Die Landschaftsarchitektin Dr. Hosna Pourhashemi kennt den Iran seit Kindesjahren und vermag die Lage im Land und die Situation der Frauen vielschichtig zu beurteilen. Im Interview spricht sie über Ihre Passion, über Frauen im Iran und ihren Lieblingsort in Teheran.

Wie sind Sie zur Landschaftsarchitektur gekommen? Was fasziniert Sie daran?

Schon als Kind haben mich Pflanzen und Gärten sehr interessiert. Während meiner Schulzeit bin ich viel im Iran herumgereist und habe die persischen Städte und Gärten kennengelernt. An der Universität habe ich das Studium der Umweltwissenschaften angefangen. Während dieses ersten Studiums in Teheran stellte ich mir die Frage, was das ursprüngliche Konzept persischer Gärten sein könnte und warum diese Gärten auch nach hunderten von Jahren immer noch Bestand haben. Da ich andere Kulturen und Sprachen kennenlernen wollte, habe ich mich an Universitäten in Österreich, Kanada und Australien beworben. Ich begann also mein Studium der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft am Institut für Bodenkultur der Universität Wien. Nach einem Semester habe ich gemerkt, dass mich das Thema der sinnlichen Wahrnehmung in der Landschaftsplanung und Landschaftspflege stärker interessiert. Dabei ist es geblieben. Nach Abschluss des Bachelorstudiums folgte der Master in Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur. Meine Faszination für dieses Gebiet ist nach wie vor gross, und das Lernen geht jeden Tag weiter.

Sie führen ihr eigenes Landschaftsarchitekturbüro in Teheran, das Sie 2013 gegründet haben. Wie steht es um die Situation im Iran?

Grundsätzlich sehe ich zwei Herausforderungen im Iran. Zum einen gibt es nach wie vor keine eigenständigen Projekte und Wettbewerbe für Landschaftsarchitekten. Die Landschaftsarchitektur wird noch nicht als eigenständiger Berufsbereich angesehen. Oft wird die Landschaftsgestaltung also direkt durch den Architekten übernommen. Zum anderen sind meist nur Männer beschäftigt. Eine kurze Anekdote dazu: Als ich vor fünf Jahren bei einem Grünplanungsunternehmen ein Vorstellungsgespräch hatte, betonte der Chef gleich zu Beginn, dass in seiner Firma nur Männer arbeiten würden und ich die erste Frau in dieser patriarchalen Welt sei. Seine Angestellten seien sich den Umgang mit weiblichen Berufskolleginnen nicht gewohnt, weshalb er Probleme befürchtete.

Was müsste sich im Iran aus Ihrer Sicht ändern?

Projekte, Wettbewerbe und Preise müssten speziell im Bereich Landschaftsarchitektur ausgeschrieben werden. Zudem müsste es mehr Frauen ermöglicht werden, Gärten und Parkanlagen zu gestalten, zu planen und zu pflegen. Als drittes wäre es für historische Gärten wichtig, denkmalpflegerische Konzepte zu definieren.

Warum sind Ihnen die geführten Reisen in den Iran, die Sie organisieren, so wichtig? Was möchten Sie zeigen und vermitteln?

Meine Reisen in den Iran verfolgen aktuelle Themen, über die ich geforscht habe. Die Rolle der Frauen im sozialen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Bereich ist in jeder Stadt und an jedem Ort ein zentrales Thema. Ich möchte den Reisenden die Schönheit meines Landes zeigen, möchte meine Welt darlegen und sie so begleiten, dass sie in ihren Herzen die iranischen Städte, deren Landschaft und Architektur wahrnehmen. Bis zum Ende der Reise, sollen die Reisenden dann selbst die Städte “lesen” und über sie nachdenken können. Die Welt ist wie ein Buch, und Reisen bieten eine Gelegenheit, darin zu blättern, zu entdecken und zu lernen.

Was ist ihr Lieblingsplatz / -Ort in Teheran?

Mein Lieblingsort in Teheran ist die Khiyaban-e Pahlavi, die heutige Vali-Asr-Strasse. Sie erstreckt sich über 19 km und führt vom Bahnhof Teheran im Süden bis nach Meydan Tajrish im Norden der Stadt. Die von Bäumen gesäumte Strasse teilt die Metropole in einen westlichen und einen östlichen Teil. Im Regierungsviertel befinden sich der Marmar-Palast, das Senatsgebäude und die Militärschule Imam Ali. Der Marmorpalast als königliche Residenz der Familie Pahlavi wurde in den 1930er Jahren erbaut. Nach einem Attentatsversuch wurde dieser in den Niavaran-Palast verlegt. Seine Architektur ist eine Mischung aus Ost und West und eine einzigartige Kombination aus Moschee und Palast.

 

Über Dr. Hosna Pourhashemi Die gebürtige Iranerin ist in Teheran geboren und beschäftigt sich seit ihrem Studium an der BOKU in Wien und ETH in Zürich mit Landschaftsarchitektur. Ihre Erstausbildung hat sie im Bereich Umweltingenieur- wissenschaften absolviert. Seit 2013 führt sie ihr eigenes Architektur- und Landschaftsarchitekturbüro XO-Studio in Teheran und organisiert regelmässig Architekturreisen und Konferenzen. Von 2014 bis 2016 unterrichtete sie zudem Theorie- und Entwurfsklassen am Institut für Landschaftsarchitektur an der Azad Universität in Teheran.

Weitere Informationen zur kommenden Reise im Mai 2022 mit Dr. Hosna Pourashemi in den Iran finden Sie hier.

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