Ob Ausstieg aus dem Berufsleben oder Teilzeitpensum – in vielen Fällen haben Frauen bei der Familiengründung mit einer Karrierebremse zu rechnen und damit auch mit finanziellen Einbussen im Rentenalter. Wie sich das ändern lässt? Mit einem niederschwelligen Zugang zum Thema Geld und Anlage und mit guter Planung.

«Ich bin kein Zahlenmensch!» Kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor? Eine Selbsteinschätzung, die viele Frauen teilen. Das führt innerhalb von Familien häufig zu einer äusserst konservativen Rollenverteilung bei der Finanzplanung. Der Mann verhandelt Hypotheken, tätigt strategische Investments und regelt die finanzielle Absicherung im Alter. Die Frau mischt sich kaum ein. Dabei ist es häufig sie, die ihr Pensum zugunsten der Kinder reduziert oder ihre Karriere jedenfalls temporär auf Eis legt; die, die finanziellen Einbussen und Vorsorgelücken in Kauf nimmt. Eine Absicherung im Falle einer Scheidung? Fehlanzeige.

Frauen sparen weniger
Vorgelebt wurde dieses Modell bereits von den Eltern und Grosseltern. Der Vater bringt das Geld nach Hause, die Mutter schmeisst den Haushalt. Ein solch traditionelles Rollenverständnis prägt – selbst dann, wenn man es selbst einmal ganz anders machen wollte und sich als emanzipiert und unabhängig beschreibt. Wenn es ums Geld geht, trauen sich Frauen trotz hervorragender Ausbildung und erfolgreicher beruflicher Laufbahn noch immer zu wenig zu – zu beobachten sowohl in Jobinterviews und Lohnverhandlungen als auch bei Kreditanträgen und in den heimischen vier Wänden. Letzteres funktioniert, solange man das Glück hat, mit dem Partner gemeinsam alt zu werden. Doch bei einer Trennung sind es vor allem die Frauen, die finanziell das Nachsehen haben, wenn vorgängig nicht für beide Partner ordentlich vorgesorgt wurde. Frauen sparen rund 37 Prozent weniger als Männer. Verständlich, wenn plötzlich weniger oder gar nichts mehr in der eigenen Kasse ist und man unentgeltlich die Familie managed.

Tabu- und Streitthema
Wenn aus einem Paar eine Familie wird und Kinder kommen, sind eine finanzielle Standortbestimmung und ein gemeinsam erstellter Finanzplan unabdingbar. Prioritäten müssen neu gesetzt werden. Aus zwei unabhängigen Budgets wird ein neues Modell geformt. Gemeinsames Konto oder Haushaltskasse? Brauchen wir eine Todesfallversicherung? Wie sparen wir gemeinsam? Sind unsere Kinder gut abgesichert? Was passiert finanziell bei einer Trennung? All diese Fragen gilt es zu klären und dabei müssen wir vor allem eines lernen: dass wir über das Thema Geld sprechen wie über den nächsten Wocheneinkauf. Noch immer ist dies selbst im geschützten Raum der Partnerschaft ein Tabu- oder Streitthema. Dabei ist ein natürlicher, unverkrampfter Umgang mit den eigenen Finanzen respektive denen der Familie die Grundlage für ein individuelles und kollektives Sicherheitsgefühl. Und das beginnt nicht erst in der Paarbeziehung, sondern bereits in der eigenen Kindheit und Jugend. Wie lege ich mein Taschengeld an? Was passiert mit meinem ersten Lohn? Da sind Eltern, aber auch Schulen gefragt, Kindern möglichst praxisnah zu verdeutlichen, was es für eine gute Finanzplanung braucht, weshalb sie nötig ist und wie sie sogar Spass machen kann.

Verantwortung übernehmen
Wer von klein auf lernt, dass Geld uns alle etwas angeht und wir früh dafür sorgen müssen, dass wir möglichst lange etwas davon haben, profitiert langfristig und übernimmt Verantwortung für sich selbst. Dass das nötig ist, zeigen die Zahlen: Rund 60 Prozent der Altersvorsorge stammen aus der 1. und 2. Säule. Die übrigen 40 Prozent resultieren aus der privaten Vorsorge, der 3. Säule. Ein System also, das nach einer gewissen Balance und Stabilität verlangt. Selbstverständlich ist nicht jeder in der Lage, die dritte Säule maximal zu befüllen. Die gute Nachricht: Eine professionelle Vorsorgeberatung unterstützt dabei, das Modell zu finden, das in die eigene finanzielle Situation hineinpasst. ★


 

«Die Frauen müssen mit am Tisch sitzen»

Die private Vorsorge ist ein wichtiger Faktor, um im Pensionsalter nicht nur viel Zeit, sondern auch genügend Geld zu haben. Was es dabei zu beachten gilt – besonders für Frauen, und ob es irgendwann zu spät ist, um mit der Finanzplanung zu beginnen, verrät Diana Stocker, Leiterin Direktvertrieb Pax.

WOMEN IN BUSINESS: Diana Stocker, Frauen haben ein höheres Risiko, später in die Altersarmut abzurutschen. Was können wir dagegen tun?
Diana Stocker: Wir müssen ein Bewusstsein schaffen für die Notwendigkeit, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen. Gerade bei Frauen, die Kinder bekommen, müssen Teilzeitpensum, Betreuungslösung und Altersvorsorge gemeinsam mit dem Partner eingehend diskutiert werden. Ich hatte selbst das Glück, auf meine Familie zurückgreifen zu können, als unsere Kinder zur Welt kamen. So war ich in der Lage, voll weiterzuarbeiten. Ich erlebe leider immer wieder, dass Frauen sich aus der Diskussion um finanzielle Belange zurückziehen und alle Entscheidungen dem Mann überlassen. Bei meinen Beratungen bestehe ich deshalb darauf, dass beide Partner am Tisch sitzen. Beratung ist nicht gleich Beratung. Ich möchte Frauen abholen und ihnen Unverständliches verständlich machen, ihnen Sicherheit geben und signalisieren: Es ist nie zu spät für einen Finanzplan und eine private Vorsorge.

Muss man mit dem Sparen nicht möglichst früh beginnen?
Selbstverständlich lassen sich grosse Lücken später nur schwer wieder schliessen, doch Sparen fürs Alter ist immer wichtig. Je nach Lebensabschnitt gibt es andere Lösungen – nach einer Scheidung beispielsweise wird geprüft, ob ein Teil des Vermögens sinnvoll angelegt werden kann. Häufig ist dann wichtig, Prioritäten neu zu setzen und die eigenen Möglichkeiten zu evaluieren. Selbst 100 Franken im Monat machen einen Unterschied.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Vorsorgeanalyse?
Ich rate dazu, wenn sich im Leben etwas verändert, das einen Einfluss auf die finanzielle Situation haben wird. Bei meiner ersten Vorsorgeanalyse war ich 21 Jahre alt. Doch auch vor einer Hochzeit, bei einem Jobwechsel, wenn die Familie wächst oder die Pensionierung ansteht, ist es wichtig, die eigene Situation zu überprüfen und eine Vorsorgeplanung vorzunehmen. So kann der Wechsel in den neuen Lebensabschnitt für alle Beteiligten finanziell gut abgesichert und vermieden werden, dass Nachteile entstehen. Im Gegensatz zu früher sind die Vorsorgemodelle heute sehr flexibel, können auch bei bestehenden Verträgen immer wieder angepasst und auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden.

Wie laufen Vorsorgeanalyse und Beratung ab?
Grundsätzlich ist die Vorbereitung für eine Beratung sehr zahlenlastig. Wir prüfen beispielsweise den Vorsorgenachweis der 2. Säule und die Vermögenswerte und geben die gesammelten Informationen in ein Vorsorgeanalysetool. Die Kunden erhalten dann eine Präsentation der Ergebnisse. Lücken werden aufgezeigt – solche, die es bereits gibt und solche, die noch folgen können. Dann geht es um die Klärung der Bedürfnisse: Möchten sich Kunden gegenseitig absichern, eine Hypothek abbezahlen, die Kinder versorgt wissen, die Pensionierung planen oder ein anderes Szenario abdecken? Entsprechend dem Kundenbudget suchen wir dann nach passenden Lösungen. Es gibt keine Standard-Variante, die für alle passt. Vor 20 Jahren hat man vor allem klassische Lebensversicherungen und Vorsorgepläne gemacht. Heute haben wir attraktive Fond-Lösungen, können auf die Risikobereitschaft der Kunden eingehen und haben ein breites Angebot an Lösungen auf dem Markt. ★

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Diana Stocker
Diana Stocker bringt 20 Jahre Berufserfahrung im Versicherungssektor mit. Die Mutter zweier Töchter (10 und 15 Jahre) ist seit sechs Jahren für Pax tätig und Expertin, wenn es um das Thema Private Vorsorge geht. Diana Stocker leitet den Direktvertrieb.

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