Sieben Jahre ist es her, dass Kathrin Eckhardt nach Ghana reiste, ohne Plan. Daraus ist das Kathrin Eckhardt Studio entstanden, ihr eigenes Label mit ihren Designs, die lokale Handwerkerinnen und Produzenten für sie umsetzen. In Ghana lernte sie auch ihren Mann kennen, seit Dezember sind die beiden Eltern und leben in Zürich. Eine grosse Veränderung. Aber nicht die einzige. Doch der Reihe nach.

WOMEN IN BUSINESS: Kathrin, womit hat das Leben angefangen, das Sie führen?

Kathrin Eckardt: Mit meiner Maturaarbeit. Ich habe ein Modeheft über Zürich gemacht. Dafür habe ich mit vielen Leuten gesprochen, was letztlich dazu geführt hat, dass im Stilbund der NZZ am Sonntag einen Job bekommen habe, ohne danach gesucht zu haben oder eine journalistische Ausbildung zu haben. Da ist mir das erste Mal so richtig bewusst geworden, zu was ich fähig bin, wenn ich etwas aus Leidenschaft mache. Ich habe während dem Studium dort weiter gearbeitet, mit jedem Jahr mehr Verantwortung übernommen und am Ende Shootings von A bis Z gemanagt. 2009 wechselte ich in den Gesellschaftsbund und lernte schreiben. Als ich im Zug der Medienkrise keine Festanstellung bekam, habe ich mich selbstständig gemacht und unter anderem für grosse Werbekunden wie Nike, Ikea und Jelmoli gearbeitet.

Das hat Ihnen gefallen?

Anfangs sehr, irgendwann wurde es eintönig und mir hat die Kreativität gefehlt. Zudem ist die Werbebranche ein recht patriarchales System. Mich hat das angefangen zu stören. Auch mit dem hohen Materialverschleiss für ein einziges Bild hatte ich immer grössere Mühe.

Deshalb sind Sie nach Ghana?

Ich habe einen Mann kennengelernt, der ganz zu Beginn unserer Begegnung sagte, er gehe nach Ghana, er habe dort ein Projekt. Der Gedanke hat mich fasziniert, sofort hat meine Intuition gesagt, ich solle mitgehen. Also bin ich mit.

Heisst, Sie waren bereit für etwas ganz Neues und haben etwas sehr Anderes ausgewählt.
Ich war am Anfang auch total verloren. Dort ist alles anders als hier. Es gab nichts, woran ich mich hätte halten können.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Da ich erst einmal in die Gesellschaft reinkommen musste, habe ich angefangen, oft in der Stadt unterwegs zu sein mit dem Taxi, auch um zu lernen, wie die Stadt organisiert ist. Und so habe ich die Handwerkskünste entdeckt, die so gut zu meiner Liebe und meinem Flair für Ästhetik passen. Anfangs habe ich Sachen eingekauft, in die Schweiz gebracht und geschaut, was wie läuft. Es lief ganz gut und ich habe dann damit begonnen, mein eigenes Label aufzubauen, mit meinen Designs.

Wer hat es umgesetzt?

Bevor ich meine eigene Stoffkollektion inklusive Kleider nach Zürich brachte, das war 2017, habe ich einmal nur Stoffe importiert, die waren aber nicht von mir. Die alleine haben sich kaum verkauft. Deshalb habe ich sie vernäht, zu einfachen Kimonos und Wickelröcken. Das lief gut und ich wusste, das hat Potenzial. Ich habe Kunsthandwerker gesucht für meine eigenen Designs, erst für Stoffe, dann auch für eigene Körbe. Je mehr ich in die Kultur hineingekommen bin, desto mehr Kunsthandwerker habe ich kennengelernt, desto mehr Produkte sind es geworden.

Die westafrikanische Kultur unterscheidet sich sehr von der europäischen. Hatten Sie da keine Probleme?

Es gab sehr viel zu lernen für mich. Die ghanaische Ästhetik war sehr anders als meine. Gerade Schnitte? Werden dort kaum getragen. Meine Farbkombis waren zu wenig farbig. Anfangs konn- ten die Handwerker meine Ästhetik nicht verstehen und es gab Widerstand. Ich habe lange gesucht, bis ich ein Team gefundenhatte, das offen war und meine Art, die Dinge zu machen, auch verstand. Ich habe meine Teams einige Male gewechselt bis dahin. Meine Ideen waren für viele Handwerker total abstrakt, da sie keine Berührungspunkte haben mit dem Schweizer Markt.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Handwerkern?

Am Anfang, als ich die Missstände in Ghana sah, war ich beseelt davon, etwas zur Linderung beizutragen, etwas Sinnvolles und Nachhaltiges anzustossen für die Menschen dort. Das hat sich in den sieben Jahren geändert. Am Anfang hatte ich das Typische Westler-Syndrom, dachte, ich müsse die Situation der Menschen dort mit einer Möglichkeit zum Arbeiten verbessern. Kein guter Ansatz, um nachhaltig Geschäfte zu machen! Es gab viele Geschichten, die für mich schwierig und enttäuschend waren. Mein Learning: Ich habe meine Einstellung und mein Vorgehen verän- dert, habe mein Geschäft auf Augenhöhe mit den Handwerkern aufgebaut, und zwar so, dass es für alle Beteiligten stimmt. Da hat es angefangen zu funktionieren, ich zog die richtigen Leute an, solche, die auch ernsthaft zusammen weiterkommen wollten und gute Arbeit ablieferten. Heute sind wir ebenbürtige Partner.

Wie viele Leute arbeiten für Sie?

Es sind vier Teams und rund 18 verschiedene Handwerker, die für mich gearbeitet haben. Ich habe in meinem Studio zwischen 600 und 800 Körbe pro Jahr verkauft zudem Möbel wie Stühle und Bänke und Kleider, es war eine One-woman-Show, ich habe alles selber gemacht vom Design über das Marketing bis zur Logistik. Meine Produkte habe ich zum allergrössten Teil online und in meinem Studio verkauft. Auf Zwischenhandel habe ich verzichtet. Der kostet viel und braucht viel Zeit.

Sie sind im Dezember Mutter geworden, sprechen in der Vergangenheitsform. Haben Sie aufgehört mit Ihrem Business?

Ich habe Kathrin Eckhardt Studio vorerst auf Eis gelegt. Um meinem zweiten Business mehr Raum zu geben und dies weiter zu entwickeln und Zeit für meine Familie zu haben.
Und was wird das Neue?

Channeling und Energiearbeit, ich habe 2019 damit angefangen, rausgegangen damit bin ich 2021.

Was ist das?

Ich berate Menschen, währenddem ich in Verbindung bin mit der geistigen Welt, dem Verborgenen, den Energien um uns, die wir nicht sehen, sehr wohl aber spüren können. Für mich ist das an sich nichts Neues, ich kenne das schon lang. Was dem jetzt noch mehr Aufmerksamkeit gibt, ist, dass ich gerade in der Pandemie immer mehr Mühe damit hatte, dass ich nur Geld verdienen kann mit einem physischen Produkt und das in einer Welt, in der es viel zu viele Produkte gibt. Das ist das eine. Das andere ist, dass ich versuche, in meinem Leben dahin zu gehen, wo meine Inspiration ist. Derzeit ist das, mit meinem Fähigkeiten andere zu unterstützen.

Mit der geistigen Welt in Kontakt treten heisst also Channeling. Kann man das lernen?

Ich hatte die Fähigkeit einer hohen Intuition schon immer. Das war schon als Kind so. Das ist dann recht in den Hintergrund getreten für lange Zeit. In Ghana habe ich dazu wieder den Zugang gefunden. 2019 habe ich dann eine Channeling-Ausbildung gemacht.

Und was gelernt?

Meinen Kanal bewusst ein- und auszuschalten und eine klare Kommunikation mit der geistigen Welt zu haben. Es gibt verschiedene Techniken und Tools, die mir helfen, meine Fähigkeit zu verstehen und damit zu arbeiten.

Klingt ziemlich abgespaced.

Ich weiss. Damit raus zu gehen, hat Mut gekostet. Ich, die Designerin und Geschäftsfrau, biete plötzlich etwas an, wovor viele Leute grossen Respekt haben.

Warum gehen Sie damit überhaupt in die Öffentlichkeit?

Mir selbst hat das sehr viel gebracht und das möchte ich weitergeben.

Können Sie etwas konkreter werden?

Ich kann den Körper und Menschen energetisch lesen. Verstehe ihre Veranlagungen und Problematiken und wir können diesen in der Session auf den Grund gehen. Blockaden können gelöst und Traumas aus der Sicht der geistigen Welt angeschaut werden. Channeling bedeutet, dass die universelle Energie durch michfliesst und mir die Informationen gibt, die ich für die Session brauche, um die Person bestmöglich zu unterstützen. Ich habe nicht die Perspektive einer Psychologin oder eines Psychiaters, sondern die der geistigen Welt. Das ist nochmals eine ganz andere Sichtweise auf uns, eine sehr wertvolle und hilfreiche.

Helfen meine Geister Ihnen oder Ihre Geister mir?

Ihre Geister erzählen mir über Sie und sie helfen Ihnen.

Sie lachen!

Ja, das ist etwas sehr, sehr Schönes. Und ich lache auch, weil wenn man das so erzählt, klingt es so salopp und auch etwas verrückt, ist es aber nicht. Wir alle werden geboren mit unseren Geistführern, die sich um uns kümmern und eng mit uns verbunden sind. Allein schon mit ihnen in Kontakt zu kommen, ist für viele Menschen sehr berührend und bereichernd, weil sie wissen, dass sie nicht allein sind.

Wie reagiert denn Ihr Umfeld auf Ihren neuen Beruf?

Sie kennen mich alle als jemand, der mit beiden Füssen auf dem Boden steht und nicht nur in der spirituellen Welt unterwegs ist. Für viele war es nicht überraschend, dass ich das nun anbiete. Die einen sind sehr offen, andere abwartend.

Sehen Sie denn jetzt meine Geister?

Dafür müsste ich mich erst mit Ihnen verbinden. Und ich müsste mich eintunen.

Eintunen?

Ja, ich habe gelernt, mich ein- und auszutunen. Sonst hätte ich immer diese Infos, wäre immer davon umgeben. Mir ist es sehr wichtig, sehr klar zu trennen. Ich sehe mich als Verbindung zwi- schen ihnen und dieser Realität.

Gibt es so etwas wie eine generell gültige Aussage zu den Geistführern, die um jeden Menschen herum sind?

Ja, sie sind pures Wohlwollen und voller Liebe für uns. ★

0 0 votes
Article Rating

Abo WIB in deinem Postfach Jetzt abonnieren
Die nächste WOMEN IN BUSINESS Ausgabe wird am 5.09.2024 lanciert

×
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x