Sophie Chabloz kam nach Zürich, um Medizin zu studieren und entdeckte, dass das Studium der Lebensmittelwissenschaften ihre wahre Berufung ist. Sie wollte keine Symptome heilen, sondern verhindern, dass Menschen krank werden. Als Mitgründerin von AVEA entwickelt und produziert sie heute Ernährungssupplements für ein längeres und gesünderes Leben.

Sophie Chabloz ist in Fribourg aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sie war eine gute Schülerin mit durchwegs guten Noten. Ihr Traum war es, Medizinerin zu werden. Den Menschen zu helfen, Krankheiten zu bekämpfen, vielleicht ein Mittel gegen Krebs zu finden.

Am Tag der offenen Tür an der Universität Zürich nahm sie an einer Vorlesung der Medizinischen Fakultät teil und wusste sofort, dass sie hier nicht am richtigen Platz war. Dass sie doch nicht Ärztin werden und Kranke heilen wollte. Vielmehr wollte sie lieber den Gesundheitszustand der Menschen verbessern, so dass sie gar nicht erst krank werden.

Noch am selben Tag begleitete sie eine Freundin an die ETH Zürich; dort in der Halle weckte ein Stand mit Postern über Ernährungswissenschaften ihr Interesse. Es ging um ange- reicherten Reis für Afrika, der Diarrhoe verhindern soll. In diesem Moment hatte Sophie Chabloz ihr zweites grosses Aha-Erlebnis. Weder hatte sie gewusst, dass man Ernährungswissenschaften studieren konnte, noch war ihr jemals in den Sinn gekommen, an der ETH zu studieren. Jetzt aber erkannte sie, dass Ernährung sowohl Prävention vor Krankheiten als auch der Schlüssel für ein gesundes Leben sein konnte. Sophie Chabloz wusste in dem Moment: Hier gehörte sie hin.

Jahre später testete Sophie Chabloz für ihre Masterarbeit in Lebensmittelwissenschaften, Ernährung und Gesundheit das Antiaging-Potenzial von Resveratrol, einem Antioxidans, das aus roten Trauben gewonnen wird. Die Forschungen im Bereich Langlebigkeit und Antiaging bescherten ihr ein drittes Aha-Erlebnis: In diesem Bereich wollte sie fortan tätig sein.

2021 gründete Sie die Firma AVEA, die evidenzbasierte Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung von Langlebigkeit entwickelt und online vertreibt.

WOMEN IN BUSINESS: Wie sind Sie als junge Person auf die Idee gekommen, sich mit Langlebigkeit zu beschäftigen?

Sophie Chabloz: Durch meine Grosseltern, die mir sehr nahestanden. Meine Grossmutter litt an Diabetes II und war nierenkrank, sie starb mit 85 Jahren. Mein Grossvater leidet an Alzheimer, er ist 88 Jahre alt, was aussergewöhnlich alt ist für einen Alzheimer-Patienten. Er wusste viele Dinge und hat mich viel gelehrt. Er beherrschte fünf Sprachen. Heute weiss er nicht mehr, wer ich bin. Es ist hart mitanzusehen, wieviel er von sich verloren hat und dass er nur noch ein paar Worte reden kann.

Konnten Sie aufgrund ihres Wissens etwas für Ihre Grosseltern tun?
Ich habe viel recherchiert über die Wirksamkeit von Heilkräutern. Kreuzkümmel, Kurkuma, schwarzer Pfeffer und Omega-3-Säuren. Ich versuchte meine Grossmutter davon zu überzeugen, was gut für sie ist und was nicht. Aber die eigene Familie hört nicht zu, sie haben mich als Wissenschaftlerin nicht wirklich ernst genommen.

Was hat diese Situation in Ihnen ausgelöst?
Ich habe realisiert, dass es eine bessere Art geben musste, um alt zu werden. Es ist eine Tatsache, dass Diabetes II nicht einfach so passiert. Der Lebensstil ist ausschlaggebend. Man kann Diabetes mit einer drastischen Veränderung der Gewohnheiten rückgängig machen. Es wird allgemein viel hingenommen und als normal angesehen, das man verbessern kann. Es ist nicht normal, wenn man immer müde ist. Normal ist, dass man gut schläft und am Morgen Energie hat und Kaffee trinkt, weil man ihn mag. Und nicht, weil man ihn braucht.

Welche Rolle spielen die Gene für ein gutes Altern?
30 Prozent macht die Genetik aus. 70 bis 80 Prozent der Lifestyle. Idealerweise investiert man bereits mit 20 Jahren ins Alter. Wenn man jung ist, ist es einfach, eine gute körperliche Basis aufzubauen, die man dann im Alter besser halten kann. Zudem ist es einfacher, sich in jungen Jahren gute Gewohnheiten anzueignen, als mit 40 den Lebensstil komplett ändern zu müssen.

Was ist Ihre Definition von Gesundheit?
Gesundheit bedeutet nicht, nie krank zu sein. Ab und zu krank oder unwohl zu sein, ist normal. Es ist die Fähigkeit des Körpers nach einer Verletzung oder einer Infektion mithilfe seiner Resilienz und einem kräftigen Immunsystem schnell wieder gesund und in Balance zu kommen. Der Körper hat einen inneren Doktor und kann sich reparieren. Zellen sterben ab und erneuern sich immer wieder. Solange dieses System ausgeglichen ist, ist man bei guter Gesundheit, wenn es sich verschiebt und man nicht mehr so schnell regenerieren kann, ist man nicht mehr bei guter Gesundheit.

Und wie definieren Sie Langlebigkeit?
In der Schweiz sind die Menschen durchschnittlich bis 65 gesund bei einer Lebenserwartung von 85 Jahren. Das heisst 20 Jahre krank sein. Das Ziel ist, dass die Menschen so lange wie möglich so gesund und aktiv wie möglich leben. Wenn man länger gesund bleibt, kann man länger leben. Dies ist jedoch nicht das Hauptziel. Das Ziel ist, die Phase zu verkürzen, in der man krank ist.

Welches sind die wichtigsten positiven Faktoren für Langlebigkeit und gute Gesundheit?
Ich zähle mal auf:
1. Diät. Du bist, was du isst. Egal ob Alles-essend, vegetarisch oder vegan: Kein verarbeitetes Essen! Frische Zutaten, gute Qualität, selber gekocht. Viel Gemüse und Früchte, hochwertige Proteine und Kohlenhydrate aus gesunder Quelle. Wenig Zucker.
2. Bewegung. Cardio- und andere Trainingseinheiten sind gut, zusätzlich sollte man täglich öfters stehen und gehen. 3. Schlaf. Alles läuft auf einen guten Schlaf hinaus. Sieben bis acht Stunden sind ideal. Am besten in einem dunklen Raum ohne Unterbrechungen.
4. Stress-Reduktion. Stress zieht alles in Mitleidenschaft. Ein wenig Stress ist ok, aber chronischer Stress macht krank.
5. Gemeinschaft. Beziehungen mit Menschen, die einem gut- tun. Eine Gemeinschaft, in der man aufgehoben ist. Zu wissen, dass es jemanden gibt, auf den man sich verlassen kann.
6. Der Sinn im Leben. Das heisst, dass man am Morgen beim Aufwachen etwas hat, worauf man sich freut und wofür es sich lohnt, aufzustehen. Das kann der Job, ein Hobby oder ein Tier sein – einfach etwas, das dem Leben einen Sinn gibt.

Was kann man sonst noch tun?
Fasten. Zum Beispiel intermittierendes Fasten. Es aktiviert die Reparierfähigkeit des Körpers. Kalte Duschen sind gut für das ganze System. Sauna aktiviert gesundheitsfördernde Mechanismen im Körper. Genügend Sonnenlicht ist wichtig, auch wenn es bewölkt ist. Das heisst, sich tagsüber nicht immer in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Sonnenlicht reguliert die Produktion von Melatonin, das nicht nur wichtig für den Schlaf, sondern auch ein sehr effektives Antioxidans ist. Und schlussendlich gehört die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zu den wenig aufwendigen Dingen, um die Gesundheit zu fördern.

Was ist mit Genuss, wie zum Beispiel Schokolade, ist sie nicht gut für die Seele?
Genuss ist ganz wichtig. Wenn Schokolade, dann eine wirklich gute Schokolade mit viel Kakaoanteil. Oder ich mag den Truffes-Cake von Sprüngli. Davon esse ich ganz langsam und geniesse. Es ersetzt kein Essen und kommt auch nicht oft vor. Es ist ein spezieller Event und ein persönliches Vergnügen. Genauso wie ein Glas Wein. Wenn der Lebensstil ansonsten gesund ist, haben auch diese Dinge darin Platz.

Wie setzen Sie die Essensregeln bei Ihrem Sohn durch?
Es ist schwierig, mit Kindern alles durchzusetzen. Die Hauptregel für zu Hause lautet: alles selber machen. Auch den Kuchen. Nichts Verarbeitetes mit viel Zucker wie Müeslimischungen, Cerealien oder Nutella. Wenn wir auswärts Hamburger essen wollen, essen wir sie in einem guten Restaurant. Am Zürifest haben wir Crèpes mit Nutella gegessen. Mein Sohn soll verstehen, dass dies Ausnahmen sind und nichts Alltägliches. Es ist erst ein Problem, wenn man diese Dinge immer zu Hause hat und jeden Tag konsumiert.

Wie sieht ein perfekter Tag in Ihrem Leben aus?
Ich lebe kein perfektes Leben. Ich versuche, die Dinge zu tun, die ich einfach tun kann. Intermittierendes Fasten mache ich jeden Tag ganz natürlich. Ich geniesse ein frühes Nachtessen und esse natürlich nicht, wenn ich schlafe. Dann trinke ich am Morgen nach dem Aufstehen ein Glas Wasser, meditiere, habe dann vielleicht ein frühes Meeting und danach ein spätes Frühstück. So ist es ganz einfach, 14 Stunden nichts zu essen. Das geht auch mit Kindern. Ich sitze mit meinem Sohn am Tisch, wenn er frühstückt und trinke ein Glas Wasser. Wir reden zusammen und er fragt nie, weshalb ich nicht esse. Wichtig ist der gemeinsame Moment. Am Wochenende, wenn wir alle länger schlafen, essen wir zusammen Frühstück.

Wie kommen Sie zu genügend Bewegung?
Das ist meine grösste Herausforderung! Ein paarmal in der Woche besuche ich Yogaklassen, mache online Yoga oder gehe joggen. Um mich jeden Tag zu bewegen, habe ich einen Schrittzähler, der mir am Ende des Tages sagt, wie viele Schritte ich gemacht habe. Wenn mein Sohn im Bett ist, gehe ich raus auf einen Spaziergang. Oder ich halte ein telefonisches Meeting im Gehen ab. Wenn das Wetter schön ist, fahre ich mit dem Velo zur Arbeit. So versuche ich die Bewegungen in meinen Tag einzubauen.

Wozu braucht jemand, der einen derart vorbildlichen Lebensstil pflegt, die Produkte von AVEA?
AVEA bietet Nahrungsergänzungsmittel an, die in den Zellen wirken. NAD+ ist ein Coenzym, das in den Zellen aller lebenden Organismen vorkommt. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Gesundheit, der DNA und der Regulierung der Zellfunktionen. Wenn wir älter werden, sinkt der NAD+-Level drastisch. Dieser Entwicklung können wir entgegenwirken. Bereits innert zwei Wochen bis drei Monaten nach Einnahme von AVEA fühlt man sich energiegeladener. Dabei fährt die Energie nicht wie ein Kick ein, sondern etabliert sich nachhaltig. Man steht am Morgen energetischer auf und bleibt den ganzen Tag auf einem hohen Level.

Sie haben Kollagen-Produkte für schönere Haut im Sortiment. Ist das nicht eher Kosmetik?
Unsere Produkte zielen darauf ab, dass man nach einem gelebten Leben gut aussieht und nicht jünger, als man ist. Der Collagen Activator unterstützt den Kollagenaufbau, was das Hautbild und die Nägel verbessert und somit zu einem jüngeren Aussehen verhelfen kann. Er wirkt jedoch auch gegen Entzündungen im Körper und somit gegen Schmerzen. Aus- serdem wirkt sich eine gute Collagenproduktion positiv auf die Knochen und Muskeln aus.

Wann sollte man idealerweise mit der Einnahme von AVEA-Produkten beginnen?
Jedes Alter ist geeignet. Mit 20 braucht man nur einen guten Lifestyle. Mit 30 spürt man, dass man nicht mehr 20 ist. Zu diesem Zeitpunkt lohnt es sich, mit einigen Produkten vorbeugend anzufangen und nicht zu warten, bis man ein Problem hat. Das durchschnittliche Alter unserer Kunden ist 45.

Wirken die Produkte von AVEA auch ohne positiven Lifestyle?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin glücklich, wenn die Leute AVEA nehmen und noch glücklicher, wenn sie ihren Lifestyle ändern. Am glücklichsten bin ich jedoch, wenn die Leute beides machen.

Was passiert, wenn man die Produkte von AVEA nicht mehr einnimmt?
Dann wird sich der Effekt früher oder später einstellen. Man muss die Supplements immer nehmen, damit sie optimal wirken.

AVEA ist eine Erfolgsgeschichte. Wie lautet das Erfolgsrezept dazu?
Wir lesen viele wissenschaftliche Studien und beraten uns mit internationalen Experten aus dem Bereich Longevity. Wir recherchieren über Dosierung, Wirkstoffe und Synergien für die beste Wirkung der Inhaltsstoffe und lassen die Rohstoffe in einem unabhängigen Schweizer Labor testen, damit sie unseren strengen Qualitätsanforderungen entsprechen. Wenn wir ein Produkt entwickelt haben, rekrutieren wir Leute, die die Produkte für drei Monate testen und befragen sie danach. So können wir Nachbesserungen vornehmen. Bis jetzt hatten wir immer einen positiven Outcome.

Was sind ihre neusten Entwicklungen?
Momentan beschäftigen wir uns mit der Reinigung der Zellen durch Autophagie. Und wir entwickeln einen Link zwischen dem Mikrobiom und dem Hirn. Mehr kann ich dazu allerdings noch nicht sagen. ★


Sophie Chabloz
Die 34-Jährige ist in Neuchâtel geboren und hat ihre Schulzeit in Freiburg verbracht. Für ihr Studium übersiedelte sie nach Zürich, wo sie 2015 das Studium in Food Science, Nutrition & Health an der ETH Zürich mit dem Master abschloss. Sie lebt mit ihrem Partner und ihrem dreijährigen Sohn in Baar.


Mehr zu AVEA
AVEA wurde im Juli 2021 mit Hilfe des Investors Tobias Reichmuth und dessen Firma Maximon gegründet. Maximon befähigt Unternehmer und Unternehmerinnen, wirkungsvolle, wissenschaftlich fundierte und skalierbare Firmen aufzubauen, die Lösungen für gesundes Altern und Verjüngung anbieten. Neben der Gründerin Sophie Chabloz, verantwortlich für die Produktentwicklung, wurden die Mitgründer Pascal Rode als COO und Teresa Budetta als CMO an Bord geholt. Die Zahl der Mitarbeitenden ist bis heute auf 22 angewachsen. Die Expansion in den asiatischen Raum ist im Prozess.

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Die nächste WOMEN IN BUSINESS Ausgabe wird am 5.09.2024 lanciert

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