Die Wiener Designerin Niki Osl hat mit ihrer Marke «miss lillys hats» die jahrhundertealte Tradition, Blumen im Haar zu tragen, in die Jetztzeit geholt und damit einen Trend ausgelöst. Ihre Vintage-Blumenkränze schmücken sogar die Häupter internationaler Prominenz wie Lana del Rey, Taylor Swift und Katy Perry.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, «miss lillys hats» zu gründen?

Schon als Kind habe ich die Liebe zu antiken Hutblumen entdeckt, weil ich viele Wochenenden mit meiner Mutter und meiner Schwester auf Flohmärkten verbracht habe. Ich habe begonnen, alte Hüte zu sammeln, aber erst viele Jahre später mir daraus Kopfschmuck gefertigt. Material und Verarbeitung von Original-Vintageblüten sind qualitativ kaum mehr mit dem zu vergleichen, was heute produziert wird. Damals habe ich mir Blumenkränze aus den antiken Hutblumen gebunden, und fast niemand hat daran geglaubt, dass man daraus ein Geschäft machen kann. Ausser meiner Freundin Lena Hoschek, die wie schon so oft das Gespür dafür hatte, dass das ein grosser Trend werden könnte. Es war nie eine bewusste Entscheidung, sondern ist einfach so passiert. Wenn man eine Passion, einen starken Willen und eine Vision hat, ist sehr vieles möglich.

Was war der Startschuss für Ihre erfolgreiche Karriere?

Vor rund zehn Jahren habe ich meine selbstständige Tätigkeit als Artdirektorin und Grafikdesignerin in den Hintergrund gerückt und fast meine ganze Zeit dem Kopfschmuck gewidmet. Nachdem ich meinen ersten Presseaussand gemacht hatte, hat die deutsche «Vogue» gleich angefragt. Und auch der Stylist von Lana del Rey hat Stücke von mir für die Bühnenshows verwendet. Das war der Startschuss. Der Weg war aber ein viel längerer, um davon gut leben zu können. Denn obwohl ich in vielen Magazinen gefeaturet wurde, viele Prominente meinen Kopfschmuck trugen und ich meist sieben Tage die Woche arbeitete, hat es bis zu einem breiten Erfolg gedauert. Es ist immer schwieriger, wenn man ein Pionier ist, und gerade am Anfang hat kaum jemand verstanden warum meine Stücke ihren Preis haben.

Woher stammt der Name «miss lilly»?

Miss Lilly ist meine Lieblingskatze und ich «darf» mit ihr leben. Nachdem Katzen in meinem Leben immer eine grosse Rolle gespielt haben, nannte ich meine Marke nach ihr. Sie kommt oft mit ins Atelier und liebt es, die Kundinnen zu begrüssen. Ich unterstütze viele Tierschutzorganisationen und habe neben Miss Lilly noch einen Kater, eine Hündin und viele Patentiere.

Wie und woraus werden Ihre Hütchen und der Kopfschmuck gefertigt?

Das Besondere an meinen Stücken ist, dass ich antike Materialen weiterverwerte. Teils sind sie museal und daher Einzelstücke. Ich sammle seit meiner Kindheit und die Faszination an Kunsthandwerk und antiken Seidenblumen hat mich nie losgelasssen. Die meisten Blüten sind aus den 1940/1950er-Jahren. Aber ich verarbeite auch Klosterarbeiten aus der Zeit von 1850. Ich verwende kein Plastik, und alles wird sorgsam restauriert. Das benötigt viel Zeit und ist qualitativ nicht mit dem zu vergleichen, was es heute an Kunstblumen auf dem Markt gibt. Von der Restaurierung und Fertigung bis zum fertigen Produkt sind es viele Schritte. Ich habe auch einen speziellen Draht anfertigen lassen, der dünn und strapazierfähig ist. Bei mir werden die Blüten nicht einfach lieblos auf Haarreifen geklebt, sondern jede Blüte hat auf Draht ihr Eigenleben. Diese Methode habe ich, inspiriert von alten Techniken, für meinen Kopfschmuck eigens weiterentwickelt.

Woher stammen die Materialien?

Viele der Blüten stammen aus Amerika, wobei meist ursprünglich aus Deutschland. In den 1950er-Jahren war Sebnitz die Kunstblumenhauptstadt und viel wurde nach Amerika exportiert. Aber ich habe auch wunderschöne Seidenblumen aus Frankreich, Klosterarbeiten aus Österreich, Kunstblumen aus Korea, England und manchmal auch Spanien.

Wer gehört zu Ihren Kundinnen, wer trägt Ihren Kopfschmuck?

Menschen mit Kunstsinn, Liebe zum Detail und zum Handwerk. Ich fertige weder Massenprodukt, noch Wegwerfartikel. Meine Stücke sollen für die Ewigkeit halten und in der Familie weitergegeben werden. Zu meinen Kundinnen zählen viele prominente Namen, sogar ins englische Königshaus durfte ich schon Kopfschmuck liefern.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Mit welchen Designern würden Sie gerne kooperieren?

Ich bin sehr glücklich und dankbar, wie es ist. Aber ich wünsche mir für die Zukunft etwas mehr Zeit für meine Kunstprojekte. Spannend fände ich es auch, für ein grosses Modehaus wie Dolce & Gabbana, Chanel oder Dior Kopfschmuck zu kreieren. Es wäre auch schön, für einen Film oder eine Oper Kopfschmuck entwerfen zu können. Ich habe so viele Ideen und immer Musik im Kopf, manchmal fühlt sich mein ganzes Leben an wie eine opulente Operette.

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