Der Cyberspace bietet enorme Chancen, gleichzeitig birgt er Risiken. Im Interview erklärt Daria Kuss, Psychologin und Forscherin des digitalen Lebens, warum wir so leicht in exzessive Nutzung abrutschen, welche Auswirkungen sie hat, und welche Strategien helfen, ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

WOMEN IN BUSINESS: Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, sich mit der Psychologie des digitalen Lebens zu beschäftigen?
Daria Kuss: Mich hat schon immer interessiert, warum wir so viel Zeit online verbringen – auf Social Media, beim Gaming oder beim Online-Dating. Ich wollte verstehen, was das Internet so attraktiv macht. Deshalb habe ich Medienwissenschaften und Psychopathologie studiert, mit Schwerpunkt auf problematische Nutzung von Technologie. Glücklicherweise konnte ich mit führenden Expertinnen und Experten zusammenarbeiten, was meine Arbeit sehr geprägt hat.

Heute ist dieses Thema besonders aktuell. Technologieunternehmen werden dafür kritisiert, junge Menschen mit ihren Algorithmen zu gefährden. Aber auch Erwachsene fallen immer wieder ins digitale «Rabbit hole». Haben Sie selbst schon einmal bemerkt, dass Sie zu viel Zeit online verbringen?
Oh ja, das kann schnell einmal passieren. Als Forscherin verbringt man enorm viel Zeit online – nicht nur beruflich, sondern auch sozial. Aber die positiven Aspekte der Technologie darf man nicht vergessen. Ich habe Freunde auf der ganzen Welt, und WhatsApp oder Facebook helfen mir, den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Welche weiteren Vorteile sehen Sie konkret?
Besonders während der Corona-Pandemie war Social Media für viele die einzige Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Ausserdem erleichtert Technologie auch den Alltag enorm: Versicherungen erledigen, Online-Shopping, Lebensmittellieferungen – das spart Zeit. Für Menschen mit Einschränkungen ist das besonders wichtig, weil sie so aktiv am Leben teilnehmen können. Digitale Nutzung spart Zeit, die für wichtigere Tätigkeiten genutzt werden kann.

Bedeutet das, dass wir einfach nur lernen müssen, Technologie bewusster zu nutzen?
Nein, es geht darüber hinaus. Wir brauchen gezielte Förderung digitaler Kompetenzen, schon von klein auf – in Schulen, aber auch durch politische Massnahmen, die gesunde Nutzung unterstützen und problematisches Verhalten verhindern.

Was genau macht digitale Medien wie Instagram denn so fesselnd?
Sie sind bewusst darauf ausgelegt, unsere Aufmerksamkeit zu halten. Endlos-Feeds, unbegrenztes Scrollen oder Spiele, die man theoretisch 24 Stunden am Tag spielen könnte, sorgen dafür, dass wir immer weiter interagieren – oft ohne zu merken, dass wir aufhören sollten. Dazu kommen visuelle Inhalte, bewegte Bilder, Farben, Grafiken, Geräusche und komplexe Algorithmen, die genau auf unsere persönlichen Vorlieben abgestimmt sind.

Ab wann spricht man von problematischer Nutzung, und wer ist besonders gefährdet?
Problematisch wird es, wenn das Verhalten das tägliche Leben stark beeinträchtigt – über längere Zeiträume hinweg, typischerweise zwölf Monate – und mehrere Lebensbereiche betroffen sind. Nur eine kleine Minderheit erfüllt diese diagnostischen Kriterien. Wir dürfen normale Nutzung also nicht überpathologisieren. Beispiele problematischer Nutzung sind Gamer oder Spieler, die fast ihre gesamte Zeit auf digitale Medien verwenden, Gesundheit, Arbeit, Schule, Beziehungen zu Freunden und Familie vernachlässigen oder finanzielle Risiken eingehen.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

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Die nächste WOMEN IN BUSINESS Ausgabe wird am 10.09.2026 lanciert

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