Patrizia Laeri
Wirtschaftsjournalistin, Moderatorin, Unternehmerin

Patrizia Laeri war Moderatorin von „SRF Börse“ und Redaktorin „10vor10“. Zuletzt übernahm sie die die Chefredaktion bei CNN Money Switzerland. Nach dem Aus des Senders hat die mehrfach ausgezeichnete Journalistin ihre ausschliesslich von Frauen moderierte Wirtschaftssendung #DACHelles gerettet. Wir haben uns mir ihr über ihren Neustart unterhalten, wie sie ihr Format finanziert und welche Themen sie ihren Zuschauerinnen und Zuschauern präsentieren wird.

Interview: Brigitte Selden | Fotos: Valeriano Di Domenico

Im vergangenen Juli haben Sie ihre Stelle als Chefredaktorin bei CNN Money Switzerland angetreten. Nur anderthalb Monate später war sie wieder Geschichte. Der Wirtschaftssender wurde eingestellt. Sie wollten damals mit der von Ihnen konzipierten Sendung «#DACHelles» starten. Wie sah das Format aus, und wie hätte es sich von anderen Wirtschaftssendungen unterschieden?

Sie wäre deutlich weiblicher gewesen. Erstmals hätten drei Frauen über Wirtschaft berichtet und diskutiert. Und zwar drei Medienmacherinnen, Ökonominnen und Unternehmerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aber auch die Expertinnen und Stimmen in der Sendung wären deutlich weiblicher gewesen.

Was verbirgt sich hinter dem Namen «#DACHelles»?

Wir finden: der deutschsprachige Raum hat endlich eine eigene Wirtschaftssendung verdient. Deshalb «DACH». Und wir sind überzeugt, dass es höchste Zeit ist, dass Frauen über Wirtschaft sprechen. Deshalb: «elles». Wir sprechen ausserdem Tacheles – Klartext. Lautmalerisch also «#DACHelles».

Mittlerweile konnten Sie die Formatrechte aus der Konkursmasse herauslösen. Wie geht es mit «#DACHelles» nun weiter, was haben Sie geplant?

Ich produziere das Format zusammen mit meinem ehemaligen Geschäftsleitungskollegen Andreas Schaffner nun einfach selber.

Sie steigen also ein in den Entrepreneurial Journalism, sprich unternehmerischen Journalismus?

Wenn Sie so wollen. Schauen Sie, für mich war das ein Herzensprojekt. Wirtschaftsjournalismus ist kein Quotenbringer – wenn nicht gerade eine Airline groundet oder eine Grossbank gerettet werden muss. Es ist schwierig, ihn zu finanzieren. Mit dem Verschwinden von CNNMoney und der Streichung von SRFEco haben wir in der Deutschschweiz auf einmal keine wirtschaftsjournalistischen Sendungen mehr. Und das in einem der wirtschaftlich turbulentesten Jahre. In einem Pandemie-Jahr, das wirtschaftlich so vieles verändert hat. Denken Sie an die steigende Ungleichheit, an den Backlash für arbeitende Frauen, für die Vielfalt. Das hat mich beelendet. Es war für mich aber auch ein enormer Antrieb, ein eigenes Format auf die Beine zu stellen.

Wirtschaftsthemen haben in der Tat fast keine Video-Plattform mehr. Wie stellen Sie die Finanzierung Ihrer Wirtschaftssendung und Ihrer Produktionsfirma sicher?

Fernsehmachen ist sehr teuer. Trotzdem konnte ich das Funding für die ersten sechs Episoden sicherstellen. Wir diskutieren einen verantwortungsvolleren Kapitalismus in der Sendung. Wir sprechen über Vielfalt und Ungleichheit. Damit konnten wir die Technologiefirma Salesforce überzeugen. Marc Benioff, CEO von Salesforce, kämpft seit Jahren für einen inklusiveren Kapitalismus und gegen den Shareholder-Ansatz.

Haben Sie inhaltliche Vorgaben?

Nein, wir sind publizistisch völlig frei.

An welche Zielgruppen richtet sich «#DACHelles»?

Nach unserer ersten Ankündigung auf Social Media haben uns viele Menschen geschrieben, dass sie die Idee mögen und wohl zum ersten Mal eine Wirtschaftssendung anschauen werden. Das waren auffällig viele Frauen. Aber auch Männer freuen sich, wenn alte Denkmuster hinterfragt und Wirtschaft einfach und verständlich erklärt wird.

Wann und wo wird Ihre Sendung ausgestrahlt? Ist sie auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich zu sehen?

Das Internet ist global. Wir senden über unseren #DACHelles Youtube-Chanel und distribuieren das Format vor allem über unsere diversen eigenen Social Media Kanäle.

Sie setzen also ausschliesslich auf Social Media?

Da wir bereits alle drei Business Influencer in unseren Heimatländern sind, haben wir über Social Media bereits unsere eigenen Distributionskanäle und Followerpower. Die Deutsche Podcasterin und Gründerin von Global Digital Women, Tijen Onaran, gehört beispielsweise zu den 100 einflussreichsten Frauen Deutschlands, ich gehöre zu den Top100 weiblichen Wirtschaftspersönlichkeiten der Schweiz und Maggie Childs ist in der österreichischen Digital- und Start-up-Szene stark vernetzt.

Wie nachhaltig ist Ihr Projekt? Wie sieht die Zukunft von #DACHelles» aus? Wie geht es 2021 weiter?

Wir sehen uns als Medien-Pop-up-Format. Popup-Restaurants und -Läden kennt man bereits aus Gastronomie und Einzelhandel. Das kommt gut an. Menschen sind neugierig. Wenn es gut läuft, dann wollen wir auch 2021 wirtschaftlich revue passieren lassen. Für uns war klar, dass die klassischen TV-Sender alle unter Spardruck und neue Projekte in so kurzer Zeit nicht realisierbar sind. Ausserdem gibt es keinen trinationalen Wirtschaftssender. Wir passen also in kein Schema. Deswegen mussten wir selber aktiv werden. Testen, experimentieren, daraus lernen und das Format dann auch wieder anpassen. Das ist unsere Philosophie.


Über Patrizia Laeri Patrizia Laeri ist Ökonomin und war Moderatorin von „SRF Börse“ und Redaktorin „10vor10“. Zuletzt übernahm sie die Chefredaktion bei CNN Money Switzerland. Patrizia Laeri engagiert sich primär für digitale Aufklärung, technologischen Fortschritt und für die Gleichstellung von Mann und Frau im Arbeitsleben, sei dies in ihrer #aufbruch-Kolumne für Ringier oder als Beirätin des Institute for Digital Business der HWZ. 2018 initiierte sie den ersten Schweizer Edit-a-thon «Frauen für Wikipedia». 2019 gewann Patrizia Laeri gleich 3 Auszeichnungen – Wirtschaftsjournalistin, Kolumnistin des Jahres und Digital Female Leader Award.


Ausstrahlungsdaten #DACHelles, immer mittwochs:

https://www.youtube.com

 

 

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