen Künstler Pawel Althamer in die stille Natur des abgelegenen Fextals im Engadin lud. Wer das Projekt sehen wollte, musste zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit einer Pferdekutsche zu einer Berghütte gelangen. In der Hütte wurde man mit der zerfurchten, nackten Figur konfrontiert, ab und an schaute eine Ziege vorbei. Althamer spielte damit auf den heiligen Franziskus an, der als Sohn eines reichen Tuchhändlers in Assisi aufwuchs und mit seiner Familie brach und den Franziskanerorden gründete. Er lebte fortan in Askese und unterhielt eine besonders innige Beziehung zu Tieren und Natur. Trussardi schwärmt von der spirituellen Dimension des Ortes. «Die Erfahrung, den Ort durch die stille Natur wandernd zu erreichen, war ein wichtiger Teil der Botschaft des Künstlers», sagt sie.

Es ist mutig, Kunst so weit weg von den Zentren zu bringen. Warum betreiben Sie diesen Aufwand?
Ich möchte Kunst auf eine vollkommen neue Art zeigen. Abseits der konventionellen Orte. Sie soll in den Dialog mit der Umgebung treten, sei es in der Stille der Natur oder im urbanen Zentrum. Ich möchte, dass die Menschen überraschend auf die Kunst stossen.

Was erhoffen Sie sich davon?
Im Grunde geht es darum, dass sich die Menschen Fragen stellen. Kunst stimuliert persönliche Reaktionen. Sie eröffnet verschiedene Perspektiven, die Realität zu sehen.

Dann hat Kunst für Sie eher eine soziale als eine ästhetische Funktion?
Absolut! Es geht mir überhaupt nicht um die Ästhetik, um Kunst als Dekoration. Es geht mir darum, Fragen zu stellen und über verschiedene drängende Themen nachzudenken.

Ist es nicht etwas zu viel von der Kunst verlangt, wenn sie die wichtigen Herausforderungen unserer Zeit mitbewältigen soll?
Natürlich geht es nicht darum, dass Kunst unsere Probleme lösen soll. Aber Kreativität hat schon immer zu unterschiedlichen Perspektiven auf unsere Gesellschaft verholfen. Die Imagination kann im Vergleich zu den funktionalen Disziplinen neue Szenarien aufzeigen, neue Möglichkeiten eröffnen.

Ihre Stiftung übernimmt auch Forschung zu verschiedenen Themen. Welcher Gedanke steckt dahinter?
Unser aktuelles Forschungsthema gilt dem alpinen Raum, und welche Innovationen aus ihm historisch und aktuell hervorgehen. Dazu wird es im neuen Jahr eine Konferenz und eine Publikation geben.

Was gewinnen Sie persönlich daraus, so nahe an der Kreation zu sein? Gibt es etwas, das Sie von Künstlern gelernt haben in all den Jahren?
Ich finde es faszinierend, dem kreativen Prozess von Künstlern aus nächster Nähe folgen zu können. Wir geben den Künstlern immer ein Briefing, das sich aus einem bestimmten Thema und einem von uns ausgewählten Ort ergibt. Daraus ergibt sich ein Stimulus. Aber dann sind sie vollkommen frei, und es obliegt ganz dem Künstler oder der Künstlerin, neue Ideen und Arbeiten hervorzubringen.

Denken Künstler anders?
Ich glaube, sie arbeiten tatsächlich mehr mit ihrer Intuition. Bevor sie sich an die praktische Ausführung oder ans Handwerk machen, entwerfen sie die Idee, ein Konzept in ihrem Kopf. Das geschieht allein in ihrer Imagination. Die letzten Projekte Ihrer zwei Stiftungen haben sich stark mit der Pandemie, mit dem Effekt des Lockdowns, und auch mit unserem Verhältnis zur Natur, beschäftigt. Sie selbst haben den Lockdown im Engadin verbracht, und haben inzwischen Ihren Familiensitz dahin verlegt.

Inwiefern erlebt man diese Gegend anders, als wenn man hier Ferien macht?
Hier oben ist natürlich ein ganz anderer Lebensrhythmus als in Mailand. Es herrscht eine grosse Stille. Es gibt weder Luftnoch Lichtverschmutzung wie in einer Grossstadt. Das ist eine vollkommen andere Erfahrung! Sie hatte für mich eine meditative Dimension; sie erlaubte mir eine Art von Introspektion, die ich sonst nicht erlebe. Aber letztlich haben während des Lockdowns alle diese Introspektion, und einen neuen Lebensrhythmus, erlebt.

Werden Sie wieder in die Stadt zurückkehren?
Ja sicherlich, immer wieder! Wir alle brauchen soziale Stimulation und Inspiration. Es geht um die richtige Balance.

Beatrice Trussardi
Beatrice Trussardi wurde 1971 in Mailand als Tochter des Modeunternehmers Nicola Trussardi geboren. Von 1999 bis 2014 hatte sie verschiedene Positionen innerhalb der Trussardi-Gruppe inne, darunter auch die des CEO und der Verwaltungsratspräsidentin. Seit 2003 hat sie die Fondazione Nicola Trussardi zu einem in der Kunstwelt renommierten nomadisierenden Produktions- und Ausstellungsmodell entwickelt. Zu den Künstlern, die von der Stiftung präsentiert wurden, gehört die Crème der internationalen Kunstszene, u. a. Maurizio Cattelan, Tacita Dean, Urs Fischer, Fischli und Weiss, Paul McCarthy, Pipilotti Rist, Tino Sehgal und Allora & Calzadilla. Im Sommer 2021 hat sie nun die Beatrice Trussardi Stiftung gegründet, um die philanthropische Tätigkeit auch ausserhalb Italiens zu verfolgen. Für ihre kulturelle Arbeit wurde sie mit verschiedenen Preisen geehrt, u.a. dem Montblanc Arts Patronage Award und dem Piazza Mercanti Award der Mailänder Handelskammer für kulturelle Philanthropie. Trussardi ist ausserdem Mitglied des Vorstands des Comitato Fondazioni Italiane Arte Contemporanea. Sie ist Präsidentin der Friends of Aspen am Aspen Institute Italy, deren Ziel es ist, wichtige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Themen zu analysieren, ausserdem Mitglied des Women’s Leadership Board der John F. Kennedy School of Government an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, das sich dafür einsetzt, die Rolle der Frauen auf allen Ebenen der Gesellschaft durch den Beitrag internationaler Führungskräfte zu stärken. Beatrice Trussardi ist mit einem Medtech-Unternehmer verheiratet und hat zwei Söhne.

 

«Sustainable Business or out of Business»

Posted by WOMEN IN BUSINESS

Renata Jungo Brüngger gehört als Mitglied der Konzernleitung der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG zu den einflussreichsten Frauen der Automobilbranche. Im Interview spricht die gebürtige Schweizerin über die Bedeutung von Nachhaltigkeit, wie sie von ihrem Hobby im Geschäftsalltag profitiert und inwiefern Schwaben und Schweizer ähnlich ticken.

WOMEN IN BUSINESS: Als Vorstandsmitglied der Daimler AG sind Sie für den Bereich Integrität und Recht verantwortlich. Inwiefern zählt auch das Thema Nachhaltigkeit zu Ihrem Bereich?
Renata Jungo Brüngger: Für mich zu 100 Prozent. Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, die nachhaltige Transformation von Mercedes-Benz und Daimler voranzutreiben und andere Fachbereiche zu unterstützen. Unsere Juristen, Compliance-Manager und Integritätsbeauftragten verstehen sich als «Enabler» für Nachhaltigkeit im Unternehmen. Für dieses Mindset setze ich mich persönlich ein. Es ist mir ein Herzensanliegen, und das nicht nur, weil ich oberste Risikomanagerin des Unternehmens und Co Vorsitzende des Nachhaltigkeitsboards bin. Denn zum nachhaltigen Wirtschaften gibt es aus meiner Sicht keine Alternative. Zugespitzt gilt: «Sustainable Business or out of Business».

Welche Massnahmen verfolgen Sie und Ihr Team konkret, um Nachhaltigkeit im Unternehmen voranzutreiben?
Ein prägnantes Beispiel: Unser Einsatz für Menschenrechte. Für die Elektromobilität benötigen wir viele Rohstoffe aus kritischen Ländern. Schon vor einigen Jahren haben wir auch deswegen unser Human Rights Respect System aufgesetzt. Das sind konkrete Regelungen und Prozesse, die uns dabei helfen, mögliche negative Auswirkungen unseres Geschäfts auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Unsere Liefernetzwerke sind hochkomplex, wir haben alleine 60 000 direkte Lieferanten. 100-prozentige Sicherheit wird es daher nie geben, aber wir arbeiten hart daran, die Risiken so gut wie möglich zu minimieren. Das hilft nicht nur den Menschen vor Ort, sondern ist auch ein Mehrwert für das Unternehmen und Investoren. Ein anderes Beispiel: Mit unserem Data Compliance Management haben wir den verantwortlichen Umgang mit Daten im Blick. Software ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor, und wir begleiten technische Neuerungen mit unseren Grundsätzen Transparenz, Selbstbestimmung und Datensicherheit. An den Beispielen sehen Sie, dass wir eine ganzheitliche nachhaltige Geschäftsstrategie entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfolgen. Wir orientieren uns dabei an den 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.

Wo liegen die Herausforderungen, ein gesamtes Unternehmen mit dieser Thematik abzuholen?
Es wäre mittel- und langfristig eine deutlich grössere Herausforderung, jetzt nicht konsequent auf Nachhaltigkeit zu setzen. Damit sichern wir auch zukünftig unsere «Licence to Operate», die gesellschaftliche Akzeptanz für unser Geschäft. Unsere Ziele sind sehr ambitioniert, natürlich vor allem beim Klimaschutz. Wir setzen auf «electric only»: Bis zum Ende des Jahrzehnts wird Mercedes-Benz bereit sein, vollelektrisch zu werden – überall dort, wo es die Marktbedingungen zulassen. Diesen fundamentalen Kurswechsel unterstützen auch unsere Stakeholder, unsere Kunden, unsere Beschäftigten, die Politik und der Kapitalmarkt. Aber diese tiefgreifende Transformation hin zur Elektromobilität verlangt auch viel von uns allen, und es wird nicht immer konfliktfrei abgehen. Der Schlüssel ist, intensiv mit allen relevanten Stakeholdern im Dialog zu bleiben, um gute Lösungen zu finden.

Wenn wir auf Ihre beeindruckende Karriere blicken, was war auf Ihrem Weg an die Spitze eines Weltkonzerns wie Daimler entscheidend?
Erfahrungen in unterschiedlichen Terrains und Wetterlagen helfen, sich sicher zu bewegen, auch wenn es mal schwierig wird. Sie merken schon: Eins meiner liebsten Hobbys sind die Berge. Im Ernst: Es hilft, Risiken gut kalkulieren und managen zu können. Noch wichtiger ist es aber, die Chancen bei vielen Themen zu erkennen und in den Mittelpunkt des eigenen Handelns zu stellen. Und man muss auch einmal mutig und selbstbewusst aus seiner Komfortzone herausgehen, um neue Ziele zu erreichen. Wie den Gipfel sollte man diese Ziele immer im Blick haben. Das rate ich auch Kolleginnen, die ihre Karriere vorantreiben wollen. Über allem steht für mich jedoch, mit einem Weltklasse-Team unterwegs zu sein. Als Führungskraft ist das am Ende entscheidend für den Erfolg – auch für den eigenen.

Mussten Sie sich als Frau in der männerdominierten Branche besonders behaupten?
Der Umgang mit meinen Kollegen war von Anfang an auf Augenhöhe. Inzwischen habe ich auch zwei Kolleginnen im Vorstand der Mercedes-Benz AG, was mich natürlich sehr freut. Insgesamt ist unsere Branche traditionell eher männlich geprägt. Bei Daimler liegen wir derzeit bei einem Frauenanteil von 20,5 Prozent in Führungspositionen – das ist schon gut. Wir engagieren uns aber sehr stark, um diesen Anteil weiter zu steigern. In meinem Ressort sind sogar über 40 Prozent der Führungskräfte Frauen. Ich ermutige jede kompetente und motivierte Kollegin, einen Karriereschritt zu wagen und unterstütze sie entsprechend.

Worauf legen Sie bei der Führung Ihrer Mitarbeitenden Wert, insbesondere mit Blick auf das Thema Diversity?
Bei uns arbeiten rund 280 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 160 Nationen. Alle bringen ihre Erfahrungen, Perspektiven und Kompetenzen mit ein. Das Wichtigste für mich als Führungskraft ist, sich auf diese Vielfalt einzulassen und sie aktiv zu fördern. Das setzt enorme Kreativität frei, die Grundlage für unseren sprichwörtlichen Pionier- und Erfindergeist ist.

Spüren Sie einen Unterschied in der Unternehmenskultur zwischen Deutschland und der Schweiz?
Ich habe in internationalen Unternehmen gearbeitet, da ist der Unterschied in der Unternehmenskultur nicht so gross. Schweizer und Schwaben sind gar nicht so verschieden: Beide sind sehr pflichtbewusst, umtriebig und arbeiten gern und viel. Dazu kommt Kreativität – eine wirklich gute Mischung. Auf beiden Seiten haben wir also Teams, die in der höchsten Liga spielen. Das gibt auch viel Freude an der Arbeit, das gefällt mir hier und dort.

  Die Initiative She’s Mercedes steht für die Idee, dass Inspiration Aussergewöhnliches bewirken kann. Sie bietet Frauen in über 70 Ländern die Möglichkeit, in Kontakt zu kommen und sich gegenseitig zu stärken. In der Schweiz finden regelmässig Events zu den Themen Mind, Move, Body und Nutrition statt. Mehr zur Initiative, zum Magazin und zu den Events von She’s Mercedes in der Schweiz finden Sie im Newsletter mercedes-benz.ch/shesnewsletter-de sowie unter mercedes-benz.ch/shes.

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