Maike Cruse leitet seit drei Jahren die Art Basel und will die Basler Messe als global beste Plattform für Galerien weiter ausbauen. Gleichzeitig entwickelt sie Konzepte, um die Kunst im öffentlichen Raum näher zu den Leuten zu bringen.

WOMEN IN BUSINESS: Sie sind seit 2024 Direktorin der Art Basel. Welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Editionen der Basler Show?
Maike Cruse: Ich startete in einer Phase der Stabilisierung und der Weiterentwicklung der Messe. Das hiess für mich, das Programm zu verdichten, weiter zu internationalisieren und zu diversifizieren. Wir haben in diesem Jahr 290 Galerien aus 43 Ländern ausgewählt, davon sind 21 ganz neu in Basel dabei. Darunter sind Galerien aus der Türkei, dem Libanon, Saudi-Arabien, den Philippinen und der Elfenbeinküste. Im Vergleich zu unseren internationalen Shows ist die Messe in Basel, was die Galerien und ihre Präsentationen angeht, am umfassendsten und globalsten. Zudem wollten wir die Messe kuratorisch weiterentwickeln und noch weiter in Basel verankern. Dazu haben wir zusammen mit Stefanie Hessler, der Direktorin des Swiss Institute in New York, die Neukonzeption des Parcours entwickelt.

Was ist der Parcours? Parcours ist ein Sektor der Art Basel in Basel für Kunst im öffentlichen Raum. Entstanden ist die Idee vor Jahren aus Gesprächen mit Künstlerinnen und Galerien, die nicht nur im White Cube, also einem klassischen Ausstellungsraum, Kunst vorstellen, sondern auch ortsspezifisch arbeiten wollten. Mit Parcours gehen wir raus in die Stadt, entlang der Clarastrasse, die die Messe mit dem Rhein verbindet. An dieser Einkaufsstrasse finden sich Ladenlokale, eine Kirche, ein Hotel, Restaurants, Kellerlokale, die wir den Künstlerinnen und Künstlern als Location zur Verfügung stellen, um Projekte nach einem bestimmten Thema – dieses Jahr ist es Conviviality, also Geselligkeit – zu realisieren.

Welche weiteren Projekte im öffentlichen Raum haben Sie realisiert? Wir aktivieren seit Jahren den Messeplatz mit einem künstlerischen Projekt. Vor zwei Jahren bespielte die ungarische Künstlerin Agnes Denes mit dem Weizenfeld über die Dauer der eigentlichen Show hinaus den Platz. Es war ein historisches Landart-Werk, das wir mit dem Kurator Samuel Leuenberger in Basel gezeigt haben. Den Weizen haben wir gemeinsam in Agnes Denes’ Sinne am Schluss abgeerntet und weiterverarbeitet. Im letzten Jahr haben wir mit Katharina Grosse zusammengearbeitet, die den Messeplatz in Farbe getaucht hat und damit den Begriff Malerei ganz neu verhandelt hat. Die Fotos von diesen Projekten gingen um die ganze Welt.

Was kommt dieses Jahr?
Wir gehen noch einen Schritt weiter und präsentieren gleich zwei öffentliche Kunstkommissionen – eine auf dem Messeplatz, eine auf dem Münsterplatz in Grossbasel. Die iranische Bildhauerin Nairy Baghramian wird eine Skulptur auf dem Messeplatz vorstellen und Ibrahim Mahama aus Ghana präsentiert eine grossformatige Installation auf dem Münsterplatz in Grossbasel. Diese Kommissionen sind Teil unseres neuen Award-Programms, den Art Basel Awards, das wir letztes Jahr ins Leben gerufen haben – beide Kunstschaffenden wurden im Rahmen des Programms ausgezeichnet. Letztes Jahr haben Sie den Premiere-Sektor für jüngere, aufstrebende Galerien gestartet.

Wie hat sich das Format entwickelt?
Auch Premiere ist im Dialog mit Galerien und Künstlern entstanden. Da gerade jüngere Galerien nach kleineren Ständen gefragt haben, in denen sie projektbasiert arbeiten können. Hier werden Arbeiten aus den letzten fünf Jahren präsentiert, die teilweise direkt aus dem Studio kommen. Letztes Jahr haben wir mit zehn Galerien gestartet. Das hat einen derart grossen Anklang gefunden und war so erfolgreich, dass wir dieses Jahr auf 17 Präsentationen vergrössert haben.

Wie werden die Galerien der Art Basel selektioniert?
Die Auswahl erfolgt durch ein unabhängiges Selektionskomitee, das aus international renommierten Galeristinnen und Galeristen besteht. Von den verschiedenen Sektoren der Art Basel in Basel ist der Galleries-Sektor der Hauptsektor, in dem viele grosse Galerien seit vielen Jahren dabei sind. Aber auch diese werden jedes Jahr nach unterschiedlichen Kriterien neu bewertet.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe. Bestellen Sie diese in unserem Shop.

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