Wie führt man ein Unternehmen mit langer Geschichte in die Zukunft? Michèle Rodoni, CEO der Mobiliar, erklärt im Gespräch, wie sie durch Mathematik, Konzernwelt und Genossenschaft geprägt wurde. Und warum Haltung, Nähe und klare Entscheidungen in der Führung zentral sind.
WOMEN IN BUSINESS: Frau Rodoni, Sie sind seit 2021 CEO der Mobiliar und die erste Frau in der 200-jährigen Geschichte des Unternehmens in dieser Position. Wie haben Sie persönlich diesen Weg erlebt, und was bedeutet es für Sie, als Pionierin an der Spitze der Mobiliar zu stehen?
Michèle Rodoni: Für mich hat das zuerst mit der Funktion zu tun, nicht mit dem Geschlecht. Als CEO trage ich eine grosse Verantwortung für die Mobiliar von heute und morgen. Ich bin mir sehr bewusst, welches Vertrauen mir der Verwaltungsrat gibt. Mein Anspruch ist es, das Unternehmen in einer mindestens so guten, idealerweise besseren Position zu übergeben, als ich es übernommen habe. Dass ich die erste Frau bin, ist auf dem Papier speziell. Ich habe es als Zeichen erlebt, dass die Mobiliar eine moderne Firma ist, auch wenn sie 200 Jahre alt ist.Ihre Laufbahn führte Sie durch verschiedene Führungspositionen im In- und Ausland – von Schweizer Versicherern bis zu einem internationalen Konzern in Paris.
Welche prägenden Erfahrungen haben Sie auf diesem Weg gemacht, die heute Ihren Führungsstil beeinflussen? Ich bin Versicherungsmathematikerin. Die ersten 15 Jahre war ich im Aktuariat, bei La Suisse in Lausanne, später als Chefaktuarin in der Geschäftsleitung. Prägend war dann, als das Unternehmen aufgelöst, teils verkauft und teils in die Swiss Life integriert wurde. Ich war für rund 40 Personen verantwortlich und habe gelernt, wie wichtig Führung in einem Umbruch ist. Später, bei Aviva Europe, kam die internationale Perspektive dazu: unterschiedliche Kulturen verstehen und den eigenen Führungsstil anpassen.
Wie würden Sie Ihren persönlichen Führungsstil beschreiben? Gibt es Kernwerte oder Prinzipien, die Ihnen im Umgang mit Ihren Mitarbeitenden besonders wichtig sind – gerade in einem grossen Versicherungsunternehmen?
Zuerst die Werte, weil sie die Basis sind. Mein stärkster Wert ist Respekt. Dazu kommen Loyalität, Integrität und Kollegialität. Und ich glaube an die kollektive Intelligenz: Ein diverses Team kann, wenn es gut geführt wird, mehr leisten als die Summe der Einzelnen. Unser Motto zum 200-Jahr-Jubiläum heisst denn auch «Besser zusammen» – das passt sehr gut zu meinem Führungsverständnis.
Die Mobiliar ist genossenschaftlich organisiert. Werte wie menschlich, nah, verantwortungsvoll prägen die Kultur. Wie leben Sie diese genossenschaftlichen Werte als CEO im Arbeitsalltag und in Ihren Entscheidungen?
ch muss diese Werte verkörpern, sonst bin ich keine gute CEO. Menschlich heisst, Beziehungen bewusst zu pflegen. Nah heisst, präsent zu sein, auch lokal vor Ort. Verantwortungsvoll heisst, langfristig zu denken und zu entscheiden. Wir optimieren Gewinne, wir maximieren sie nicht. Und wir denken unternehmerisch – das funktioniert nur, wenn Vertrauen da ist, intern wie extern.
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